Beiträge von vr316

    Abwerben bedeutet aus meiner Sicht im Extremfall, dass sich Vereine Adresslisten von anderen Vereinen oder Auswahlen besorgen, und dann alle Spieler anrufen und zum Wechsel überreden wollen (die Wechselabsicht ist beim angesprochenen Spieler in der Regel also nicht vorhanden). Der abgeworbene Spieler hat also keinen Bezugspunkt zum neuen Verein. Als Zugabe gibt es evtl. noch Anreize, z. B. Ausrüstung o. ä.

    Oftmals wird dabei der Heimatverein des Spielers schlechtgeredet und der eigene Verein glorifiziert. Der Wechsel ist teilweise nicht notwendig und dient nur dem Wohl des Vereins, die Interessen des abgeworbenen Spielers sind sekundär, auch wird kaum überlegt, ob der Spieler in das Mannschaftsgefüge passt.

    Dies ist aus meiner Sicht die extreme Form des abwerbens. Eine milde (und schon eher akzeptable Form) ergibt sich, wenn ein Spieler aus einem fremden Verein mit Spielern aus meinem Verein in eine Schulklasse geht und schon lose Kontakte bestehen. Wenn man dann den Spieler anspricht und ihn bittet, mal zum eigenen Training zu kommen, vielleicht gefällt es ihm besser und er wäre mit den Freunden aus der Schule zusammen, so halte ich das für vertretbarer.

    Zuletzt gibt es den Fall, wo ein Verein Auflösungserscheinungen zeigt, mehrmals schon Spieler absagen musste und Spieler in der höheren Altersklasse aushelfen müssen. Bevor dann Spieler aufhören oder sich selbst nach anderen Vereine umschauen, kann man evtl. zuerst aktiv werden und sich aus der (vielleicht sehr attraktiven) "Konkursmasse" bedienen. Hier habe ich am wenigsten bedenken, da die Spieler in ihrem Heimatverein wohl keine Zukunft gehabt hätten.

    Dazwischen gibt es viele Abstufungen, jeder Trainer und Verein muss selbst entscheiden, was er macht und wie aktiv er ist. Ich würde nie auf einen Spieler zugehen, der in einem intakten Verein mit einer akzeptablen Mannschaft spielt. Bekomme ich aber mit, dass ein guter Spieler wechselwillig ist, so würde ich wohl auch anklopfen, bevor es andere tun.

    Nun hat auch Sport1 das Thema aufgegriffen:

    "Der DHB hat damit ein Problem"

    Hat ihr die Homosexualität den möglichen Job als Bundestrainerin der Handballerinnen gekostet? Das behauptet Renate Wolf in der "Sport-Bild"

    "Ich glaube, dass der DHB deshalb ein Problem mit mir hat", erklärt die Trainerin von Bayer Leverkusen. Auch Ex-Nationaltorwart Andy Thiel gibt ihr Recht: "Es kann keine fachlichen Gründe gegeben habe."

    DHB-Vize Horst Bredemeier wehrt sich: "Das stimmt nicht." Er hält die Wahl von Armin Emrich für richtig: "Er ist ein guter Mann."

    Das Wiesbadener Tagblatt schreibt:

    Zitat

    Original von härter_schneller
    allerdings gibt's durchaus einige vereine, die hohe umfämge leisten.

    z.b. die a-jugend der krisen - sg wm ist 4 mal am start, ohne zusatztraining im erwachsenenbereich.

    Da habe ich andere Infos. Thomas Scherer, der Trainer der A-Jugend, hat mir von 2x Training und einer Ausdauer-/Krafteinheit in der Woche berichtet, außerdem können die Spieler beim Regio-Team mitmachen.

    Wobei genau Wallau für mich so ein Abwerbeverein ist. Die F- und E-Jugend spielen nicht offensiver als sie müssen und die Spielweise erinnert sehr an eine 6:0-Deckung, ab der D-Jugend wird dann mit dem Namen, Freikarten und Trainingsanzügen geworben. Dann wechseln Spieler aus der ganzen Region nach Wallau, teilweise vermitteln auch Auswahltrainer die Spieler nach Wallau (oder warum sonst wechseln 3 Hessenauswahlspieler Jahrgang 1990 nach Wallau, obwohl die momentane C-Jugend nur einen Mittelfeldplatz in der Bezirksoberliga belegt, es also in der Gegend mind. 5 bessere Teams mit besserer Perspektive gibt). In der A-Jugend kommen nur 2-3 Spieler aus dem 30 Spieler-Kader ursprünglich aus Wallau, und dann höre ich immer von der tollen Jugendarbeit der SG. :nein:

    Leider siegt hier oft die Hoffnung über den Verstand, sowohl bei Spielern als auch bei Eltern. Hier werden systematisch Vereine aus der Umgebung geschwächt, die Spielern vielleicht sogar bessere Perspektiven bieten. Und ich denke, dass bei anderen Vereinen mit einem "großen" Namen ähnliches passiert. Und aus meiner Sicht ist der Weg über die Jugendmannschaft eine BuLi-Vereins nicht sonderlich erfolgsversprechend, zumindest in frühen Jahren. Lasst die Spieler sich doch in ihren Vereinen entwickeln bis es nicht mehr geht, gute Förderung bedeutet auch immer kurze Wege. Und eine Namens-/Qualitäts-Assoziation ist bei vielen Jugendmannschaften mit einem bekannten Verein im Hintergrund leider nicht gegeben, denn das Geld wird doch lieber in die Profis gesteckt als in die Jugend. Wobei ich auch Ausnahmen (Magdeburg, Flensburg,...) kenne und würdige.

    So, jetzt ist meine Meinung gepostet, ich setzt mich jetzt wieder ans Telefon und versuche die Spieler für meinen Verein anzuwerben... :D:baeh:

    Aus dem Wiesbadener Kurier

    Zitat

    Bis 14. März muss Wallau/Massenheim eine halbe Million auftreiben - dabei sind alle Mittel recht

    Vom 03.03.2005

    Von Henning Kunz

    WIESBADEN Vielleicht haben die handballbegeisterten Scheichs aus Katar ein Herz für die SG Wallau/Massenheim und beteiligen sich spontan an der Rettung des verschuldeten Bundesligisten. Mit einer netten fünfstelligen Summe. Sechsstellig wäre hilfreicher. 545000 Euro muss das Handball-Aushängeschild der Region bis übernächsten Montag (14. März) auftreiben. Das bestätigte Gesellschafter Marc Gramm gestern dem Kurier. Tags zuvor waren die Verantwortlichen in Berücksichtigung des alten GmbH-Gesetzes davon ausgegangen, dass bereits am kommenden Montag über Sein oder Nicht-Sein der SG entschieden würde. Nun haben sie eine Woche länger Zeit, "jeden anzubaggern, der uns helfen kann", wie es Gesellschafter Timm Reichold ausdrückt. Rettungsaktionen gibt es einige: Ein "Rettet-die-SG"-Konto soll eingerichtet, unterschriebene Trikots versteigert werden. Der THW Kiel kommt zum Benefizspiel. Und Gesellschafter Gramm überlegt (nicht wirklich ernsthaft), ob er sich für eine Million Euro in den Big-Brother-Container einsperren lässt.

    Ein Deal mit den Scheichs aus Doha mag abwegig wirken, ist er aber nicht. Sicher, die Scheichs werden nichts herschenken. Sie leihen sich jedoch ab und an für den im Frühjahr steigenden "Emirs Cup" ein paar Handballstars als Aushilfe aus. Für eine fürstliche Gebühr. 2003 hatten sie Nenad Perunicic engagiert. Der Rückraumspieler entschied das Finale für den Al-Ahli-Club im Alleingang, die Scheichs hätten ihn am liebsten auf Lebenszeit in Doha gehalten. Sie boten ihm an, dass er jedes Jahr nach Katar kommen und mitspielen könnte.

    Vielleicht erinnert sich Perunicic an das Angebot und tut seinem Arbeitgeber etwas Gutes. Der ehemalige Weltklassespieler steht auf der Gehaltsliste der SG Wallau/Massenheim. Morgen (19.30 Uhr) geht Perunicic in der Ballsporthalle seinem Job nach. Heimspiel gegen Nettelstedt. Kein Spiel wie jedes andere, sagt SG-Trainer Martin Schwalb. "Wenn die Region erstklassigen Handball will, muss sie ein Zeichen setzen - dann muss die Halle aus allen Nähten platzen." Müssten also 5000 statt der üblichen 1500 Verdächtigen kommen. "Wir würden gerne jeden Einzelnen persönlich abholen", betont Pressemann Hendrik Ziegler. Besser noch, sie lassen sie einfliegen. Aus Doha, Katar.

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    Und hier die FNP

    Zitat

    Schwalb appelliert an alle Wallauer Fans
    Wallau. Als die Pressekonferenz beendet war, klingelte bei Martin Schwalb das Handy. «Lass meine Spieler in Ruhe», brüllte der Trainer der SG Wallau/Massenheim hinein. Der Gesprächspartner wusste, wie er es zu nehmen hatte. Der Anrufer war Schwalbs Kumpel Michael Roth, Trainer des Ligakonkurrenten TV Großwallstadt, der nach Jens Tiedtke gerne noch weitere Handballer des finanziell kurz vor der Insolvenz stehenden Bundesligisten in seinen Reihen sehen würde. Und wahrlich nicht nur er. «Ich appelliere an alle, meine Spieler bis Montag in Ruhe zu lassen, durch das permanente Angraben entsteht ein Chaos in den Köpfen». Schwalb hofft deshalb, dass Heimspiel am Freitag gegen die TuS Nettelstedt-Lübbecke «irgendwie über die Bühne zu kriegen». Für die Verantwortlichen der überschuldeten Spielbetriebs-GmbH, die bis Montag bekanntlich 550 000 Euro benötigt, hat die womöglich letzte Partie mit sportlicher Perspektive einen Symbolwert. «Jeder, der Sympathie mit uns hat, muss um 19.30 Uhr in die Ballsporthalle kommen», bittet Pressesprecher Hendrik Ziegler um Unterstützung.

