Hallo liebe Handballfreunde!
Im diesem Thema wird viel subjektive Erfahrung vermittelt. Oft ist der Ansatz (wie das halt bei einem Sportler so ist): mit Training bekomme ich das wieder hin! Dass das nur die halbe Wahrheit ist, könnt Ihr in den mahnenden Beiträgen, wie z.B. von HSV-Ilka, lesen.
Die "Arthrose-Karriere" beginnt beim jungen Sportler meist mit einem Unfall. Dies trifft meist das Knie, aber auch das oberer Sprunggelenk (z.B. "Verknicken" mit oder ohne Aussenbandriss, aber meist bleibenden Schmerzen) oder die Schulter (nach Luxation/Ausrenken). Am Knie kann der Meniskus u/o die Kreuzbänder u/o der Knorpel direkt betroffen sein. Allen diesen Verletzungen gemeinsam ist jedoch, dass diese frühr oder später den Gelenkknorpel (Gleitfläche, GF) schädigen können. Bei einem Kreuzbandriss kommt es beim Verdrehen durch punktuelle Überlastung in ca. 70% der Fälle zu einem gleichzeitig mehr oder weniger grossen Knorpeldefekt.Ob man das Kreuzband operiert oder nicht, die Arthroseraten im Alter sind ungefähr gleich. Beim entfernten Meniskus (passt neben seiner stabilisierenden Barriere Wirkung die runde Oberschenkelrolle-GF der flachen Unterschenkel-GF an) kommt es durch sein Fehlen zu einer Mehrbelastung der restlichen GF und zur langfristigen Überlastung und damit zum Knorpelverbrauch. Dieser Mechanismus kann aber 20-30 Jahre dauern.
Der Knorpel ist bildlich gesprochen eine Eisschicht. Nur dass er leicht elastisch ist. Darunter kommt der Knochen. Je mehr schöne, glatte "Eisschicht" auf dem Knochen liegt, desto besser kann das Gelenk gleiten. Je ausgeprägter die "Eisschicht" in ihrer Dicke aber auch Fläche (die Gesamtgrösse des Defekts spielt natürlich eine genau so grosse Rolle) geschädigt wird, desto ausgeprägter die Arthrose. Kleinere Schäden kann der Körper vielleicht noch kompensieren. Wenn man Glück hat, kann man den Defekt-Status auf einem Niveau halten (vorhandener, jedoch nicht fortschreitender Schaden). DOCH MEIST ist der Knorpelschaden ein stetig fortschreitender Prozess, da die Gleichtfläche nicht mehr glatt ist und sich damit weiter aufraut und vergrösster. Auch ist die Knorpelregeneration (nach dem Schluss der Wachstumsfugen) "gleich null", so dass der Knorpelschaden mit der Zeit zunimmt. Das Vollbild eines Knorpelschadens (Grad I-IV) wird Arthose genannt. Dies geht dann auch mit Veränderungen am Knochen einher. Aber nicht jeder Knorpelschaden oder jede Arthrose bereitet sofort oder immer Schmerzen. U.g. Faktoren können das Schmerzgeschehen beeinflussen. Hat das Gelenk den "Point -of-no-return" überschritten, bekommt es ein Haltbarkeitsdatum. Wann das ist, kann keiner genau sagen. Und wann Schmerzen dazu kommen auch nicht. Das hängt von der weiteren Belastung der betroffenen Knorpelareale ab. Dann kann man sich den Knorpel ehr wie eine Bremsscheibe beim Auto vorstellen. Es ist eine Frage der Zeit und des Bremsverhaltens (Belastungsverhalten) bis der Belag runter ist. Beim Mensch zeigen sich Abhängigkeiten (aber auch Beeinflussbarkeiten) durch Knörpergewicht, der Art und Summe der Belastung, der Beinachse, dem Dehnungs- und Trainingzustand der Muskulatur u.v.m.
"Wer rastet, der rostet" stimmt dann immer noch, doch dann heisst es "Belasten ja, Überlasten nein!" Das Gelenk sollte dann den Takt vorgeben und nicht mehr der Kopf. Schwellung und Schmerzen sind eindeutige Warnhinweise für eine Überlastung. Diese gilt es unbedingt zu vermeiden, da hierdurch Entzündungsreaktionen (Entzündungsmediatoren) im Gelenk in Gang gesetzt werden, die dann wiederum dem Knorpel zusetzen.
Wieviel man aber seinem Knie nach einer Knorpelverletzung abverlangt, hängt von einem selbst ab. Das kann man sich wie sein Bankkonto vorstellen. Man hat das recht abzuheben, doch leider kann man nichts mehr darauf einzahlen!
Und wenn das Konto dann leer ist, muss man die Rechnung zahlen. Anfänglich kommt man je nach Ausmass (Tiefe) des Defekts mit arthroskopischen Eingriffen (Gelenkspiegelung) zurecht. Bei oberflächlichen Schäden genugt anfänglich das Abtragen von Fransen oder Knorpelschuppen, die vor der Ablösung stehen. Geht ein Schaden bis auf den Knochen, kann man z.B. ein Loch in den Knochen bohren um Stammzellen und Blut an den Ort des Geschehens zu holen. Es bildet sich ein Regeneratsknorpel, der aber nicht mehr die mechanischen Eigenschaften eines normaler Knorpel besitzt. Dies kann b.B. mit dem Einnähen einer Kollagenmebran kombiniert werden, die durch das "Vor-Ort-Halten" der Stammzellen die Ausbildung eines besseren Knorpels begünstigen sollen. Auch kann man das umschriebene, kaputte Rasenstück ausstanzen und durch ein schönes Stück rasen ersetzen (Mosaikplastik). Hat sich aber eine grossflächige Schädigung eingestellt (der anfänglich lokale Defekt "kratzt" an der Gegenseite) können u.U. diese Methoden nicht mehr eingesetzt werden. Sind arthroskopische Eingriffe nicht mehr vielversprechend werden nochmals alle Register gezogen, um den nächsten operativen Eingriff abzuwenden: Übergeweicht abbauen; Dehnungszustände verbessern um den Druck auf das Gelenk zu reduzieren; leichter, schmerzfreier! Muskelaufbau aller! umliegender Muskeln, um die Kraftbelastung besser zu verteilen. Eine besondere Rolle spielt dann die Beinachse. Diese kann durch Umstellungsosteotomien geändert werden, um den betroffenen Gelenkabschnitt von der Belastung zu befreien. Doch auch diese Massnahme hat nur einen zeitlich begrenzten Einfluss, so dass am Ende noch die Knieprothese zur Verfügung steht. Ist nur eine Häfte des Knies betroffen, kann ggf. nur eine "halbe Prothese" implantiert werden, sind mehrere Abschnitte betroffen hilft nur noch eine Totalprothese. DOCH eine Prothese ist kein lebender Organismus, der sich regenerieren kann. Sie nutzt sich nur ab, d.h. sie hat eine begrenzte Lebensdauer (auch das beste Auto geht einmal kaputt). Das will heissen, bekommt man in jungen Jahren eine Prothese läuft man Gefahr, dass man diese im Alter auswechsel muss.
Die Operationen werden nach und nach jedoch für den Patienten immer aufwendiger und sind auch in der Rehabilitation zeitlich länger. Es macht Sinn sich mit einem zu unterhalten, der die jeweilige Operation schon hinter sich gebracht hat. Dann weiss man erst was auf einen zu kommt.
Aber "jeder ist seines eigen Glückes Schmied" und fair geht vor!