ZitatAlles anzeigenWiesbadener Tagblatt:
Damoklesschwert hängt über Wallauer Köpfen
Vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnetVom 05.04.2005, von Ulrich Schwaab
WALLAU Die Zukunft von Handball-Bundesligist SG Wallau/Massenheim hängt weiter am seidenen Faden. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das Amtsgericht Frankfurt bei der Spielbetriebs- und Vermarktungs GmbH des Erstligisten bereits am 1. April ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. In einer Mitteilung des Vereins heißt es, die Geschäftsführung der Spielbetriebs-GmbH bleibe weiterhin "voll handlungsfähig". Gleichwohl bestätigt Gesellschafter Marc Gramm, dass die SG alle weiteren Schritte mit Insolvenzverwalterin Claudia Jansen abstimmen wird.
Hintergrund der vom Amtsgericht angeordneten vorläufigen Insolvenz sind die Außenstände der SG beim Finanzamt Hofheim. Dieser Gläubiger hat beim Amtsgericht den jetzt vollzogenen Schritt beantragt. Beim Finanzamt steht Wallau/Massenheim mit 150 000 Euro im Obligo, hat eine Ratenzahlung von drei Teilen zu jeweils 50 000 Euro angeboten. "Wir wollen ja zahlen, können aber im Moment nicht", sagt Gramm. Zugleich bestätigte der Gesellschafter, dass die Zukunft der SG direkt vom Verhalten der Finanzbehörde abhängt: "Um so länger die uns lassen, um so besser ist es. Gibt uns das Finanzamt Hofheim nicht die Chance dazu, ist der Laden zu." Alle kommenden Einnahmen werden jetzt ans Finanzamt abgeführt, danach werden Forderungen der Berufsgenossenschaften und Krankenkassen erfüllt und dann erst kann die SG wieder Spielergehälter zahlen. Das heißt: Im jetzigen Zustand gucken die Handballer wieder in die Röhre. Lauf Gramm sind die Januar-Gehälter bezahlt. Die finanzielle Misere für die Sportler verschärft sich durch die jetzt entstandene Lage erneut. Sportlich hat die Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens noch keine Folgen. Die Bundesligalizenz verliert die SG erst dann automatisch, wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.
Derweil hat Doris Müller-Scholl von der Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigt, dass gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH, Bülent Aksen, auch wegen "vorenthaltener Arbeitgeberanteile" ermittelt werde. Das werde sich noch "über mehrere Wochen" hinziehen, ehe Ergebnisse vorliegen. So lange wird es dessen ungeachtet auch dauern, ehe die Zukunftsfähigkeit der SG Wallau/Massenheim feststeht.
ZitatAlles anzeigenFNP:
Vorläufiges Insolvenzverfahren als Denkzettel für die SG Wallau
Von Thorsten RemspergerWallau. Die Gesellschafter der Spielbetriebs-GmbH der SG Wallau/Massenheim sehen «keine Verschlechterung der Situation betreffend der eingeleiteten Sanierung». Kritiker jedoch – und von denen gibt es im Ländchen angesichts einer Verschuldung von knapp 1,4 Millionen Euro und den Turbulenzen der vergangenen Monate viele – beurteilen die Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens bei der GmbH als einen Denkzettel für die Verantwortlichen des Handball-Bundesligisten. Bereits seit Freitag hat das Amtsgericht Frankfurt Insolvenzverwalterin Claudia Jansen eingesetzt, mit der die GmbH künftig jeden Schritt abstimmen muss.
Der Hintergrund: Die Gesellschafter haben es nach der fristlosen Kündigung des geschäftsführenden Managers Bülent Aksen (Ende Februar) und der ganz offensichtlich viel zu spät eingeleiteten Wirtschaftsprüfung nicht hinbekommen, die Steuernachzahlungen in Höhe von 230 000 Euro an das Finanzamt Hofheim zu überweisen. Lediglich 80 000 Euro sind laut GmbH-Sprecher Ralf Jahnke, momentan im Urlaub, geflossen.
Die Behörde hatte wegen der ausstehenden Zahlungen bereits am 14. Februar einen Fremdinsolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt, der jetzt zum Tragen kam. Da nutzten auch mehrere Gespräche und der (steuerrechtlich nicht mögliche) Vorschlag zur Stundung des Betrages nichts. «Das vorläufige Insolvenzverfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass, entgegen einem eröffneten Insolvenzverfahren, die Organe, insbesondere die Geschäftsführung, voll handlungsfähig bleiben», schilderte die SG in der gestrigen Pressemitteilung, die von Pressesprecher Hendrik Ziegler unterschrieben ist, der sich nach seinem Herzinfarkt auf dem Weg der Besserung befindet. Hört sich positiv an.
Jedoch kann Jansen nun mangels Masse jederzeit das Insolvenzverfahren eröffnen, was den sofortigen Abstieg des Bundesligisten zur Folge hätte, der Nenad Perunicic als nächsten Abgang meldete. Die Insolvenzverwalterin wird feststellen, dass die Liquiditätslücke für den Etat dieser Saison noch höher als die angegebenen 250 000 Euro ist.
Eng wird sie mit Volker Haase zusammenarbeiten, der seit der Entlassung von Aksen, gegen den die Staatsanwaltschaft wie (laut SG-Informationen) auch gegen den ehemaligen ehrenamtlichen Geschäftsführer Volkmar Rohr wegen Insolvenzverschleppung ermittelt, die kaufmännischen Angelegenheiten wahrnimmt. «Wenn alle an einem Strang ziehen, bin ich optimistisch, die Sanierung bewältigen zu können», sagte Haase. «Bestimmte Maßnahmen» könnten nun gar beschleunigt werden. Den Posten des Notgeschäftsführers, der im Insolvenzfall haftet, übernahm von ihm jedoch Gesellschafter Deckers, Haase ist formal nur noch Prokurist. Kurios: Das Finanzamt wird dennoch auf Geld warten müssen, da nach Insolvenzrecht erst private Gläubiger ausbezahlt werden müssen.