Bogdan Wenta: Meine Spieler sind nur noch müde
Nach dem Zittersieg beim TV Grosswallstadt stellte sich Magdeburgs Trainer Bogdan Wenta den Fragen von handball-world.com. Wie schon sein Großwallstädter Kollege Michael Roth beklagt Wenta den dichten Termindruck, spricht über die Weihnachtszeit als Handballtrainer, überrascht mit einer Aussage welchen Spieler er sich zu Weihnachten gewünscht hätte, und gibt einen Ausblick auf die kommende Weltmeisterschaft in Deutschland.
Herr Wenta, nach dem Gastspiel beim TV Großwallstadt hat Ihr SC Magdeburg im alten Jahr mit den Partien gegen die Abstiegskandidaten HSG Wetzlar und MT Melsungen das wohl leichteste Restprogramm der Teams in der Spitzengruppe. Setzt sich der SC Magdeburg pünktlich zum Jahreswechsel ganz oben in der Bundesliga fest?
Bogdan Wenta: Das wäre schön, aber ein Vorteil sind diese Spiele im Vergleich zur Konkurrenz sicher nicht.
Warum, Magdeburg geht doch als klarer Favorit in die Partien?
Wenta: Meine Spieler sind einer so hohen Belastung ausgesetzt, sie müssen sich schon seit Wochen alle drei Tage neu motivieren und sind nur noch müde. Da können vermeintlich leichte Gegner schnell zum Stolperstein werden. Schauen Sie sich nur die Liga an. Jeder kann jeden schlagen, allerdings auch, weil gerade bei den Topteams viele Spieler durch die hohe Belastung verletzt fehlen.
Sie fordern also wie schon ihr Großwallstädter Kollege Michael Roth eine Reduzierung des Termindrucks?
Wenta: Ja , das ist mein größtes Anliegen, die Belastung ist zu hoch, außerdem sollte die Weltmeisterschaft und Europameisterschaft nur alle vier Jahre stattfinden. Die Spieler und auch ich verdienen unser Geld beim SC Magdeburg und das ist unser tägliches Geschäft, somit sollten wir uns voll auf diese Aufgabe konzentrieren können.
Welche Vorteile hätte es, Großereignisse nur alle vier Jahre auszutragen?
Wenta: Das gefällt mir bei anderen Sportarten. Das Event WM und EM wird aufgewertet und die Spieler haben jede zweite Saison eine größere Regenerationsphase. Das würde auch der Qualität der Liga dienen.
Nach der WM starten Sie gegen Hildesheim und Nettelstedt, Mannschaften die wie die nächsten Gegner des SC Magdeburg um den Klassenerhalt kämpfen.
Wenta: Das ist kein leichtes Programm. Meine Männer sind fast alle bei der WM im Einsatz, und diese beide Mannschaften können sich in Ruhe vorbereiten. Uns ist das aber zur Zeit egal. Wir denken von Spiel zu Spiel und für uns ist jedes Spiel ein Endspiel. Wir haben nach der WM exakt ein Training und spielen dann gleich gegen Hildesheim, während sich die Hildesheimer in Ruhe vorbereiten können. Und dann in Nettelstedt das gleiche nur vier Tage später.
Mit Johannes Bitter verliert Magdeburg einen deutschen Nationalspieler zur neuen Saison zum Konkurrenten Hamburger SV. Wer kommt für ihn?
Wenta: Daran arbeiten wir logischerweise. Ich bin mit unseren Torhütern sehr zufrieden und finde es schade das Jogi zum HSV Hamburg geht, aber sosehr ich als Trainer unglücklich darüber bin, respektiere ich seine Entscheidung voll und ganz.
Mit Oliver Roggisch verlieren Sie einen weiteren deutschen Nationalspieler nach Kronau, Stefan Kretzschmar bleibt Magdeburg dagegen erhalten. Können Sie über weitere Veränderung berichten?
Wenta: Unser Etat reicht leider nicht für ganz oben, und wir haben leider kein Geld zum Umherwerfen wie Herr Rudolph in Hamburg, deshalb sind wir gezwungen, mit unseren Möglichkeiten zu arbeiten. In einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann, ist alles möglich, sehen sie unser Spiel gegen Kiel. Das ist das Schöne am Handball.