    Es stünden einige Gespräche mit Sponsoren an und die Tür für alle offen, die finanziell helfen können, sagte Gesellschafter Marc Gramm gestern. Erste Priorität habe das Finanzamt, dass auf Lohnsteuerzahlungen von 292 000 Euro pocht. Man wolle für diese Woche einen Termin in Hofheim ausmachen, so Gramm. Eine Chance, kurzfristig an viel Geld zu kommen, besteht auch durch Ausleihgeschäfte von Spielern mit Clubs, die außerhalb Europas liegen. Nenad Perunicic wird inzwischen mit Teams aus Katar in Verbindung gebracht.

    Auch der ehemalige Wallauer Macher Bodo Ströhmann, der zur Zeit mit einer Grippe im Bett liegt, hat viel nachgedacht – und tut es immer noch. «Jede Viertelstunde kommt mir ein neuer Gedanke, ich muss aber erst mit mir selbst ins Reine kommen», sagte er. Das wurde auch im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Der Aussage «Ich würde gerne in irgendeiner Form helfen» folgte bald der Satz: «Es ist unmöglich, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die mich aufs Tiefste gekränkt haben», erklärte Ströhmann, der zu einigen Gesellschaftern ein gestörtes Verhältnis hat. (rem)

    Presseschau

    Wiesbadener Tagblatt

    "Sonst wird es zappenduster"
    SG Wallau/Massenheim steht kurz vor der Insolvenz / Frist bis Montag

    Vom 02.03.2005

    Die Schulden der SG Wallau/Massenheim sind noch etwas höher als vermutet: 1,456 Millionen Euro lasten auf dem Handball-Bundesligisten, der bis zum nächsten Montag 545000 Euro auftreiben muss. Gelingt das nicht, stellt die Spielbetriebs-GmbH einen Insolvenzantrag.

    Von Henning Kunz

    Ungemütlich ist es in dem kahlen Nebenraum des Wallauer TV-Heims. Die Rollläden sind heruntergelassen, an der Decke leuchtet nur die Hälfte der Neonröhren. Sparen scheint angesagt. Es ist empfindlich kalt, unwesentlich wärmer als draußen. Dort zeigt das Thermometer minus zwei Grad an. Drinnen ist über Nacht die Heizung ausgefallen. Und das nicht etwa, weil die Rechnung nicht bezahlt worden sei und die Gemeinde den Saft abgedreht habe, erwähnt Ralf Jahncke fast schon sarkastisch. Sein Grinsen verschwindet sofort wieder.

    Der Gesellschafter-Sprecher der SG Wallau/Massenheim sitzt nicht aus Spaß an der Freude vor der Leinwand. Ein Beamer wirft eine Menge knallharter Fakten und Zahlen an die helle Oberfläche und Jahncke bestätigt nun - nach Durchsicht der Akten - eine Schuldenlast in Höhe von 1,456 Millionen Euro (statt der zunächst vermuteten 1,277), eine akute Liquiditätslücke von 545000 Euro, die bis zum nächsten Montag geschlossen werden muss. "Ansonsten wird es zappenduster", sagt Jahncke, "wenn uns da keiner raushilft, sind wir tot." Sechs Tage, 144 Stunden oder 8640 Minuten, "um einen Weg aus dieser dramatischen Krise zu finden". Wird die halbe Million Euro in dieser kurzen Zeit nicht aufgetrieben, meldet die Spielbetriebs-GmbH der SG Insolvenz an. Jahnke, 48, gesteht: "Ich fühle mich zu jung, um mir vorwerfen lassen zu müssen, ich hätte eine Insolvenz verschleppt." Und betont, dass Wallau auf jeden Fall versuchen werde, die aktuelle Handball-Bundesliga-Spielzeit zu beenden. Unabhängig davon, was nächsten Montag passiert.

    Der Vertreter der Gesellschafter macht einen souveränen Eindruck. Er weiß, wovon er spricht. Und er wirkt optimistisch - trotz der mächtigen Schuldenlast, die bei Bülent Aksens Einstellung als Geschäftsführer im Jahr 2002 bei 850000 Euro lag, und trotz der Tatsache, dass bis zum 15. April Forderungen in Höhe von 495000 Euro eingetrieben werden müssen, bis zum 30. Juni noch einmal eine halbe Million Euro fällig wird.

    Er sei seit kurzem sogar guter Hoffnung, "dass wir das packen", sagt Jahncke. Kosten in Höhe von 350000 Euro würden eingespart, weil sich die Spieler bereit erklärten, finanzielle Abstriche zu machen. Im Übrigen sollen die ausstehenden Dezember-Gehälter bis Ende dieser Woche an die Bundesliga-Recken überwiesen werden. An die Zahlungen für Januar und Februar ist noch nicht zu denken - "der Dezember wird schon ein Kampf, doch jedes freie Geld geht in diese Richtung." Auf der Kostenseite schaffe man das allemal, sagt Jahncke, "auf der Einnahmenseite sind wir dramatisch weit weg". Weit entfernt von der halben Million.

    Planen könne die SG mit dem Benefizspiel gegen Kiel und zwei Sponsorenverträgen in Höhe von 75000, wie Gesellschafter Timm Reichhold bestätigt. Alles andere ist noch nicht spruchreif. Jahncke: "Klarheit war uns wichtig. Wir kriegen keine Einnahmen, wenn ein potenzieller Sponsor nicht weiß, mit dem wem er es überhaupt zu tun hat."

    Gesprochen wird auf allen Ebenen. Mit Wirtschaftsleuten. Mit Politikern. Mit dem Finanzamt Hofheim, bei dem Lohnsteuer-Zahlungen von 292000 Euro ausstehen. Mit jenen Spielern, die im Fall der Rettung gehalten werden sollen. Mit Trainer Martin Schwalb, der einen unterschriftsreifen Vertrag von einem Bundesligakonkurrenten vorliegen hat, zudem das Angebot, bei der "sanierten" SG im sportlichen Bereich zusätzlich die Managerfunktion zu übernehmen. Heißt konkret: Ein neuer Manager würde eingespart werden, der "sportliche Direktor" Schwalb drei, vier Stunden in der Geschäftsstelle arbeiten (Schwalb: "Wenn ich´s mache, bin ich ab 8.30 Uhr für euch da"), die Verhandlungen führen, sich um das operative Geschäft kümmern - auch freilich weiterhin um das Training der Bundesliga-Mannschaft.

    Mit Gesellschafter Volkmar Rohr und dessen Potsdamer Rechtsvertreter Dieter Graefe wird sich Jahncke am Wochenende zusammensetzen. Graefe habe signalisiert, so Jahncke, dass ein Insolvenzantrag seines Mandanten kein Thema sei, dass Rohr ein offenes Gespräch schätze.

    Vielleicht werden die Gesellschafter über einen in dieser Woche aufgetauchten Kontrakt reden. Inhalt: Der gekündigte Manager Bülent Aksen - erhielt im November von den Gesellschaftern zwei Abmahnungen, mit der zweiten die Androhung einer fristlosen Kündigung - verscherbelte am 8. Februar die Pokalrechte bis 2008 für 120000 Euro an Rohrs Lebensgefährtin. "Wir blättern durch die Verträge - auf einmal ein Riesenschrei. Niemand wusste davon, alle waren geschockt. Das wäre nachträglich ein fristloser Kündigungsgrund", sagt Jahncke. Ein schlechter Scherz. Wallau hat allein im Pokaljahr 2002/2003 mehr eingenommen (121840 Euro), als nun für vier Spielzeiten garantiert sein soll. Jahncke verspricht: "Wir werden das prüfen." Viel Zeit bleibt nicht mehr.


    PS: Ein Artikel über die SG findet sich auch bei [URL=http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,344259,00.html]Spiegel Online[/URL]

    Dramatische Schuldenfalle: Wallau braucht bis Montag 500 000 Euro
    Von Rainer Fülscher, dpa

