Wieso gewinnt Schwerin beim Einspruch? Weshalb verlieren Essen und Wallau?
Ok, die Entscheidung hat mich auch etwas überrascht, aber wenn man alle Informationen liest, kann man eine gewisse Logik nicht verleugnen.
Schwerin hat die Lizenz aus finanziellen Gründen nicht bekommen, das wurde zumindest nie bestritten. Offensichtlich konnte man dem Gutachterausschuss durch Ergänzung, Korrekturen, vielleicht auch neue Sponsoren (?) überzeugen, dass die Probleme gelöst sind. Daher hat der Gutachterausschuß eine korrigierte Einschätzung abgegeben und der HBL-Vorstand ist dem gefolgt.
In Essen geht es wohl auch ums Geld, allerdings hier um die "berühmten" Weinerplan-Millionen. Essen hat Forderungen (Vermögen) gegen Weinerplan und Schorn hat diese wohl in den Lizenzunterlagen angegeben. Der Gutachterausschuss war (und ist es immer noch) der Meinung, dass diese Forderungen nicht so viel wert sind, wie man in Essen glaubt. Danach wären die Altlasten (aus früheren Jahren, wurde ja auch vom Sportdirektor der Stadt Essen indirekt bestigt, sowie die fehlenden Gelder aus der letzten Saison) zu groß um bewältigt werden zu können. Es macht ganz den Eindruck, als ob man sich immer noch uneinig ist, dass Essen die Vergangenheit in Griff bekommt und daher ist die nächste Saison gefährdet. Logischerweise konnte der Gutachterausschuß seine Einschätzung nicht revidieren und es gab auch beim Einspruch keine Lizenz.
Nach den letzten Meldungen hört es sich so an, als ob in Wallau nicht die Finanzen, sondern ein Fristversäumnis der Grund für den Lizenzentzug war. Wenn die HBL nun der Meinung ist, dass dieses Jahr ein Fristversäumnis (siehe auch Berlin und Willstätt) reicht zum Lizenzentzug, dann überrascht es nicht, dass die Entscheidung so bestehen bleibt. Die Verhältnismäßigkeit ist ein anderes Thema.
Schwerin in Liga 1 oder in Liga 2?
Dass sich Schwerin entscheiden darf, in welcher Liga sie spielen kommt für mich erwartet, habe das bereits letzte Woche in den Raum gestellt. Nach der Auffasung der HBL bleibt es beim Lizenzentzug für Wallau und Essen, damit ist Schwerin drittletzter und müsste in die Relegation. Da man die zweite Runde der Relegation abgesagt hat, kann nur die 1.-Liga-Lizenz für Schwerin die logische Konsequenz sein
Offensichtlich will die HBL "drittbetroffene" Vereine vermeiden, nicht dass noch ein unbeteiligter Verein geschädigt würde und anfängt zu klagen. Hätte man Kröstis eine Relegation spielen lassen, sie hätten verloren, dann hätten sie am Ende auch noch gegen die Lizenzerteilung für Schwerin klagen können. (rein hypothetisch)
Nach dieser Logik bleibt auch Schwerin drin, falls Essen oder Wallau doch nicht die Lizenz bekommen. Würde man Schwerin dann in die 2. Liga schicken, könnten sie wieder gegen die nachträgliche Lizenzerteilung von Essen/Wallau klagen - und so weiter. Dieses Theater will man offensichtlich vermeiden.
Bleibt die Frage: Wo spielt Schwerin nächstes Jahr? Persönlich hoffe ich, dass Schwerin in Liga 2 spielt, denn in Liga 1 könnte die Saison für den SV Post noch grausamer werden als in der letzten Saison. Warten wir ab, was Henke meint.
HBL-Vorstand und Gutachterausschuss
Im Moment steht immer noch die Aussage im Raum, der HBL-Vorstand wäre den Vorschlägen des Gutachterausschusses gefolgt. Insofern gibt es keinen Grund, ständig einzelnen HBL-Vorstandsmitgliedern Befangenheit und eigene Interessen vorzuwerfen. Zudem wird der HBL-Vorstand von allen Lizenzvereinen gewählt, die Herren, die jetzt am lautesten Heulen haben also mitgewählt (bzw. ihre Vertreter, Vorgänger, etc.)
Geht es also um die Befangenheit des Gutachterausschusses. Da stelle ich mir die Frage, woher bekomme ich Gutachter, die sich betriebswirtschaftlich mit der Materie auskennen und inhaltlich mit der Handballszene und den Hintergründen ohne irgendwann irgendeine Verbindung zu einem Club gehabt zu haben? Würde man völlig fachfremde Gutachter nehmen, dann käme sofort die Kritik, die hätten keine Ahnung.
Grundsätzlich habe ich den Eindruck, als ob der Gutachterausschuss seine Arbeit sehr gewissenhaft und objektiv gemacht hat. Der HBL-Vorstand hat begonnen, den von (fast) allen Seiten geforderten harten Kurs zu fahren.
Aktuelle gibt es meiner Meinung nach nur drei Probleme:
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[*]Das Lizenzierungsverfahren, die "rechtliche" Grundlage für die Entscheidungen ist unausgereift, lückenhaft und muss dringend überarbeitet werden.
[*]Die Zeitschiene innerhalb des Verfahrens ist für alle katastrophal. Letzten Endes muss jeder am Ende der Saison spätestens wissen, wo er dran ist.
[*]Einige offizielle Herren verhalten sich noch reichlich unprofessionell. Es kann nicht angehen, dass Tage vor der offiziellen Entscheidung (heute) ein Offizieller zitiert wird, dass sich die Wallau-Geschichte noch bis in den Juli ziehen wird. Dann kann er auch gleich die Entscheidung verkünden.
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