Einen Teil der Nationalspielerinnen austauschen ??? Das wäre der dritte vor dem ersten Schritt getan, übrigens in den letzten Jahren auch schon oft genug praktiziert. Was unter den aktuellen Bedingungen dabei herauskommt ist bekannt, die Ergebnisse bei internationalen Turnieren sprechen da eine deutliche Sprache. Die Probleme sind viel grundsätzlicher.
Der DHB hat der eigenen Basis die Beine weggedroschen, der Nachwuchs- und Breitenbereich verhungert an der ausgestreckten Hand der DHB-Führungsriege, die dabei den in diesem Bereich immer weniger werdenden Übungsleitern und Helfern auch noch sprichwörtlich die Gurgel zudrückt …
Dabei ist die Situation gerade für den Frauenhandball kreuzgefährlich, das ohnehin schrumpfende Potential an sportinteressierten und halbwegs begabten Kindern wird derzeit durch den aktuell enorm gepuschten Frauenfußball aufgesogen und das substanziell veränderte Regelwerk im Handball treibt die großgewachsenen Talente verstärkt Richtung Volleyball und andere weniger verletzungsintensive Sportarten.
Wenn jetzt der DHB nicht sofort intern einen grundsätzlichen Strategiewechsel einleitet und sich darüber hinaus auch zusammen mit der EHF für die notwendigen Regeländerungen einsetzt, die im Wesentlichen in der Rücknahme/Korrektur der irrsinnigen spielbeschleunigenden Rennballregeln bestehen müssten, wird der Handball im Mutterland dieser Sportart recht schnell zu dem, was viele im Frauenhandball jetzt schon zu erkennen glauben: Eine unbedeutende Randsportart mit einem kleinen Häufchen Handballverrückter, denen die Höhenflüge der Verbandsoberen und vielleicht einer Handvoll Profivereine am Allerwertesten vorbeigehen.
Eine Entwicklung, die im Frauenhandhandball schon begonnen hat (lest noch mal meine ersten Kommentare in diesem Forum zu diesem Thema!!!) und die eher früher als später auch dem Männerhandball nicht erspart bleiben wird. Wo dann in der Perspektive die Talente herkommen sollen, dürfen die Befürworter dieses selbstmörderischen Systems gerne erklären. Sie mögen aber bitte in ihre Überlegungen einbeziehen, dass der aktuell praktizierte Rennball für viele Kinder und Jugendliche im Breitensportbereich nicht (mehr) attraktiv ist und schon aus diesem Grund viele Mannschaften zerfallen bzw. gar nicht erst entstehen. Die aus diesem Dilemma heraus vielerorts gebildeten Spielgemeinschaften sind nur eine temporäre Notlösung, da scheitert es zukünftig schon an den hohen Fahrtkosten, die in dieser Konstellation für jeden Trainingstag (!) von den Eltern oder den Spielern selbst aufgebracht werden müssen. Und wer bisher geglaubt hat, Handball als Leistungssport funktioniert auch ohne massiv vom Verband geförderte Basis im Breitensport, der hat trotz der wiederum desolaten Vorstellung unserer Frauen-Nationalmannschaft offensichtlich immer noch nicht verstanden, dass Mannschaftssport als System im Ganzen grundsätzlich anders zu gestalten ist als Individualsportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen. Mannschaftssport als Organisationsstruktur innerhalb eines Sportverbandes betrachtet funktioniert wie ein lebendiges Wesen. Wer wesentliche Teile amputiert oder verkümmern lässt darf sich nicht wundern, wenn der ganze Organismus dahinsiecht und letztendlich seinen Geist aufgibt.
Gerade zu dem Thema Regeländerungen und Regelinterpretation gäbe es ebenfalls noch viel zu schreiben, denn die korrekte Regelauslegung durch die Unparteiischen hat gerade bei einem solchen Turnier eigentlich Vorbildcharakter. Oder eben auch nicht und schreckt in diesem Fall dann viele potentielle oder schon aktive Neueinsteiger (nicht nur die jungen Sportler, sondern insbesondere auch die Eltern!) wieder ab, denn wenn regelmäßig eine Wahrnehmung von vielen großen und kleinen Ungerechtigkeiten gegeben ist wachsen die Zweifel, ob man wirklich die richtige Sportart gewählt hat, schnell in’s Unermessliche. Dass mangelhafte Schiedsrichterleistungen und die exorbitant gestiegene Verletzungsgefahr in einem direkten Zusammenhang stehen, brauche ich hier sicherlich nicht extra zu erläutern. Dass die Regeländerungen der letzten Jahre hier ebenso eine unrühmliche Rolle spielen haben viele Verantwortliche aber offensichtlich noch nicht wahrgenommen. Dabei ist die in der aktuell von allen oberen Verbandsebenen (national wie international) favorisierte Rennballvariante unseres geliebten und traditionsreichen Handballsports nicht nur aber doch vor allen Dingen auch in dieser Hinsicht nach meiner Überzeugung einer der entscheidenden Sargnägel auf dem Weg in’s Nirvana. Diese in den letzten Jahren vollzogenen Regeländerungen braucht kein Mensch, Handball ist auch so dynamisch genug und die athletische Komponente hatte schon immer einen hohen Stellenwert.
Ich könnte hier noch viele Argumente bringen, aber die verhaltenen bis abweisenden Reaktionen auf meine bisherigen Ausführungen zu dieser Grundsatzproblematik in diesem Forum lassen mich zögern und zweifeln, ob das wirklich Sinn macht. Dabei betreibe ich diesen nicht erheblichen Aufwand nicht, um hier irgendwen zu ärgern oder gar bloßzustellen. Mich treibt die Sorge und die Angst, dass Handball in absehbarer Zeit keine Rolle mehr spielt im gesellschaftlichen Leben. Und damit auch für die nachfolgenden Generationen als alternative und intelligente Mannschaftssportart verloren geht.
Wollen wir dem omnipräsenten Fußball wirklich das Spielfeld überlassen?