    Wallau (dpa) - Die Existenz bedrohende Lage des Handball-
    Bundesligisten SG Wallau-Massenheim hat sich dramatisch verschärft.
    Bis Montag muss der zweimalige deutsche Meister rund eine halbe
    Million Euro auftreiben, um die drohende Insolvenz und den damit
    verbundenen Verlust der Spiellizenz abzuwenden. „Sonst wird es
    zappenduster“, sagte der Sprecher der Wallauer Spielbetriebs-GmbH,
    Rolf Jahncke, am Dienstag bei einer Pressekonferenz.
    Sollte die Summe bis dahin nicht aufgebracht werden können, müsste
    die GmbH Insolvenz anmelden, um eine Konkursverschleppung zu
    vermeiden. Bis zum 10. März müssen bei der Handball-Bundesliga (HBL)
    die wirtschaftlichen Unterlagen eingereicht werden. Die aktuelle
    Überschuldung gab Jahncke mit rund 1,45 Millionen Euro an, die ohne
    Eingriff der Gesellschafter bis zum Saisonende auf rund 1,75
    Millionen Euro wachsen würde. Noch am Samstag hatten der fristlos
    gekündigte Geschäftsführer Bülent Aksen und der Hauptgesellschafter
    Volkmar Rohr die Überschuldung mit 1,277 Millionen Euro angegeben.
    Allein bei der Stadt Hofheim sind 292 000 Euro Steuerschulden fällig.
    „Zur Sicherung der Liquidität benötigen wir 550 000 Euro bis
    spätestens 15. März. Die Außenstände von 495 000 Euro müssen bis zum 15. April eingetrieben sein und das betriebswirtschaftliche Ergebnis
    bis zum 30. Juni um eine Million Euro verbessert werden“, erklärte
    Jahncke die brisante Situation, an der dem ehemaligen Handball-
    Torwart Aksen sowie Rohr erhebliche Anteile zugeschrieben werden.
    Der diplomierte Architekt Rohr hatte nach eigenen Angaben im Jahr
    2004 rund 600 000 Euro für knapp 70 Prozent GmbH-Anteile und eine
    geplante Kapitalerhöhung von 400 000 Euro gezahlt. „Die
    Kapitalerhöhung ist nicht erfolgt und entsprechend nicht im
    Handelsregister eingetragen worden, weil dafür nur 200 000 Euro
    eingegangen sind“, sagte Jahncke. Damit sei weiterhin der alte
    Gesellschaftervertrag wirksam, der allen Beteiligten ein Ein-Stimm-
    Recht sichert und Rohr nicht die absolute Mehrheit gestattet.
    Außerdem hatte Rohr einen Werbevertrag mit der GmbH abgeschlossen, für deren Rechte er 550 000 Euro bezahlen wollte. Laut Jahncke sind bisher dafür nur 188 500 Euro geflossen. Die Gesellschafter legten am Dienstag einen Sanierungsplan vor, der den Spielbetrieb auch für die nächsten Saison sichern soll. Zu den Eckpunkten gehört eine Kostensenkung von 350 000 Euro, die angeblich Einsparungen bei den Spieler-Gehältern um 20 Prozent und Verzichts-Appelle an die Gläubiger beinhaltet. Die Stadt Frankfurt als Eigentümerin der Ballsporthalle hat laut Jahncke wie auch andere Gläubiger schon Bereitschaft gezeigt.
    „Wir haben ein offenes Gespräch mit der Mannschaft und allen
    Beteiligten geführt, um einen Weg aus der Krise zu finden“, sagte
    Jahncke. Die Mannschaft, die wie Trainer Martin Schwalb seit Dezember
    kein Gehalt mehr bekommen hat, zeigte sich solidarisch. Für Schwalb,
    der seinen bis 2006 laufenden Vertrag per Option zum 30. Juni 2005
    gekündigt hatte, ist eine weitere Beschäftigung nur dann denkbar,
    wenn bis zum 13. März die Sanierung der SG sicher gestell ist. Der
    41-jährige Coach, der seit 15 Jahren für die SG arbeitet, hat einen
    unterschriftsreifen Vertrag eines anderen Bundesligisten vorliegen.

    Bin mal gespannt, ob die Fans jetzt am Freitag gegen Nettelstedt zur Unterstützung in die Halle strömen. Wenn jetzt nicht als Trotzreaktion mindestens 2500-3000 Zuschauer in der Halle sind, dann sollte man mal darüber nachdenken, ob die Situation der SG wirklich jemanden in der Rhein-Main-Region interessiert. Wenn wieder nur 1500 Leute in der Halle sind, davon wieder viele Freikartengesichter, dann wäre vielleicht ein Neuanfang doch der bessere Weg. Natürlich können Gönner jetzt 500.000 Euro zuschießen, aber warum der Aufwand. Für eine leere Halle und um ein zerstittenes Management zu unterstützen?

    Die hauptsächlich Leidtragenden sind die Spieler mit ihren Familien, die Angestellten der SG und die Fans, die mit auf Tour gehen und die Helfer, die ohne großen Dank die Aufbauarbeiten bei Heimspielen übernehmen. Aber die Zuschauer, die nur in die Halle gehen, wenn die Stars kommen (Kretsche, Hens, Kehrmann,...) und dann nur zuschauen, nicht mitfiebern, für die lohnt sich eine Rettungsaktion nicht. Für mich hat Wallau in Frankfurt keine Zukunft, da wirft man jetzt nur gutes Geld schlechtem hinterher.

    Das Hauptproblem ist doch, dass eine ROTE KARTE generell keine Sperre mehr nach sich zieht, wenn sie wegen eines groben Fouls geschieht. Nur wenn der Griff in den Arm oder die Abwehr ins Gesicht härter bestraft wird als die Reaktion "Was soll das, du Idiot?", ist mein Gerechtigkeitsgefühl befriedigt. Denn warum darf der Spieler, der dem Gegner die Schulter auskugelt oder eine Platzwunde zufügt (egal ob absichtlich oder nicht) im nächsten Spiel wieder mitmachen, der Mitspieler oder Trainer, der ob solch einer Aktion sich aber im Ton vergreift, aber nicht?

    Deshalb: Mindestens ein Spiel Sprerre bei jeder Disqualifikation aus dem Spiel heraus, dann ist die Diskussion um Sperren nach DQ in der letzten Minute hinfällig und Handball fairer und transparenter.

    Und hier die Presseschau der Region vom 1. März (manchmal glaubt man, es wäre der 1. April):

    Hofheimer Zeitung

    Gehen heute die Lichter aus?
    SG W/M vor Insolvenz - Sofortiges Saisonende droht

    Vom 01.03.2005

    WALLAU (jo) - Flörsheim am Samstagmittag: High non in Eppsteiner Straße? Im ansonsten so ruhigen Neubauviertel - einmal abgesehen vom gelegentlichen Fluglärm - tummeln sich Dutzende von Reportern, Fotografen und Fernsehteams. Die großzügig geschnittene Wohnung von Volkmar Rohr, seines Zeichens mit einem Anteil von knapp 70 Prozent Hauptgesellschafter des klammen Handball-Bundesligisten SG Wallau/Massenheim, lässt zusätzliche Sitzmöglichkeiten ankarren. Man merkt und spürt förmlich die Anspannung der drei Hauptdarsteller am schmucken Marmortisch. Für den am Dienstag entlassenen Manager Bülent Aksen, der sich noch immer rein formal im Amt sieht, Volkmar Rohr und dem extra aus Berlin eingeflogenen Rechtsanwalt und früheren Handball-Halbprofi, geht es nicht nur um die fast nicht mehr mögliche Rettung des zweifachen Deutschen Meister, Europacupsiegers und mehrfachen Pokalsiegers. Es geht auch um die persönliche Rehabilitation für Aksen und Rohr, die von den noch verbliebenen neun anderen Gesellschaftern zum alleinigen Sündenbock der Finanzkrise abgestempelt werden. Aksen und Rohr kämpfen um ihren Ruf, insbesondere Architekt und Ingenieur Volkmar Rohr steht nach einem "skandalösen Artikel in der Bild-Zeitung" (Originalton Rohr) mit dem Rücken zur Wand. "Es ist nichts, aber auch gar nichts dran an den Vorwürfen, gegen mich würde wegen Körperverletzung und wegen mangelhafter Bauausführungen ermittelt. Ich hoffe nur, dass nun die Richtigstellung in dieser Zeitung sich nicht nur auf zwei Zeilen bezieht, ansonsten werde ich wegen Rufschädigung rechtliche Schritte einleiten". Auch auf einige Frankfurter Tageszeitungen ("eine hat mich ohne Fragezeichen als Blender tituliert") ist der hemdsärmlige Self-made-man nicht gut zu sprechen. "Ich habe nachweislich knapp 700000 Euro in den letzten zehn Monaten in die SG Wallau/Massenheim investiert", präsentiert Rohr im Blitzlichtgewitter der Kameras die Einzahlungsbelege. Geld, das möglicherweise zum "Fenster herausgeschmissen" war. "Ich sehe die riesengroße Gefahr, das durch die größtenteils total einseitige Negativ-Berichterstattung die Gefahr der sowieso drohenden Insolvenz beträchtlich erhöht. Hoffentlich verliert jetzt keiner der Gläubiger die Nerven", sieht Rechtsanwalt Dieter Graefe (Berlin) die "konkrete Gefahr einer sofortigen Insolvenz". Im Klartext würde bereits die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens das sofortige Erlischen der Bundesligalizenz bedeuten, die Partie gegen den SC Magdeburg würde als das letzte Spiel in der über 20-jährigen Erstligageschichte des bisherigen MTK-Aushängesschildes eingehen. Insbesondere beim Nachbarn HSG D/M Wetzlar sieht man die Entwicklung mit Argusaugen, soll doch ausgerechnet mit dem Hessenderby am 13. März die neue Halle in Wetzlar eingeweiht werden. Aber auch die gesamte Liga würde unter dem Ausfall der Panther leiden. Die Außendarstellung der "weltbesten Liga" bekäme eine erneute Delle nach dem "Fall Hamburger SV", außerdem müssten sieben Vereine die Einnahmen aus den noch anstehenden Heimspielen gegen Wallau in den Wind schreiben. "Und eins ist doch klar, ohne die SG würde die Liga weiter an Attraktivität verlieren", meinte Ehrenpräsident Bodo Ströhmann erschüttert von der neusten Entwicklung. Eine Entwicklung, die sich bereits seit sechseinhalb Jahren andeutete. "Wenn man die Zahlen richtig interpretiert, wandelt die SG schon seit Ende 1998 am Rande einer Insolvenz", sprach Graefe Klartext. Der derzeitige Schuldenstand von 1,27 Millionen Euro (wir berichteten) ist nach den Ausführungen von Aksen, der noch keine schriftliche Kündigung vorliegt, fast auf die Kommastelle zahlengleich mit dem Kontostand bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren. "Man kann mir vorwerfen, diese Schulden nicht abgebaut zu haben. Aber ich habe den Verein nicht an die Wand gefahren, die wirtschaftlichen Sünden sind seit Jahren aufgelaufen. Ich werde hier wie ein Schwerverbrecher hingestellt. Meine Kinder werden in der Schule beschimpft, ihr Vater sei ein Lügner".

    Die größte Gefahr sieht Graefe in einem Insolvenzantrag von Spielervermittler Wolfgang Gütschow, dem die SG noch knapp 60000 Euro schuldet. Gütschow hat offensichtlich seine Klienten - rund ein halbes Dutzend SG-Spieler bedienen sich seiner Dienste, darunter auch der zum Saisonende zum TV Großwallstadt wechselnde Nationalspieler Jens Tiedtke - schmackhaft gemacht, sich neue und potentere "Brötchengeber" zu suchen.

