Sieben Fragen an Michael Roth
Am Untermain herrscht Aufbruchstimmung. Mit neuem Trainer und gezielt verstärkter Mannschaft möchte der TV Großwallstadt wieder an alte Erfolgszeiten anknüpfen. Das gelang in der ersten Halbserie dieser Saison sehr gut. Platz sieben und 21:15-Punkte: Der TVG übertraf selbst die eigenen Erwartungen. Warum das so ist und welchen Schwierigkeiten die Großwallstädter in der Rückrunde entgegensehen, verriet Trainer Michael Roth in einem Gespräch mit der HBL.
Mit einer Woche Verspätung startet am Samstag der TV Großwallstadt in die Rückrunde der Handball-Bundesliga. Wie ist das Team drauf?
Michael Roth:
Uns hat in der Vorbereitung das Pech ereilt. Heiko Grimm brach sich die Hand, Islands Nationalspieler Einar Holmgeirsson verletzte sich während der EM am Kopf. Beide werden zum Saisonstart ebenso fehlen wie Alexander Petersson und die beiden Langzeitverletzten Jan-Olaf Immel und Wjatscheslaw Lochman. Wir werden improvisieren müssen. Schade! Nach zuletzt 12:2-Punkten in Serie und einer verlängerten EM-Pause hatten wir uns viel ausgerechnet.
Dennoch: Der TV Großwallstadt erlebt zurzeit eine Renaissance. In der Tabelle steht das Team so gut wie lange nicht mehr und schneller als erwartet an alte Erfolge anknüpfen zu können. Was sind die Gründe?
Michael Roth:
Wir haben in Großwallstadt einen Umbruch gewagt. Mit mir als neuem Trainer kam auch eine neue Philosophie ins Team. Aggressive Abwehrarbeit, schnelles Spiel nach vorne: Der TVG hat eine sehr dynamische Mannschaft, in der sich auch die individuelle Qualität der Spieler verbessert hat. Natürlich haben wir personell auch von der Wallau-Misere profitiert. Und – zum Glück – passte alles auch charakterlich super zusammen.
Viele gute Spieler machen noch lange keine gute Mannschaft. Was haben Sie mit dem Team gemacht?
Michael Roth:
Die Voraussetzung für gute Arbeit ist Vertrauen. Die Spieler vertrauen mir, so dass wir Trainingsinhalte und Spielphilosophie rasch verinnerlichen konnten. Vielleicht ist es die moderne und zugleich autoritäre Art, wie ich eine Mannschaft führe. Ich nehme die Spieler sehr ernst, fördere und fordere vor allem die jungen Akteure und bin bestimmt ein guter Motivator.
Mit Jan-Olaf Immel und Wjatscheslaw Lochman ist das Team noch stärker. Wie weit sind die beiden zurzeit?
Michael Roth:
Lochman wird sicher erst zur neuen Saison wiederkommen. Er kuriert seinen dritten Kreuzbandriss aus. Das dauert. Immel hingegen ist auf einem guten Weg. Da gilt es, die kommenden drei, vier Wochen abzuwarten. Er hat die Vorbereitung im Januar mitgemacht, kann bereits Abwehr spielen, aber im Angriff fehlt ihm noch Wurf- und Sprungkraft.
Immerhin bedurfte es für diese Entwicklung gravierender Einschnitte. So ging mit Peter Meisinger ein Urgestein in den Handball-Ruhestand.
Michael Roth:
Meisinger hat sich selbst so entschieden und war zuletzt an der Verpflichtung meiner Person beteiligt. Ich habe vor vielen Jahren selbst noch unter ihm trainiert, war mit ihm Meister und Pokalsieger. Uns verbindet ein großes Vertrauensverhältnis, weshalb ich seinen Rat als sportlicher Berater des TVG sehr ernst nehme.
Im Gegensatz zu früheren Jahren zeigte sich der TVG ungewohnt investitionsfreudig. Woher kommt das Geld?
Michael Roth:
Vorstand und Aufsichtsrat haben vor Saisonbeginn einer Etaterhöhung von rund 1,5 auf 1,85 Millionen Euro zugestimmt mit der Zielsetzung, eben nicht gegen den Abstieg, sondern um die Plätze sechs bis neun zu spielen. Das ist uns zur Halbserie gelungen, wobei wir Teams hinter uns gelassen haben, die mehr Geld ausgeben als der TVG. Der TV Großwallstadt ist in der Region noch immer eine starke Marke und mit einem modernen Management haben wir es geschafft, Partner auch über die Region hinaus für uns zu gewinnen.
Und was soll am Ende dabei herausspringen?
Michael Roth:
Wir wollen natürlich gern Richtung Platz sechs marschieren und einen platz im EHF-Cup erreichen. Aber da, wo wir jetzt stehen, ist es auch gut. Immerhin: Das wäre viel mehr als wir erwartet haben.