In einer Woche schlägt der Gong
Während die Wallauer ums Überleben kämpfen, geht die Bundesliga weiter
Vom 09.04.2005
WALLAU Und wieder deutet sich ein Stichtag für die SG Wallau/Massenheim an. Spätestens Ende der kommenden Woche will Insolvenzverwalterin Claudia Jansen mit ihrer Arbeit durch sein. Dann soll ein Schlussstrich gezogen und die Richtung für die Zukunft angezeigt werden.
Von Henning Kunz
Die Uhr tickt. Sie tickt leise, während Insolvenzverwalterin Claudia Jansen in Ruhe und "im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Mögliche" (Trainer Martin Schwalb) versucht. In einer Woche allerdings wolle sie den Gong schlagen, wie sie den Bundesliga-Handballspielern am Donnerstagabend mitteilte. Dann werde auf jeden Fall ein Schlussstrich gezogen - egal, in welche Richtung es gehe. Schluss oder weiter. Fortsetzung der Erstligazugehörigkeit oder Rückzug in die Regionalliga. Insolvenz oder doch nicht, das ist die Frage, für deren Antwort Claudia Jansen einen fixen Termin gesetzt haben soll. Inmitten des Überlebenskampf wurden die Wallauer Handballspieler gebeten, die engagierte Frau nicht mit Wasserstandsfragen zu bombardieren. Sie sei die richtige Person am richtigen Platz, heißt es indes. Mehr ist von Vereinsseite nicht zu erfahren.
Sehr wohl aber rumort es im Umfeld der SG Wallau/Massenheim. Solche, die so naiv waren zu glauben, dass sich alle Beteiligten in der Not zusammenraufen würden, um den Absturz zu verhindern, sehen sich ob der neuesten Entwicklungen wieder mal getäuscht. Es bröckele an allen Ecken und Enden, heißt es. Von Einigkeit keine Spur. Der eine sagt es so, der andere sieht es anders.
Einen Tag, nachdem sich der mutmaßlich ehemalige Geschäftsführer Volkmar Rohr zur Lage äußerte, meldet sich der SG-Freundeskreis zu Wort und distanziert sich entschieden von Vorwürfen, etwas mit den verunglimpfenden Internetbotschaften über Volkmar Rohr zu tun zu haben. Ehrenpräsident Bodo Ströhmann versucht sich als "Friedensrichter und Schlichter", wie er sich selbst betitelt, "um zu retten, was noch zu retten ist".
Gleichwohl muss er eingestehen, dass es schwer fällt, bei all´ den Grabenkämpfen den Überblick zu behalten. Chaos! "Das Ding läuft uns weg", sagt Ströhmann und wiederholt, dass er nicht die Kraft und das Geld habe, das Ding zu retten. Und dann dieser Satz, der ihm im Herzen weh tut: "Wahrscheinlich ist es das Vernünftigste, bei Null anzufangen."
Mit Null meinen die Wallauer die Regionalliga - was wohl zur Folge hätte, dass die Mitarbeiter der Geschäftsstelle ihren Job verlieren, kein Spieler gehalten werden könnte. "Diese Ausmaße", sagt Trainer Martin Schwalb, "müssen einem bewusst sein. Hier geht es um Existenzen. Und dann kann man nicht einfach sagen, wir schalten alles auf Null." Ende der nächsten Woche sollen alle schlauer sein. Dann wird Claudia Jansen verkünden, was die Stunde geschlagen hat.
Ein Beförderungsmittel, das die Bundesligamannschaft am heutigen Samstag (18 Uhr) zum Auswärtsspiel gegen die HSG Düsseldorf nach Ratingen bringt, konnte mit Hilfe eines Sponsors doch noch finanziert werden. So bleibt Schwalbs Jungs erspart, mit privaten Pkws anzureisen, wie ein vom Sarkasmus gezeichneter Keeper Marcus Rominger neulich witzelte. "Zur Not hätten wir an der Tankstelle ein Lied gesungen und Geld gesammelt, um dort antreten zu können." Immerhin soll in Andi Rastners 400. Bundesligaspiel die Erfolgsserie auf 16:2 Punkte ausgebaut werden. Gar nicht witzig: die Lage im linken Rückraum. Benjamin Hundt fehlt wegen Schulterproblemen, Jan-Olaf Immel ebenso. Nenad Perunicic geht in Katar seiner Arbeit nach.
Quelle