    Unmittelbar nach der turbulenten und von viele Emotionen überlagerten Pressekonferenz in Flörsheim eilte der Pressetross geschlossen in die Geschäftsstelle nach Wallau. Der derzeit starke (?) Gesellschafts-Sprecher Ralf Jahncke will sich in den nächsten Tagen mit Gütschow "kurzschließen". Die eigentliche Gefahr sieht Jahncke, der in den vergangenen Jahren nicht immer eine glückliche Figur in Sachen SG abgab und mitverantwortlich für den Absprung des langjährigen Hauptmäzens Harald Scholl war, jedoch in den Schulden beim Finanzamt Hofheim. "Die sind knallhart, lassen bisher nicht mit sich sprechen. Von anderen Gläubigern haben wir bereits positive Signale erhalten, jedoch nicht vom Finanzamt. Es geht hier doch nicht nur uns Geld, viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Ich hoffe auf eine menschliche Entscheidung", macht sich Jahncke nach der Entwicklung beim Fußball-Nachbarn Eschborn noch Hoffnungen. 292000 Euro schuldet die SG dem Finanzamt, weitere 16 Gläubigeransprüche hat ein von Jahncke eingesetzter Wirtschaftsprüfer festgestellt.

    Wirbel gibt es um den (vergeblichen) Versuch, die Lizenz und die Vermarktungsrechte nach Braunschweig zu verkaufen. Rohr und Aksen bestreiten vehement diese Vorwürfe. Jahncke besitzt angebliche Beweise für "den Versuch, die SG in den Konkurs zu treiben und dann die Lizenz nach Braunschweig zu verscherbeln". Warum aber hat Volkmar Rohr erst soviel Geld in den Verein gesteckt, nachdem einige seiner Gesellschaftskollegen selten nicht über Lippenbekenntnisse oder weitaus geringere Kapitaleinlagen hinaus kamen? Viele offene Fragen bei den Panthern, die sich eine wenig schöne "Schlammschlacht" leisten. "Scio non scio: "Ich weiß, das ich nichts weiß". Leider besitzt Wallau/Massenheim keinen Sokrates, bei diesem angerichteten Chaos blicken selbst Experten nicht mehr hundertprozentig durch. Nächster Auftritt ist am morgigen Dienstag mit einer Pressekonferenz. Normalerweise für das Heimspiel am Freitag gegen TuS Nettelstedt, der sportliche Aspekt dürfte jedoch - falls überhaupt noch notwendig - nur ein Mauerblümchendasein fristen. Ein kleiner Trost bleibt den Panthern bei einem möglichen Lizenzentzug: Man fällt nichts ins Bodenlose. Das "Auffangbecken" befindet sich "nur" zwei Klassen tiefer mit der zweite Mannschaft in der Regionalliga.


    Wiesbadener Tagblatt:

    Tag der ersten Offenbarung
    SG Wallau/Massenheim: Insolvenzantrag ruht / Weitere Forderungen

    Vom 01.03.2005


    Handball-Bundesligist SG Wallau/Massenheim ist der Lebensfähigkeit einen Schritt näher gekommen. Spielerberater Wolfgang Gütschow hat seinen Insolvenzantrag gegen den Club zurückgezogen. Heute will die SG eine erste Bilanz ihrer Aufräumarbeiten vorlegen.

    Von unserem Mitarbeiter Ulrich Schwaab

    Die Zeit drängt und noch ist die Zukunft der SG Wallau/Massenheim nicht gesichert. Doch eine Woche nach dem Aus für Geschäftsführer Bülent Aksen wollen die Gesellschafter heute die Bilanz ihrer Aufräumarbeit präsentieren. Dabei kommen ihnen einige Faktoren zur Hilfe, die hoffen lassen. Zum einen hat Wolfgang Gütschow seinen Antrag auf Insolvenz ruhen lassen. Der Spielerberater hatte diesen Antrag vorsorglich gestellt, "damit nicht Volkmar Rohr oder Bülent Aksen diesen Schritt vollziehen, was zum Verlust der Lizenz und mithin aller Arbeitsplätze geführt hätte". Zum anderen sollen die Spieler bereit sein, auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten, damit die SG überleben kann. Gestern Abend sind die Bundesliga-Handballer über das Sanierungskonzept und den Ist-Zustand bei der SG Wallau informiert worden. Die Einigung mit Gütschow lobte Gesellschafter Ralf Jahncke als "gutes Paket", das beide Parteien miteinander geschnürt haben. Beide Seiten garantieren einander, dass die Abmachungen eingehalten werden.

    Die 60 000 Euro, die Wallau Gütschow schuldig sind, reichen in das Lizenzierungsverfahren der Saison 2003/2004 zurück. Im Sommer 2003 half der Pirmasenser Spielerberater dem Bundesligisten, die Lizenz für die letztjährige Saison zu sichern. "Ich habe Aksen einen Gefallen getan, damit Wallau die Spielberechtigung erhält", sagt Gütschow heute. Seitdem warte er auf das Geld, das er weder durch einen Vollstreckungsbescheid, noch durch den Besuch des Gerichtsvollziehers eintreiben konnte. "Totstellungsreflex" nennt Gütschow das, was er bei der SG bis vor einer Woche vorgefunden hatte.

    Ob die Chancen auf "Leben im Ländchen" seither gestiegen sind, kann noch niemand konkret abschätzen. Nicht nur beim Finanzamt Hofheim soll die SG in der Kreide stehen, offenbar gibt es auch aus dem Wiesbadener Finanzamt Forderungen an den hessischen Erstligisten. Der musste im letzten Jahr bereits die Gehälter der Monate Juli, August und September in bar auszahlen, weil allem Anschein nach das entsprechende Konto gesperrt war, von dem die Gelder hätten überwiesen werden sollen. Außerdem soll die SG auch beim Hamelner Spielerberater Uwe Zimmer in der Kreide stehen.

    Auch jetzt werden die Spieler Opfer bringen müssen. "Wir werden nicht drum herum kommen, auf Geld zu verzichten", sagt Mannschaftskapitän Andreas Rastner. Doch die Frage ist, wie lange die Mannschaft noch geschlossen zu ihrem bisherigen Arbeitgeber stehen wird. "Es gibt Spieler, die müssen für ihre Familien sorgen", ahnt Rastner, dass die Marktgesetze auch bei den Handball-Profis bald greifen könnten.

    So liegen Jan-Olaf Immel zwei Angebote vor. Angeblich möchten der TV Großwallstadt und Zweitligist Kronau den Rückraumspieler verpflichten. Auch Heiko Grimm, Jan Henrik Behrends und Einar Örn Jonsson liegen Angebote aus der Ersten Liga vor. "Es hat nicht jeder die gleiche Haltung", bemerkt Berater Gütschow viel sagend.

    Wichtig für Spieler und etwaige Sponsoren wäre es, zu wissen, wer bei der SG am Ruder ist. Volkmar Rohr als Mehrheitsgesellschafter oder aber die Gruppe der restlichen Gesellschafter. Letztere sind es, wenn Ralf Jahnckes Auffassung Recht bekommt. Ein Notar habe der SG nochmals bestätigt, dass Rohrs Mehrheitsgesellschafter-Status hinfällig sei. "Es ist nichts im Handelsregister eingetragen", liefert Jahncke als zusätzliche Begründung. Immerhin: Ein neuer Sponsor soll bereit sein, 50 000 Euro in die SG Wallau/Massenheim zu investieren, die Stadt Frankfurt will dem Verein entgegen kommen und der THW Kiel will möglichst schnell zum Benefizspiel in Hessen antreten.

    Diese Nachrichten lassen zumindest hoffen, dass Wallaus Ruf in der Branche noch nicht vollends ruiniert ist. Ob das reicht, um zu überleben, wird sich heute erstmals zeigen.

    Und hier ein Bericht aus der FNP:

    Die SG Wallau/Massenheim steht am Abgrund
    Von Thorsten Remsperger

    Wallau. Im «Ländche», der bisher für erstklassigen Handball bekannten Region bei Wiesbaden, werden die Nebelschwaden immer dicker. Ein Gemisch aus Lügen, Halbwahrheiten und angeblich wasserdichten Beweisen der zerstrittenen Verantwortlichen umgibt die SG Wallau/ Massenheim. Nach zwei Pressekonferenzen am Samstag, zunächst von Volkmar Rohr und Bülent Aksen, später von den Spielbetriebs-Gesellschaftern um Ralf Jahnke, sind deren Funktionen im Zusammenhang mit der Spielgemeinschaft völlig unklar. Fakt ist, dass die SG dicht am Abgrund steht. 292 000 Euro Lohnsteuerzahlungen an das Finanzamt Hofheim und 60 000 Euro von Spielerberater Wolfgang Gütschow, dessen Firma einen Fremdinsolvenzantrag stellte, müssen mindestens kurzfristig bezahlt werden, damit die Spielbetriebs-GmbH nicht Insolvenz anmelden muss. Dies würde das Aus für die Bundesliga-Mannschaft und den Abstieg in die Regionalliga Südwest bedeuten, wo derzeit die 2. SG-Mannschaft spielt.

    Laut Aksen, dem (ehemaligen?) geschäftsführenden Manager, ist die GmbH mit 1,277 Millionen Euro verschuldet. Als er den Verein vor zwei Jahren übernommen habe, «lag die Verschuldung bei 1,29 Millionen Euro». Er selbst habe den Verein also «nicht vor die Wand gefahren». Der Berliner Rechtsanwalt Dieter Gräfe, der Aksen und Rohr vertritt, dazu: «Mit den mir vorgelegten Zahlen ist die SG seit sechseinhalb Jahren nach kaufmännischen Prinzipien insolvent.»

