HSV erleidet schweren Rückfall
Handball: Hamburg - Göppingen 29:34 (13:18). Zweite Bundesliga-Niederlage unter dem neuen Trainer Martin Schwalb.
Von Rainer Grünberg
Hamburg -
Göppingen, immer wieder Göppingen. Irgendwie ist es, als würde dieser Gegner den HSV-Handballern in dieser Bundesligasaison den Weg weisen. Eingangs der Spielzeit verloren die Hamburger dort mit 26:33, es war die erste Folge einer Serie von Enttäuschungen. Gestern nun, zum Auftakt der Rückrunde, traf man sich in der Color-Line-Arena wieder, und der HSV wirkte dabei, als habe er in diesen 13 Wochen keinerlei Entwicklung durchlebt. 29:34 (13:19) hieß es am Ende - ein schwerer Rückfall in die Zeit des Rumpelhandballs.
Keine Leidenschaft, kein Tempo, keine Konzentration vorm Tor: Verheerender hätte der letzte Eindruck, der in der nun folgenden sechswöchigen Winterpause haftenbleibt, kaum ausfallen können. Mit hängenden Schultern tigerte Trainer Martin Schwalb vor der HSV-Spielerbank auf und ab, ihm war die Erschütterung ins Gesicht geschrieben. Die Stimmung unter den 7342 Zuschauern - der Oberrang blieb fast leer, offenbar sahen viele potentielle Besucher von der schneeverhangenen Anreise nach Stellingen ab - hatte sich trotz der redlichen Bemühungen von Maskottchen Herbert Kröger bald den Außentemperaturen angepaßt. Sollte das mitreißend schnelle Spiel zwei Tage zuvor beim 39:30 gegen Wetzlar dem HSV den Atem geraubt haben?
Dabei hätten die Voraussetzungen nach zuvor 11:3 Punkten besser kaum sein können. Schon in der zweiten Minute nahm HSV-Spielmacher Guillaume Gille Göppingens Volker Michel aus dem Spiel - der Torjäger schied nach der Attacke mit Verdacht auf Nasenbeinbruch aus und kam erst zur zweiten Halbzeit wieder. Zudem wurden die Gäste von den Schiedsrichtern großzügig mit Zeitstrafen bedacht. Mehr noch: Allein in der ersten Hälfte konnten Hamburgs Torhüter Goran Stojanovic und Henning Wiechers vier Siebenmeter parieren.
Bezeichnend allerdings für diesen Abend, daß die Göppinger zweimal im Nachwurf erfolgreich waren. Die zweite Niederlage unter Schwalb nahm früh ihren Lauf. Nach zehn Minuten stand es 3:8, nach 25 gar 10:18. Da konnte es der neue Trainer durchaus riskieren, Branko Kokir ab der 20. Minute auf der Spielmacherposition zu testen. Der Serbe immerhin konnte die Hamburger bis zur 50. Minute wieder auf 25:28 heranführen.
Doch noch bevor Spannung aufkeimen konnte, wurde jegliche Siegchance kläglich weggeworfen. Torsten Jansen und Igor Lavrov scheiterten mit insgesamt drei Siebenmetern, Stefan Schröder vergab freistehend vor Göppingens Torhüter Martin Galia, der mit insgesamt 21 Paraden (6 Siebenmeter) den Sieg festhielt.
Eine derart lustlose Darbietung des HSV hatte man zuletzt wohl am 20. April gesehen. Seinerzeit hieß es am Ende 26:31, es war der Anfang vom Ende für den damaligen Hamburger Coach Bob Hanning. Der Gegner damals: Göppingen.
Statistik: Tore: Hamburg: Jansen 8 (2 Siebenmeter), Lavrov 5 (4), Pungartnik 4 (2), Lijewski 4, Kokir 2, Flohr 2, Hens 2, Rastner 2; Göppingen: Oprea 9 (3), Stelmokas 7, Kraus 4, Michel 4 (1), V. Rajkovic 4, Blecic 2, Schöne 2, Knezevic 1, Schweikardt 1. - Schiedsrichter: Dang/Zacharias (Mainz). - Zuschauer: 7342. - Zeitstrafen: 3; 9. - Rote Karte: G. Gille (Hamburg) nach 3 Zeitstrafen (59.).
erschienen am 30. Dezember 2005