Neuigkeiten aus der Presse:
Mopo von heute:
Zukunfts-Konzept: Vier Beine, ein »Klub 50« und weiter Titel-Jagd
Nils Weber
Unbeirrt plant der HSV für die nächste Saison und bis 2010
„Nach vorne schauen“ lautet das Motto des neuen HSV-Präsidenten, denn von der schwierigen Vergangenheit des Klubs wisse er nur wenig. Und so stellte Andreas Rudolph gestern „keinen Sanierungsplan, sondern ein Konzept für die Zukunft des HSV“ in groben Zügen vor.
Dieses soll bis Mitte nächster Woche zu Papier gebracht sein. „Es wird ein Konzept für die Saison 2005/ 2006 sein mit Aussichten bis 2010“, erklärte der Hamburger Unternehmer. Es soll der Handball-Bundesliga am 24. Januar präsentiert werden. Ein entscheidender Termin.
„Wir wollen den HSV auf vier Beine stellen“, kündigt Rudolph an. Diese sollen den für die kommende Saison geplanten Etat von 4,5 Millionen Euro decken. 40 Prozent davon sollen durch Sponsoren erbracht werden, 25 Prozent durch Zuschauereinnahmen, 20 Prozent durch einen „Klub 50“ sowie 10 bis 15 Prozent durch zu gewinnende Vereinsmitglieder.
Der noch zu gründende „Klub 50“ soll sich aus mittelständischen Unternehmen zusammensetzen. „Wir haben noch nicht mal die Hälfte zusammen“, räumt der neue Boss ein. Mit der Anwerbung neuer Mitglieder wurde gerade begonnen. Unerlässlich seien „zwei, drei neue Großsponsoren“.
Innerhalb des Vereins sollen die Aufgaben künftig deutlicher strukturiert werder. Dazu gehört die Gründung des seit Monaten geplanten Aufsichtsrats.
Forciert wird auch die Initiative im Bereich Zuschauer (derzeitiger Schnitt 5700), die noch nicht so zahlreich wie geplant (6500) zu den Heimspielen strömen. „Wir werden verstärkt im Bereich Fanklub, Zuschauergewinnung und -betreuung arbeiten“, so Rudolph, der ankündigte, auch die HSV-Stars außerhalb des Spielfeldes „noch mehr zu nutzen“.
Am Kader solle nicht gespart werden, denn der neue Boss will mit dem HSV auch in Zukunft um Titel mitspielen. Noch steht dieser Zukunft allerdings die Gegenwart im Weg – ganz zu schweigen von der Vergangenheit.
ebenda (schönes Wort):
HSV: Der Weg in die Freiheit
Dirk Hoffmann
Wie sich der Klub von Klimek trennt / Insolvenzantrag gegen Omni Sport / 8-Punkte-Abzug fraglich
Die HSV Handballer haben Pause bis zum 11. Februar, die Verantwortlichen um Boss Andreas Rudolph geben Vollgas! Im Business Center des Terminal 4 am Flughafen Fuhlsbüttel stellten die Verantwortlichen die Wege in eine (hoffentlich) goldene Zukunft vor.
Der Vertrag mit dem wirtschaftlichen Träger Omni Sport GmbH und Co. KG, dessen Geschäftsführer Winni Klimek inhaftiert ist, läuft eigentlich bis 2007, wird aber zum 30. Juni außerordentlich gekündigt. Juristisch sei das, so Anwalt Claus Runge, leicht zu begründen: Nicht eingehaltene Zahlungsverpflichtungen (u.a. Spielergehälter Dezember), eine testierte Bilanz liegt auch nicht vor. Die Spieler kündigen ebenso ihre Verträge bei der Omni Sport zum 30. Juni, werden bis Saisonende direkt vom Verein bezahlt. Heißt: Der wirtschaftliche Träger wird nicht gewechselt, die Statuten der Handball-Bundesliga (HBL) werden eingehalten.
Schon heute oder spätestens morgen wird aus dem Umfeld des HSV ein Gläubiger Insolvenzantrag gegen die Omni Sport stellen. Anwalt Claus Runge: „Ich rechne nicht damit, dass vor dem 30. Juni ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.“ Nur wenn das der Fall wäre, würde das einen Zwangsabstieg nach sich ziehen. „Ein Insolvenzverwalter muss die Gesamtsituation des Klubs im Auge haben, dazu gehört ein laufender Spielbetrieb“, begründet Runge seinen Optimismus.