    Wie Aksen behauptet auch der (ehemalige?) Hauptgesellschafter Rohr, weiter im Amt zu sein. Er habe eine notariell abgesicherte Stammkapitalerhöhung von 400 000 Euro gezeichnet, im Juli und November je 200 000 Euro gezahlt, um knapp 68 Prozent der GmbH-Anteile zu erhalten. Diesen Vorgang bezeichnet Jahnke im Namen der restlichen Gesellschafter jedoch weiter «als schwebend unwirksam». Man habe sich das von einem Notar absichern lassen, von der vereinbarten Summe seien laut Buchhaltung nur im November 200 000 Euro geflossen. Die Wahrheit in diesem Fall ist entscheidend: Besäße Rohr die Mehrheit, hätten die anderen Gesellschafter in der Versammlung am 21. Februar, bei der Rohr verhindert war, die Entlassung des geschäftsführenden Managers Aksen nicht beschließen dürfen. Weil Gräfe von Rohrs Status überzeugt ist, verkündete der Anwalt, dass Aksen rein rechtlich noch im Amt sei.

    Aksen behauptet, er habe keine Kündigung erhalten. Jahnke und Co. sagen, sie hätten Aksen nicht angetroffen und das Schriftstück daher unter Zeugen am Freitag in dessen Briefkasten geworfen. Dass Aksen trotz einer angeblichen Krankheit am Tag der wichtigen Gesellschafter-Versammlung (21. Februar) nicht anwesend war, begründete er mit einem neuen Wirtschaftskonzept, an dem er mit Rohr und Gräfe gesessen habe. Mit den für die Lizenz verantwortlichen Trägervereinen TV Wallau und TuS Massenheim sei schon darüber gesprochen und der Liga angekündigt worden, eine neue Träger-GmbH zu gründen und innerhalb von zwei Jahren «beide Gesellschaften zu gesunden». Der vermutete Lizenzverkauf nach Braunschweig sei gar nicht möglich, weil dazu nur die Trägervereine befugt seien. In Braunschweig habe man mit den Betreibern der Volkswagen-Halle nur über die Verlegung einzelner Spiele verhandelt.

    Jahnke hat andere Informationen: «Die Vorsitzenden der beiden Trägervereine haben uns von Gesprächen mit ihnen am 4. und 11. Februar mitgeteilt, dass die alte GmbH in Konkurs gehen, eine neue gegründet werden und die Lizenz nach Braunschweig verkauft werden soll. Nach Bundesgesetzbuch ist es sittenwidrig, eine GmbH kaputt gehen zu lassen, außerdem sollte hinter unserem Rücken Verrat an der Region begangen werden.» Auf der Geschäftsstelle lägen inzwischen 17 Vollstreckungsbescheide wegen ungezahlter Rechnungen vor. Rohr habe Rechnungen gerne in bar beglichen, auch bei Spielern und Geschäftspartnern der SG. «Überweisungen dauern einfach länger, er hat es ja quittieren lassen», versuchte Aksen zu dämpfen. Schwarzgeld sei nie geflossen, es gäbe auch keine «schwarzen Konten». Vielmehr hätten Jahnke und Co. eine Revolution gestartet.

    Immerhin: Mindestens 489 000 Euro – diesen Betrag nannte Jahnke – hat Rohr, der seit zehn Monaten SG-Gesellschafter ist, in die Spielbetriebs-GmbH investiert. Laut Rohr sind es hingegen «weit mehr als 600 000 Euro» – zum Beispiel durch das November-Gehalt für die Spieler (84 000 Euro) und die Hallenmiete an die Stadt (30 000 Euro). Ganz nebenbei: Als Architekt soll Rohr schon mit einer seiner Firmen in Konkurs gegangen sein.

    Wie immer der Status von Rohr ist: «Wir verfahren nach einer dualen Strategie, planen also auch unabhängig von Herrn Rohr, aber wir freuen uns, wenn er auf die Sitzungen kommt», verkündete Jahnke. Am Dienstag möchten die Gesellschafter alle Zahlen, darunter die Nettoverschuldung, auf den Tisch legen. Bis zum 7. März muss der Entschluss gefallen sein, ob Insolvenz beantragt wird oder nicht.

    Spielerberater Gütschow verkündete, es gebe Gespräche wegen der Zurücknahme seines Fremdinsolvenzantrages. Am 7. Januar habe er diesen zum Schutz der Lizenz gestellt, damit die Geschäftsführung nicht dazu verpflichtet gewesen wäre, wegen Zahlungsunfähigkeit selbst Insolvenz zu beantragen. Gütschow verhandelt derzeit mit Jahnke und Rohr. Der Grund: «Ich weiß nicht mehr, wer die SG vertritt.»

    Beginnen wir mal wieder mit der beliebten täglichen Presseschau...

    Aus dem Wiesbadener Tagblatt:

    Bei Wallau/Massenheim brennt der Baum lichterloh
    Handball-Bundesligist hat über eine Million Schulden, so dass die Insolvenz droht / Rohr: "Habe über 600000 Euro investiert"

    Vom 28.02.2005

    "Wenn jetzt nicht alle an einem Strick ziehen, werden wir es nicht schaffen." Ralf Jahncke, Gesellschafter-Sprecher der SG Wallau/Massenheim, weiß, wovon er im Überlebenskampf des Handball-Bundesligisten spricht.

    Von unserem Redaktionsmitglied Volker Eckhardt

    Am Samstag zogen alle jeweils zwei Stunden lang nach Kräften an dem Tau. Haupt-Gesellschafter Volkmar Rohr, der entlassene Geschäftsführer Bülent Aksen und deren Berliner Rechtsberater Dieter Graefe einerseits sowie Ralf Jahncke, Marc Gramm und Hendrik Ziegler andererseits. Ihr einziges Handicap: Die beiden Lager zogen in die entgegengesetzte Richtung, was für die SG bis zum 7. März tödlich enden kann, falls sie Insolvenz anmelden muss und damit sofort die Bundesliga-Lizenz verliert.

    Volkmar Rohr hat nicht nur 200000 Euro investiert, es waren gar 667344. Diese Summe bestätigte Jahncke, fügte aber hinzu: "100000 hat er für die Anteile der ausgeschiedenen Gesellschafter Harald Scholl und Bodo Ströhmann bezahlt. Die flossen schon mal gar nicht der SG zu. Er hat aber zudem noch 178000 Euro der Kasse entnommen."

    "200000 nicht angekommen"
    Rohr und Graefe schworen Stein und Bein, nicht nur am 22. November, sondern auch schon im Juli vergangenen Jahres jeweils 200000 Euro über die Taunus-Sparkasse dem SG-Konto zur Erhöhung des Kapitalstocks zugeführt zu haben. Jahncke: "Von der Juli-Zahlung wissen wir nichts. Aus dem Vermarktungs-Vertrag stehen uns monatlich 137500 von Volkmar Rohr zu. Es wären also seit November 550000 Euro fällig gewesen. 367344 sind aber nur einbezahlt worden."

    Letztlich entscheiden jetzt die 200000 Euro aus dem Juli darüber, ob Volkmar Rohr rein rechtlich die Mehrheit der Gesellschafter-Anteile von 67 Prozent erreicht hat. In diesem Fall wäre die Aksen in den Briefkasten gesteckte Entlassung als Geschäftsführer unwirksam. Dieter Graefe ist sicher: "Er ist noch im Amt." Ganz anders die Sichtweise Ralf Jahnckes: "Es wird im Gesellschafter-Kreis nicht nach Prozent-Anteilen, sondern nach wie vor nach Köpfen abgestimmt. Danach hat Volkmar Rohr nur eine von neun Stimmen. Bülent Aksen ist fristlos entlassen und wird es auch bleiben."

    17 Mal Mahnstufe
    17 Forderungen in der Mahnstufe liegen der SG vor. Die dicksten sind 292000 Euro Lohnsteuer-Ansprüche des Finanzamtes Hofheim und 60000 vom Pirmasenser Spielervermittler Wolfgang Gütschow, dessen frühere schweizerische Firma Dawai Insolvenzantrag über das SG-Vermögen gestellt hat. Dieter Graefe: "Wenn es da keine Einigung in letzter Minute gibt, kann das Schicksal der SG schon diese Woche besiegelt sein."

    "SG schon lange insolvent"
    Bülent Aksen bezifferte den Schuldenstand bei seiner Amtsübernahme vor zweieinhalb Jahren mit 1,29 Millionen und den gegenwärtigen mit 1,277 Millionen. Dieter Graefe kam zu dem Schluss: "Die SG Wallau/Massenheim ist seit sechseinhalb Jahren aus kaufmännischer Sicht so gut wie insolvent, nicht aus strafrechtlicher." Jahncke hielt dagegen: "Wir haben, wenn auch oft mit Verzögerung, immer alle Gehälter und Rechnungen bezahlt."

    Regelrecht aus der Haut fährt Volkmar Rohr, wenn er in Zusammenhang mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gebracht wird. "Ich habe ein reines Gewissen, bei mir ist kein Staatsanwalt im Spiel." Bei der SG offenkundig auch nicht. Dafür dreht über ihr der Pleitegeier seine Runden.

    Die Braunschweig-Nummer
    Ein delikates Kapitel ist Aksens und Rohrs Auftritt in Braunschweig. Geplant war nach ihrer Version, dort das Spiel gegen Hamburg auszutragen, weil die Höchster Ballsporthalle nicht zur Verfügung stand. Auch die Partie gegen Magdeburg hätte über die Braunschweiger Bühne gehen können, um, so Aksen, "Geld in die Kasse des Wirtschaftsbetriebes Wallau/Massenheim zu bringen". Ganz anders hört sich das aus Jahnckes Mund an: "Die wollten die Spiel- und Betriebs-GmbH Konkurs gehen lassen, die Bundesliga-Lizenz nach Braunschweig verkaufen und die Spieler dorthin verfrachten. Das ist Verrat an der Region! Jetzt sind Aksen und Rohr zurückgerudert." Für Rechtsanwalt Graefe ein absurder Gedanke: "Über die Lizenz können nur die Inhaber verfügen. Das ist nicht die GmbH, sondern die beiden Vereine Wallau und Massenheim. Die Lizenz konnte daher gar nicht verkauft werden. Es sollte vielmehr eine zweite Träger-Gesellschaft aufgebaut werden, die für Sponsoren aus steuerlichen Gründen interessant gewesen wäre. Wir wollten also Herrn Eichel an der Sanierung der SG Wallau/Massenheim beteiligen. Nach zwei Jahren wären beide Betriebs-Gesellschaften gesund gewesen."

