Original aus Berliner Morgenpost
"Das ist die letzte Chance"
Manager Bob Hanning (37) über sein ehrgeiziges Ziel, mit den Füchsen endlich wieder Spitzenhandball in Berlin zu etablieren
Von Torsten Wendlandt und Jörg Soldwisch
Spitzenhandball in Berlin - wie oft hat man seit dem Bundesliga-Abstieg der Männer von Blau-Weiß Spandau 1992 davon geträumt. Mit Manager Bob Hanning (37) ist nun ein Vollprofi angetreten, diesen Traum wahr werden zu lassen die zweitklassigen Füchse endlich in die Elite zu führen. Wenn die Berliner, die am Freitag beim Turnier in Cottbus den rumänische Erstligisten Uztel Ploiesti 23:20 (15:10) besiegten, am Freitag mit dem Testspiel gegen Vizemeister Flensburg-Handewitt (20 Uhr, Schmeling-Halle) in die Saison starten, soll der Weg nach oben beginnen.
Berliner Morgenpost: Herr Hanning, warum sind Sie jetzt nicht irgendwo in der Bundesliga Trainer?
Ja, ich hätte es mir auch einfacher machen können. Dann hätte ich viel Geld verdient und das Thema wäre durch. Daß das in Berlin eine brutal schwere Aufgabe wird, wußte ich. Obwohl ich generell einer bin, der die Komfort-Zone gern verläßt. Das ist es ja auch, was ich von den Spielern immer verlange. Ich sage: Wir sind nicht weit weg von der Bundesliga. Wenn Berlin Erstliga-Handball will, dann bekommt Berlin Erstliga-Handball.
Das haben schon viele gesagt. Der Vertrauensverlust ist vor allem bei den Zuschauern zu spüren. Wie wird sich das anhören, wenn die Füchse nun in der Schmeling-Halle vor 500 Leuten spielen?
Ich vergleiche das als eingefleischter Hertha-Fan gern mit der damaligen Situation von Hertha BSC. Gegen Meppen haben die in der Zweiten Liga im Olympiastadion auch vor nur 3000 Zuschauern gespielt. Die Leute haben aber trotzdem an das Projekt geglaubt. Und es hat ja auch mit der Hilfe vieler aus der Stadt geklappt. Einer allein kann das nicht. Wir reden ja im Moment von mittelmäßigem Zweitliga-Handball, von einer Mannschaft fast ohne große Namen. Wenn die Medien die Sache nicht mit aufbauen, ist das Projekt sofort tot. Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen.
Erst seit einem Monat haben die Füchse überhaupt die Zweitliga-Lizenz. Was hat sich seitdem getan?
Wir haben mit Christian Rose einen Nationalspieler geholt, wir werden uns in Zukunft in der Max-Schmeling-Halle präsentieren. Mit der Deutschen Kreditbank haben wir einen großen Sponsor gefunden. Mir ist wichtig, daß wir in die Struktur des Vereins investieren.
Was heißt das?
Wir versuchen zum Beispiel, das medizinische Netz auszubauen. Da habe ich in Hamburg gute Erfahrungen gemacht. Eine gute medizinische Abteilung bringt allein drei bis vier Punkte pro Saison.
Sie brauchen auch erst mal einen Trainer. Oder wollen Sie etwa weiter auf der Bank sitzen?
Jetzt opfere ich 40 Stunden für die Mannschaft, zusätzlich zu meinem Geschäftsführer-Job. Das ist ein bißchen viel. Ich habe mit Mike Fuhrig gesprochen, er ist nach wie vor ein Kandidat, hat in Wallau den Laden zusammengehalten. Ich brauche einen starken Trainer, eine richtige Persönlichkeit, mit der ich mich auf Augenhöhe unterhalten kann. Das kann ich zum Beispiel mit Jörn-Uwe Lommel. Er ist als Spieler Meister geworden, hat über hundert Länderspiele, über zehn Jahre Aufbauarbeit in Niederwürzbach geleistet, war in Essen. Dann ist er nach Ägypten gegangen und ist Afrikameister geworden. Montag jedenfalls werden wir den neuen Trainer präsentieren.
Vor zwei Jahren kam die Idee, Stefan Kretzschmar und Heiner Brand nach Berlin zu holen, Kretzschmar ist jetzt wieder im Gespräch.
Kretzschmar muß mittelfristig in Berlin ein Thema sein. Er hat aber in Magdeburg einen Vertrag bis 2007 und wir sind nicht in der Lage, ihn zu finanzieren.
Ist denn der Saisonetat gedeckt?
Mir fehlen noch 300 000 Euro. Deswegen müssen wir versuchen, seriös zu arbeiten. Man muß sehen, ob Berlin das Projekt annimmt.
In Hamburg haben wir mit drei Millionen Schulden und einem Geschäftsführer im Gefängnis angefangen, da haben wir es ja auch hinbekommen. Aber in Hamburg haben die Leute nicht nur erzählt, sondern uns auch unterstützt. Auch in Berlin haben schon viele gesagt: Ja, wir helfen. Da muß jetzt aber auch was kommen. Das hier ist wirklich die letzte realistische Chance für Spitzenhandball in Berlin.
Mit der jetzigen Mannschaft wird es sehr schwer, selbst in der 2. Bundesliga vorn mitzuspielen.
Ich glaube, daß wir im oberen Drittel spielen können, das wird aber nicht für den Aufstieg reichen. Wir mußten seit vier Wochen ein gewisses Risiko gehen, aber ich werde jetzt nicht noch zwei, drei neue Spieler holen. Alba Berlin hat für die Organisation 13 Leute. Wir sind so etwas wie Guerillakämpfer, wir machen das Ganze ja zu zweit. Ich habe mit Stefan Güter als Assistent den besten Mann vom HSV geholt. Das war eine Idealverpflichtung, weil er das in Hamburg auch alles mit hochgezogen hat.
Flensburg tritt am Freitag ohne Gage an, weil man dort an das Berliner Projekt glaubt. Wie sind allgemein die Reaktionen in der Bundesliga?
Durchweg positiv. Viele sagen: Wir brauchen Berlin in der Bundesliga. Als Eröffnungsspielort bei der WM 2007 gehören wir einfach in die Bundesliga.
Können Sie es sich bei den ehrgeizigen Zielen leisten, weiter mit Berliner Spielern zu arbeiten?
Neulich fragte mich ein Spieler: Wenn die professionellen Strukturen da sind, müssen wir Spieler dann alle gehen? Ich fand diese offene Art der Frage einfach klasse. Es werden zwar immer welche durch den Rost fallen, je höher es geht, aber ich plane den Aufstieg mit nur drei bis vier neuen Spielern. Meine Philosophie einer Mannschaft ist die: Es wird ein paar internationale Top-Stars, einige deutsche Nationalspieler und dazu Berliner Jungs im Team geben. Wir wollen, daß sich die Leute mit dem Team identifizieren können. Das braucht aber ein wenig Zeit.
Der Nachwuchs ist Ihnen wichtig.
Ganz wichtig. Der neue Trainer wird auch das Training in der Sportschule übernehmen. Er wird also nicht nur am sportlichen Erfolg, sondern auch an der Entwicklung der jungen Spieler gemessen. Wir geben Talenten die Chance, zu uns zu kommen und sich weiterzuentwickeln. Wir sind ein Team. Das Wort TEAM kann zweifach interpretiert werden: Totales Engagement Aller Mitglieder. Oder: Toll, Ein Anderer Macht.