Wenn Sie sich einen neuen Spieler unter dem Weihnachtsbaum hätten wünschen dürfen, wer wäre das gewesen?
Wenta: Da ich immer Realist bin und viel Erfahrung in meiner Karriere gesammelt habe, gibt es nur eine Antwort: Ich hätte gerne einen Mannschaftsspieler, einen Spieler der eine Mannschaft führen kann und ihr Impulse gibt.
Wer wäre das?
Wenta: Schauen Sie doch mal nach Großwallstadt, Heiko Grimm, das ist so einer. Der macht viele Dinge, mit denen keiner rechnet, aber er ist ein absoluter Mannschaftsspieler, das hat er letzte Saison bewiesen und in dieser tut er es auch wieder.
Und privat, was lag da unter dem Weihnachtsbaum bei Bogdan Wenta?
Wenta: Ich freue mich, dass ich mit meiner Familie ein paar Stunden verbringen kann. Da wir Spieler und Trainer in diesem Termindruck wie Zigeuner unterwegs sind, ist es schön, dass wir gemeinsam mit unseren Familien Weihnachten feiern und gesund sind. Das ist das schönste Geschenk.
Wie kommt Bogdan Wenta mit der Doppelbelastung Magdeburg und polnischer Nationaltrainer klar?
Wenta: Bisher kann ich nicht klagen. Mein Co Trainer bei der Nationalmannschaft Daniel Waszkiewicz, der früher auch in der Bundesliga für Kiel und Schwartau gespielt hat, ist zur Zeit mit den Spieler aus der polnischen Liga am arbeiten und wir stimmen uns permanent ab. Das läuft reibungslos, und der Job in Magdeburg ist natürlich eine große Ehre für mich, gleich bei einem Top-Team in der Liga als erste Station einzusteigen. Aber ich bin seid über 20 Jahren Profi und großem Druck ausgesetzt, da ist eine Doppelbelastung eine weitere Herausforderung.
Was bringt uns die WM in Deutschland?
Wenta: Ich freue mich riesig auf den Event, und wenn es nach mir geht, könnten wir alle zukünftigen Weltmeisterschaften in Deutschland spielen. Hier stimmen die Hallen, die Fans, die Stimmung, die Organisation. Die WM in Deutschland wird ein Riesenevent, das war in der Vergangenheit nicht überall der Fall.
Und für Ihr Team? Freuen Sie sich schon auf die Hauptrunde?
Wenta: Alle reden in unserer Vorrundengruppe nur von Deutschland und Polen , aber ich schaue auf alle Mannschaften der Gruppe. Ich respektiere jeden Gegner und der Handball in Südamerika hat sich weiterentwickelt. Brasilien und Argentinien sind auf dem Papier einfach, aber bei der Handball-WM in Portugal haben die Argentinier als einziges Team den späteren Weltmeister Kroatien geschlagen. Damals hat die ganze Welt über die Kroaten gelacht, eine WM hat bisher immer Überraschungen parat gehalten. Wenn wir in die Hauptrunde wollen, müssen wir uns gegen jeden Gegner voll konzentrieren, dann haben wir eine Chance.
Aber Deutschland als Austragungsort einer WM ist für Polen doch ein gutes Omen, 1982 belegte Ihr Land Platz 3?
Wenta: Ich erinnere mich noch sehr gut daran , ich war 19 Jahre alt und Reservist und am Ende waren wir 3., weil wir mental frisch waren. Wenn meine Mannschaft mit der richtigen mentalen Frische ins Turnier kommt, haben wir auch 2007 wieder eine Außenseiterchance, die haben aber viele andere Teams auch. Die Favoriten haben bei den letzten zwei Weltmeisterschaften nicht gewonnen. Kroatien hatte 2003 niemand auf der Rechnung und Spanien war 2005 auch nicht unbedingt vor dem Turnier der große Favorit.
Was traut Bogdan Wenta Deutschland bei der WM jetzt nach den vielen Verletzungen zu?
Wenta: Deutschland hat einen Heimvorteil und wenn sie diesen nutzen haben auch sie eine Chance auf das Halbfinale.
Quelle: handball-world.com