    Kein Schulterschluss
    Ein Schulterschluss der beiden SG-Lager ist derzeit kaum möglich. Für Ralf Jahncke ist der Fall Aksen ein für allemal erledigt. Für Rohr steht die Tür noch offen, "doch wir streben die Trennung an, wenn er der SG Schaden zufügt." Volkmar Rohr hat am 7. Januar 82378 Euro für die November-Gehälter der Spieler bar berappt, am 18. Februar aber die Überweisung des Dezember-Salärs storniert, "weil ich es nicht nötig habe, dass ich für mein Engagement auch noch von allen Seiten Fußtritte bekomme. Ich lasse mich nicht verleumden, denn ich habe keinen Dreck am Stecken."

    Bülent Aksen war der Blamierte, denn ihn erreichte die Storno-Nachricht nicht mehr, so dass er zwei Tage später im Hessen-Fernsehen davon ausgehen durfte, dass die Spieler für Dezember bezahlt worden waren und nur das Januar-Gehalt noch ausstand. "Ich habe nicht gelogen!", trat er allen Vorwürfen vehement entgegen. Ralf Jahncke fragte dennoch: "Als das Dezember-Gehalt nach Rohrs Angaben gerade unterwegs war, wurden am 4. Februar 55000 Euro bar vom SG-Konto abgehoben. Wie passt denn das zusammen?"

    "Kein Schaumschläger"
    Ob der Architekt Rohr den Kanal vom Handball und der SG voll hat, steht noch in den Sternen. Für diesen Fall hätte er über eine halbe Million in den SG-Sand gesetzt. "Dann baue ich halt ein Haus mehr und weiß, was ich davon habe." Dieter Graefe beteuert: "Er ist kein Schaumschläger. Es hat noch keinen gegeben, der in einem Jahr so viel in die SG gesteckt hat wie Volkmar Rohr." Er hat vieles bar, aber nach eigenen Angaben nicht schwarz bezahlt. Zum Beispiel 30000 Euro an die Stadt Frankfurt. Bülent Aksen versicherte: "Es gab bei uns keine Schwarzgeld-Zahlungen. Alle Beträge wurden von den Spielern quittiert." Graefe bestätigte: "Die Belege sind da. Es ist alles korrekt gelaufen."

    Ralf Jahncke verriet derweil vielsagend: "Wir wissen wesentlich mehr als wir hier und heute rauslassen. Am Dienstag kommt alles auf den Tisch."

    Auf http://www.zitate.degibt es jeden Tag einen netten Gedanken zum Tag. Der heutige passt irgendwie in die Diskussion hier und so mache ich hier mal ein Quiz auf. Wer sagte:

    „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.”

    a) Die Mannschaft der SG Wallau/Massenheim oder
    b) Erich Kästner

    Und hier der Bericht aus der FNP:

    Wallau trennt sich von Bülent Aksen

    Von Thorsten Remsperger

    Wallau. Die Krise bei der SG Wallau/Massenheim hat eine neue Dimension erreicht. Nachdem Ralf Jahnke im Namen der Spielbetriebs-GmbH gestern bei einer Pressekonferenz die sofortige Trennung von dem geschäftsführenden Manager Bülent Aksen bekannt gab, sprach der Gesellschafter einen Appell aus: «Ohne die Mithilfe von allen wird es möglicherweise keinen Bundesliga-Handball im Rhein-Main-Gebiet mehr geben – die Möglichkeit besteht aber noch.» Wie hoch die Chancen sind, sprich in welcher Höhe sich die Verbindlichkeiten der GmbH befinden, wissen die Gesellschafter noch nicht. Unter Einbindung eines Wirtschaftsprüfers soll bis Montag der Status Quo ermittelt sein.

    Ein paar Zahlen kennen die Gesellschafter schon. «Schluss mit den Unwahrheiten. Einschließlich dem Dezember 2004 sind die Monatsgehälter bis heute noch nicht gezahlt», betonte Torwart Markus Rominger, der für die Mannschaft samt Betreuerstab sprach. «Alle Versuche, in ehrlichen Kontakt zu treten, wurde uns verweigert. Wir wurden von der Geschäftsführung belogen.» Die ausstehenden Gehälter sollen in der Summe rund 400 000 Euro betragen.

    Die neun Gesellschafter müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, von Aksen und dem seit 1. Juli ehrenamtlichen Geschäftsführer Volkmar Rohr an der Nase herum geführt worden zu sein. Allein die letzten Arbeitstage Aksens sind ein Skandal: Für das Spiel am Samstag in Pfullingen meldete er sich krank, wurde jedoch abends auf einer Party in einem Frankfurter Hotel gesehen. Am Sonntag verbreitete er Unwahrheiten im Fernsehen, um von Montag an unterzutauchen.

    Wie Aksen fehlte dann auch Rohr bei der dreistündigen Gesellschafterversammlung. Er hatte eigentlich zugesagt. Nicht geschmeckt hat dem Flörsheimer Architekten schließlich Jahnkes Feststellung auf der Pressekonferenz, dass von Rohrs Kapitaleinlagen in Höhe von 400 000 Euro, die ihm knapp 70 Prozent der GmbH-Anteile gesichert zu haben schienen, erst 100 000 Euro geflossen seien. Überweisungen im Rahmen seines seit 1. November bestehenden Vertrages als Hauptvermarkter lägen erst zu 50 Prozent vor, verkündete Jahnke. «Wie bitte?», war der Kommentar des Anwesenden, er sei erschüttert über die Zahlen. Richtig stellen wollte er aber nichts. «Ich werde mich schriftlich dazu äußern.» Das war alles, was Rohr sagte. Auch wenn sich Jahnke und Co. im Anschluss mit ihm zusammensetzten, deutet das auf seinen Ausstieg hin.

    Angesprochen auf eine möglicherweise verschleppte Insolvenz sagte Jahnke: «Wenn ein solcher Tatbestand besteht, müssen die Gesellschafter binnen 14 Tagen informiert werden. Hat dieser Tatbestand bestanden, kann die Geschäftsführung rückwirkend verantwortlich gemacht werden.» Auf eine mögliche kriminelle Handlung Aksens angesprochen, kommentierte Jahnke: «Das hätte nur eine Relevanz, wenn nachgewiesen werden könnte, dass vorsätzlich Zahlen gegenüber den Gesellschaftern verschleiert worden sind.» Zumindest dürfte Aksen (hat einen Vertrag bis 2007) vor dem Arbeitsgericht kaum einen Anspruch auf eine Abfindung haben. «Es gibt bisher keinen Anlass dafür, dass nicht jeder das Beste für die SG wollte», sagte zwar Jahnke, der jedoch einige Fehler des Ex-Managers andeutete. «Es wurden im März 2004 Aussagen über das Saisonbudget gemacht, die bei weitem nicht zutreffend waren.»

    Doch wie geht es bei der SG Wallau jetzt weiter? Die Lizenzunterlagen für die kommende Spielzeit müssten bis zum 15. März eingereicht werden. Der Mannschaft bleibt nichts anderes übrig, als sich zu gedulden. «Einige meiner Kollegen sind an der finanziellen Untergrenze angelangt, die Sorgfaltspflicht der Gesellschafter gegenüber uns wurde vernachlässigt. Vertrauen gibt es nicht mehr. Man sollte vielleicht zusehen, dass nur Geld ausgegeben wird, das da ist. So dass wir nicht jedes Jahr im März gucken müssen, wo wir bleiben», hielt Rominger enttäuscht fest.

    Als die Gesellschafter Montagnacht das Gespräch mit dem Team suchten, sollen die Spieler aber fair reagiert und Kooperation angeboten haben. Nach einem Weg aus der Misere wollen die Verantwortlichen auch mit der Wallauer «Opposition» um die Gebrüder Ströhmann suchen. «Ich finde das Engagement super, wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen», sagte Gesellschafter Timm Reichold. «Wir werden der Sache dienlich sein, es hängt viel zu viel dran», entgegnete Jörg Ströhmann auf Nachfrage dieser Zeitung. Das Hauptproblem wird jedoch die schwierige Suche nach Geldgebern bleiben.

    Und hier die tägliche Presseschau der Wiesbadener Zeitungen:

    Wiesbadener Tagblatt

    Wallau/Massenheim am Rande des Abgrunds
    Gesellschafter Ralf Jahncke stellt große Lücken zwischen Soll und Haben fest / Manager Aksen gefeuert

    Vom 23.02.2005

    Geschäftsführer Bülent Aksen wurde über Nacht gefeuert, bei den Finanzen eine erhebliche Lücke zwischen Soll und Haben festgestellt. Die Gesellschafter des Handball-Bundesligisten SG Wallau/Massenheim sind konsterniert, fühlen sich hinters Licht geführt.

    Von Volker Eckhardt und Karl Korner

    Der erkrankte Manager Aksen ist seit seinem Auftritt am Sonntagabend im Hessen-Fernsehen untergetaucht, weder für die Mannschaft noch für die Gesellschafter erreichbar. Die Gesellschafter hatten Ralf Jahncke, der vor fünf Jahren schon einmal bei einem Beinahe-Crash für die SG segensreich gewirkt hatte, gebeten, die bittere Wahrheit zu verkünden. Jahncke tat dies in glänzender Manier, nahm nur dort ein Blatt vor den Mund, wo es juristische Konsequenzen hätte haben können oder wo erst Aufklärung notwendig ist, um die Fakten richtig beurteilen zu können.

    "Wir werden in den nächsten sieben Tagen intensiv an der Durchforstung der Finanzen und Belege arbeiten und dann eine Art Kassensturz machen", unterstrich Jahncke die finanziell offensichtlich arg angespannte Lage, um dann einzuräumen: "Die Mannschaft hat uns vorgeworfen, zu spät eingegriffen zu haben. Der Vorwurf ist berechtigt, ich entschuldige mich dafür. Erst das Team hat uns letzte Woche über den Ernst der Lage unterrichtet und endgültig die Augen geöffnet. Nun müssen wir alles unternehmen, um den einzigen Handball-Bundesliga-Standort im Rhein-Main-Gebiet zu retten", appellierte Jahncke an alle, die guten Willens sind, die SG jetzt nicht untergehen zu lassen.