Beim Einspruch gegen den Acht-Punkte-Abzug wegen nicht erfüllter Lizenzauflagen hat man gute Argumente. Runge: „Es gibt im nicht unerheblichen Maße formale Mängel.“ So wurde die Bestrafung durch die HBL-GmbH ausgesprochen und nicht durch den Vorstand der HBL, zudem beziehe sich der Bescheid auf die Feststellung des Gutachterausschusses. Runge: „Nichts ist protokolliert, wir wissen gar nicht, gegen was wir uns verteidigen sollen.“ Der HSV hofft in einem Schiedsverfahren die Strafe ganz oder zumindest teilweise aus der Welt schaffen zu können.
und die Welt Hamburg:
HSV Handball strebt schnelle Trennung von Omni Sport an
Mahnung an den wirtschaftlichen Träger geschickt - Insolvenzantrag noch in dieser Woche erwartet - Präsident Rudolph legt Zukunftskonzept vor
von Julien Wolff
Die Zukunft des Projektes HSV Handball nimmt konkrete Formen an. Der neue Präsident Andreas Rudolph präsentierte am Montag ein Konzept, mit dem er nicht nur die Existenz des Bundesliga-Teams kurzfristig sichern, sondern den Verein auf eine solide Basis stellen will. Wichtigster und zugleich wohl schwierigster Akt ist dabei die Trennung vom bisherigen wirtschaftlichen Träger Omni Sport GmbH & Co KG. Gegen die mit rund zwei Millionen Euro verschuldete Firma, deren Hauptgesellschafter der in Untersuchungshaft sitzende Winfried M. Klimek ist, hat der HSV Handball bereits eine erste Mahnung eingereicht. "Es gibt einen Katalog von Kündigungsgründen", erklärte Rudolph am Montag. Weitere Mahnungen sollen demnächst folgen.
Rudolph und seine Mitstreiter im HSV haben zudem "eindeutige Erkenntnisse", daß es noch in dieser Woche einen "Fremdantrag auf Insolvenz" gegen die Omni Sport GmbH & Co. KG geben wird. Wenn dies geschieht, müssen die Handballer darauf hoffen, daß das Insolvenzverfahren aber frühestens im Juni nach Abschluß der laufenden Bundesligasaison eröffnet wird. Sollte es früher eröffnet werden, wird der HSV zum Zwangsabsteiger deklariert. Nach Einschätzung des rechtlichen Beistandes des HSV, Klaus Runge, bestehen gute Aussichten, daß das Insolvenzverfahren erst Mitte des Jahres eröffnet werden könnte. Ein Fremdantrag auf Insolvenz käme zuvor einer zu befürchtenden Insolvenzanmeldung durch den Hauptgesellschafter Winfried M. Klimek zuvor.
Die Planungen der HSV-Führung sehen zudem vor, daß nach der Trennung von Omni Sport der Verein selbst bis zum Saisonende die notwendigen Geschäfte tätigt und mit Beginn der neuen Saison ein neuer wirtschaftlicher Träger installiert werden soll. Bis dahin sollen auch die Spieler direkt beim Verein angestellt sein, an den dann auch die Einnahmen fließen. "Wir werden den Spielbetrieb aufrechterhalten und die Gehälter an die Spieler sicher zahlen", sagte Rudolph weiter.
Unter Mithilfe von Anwalt Runge hat der HSV Handball zudem wie angekündigt Einspruch gegen den von der Handball-Bundesliga (HBL) verhängten Abzug von acht Punkten beim zuständigen Schiedsgericht eingelegt. "Die Strafe hat formelle Mängel in nicht unerheblichem Ausmaß", erklärte Runge am Montag. So sei sie zum Beispiel von der HBL GmbH verhängt worden, nicht aber wie in den Statuten festgelegt, vom HBL e. V. "Wir werden versuchen, diesen Punktabzug ganz aufheben oder zumindest in ein tragbares Maß verändern zu lassen", meinte Runge. Er erklärte zudem, daß das Strafmaß lediglich auf dem Vortrag eines Gutachters beruhe, von dem nichts manifestiert oder protokolliert worden sei. Überraschend bei diesem Einspruch ist, daß laut Rudolph das Vorgehen des HSV mit dem HBL-Vorstand abgesprochen sei. "Unser Ziel ist der Schulterschluß mit der HBL", so Rudolph.
Bis Mitte kommender Woche will der neue Präsident, der dem HSV Handball auch schon aus kurzfristigen finanziellen Engpässen geholfen hat, ein umfangreiches Konzept für die kommende Saison mit Perspektive bis 2010 vorstellen. Die Eckpunkte nannte er bereits am Montag. So will er mit seinen Mitstreitern dem Verein eine "Philosophie geben", die sportlichen Ambitionen konkret formulieren, die Mitgliederentwicklung voranbringen, einen "Club 50" mit Kleinsponsoren nach dem Vorbild des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt gründen, das Merchandising intensivieren, vier bis fünf Großsponsoren gewinnen, den Handball in die Hamburger Umgebung einbinden, die Organisationsstruktur mit Vorstand und Aufsichtsrat festlegen, die Position innerhalb der HBL formulieren sowie einen Finanzplan für die kommende Saison und die weiteren Jahre aufstellen.
Präsident Rudolph plant, daß künftig 40 Prozent der Gesamteinnahmen von den großen Werbepartnern kommen, 25 Prozent durch die Zuschauer, 20 Prozent durch den "Club 50" und die restlichen 15 Prozent durch die fördernden Mitglieder.