Der THW scheint halt entweder in der HBL die meisten Spieler im Kader zu haben, die den Grat an "Was erlauben die Schiedsrichter?" ziemlich gut austesten zu können ODER es gibt einen minimalen Bonus.
Clevere Spieler, die da bis an die erlaubten Grenzen gehen können, haben sie genug. Wenn dann die Schiedsrichter eben manches laufen lassen, was man hinterfragen könnte, nehmen sie das eben mit.
Auch da wären ggf. die Schiedsrichter mal mehr gefragt, allgemein Grenzen zu setzen und auch einzuhalten - gilt aber nicht nur für den THW oder dieses Spiel.
Es gab bspw. 3 sehr ähnliche Situationen, mindestens 2 Mal Weinhold, wo er entweder komplett dilletantisch versucht ein Stürmerfoul zu ziehen und im Fallen den Angreifer mit auf die Matte legt - er kann doch den Schritt raus gehen, den Kontakt aufnehmen lassen und sich einfach fallen lassen? - oder eben direkt das Stoppfoul begehen will und den an ihm vorbei ziehenden Angreifer genauso auf die Matte legt. Das hatte in den Situationen, gerade 1. Halbzeit eben Methodik, wo man nicht verstehen kann, warum es nur oder überhaupt ein Mal 2 Minuten für gab.
Entweder er versucht das Stürmerfoul zu ziehen, in dem er nach dem Schritt nach vorne und dem Kontakt einfach umfällt - was er einmal probiert und dann weiß, ob es klappt - oder in dieser gleichen Situation muss es eben auch drei Zeitstrafen für geben.
Solange inkonsequente Schiedsrichter sowas, egal auf welcher Seite, mal so und mal so pfeiffen, kann man es natürlich auch als ausgefuchsten Zermürbungskampf sehen.
Allgemein zum Spiel:
Es war über weite Teilen eine tolle Abwehrschlacht, wobei die Kieler eben wieder über 60 Minuten diese Leistung in der Deckung bringen konnten und der SCM eben nicht bzw halt zermürbt wurde. Der Kern des Sieges war die Abwehrleistung. Landin war das i-Tüpfelchen oben drauf, aber selbst mit einem durchschnittlichen Keeper hätte der THW das Spiel gewonnen.
Gerade unter den fachkundigeren Handball-Fans sollte ja auch allgemein bekannt sein, dass eben solche Spiele nicht dadurch hervorstechen, dass man dem jeweiligen Gegner seinen jeweiligen Angriffsstil uneingeschränkt gönnt. Finalspiele sind doch eher selten "handballerische Leckerbissen", was die offensiven Systeme angeht.
Das mag schon sein, dass der SCM dann in solchen Spielen gegen solche absoluten Top-Gegner gerade in einem eng getakteten Spielplan doch 1-2% Opfer ihrer eigenen Spielweise werden, gerade, wenn man es noch nicht raus hat, dann, wenn man kann, doch noch hier und da ein paar Körner zu sparen.
Der breite Kader stimmt eben auch nur auf dem Papier:
Wiegert hält, wie schon immer, in den entscheidenden Spielphasen bei engen Spielen an seiner stärksten 6 fest. Man muss sich eben auch die Frage stellen, wer von den wenig oder gar nicht eingesetzten Spielern es verlässlich hätte rumreißen können. Beim Torwart wäre es wieder die leidige Diskussion, warum Jenssen nicht einfach früher oder direkt von Anfang gebracht wird. Einfach mal machen, schlimmer geht's eh schon nicht mehr. Jenssen ist eben einfach auch zu groß und stabil, um so kunstvoll, kreativ und reaktionsschnell den gegnerischen Torwürfen ausweichen zu können. Da passiert eben auch garantiert mal die ein oder andere Parade.
Zu den Rückraum-Alternativen:
Wie auch Kretzsche kommentierte, wäre bspw. auch ein Damgaard an der Kieler Physis zerschellt. Da passte Webers Physis eben besser.
Bezjak als Spielmacher hätte auch keine Wende gebracht. Für den Spielstil von Bezjak hat man Magnusson schon auf der Platte und der hat wenigstens auch Zug zum Tor und wirft auch mal von hinten.
Kristjansson als schneller 1:1 Spieler zum Lücken reißen hätte auch nicht sinnvoll durch wen anderes ersetzt werden können.
Es war, für den Kader, den der SCM hat, in Ordnung, es einfach weiter mit Magnusson, Kristjansson und Weber zu versuchen. Das war die erfolgversprechendste Formation und die hat eben heute einfach nicht gereicht.
Dass man dahinter durchaus in Frage stellen darf, dass es eben nur eine auf Wettkampfniveau eingespielte Grundformation bzw. Spielsystem gab, darf man unter den SCM-Fans wieder herzhaft 'diskutieren'. Es fehlt auf RR eben einfach ein Spieler, den man zusammen mit Weber in solchen speziellen Spielsituationen mal aufs Feld bringen kann, wenn man mal eine gewisse Physis aus dem Rückraum braucht, um auch mal von 2 Seiten über die Abwehr zu kommen.