    Massive LügenMit Hauptgesellschafter Volkmar Rohr sollen Gespräche über Verträge und Geldflüsse geführt werden. Die Finanzen durchleuchtet Ralf Jahncke in den nächsten Tagen gemeinsam mit einem Wirtschaftsprüfer. Die übrigen Gesellschafter legen die Hände ebenfalls nicht in den Schoß. Marc Gramm beleuchtet die Geschäftsstelle, Daniel Deckers die Gesellschafter-Verträge, Timm Reichold hinterfragt die Abkommen mit den Sponsoren und Joachim Venino kümmert sich um die Wallauer Fördergruppe inklusive der sogenannten Opposition, die von den Ströhmann-Brüdern angeführt wird.

    Mannschaftssprecher Marcus Rominger erhob schwere Vorwürfe: "Wir wurden von Bülent Aksen massiv belogen, nicht erst seit dem Fernsehauftritt am Sonntag. Es ist eine Frechheit, von nur einem ausstehenden Monatsgehalt zu sprechen. Seit Dezember haben wir keinen Cent mehr gesehen." Rominger besitzt als Architekt als einer der wenigen SG-Profis ein zweites Standbein, den meisten Spielern und ihren Familien geht laut Rominger "die ganze Angelegenheit an die finanzielle und teilweise auch gesundheitliche Substanz". Sogar von einem Magendurchbruch bei einem betroffenen Familienangehörigen sprach der SG-Keeper.

    Sieben Tage, siebe KöpfeTrainer Martin Schwalb, der noch keinen Vertrag bei einem anderen Verein unterschrieben hat, war stolz und gleichzeitig erschüttert. "Stolz auf die Moral der Mannschaft, wie die das alles bisher mit drei Siegen in Folge in der Liga weggesteckt hat. Erschüttert, wie man sich in der Person Aksen offensichtlich getäuscht hat." Schwalb zeigte ebenso wie das Team kein Verständnis für den Auftritt des ehemaligen Managers im Fernsehen. "Die Lüge von dem angeblich nur einen Monat ausstehenden Gehalt hat dem Fass den Boden ausgeschlagen."

    Angeblich soll die SG zwischen 300000 und einer halben Million Euro Verbindlichkeiten aufweisen. Zahlen, die Jahncke nicht bestätigen konnte. "Wir müssen erst einen Kassensturz machen, gebt uns sieben Tage Zeit." Zeit, die der Traditionsverein noch weniger als Geld hat. Bis zum 15. März müssen nämlich die Lizenzunterlagen beim Deutschen Handball-Bund eingereicht werden. Sogar eine Insolvenz kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Möglich auch, dass bereits vor vier Monaten der Insolvenz-Tatbestand vorgelegen hatte, was strafrechtliche Folgen haben könnte. Die Staatsanwaltschaft soll Aksen laut Radio FFH bereits auf der Spur sein. SG-Hauptgesellschafter Volkmar Rohr: "Da ist überhaupt nichts dran." In sieben Tagen werden mehr als sieben Köpfe gewaltig rauchen.

    Derweil meldete sich Bülent Aksen gestern Abend beim Tagblatt und gab folgende Stellungnahme ab: "Ich meine nicht, dass man mich mit derartigem Hass verfolen sollte, wie geschehen. Ich habe bei meinem Amtsantritt eine erhebliche Überschuldung vorgefunden. Auch vor meiner Zeit mussten Spieler auf Gehälter verzichten, weil die Finanzlage schlecht war. Wir haben jetzt die gleiche Situation. Die Behauptung, ich hätte die Gesellschaft an die Wand gefahren ist schlicht falsch."

    "Es geht nicht nur um Geld. Wir haben bei der Gesellschafter-Tagung am Montag reinen Tisch gemacht, leider hat Volkmar Rohr nicht an der Sitzung teilgenommen. Er war eingeladen", wunderte sich Ralf Jahncke über die Abwesenheit des Flörsheimer Immobilienmaklers. Rohr erschien immerhin auf der Pressekonferenz, wollte zunächst nur ein schriftliches Statement abgeben. Später bekannte Rohr im kleinen Kreis doch noch Farbe: "Ich bin erschüttert, denn ich habe mehr als die von Herrn Jahncke festgestellten 100000 Euro an die SG überwiesen. Wenn ich die richtigen Zahlen auf den Tisch lege, werden alle blass." 400000 sollte Rohr bei der Kapitalerhöhung eigentlich zahlen. Rohr stuft Bülent Aksen als eine Art Bauernopfer ein: "Ein Manager hat andere Aufgaben als ein Gesellschafter. Ich kann das beurteilen, denn ich habe in den letzten Monaten das Tagesgeschäft hautnah verfolgt." Volkmar Rohr sieht die Bundesliga-Zukunft der SG nicht gefährdet: "Ich bringe Licht in das Dunkel. Die SG wird nicht kaputtgehen und an mir wird kein Makel hängen bleiben."

    Angesichts der total verworrenen Lage vermochte Ralf Jahncke nicht zur Beruhigung des aufgescheuchten SG-Umfeldes beitragen: "Ich hoffe, dass wir die Saison zu Ende bringen. Eine Garantie kann ich aber erst in frühestens sieben Tagen abgeben." Nach Informationen dieser Zeitung war Aksen schon mit dem Gedanken schwanger gegangen, die Bundesliga-Lizenz nach Braunschweig zu verkaufen. Harte Arbeit wartet nun auf den bisherigen Pressesprecher und Geschäftsstellen-Chef Hendrik Ziegler. "Er hat hervorragende Arbeit für die SG abgeliefert, genießt das Vertrauen der Gesellschafter. Aber der gute Mann wird in den nächsten Wochen wenig Freizeit haben", sorgte Jahncke für den einzigen Lacher bei der Leichenbittermienen-Konferenz.

    Gesellschafter Joachim Venino suchte bereits am Montag die ersten Gespräche mit der Gruppe um die Brüder Ströhmann. "Jetzt kann die bisherige Opposition beweisen, dass sie es Ernst mit der Rettung meint. Wir haben doch alle gemeinsam das Handball-Dorf aufgebaut und sind nun auch für den Fortbestand verantwortlich." Marcus Rominger betonte mehrfach, dass das Vertrauen der Mannschaft und ihres Umfeldes unter Null gesunken ist: "Die Gesellschafter haben ihre Sorgfaltspflicht gegenüber uns vernachlässigt. Es gibt kein Vertrauen mehr. Jahrelang sollte es nach oben gehen. Dafür fehlte bisher aber einfach die finanzielle Substanz. Jeder einzelne Spieler muss jetzt für sich prüfen, ob er sich in Zukunft mit einem notwendigen Sparkonzept anfreunden kann. Nach dem Sieg in Pfullingen haben wir uns gefreut wie kleine Kinder, aber wir waren fix und fertig." Auf der Heimfahrt im Bus hörte Martin Schwalb dann aber Schlachtgesänge wie seit 15 Jahren nicht mehr.

    Alleingang in Sachen ImmelAußer Bülent Aksen und Volkmar Rohr wusste offenbar niemand von der vorzeitigen Kündigung des Vertrages von Nationalspieler Jan-Olaf Immel. Auf Tagblatt-Anfrage bestätige Ralf Jahncke: "Ich habe das im Internet in meinem Hotel in Neu Delhi gelesen. Auch die anderen Gesellschafter wussten davon nichts. Ich habe aber auch ein bisschen Geld in der GmbH drin. Andere bauen sich dafür sogar ein Haus."

    Martin Schwalb, der Manager Bülent Aksen nach Wallau geholt hatte, ist von ihm tief enttäuscht: "Das Vertrauen hat zwei Jahre lang gereicht, aber jetzt fühlen wir uns alle belogen und betrogen, weil die gemachten Versprechungen wiederholt nicht eingehalten worden sind. Es ist eine schwere Zeit für die SG und alle Familien." Marcus Rominger bestätigte, dass die Mannschaft zusammengerückt ist, um die SG nicht untergehen zu lassen: "Aber wir haben jetzt auch Druck gemacht, denn es sollte Schluss sein mit den Unwahrheiten. Die Spieler waren nicht mehr bereit, alles zu schlucken." Dass dann neun Stunden vor dem Magdeburg-Spiel reiner Tisch gemacht worden ist, begründete Ralf Jahncke: "Es wäre kein Zustand gewesen, das Team uninformiert in das Spiel gehen zu lassen."

    Martin Schwalb hofft, dass die gestrige Offenbarung nun der richtige Schritt in die richtige Richtung war: "Ich will, dass es mit der SG weitergeht. Alle positiven Kräfte müssen zusammenhalten. Auch Volkmar Rohr, der erhebliche finanzielle Mittel aufgebracht hat. Und die Opposition muss nun Farbe bekennen. Wer jetzt abseits steht, ist kein Freund der SG Wallau/Massenheim."

    Timm Reichold, dem Sprecher der Gesellschafter, ist das SG-Unglück an die Nieren gegangen: "Ich habe drei Tage lang mit der Mannschaft geredet. Spieler und Gesellschafter stehen komplett zusammen. Das ist das einzig Gute an unserer vertrackten Lage."


    Wiesbadener Kurier:

    Palastrevolution des Personals
    Spieler des Bundesligisten bringen Manager zu Fall / Finanzielles Überleben nicht gesichert

    Vom 23.02.2005

    Die SG Wallau/Massenheim ringt ums Überleben und hat jetzt Nägel mit Köpfen gemacht: Manager Bülent Aksen ist von seinen Aufgaben entbunden worden; bis zum Wochenende soll klar sein, ob der Handball-Bundesligist überleben kann.

    Von Kurier-Redakteur Ulrich Schwaab

    So viel Rummel hatte die Geschäftsstelle des Erstligisten lange nicht erlebt, doch der Anlass gebot es, dass reger Betrieb herrschte. Erschienen war auch der Mannschaftsrat. Die Gesichter fahl, die Mienen finster, der Ausdruck entschlossen. "Das Vertrauen war unter Null, wir vermissen jegliche Sorgfaltspflicht", sagte Teamsprecher Marcus Rominger, "wir Spieler waren nicht mehr bereit, das zu schlucken." Gestern handelte der Gesellschafterkreis der Spielbetriebs GmbH. "Wir haben die sofortige Trennung von Manager Bülent Aksen beschlossen", verkündete Gesellschafter Ralf Jahncke. Desweiteren wird der Kreis das Gespräch mit dem Mehrheitsgesellschafter Volkmar Rohr suchen, um sich einen Überblick über die genauen Zahlen zu verschaffen.

    Aksen selbst haben sie bei der SG seit Tagen nicht mehr zu Gesicht bekommen. Auf die Einladung zur Gesellschafterversammlung reagierte der in die Kritik Geratene nicht, Anrufe und SMS-Botschaften von Vereinsmitgliedern ließ der 39-Jährige unbeantwortet.

    Von seinem faktischen Rauswurf erfuhr Aksen durch den Kurier. "Ich weiß von nichts", behauptete der wegen eines grippalen Infekts seit gestern Krankgeschriebene: Weder von seiner Kündigung, noch von einer Pressekonferenz. Nachdem er sich bei Rohr schlau gemacht hatte, hielt er das Geschehene für "starken Tobak" und blieb seiner Ankündigungs-Rhetorik treu: "Es ist an der Zeit, Zahlen und Fakten auf den Tisch zulegen."

    Aksen bleibt das seit Wochen schuldig, weshalb sie in Wallau ihrem Geschäftsführer keinen Glauben mehr schenken. "Wir haben keinen Kontakt mehr zum Geschäftsführer", bestätigt Rominger. Gestern Abend meldete sich Aksen per Mail in den Redaktionen: "Ich meine nicht, dass man mich mit derartigem Hass verfolgen sollte. Ich habe bei meinem Amtsantritt eine erhebliche Überschuldung vorgefunden. Auch vor meiner Zeit mussten Spieler auf Gehälter verzichten, weil die Finanzlage schlecht war. Die Behauptung, ich hätte die Gesellschaft an die Wand gefahren ist schlicht falsch!"

    Volkmar Rohr, der die Palastrevolution am Rande des Raumes stehend verfolgte, musste sich stellvertretend jede Menge Kritik anhören. Etwa jene, dass von den fälligen 400 000 Euro Kapitaleinlage, die Rohr im Zuge seines Einstiegs als Mehrheitsgesellschafter hatte leisten wollen, erst ein Viertel geflossen sei. "Es liegt uns erst ein Überweisungsträger über 100 000 Euro vor", berichtete Jahncke. Auch von den Summen, die Rohr der SG zahlen muss, weil er die Vermarktungsrechte an der Spielbetriebs GmbH erworben hat, sei erst die Hälfte eingegangen. "Daher ist der Gesellschaftervertrag, der Rohr mit einem 70-prozentigen Stimmrecht ausstattet, weiter schwebend ungültig", verwies Jahncke auf einen Fakt, der noch zu juristischen Auseinandersetzungen führen könnte.

    "Die Vorwürfe stimmen in keinster Weise", entgegnete Rohr und blieb in seinen Andeutungen vage. "Wenn ich die Summen auf den Tisch legen würde, wärt ihr alle platt", beschied er Nachfrager.

    Platt vor soviel Durcheinander war in erster die Linie die Mannschaft, die sich erst in den letzten Tagen mit ihrer Forderung nach reinem Tisch Gehör verschaffen konnte. Das war den gestern morgen anwesenden Spielern an ihren Gesichtern abzulesen. Seit Dezember einschließlich wartet sie und der Trainer auf Gehaltszahlungen. Doch zunächst muss unter Mithilfe eines Wirtschaftsprüfers erstmal Klarheit über die Finanzlage der SG geschaffen werden. Möglicherweise besteht durch die ausstehenden Gehaltszahlungen auch die Gefahr der Konkursverschleppung.

    Volkmar Rohr trägt jedenfalls eine große Verantwortung für die SG, auch persönlich. Laut Vertrag soll der Flörsheimer mit seinem Privatvermögen für Forderungen an die SG Wallau/Massenheim haften. Wohin der Weg der SG führt, weiß letztlich noch niemand, viel Zeit aber, Klarheit zu schaffen, bleibt den handelnden Akteuren nicht mehr.

    Torwart Bulei Ersatz für verletzten Klier
    Großwallstadt (dpa/lhe) - Der 38 Jahre alte Andreas Bulei kehrt
    für den Rest der laufenden Saison als Torwart in die Mannschaft des
    Handball-Bundesligisten TV Grosswallstadt zurück. Der ehemalige TVG-
    Keeper soll hinter Stammtorwart und Nationalspieler Carsten Lichtlein
    den 20-jährigen Kevin Klier ersetzen, der sich mit dem
    Zweitspielrecht im Dienst für den Zweitligisten TSG Groß-Bieberau
    den Daumen der linken Hand gebrochen hatte.
    Bulei soll bereits am Mittwoch in der wichtigen Auswärts-Partie
    beim Aufsteiger HSG Düsseldorf im Kader des TVG stehen. Von 1992 bis
    1994 stand er beim TV Grosswallstadt für 68 Spiele im Tor, bevor er
    für drei Jahre zum Meister SG Flensburg/Handewitt wechselte. Zuletzt
    war Bulei für TuS Schutterwald, Frisch Auf Göppingen und die TSG
    Groß-Bieberau im Einsatz.

    SG Wallau-Massenheim trennt sich von Manager Bülent Aksen

    Wallau (dpa) - Der finanziell angeschlagene Handball-Bundesligist
    SG Wallau-Massenheim hat sich wenige Stunden vor dem Schlagerspiel am
    (heutigen) Dienstagabend gegen den SC Magdeburg von seinem Manager
    Bülent Aksen getrennt. Der 39-Jährige Aksen hat noch einen Vertrag
    bis 2007 beim Tabellenzehnten und war zuletzt wegen einiger Personal-
    und Management-Entscheidungen in die Kritik geraten. Dazu gehören
    offene Gehaltszahlungen an die Spieler. Die Aufgaben von Aksen soll
    kommissarisch Pressesprecher Hendrik Ziegler übernehmen.
    Aksen arbeitete seit zwei Jahren für die Hessen. Den Ausschlag für
    die endgültige Trennung soll ein Fernsehauftritt am Sonntagabend im
    „hessen fernsehen“ gegeben haben, in dem Aksen behauptete, mit den
    Spielergehältern sei man „nur einen Monat im Rückstand“. Die
    Mannschaft um Sprecher Marcus Romminger hatte daraufhin die
    Gesellschafter über die tatsächliche Situation informiert.
    „Seit drei Monaten haben wir keinen Cent mehr gesehen, das geht an
    die Substanz der Familien und der Spieler. Wir fühlen uns von Aksen
    belogen“, sagte Romminger. Daraufhin beschlossen die Gesellschafter
    auf einer außerordentlichen Versammlung am Montagabend die Trennung
    von Aksen. Zudem wurde ein Wirtschaftsprüfer beauftragt, der den
    tatsächlichen Schuldenstand feststellen soll. „Lasst uns sieben Tage
    Zeit. Bis zum 15. März müssen die Lizenzunterlagen vorliegen. Ich
    gehe aber davon aus, dass die SG die Saison zu Ende spielen kann“,
    sagte Ralf Jahncke, der derzeit als Sprecher der Gesellschafter
    fungiert.
    Der Flörsheimer Immobilienmakler Volkmar Rohr hatte bei seinem
    Antritt als Hauptgesellschafter (70 Prozent Anteile) angekündigt,
    dass er insgesamt 700 000 Euro in die GmbH einbringen will. Laut
    Jahncke sollen der GmbH bisher aber nur 100 000 Euro an Einzahlungen
    von Rohr mit Beleg vorliegen. Bei der außerordentlichen
    Gesellschafterversammlung am Montag war Rohr nicht anwesend.

    (Quelle: dpa)

    Und hier die Meldung des sid:

    Verein kämpft um Lizenz

    Wallau beurlaubt Manager Aksen

    Wallau-Massenheim (sid) Der zweimalige deutsche
    Handballmeister SG Wallau-Massenheim hat sich mit sofortiger
    Wirkung von seinem Manager Bülent Aksen getrennt. Dem gebürtigen
    Türken, ehemaliger Bundesliga-Torhüter beim OSC Rheinhausen, werden
    unüberbrückbare Differenzen mit der Mannschaft zur Last gelegt.
    Aksen, der seit zwei Jahren die sportlichen Geschicke des
    DHB-Pokalsiegers von 1993 und 1994 führte, hat beim hessischen
    Erstligisten noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2007.
    „Die Mannschaft und ich konnten nach den letzten Ereignissen
    unter ihm nicht mehr weiterarbeiten“, erklärte Cheftrainer Martin
    Schwalb. Der 194-malige Nationalspieler wird den zum Saisonende
    auslaufenden Vertrag in Wallau nicht verlängern. Torhüter Marcus
    Rominger, Sprecher des SG-Teams, kritisierte Aksen: „Er hat uns
    belogen, die Chemie zwischen ihm und den Spielern stimmte schon
    lange nicht mehr.“
    Die finanzielle Lage des Traditionsvereins, der um die Lizenz
    für die Saison 2005/2006 kämpft, ist prekär. Die Schuldenlast soll
    zwischen 200.000 bis 300.000 Euro betragen. Die Spieler haben wegen
    der angespannten Wirtschafts-Situation seit Anfang Dezember
    vergangenen Jahres kein Gehalt mehr bekommen.

    Hier der Artikel aus dem Wiesbadener Kurier: