Hier der Artikel "Hamburger Abendblatt"
Die Posse geht weiter :
Handball: HSV-Chef de Buhr wirft hin
Wilfried de Buhr kündigte seinen Treuhändervertrag erwartungsgemäß
Hamburg - Gleich zwei wichtige Fristen liefen für den HSV Hamburg am Freitag ab, nur eine konnte der Handball-Bundesligaklub einhalten. Dank Sponsoren wurde die Color-Line-Arena-Miete (24 000 Euro) für das Spiel gegen Pfullingen am Sonnabend (19 Uhr) aufgebracht.
Die zweite mußte man tatenlos verstreichen lassen. Die vom Ligaverband HBL geforderte testierte Bilanz seines wirtschaftlichen Trägers Omni Sport GmbH & Co. KG konnte der HSV wie angekündigt nicht vorlegen - ein Verstoß gegen die Auflagen. Wegen falscher Angaben im Lizenzverfahren hatte sich die HBL bereits auf einen Abzug von vier Punkten verständigt, am Mittwoch droht nun die Höchststrafe (8 Punkte). "Das wäre gerecht", plädierte der HBL-Vorsitzende Bernd-Uwe Hildebrandt in den "Kieler Nachrichten", "der Klub hat uns in den letzten eineinhalb Jahren nur geschadet."
Nachreichen muß der HSV die Bilanz aber nicht. Omni-Sport-Geschäftsführer Winfried M. Klimek, der seit 3. Dezember wegen Betrugsverdachts in Untersuchungshaft sitzt, verweigert ohnehin die erforderliche Unterschrift, um sich nicht für die Fortführung des mit 2,3 Millionen Euro verschuldeten Betriebs haftbar zu machen.
Klimeks designierter Nachfolger ist seit Freitag ein resignierter: Wilfried de Buhr hat seinen Treuhändervertrag erwartungsgemäß gekündigt. "Ich habe nicht die nötige Rückendeckung erfahren, die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war nicht gegeben." Die Vereinsführung hatte in de Buhr, der erst am 21. Oktober angetreten war, einen Klimek-Strohmann gesehen, Präsident Heinz Jacobsen ("Das ist ein Neuanfang") hatte ihn zuletzt nicht in vertrauliche Gespräche einbezogen.
Die von de Buhr verwalteten 70 Prozent GmbH-Anteile gehen nun an Klimek zurück. "Alleiniger Handlungsfähiger" der Omni Sport ist somit Jacobsen als Chef des e. V., der 30 Prozent hält. Er will am Dienstag zusammen mit Fußball-Aufsichtsrat Jürgen Hunke, auf dessen Engagement nun die größten Hoffnungen ruhen, und Wirtschaftsprüfer Jens Lingthaler bei der HBL in Dortmund vorstellig werden, um eine Lösung zu finden.
Ob die Omni Sport vor der Insolvenz gerettet werden kann (und der HSV damit vor dem Zwangsabstieg), ist ungewiß. Drei Wochen hat der Klub laut de Buhr noch Zeit, um liquide zu werden. Er selbst will Lingthaler vier Konzepte zur Überführung der Omni Sport in eine andere Gesellschaft vorgelegt haben. Den Spielbetrieb aus der Omni Sport herauszuschälen verbieten die Ligastatuten. Doch mit Klimek, das haben die Sponsoren klar signalisiert, darf der HSV nicht auf die überlebensnotwendige Finanzspritze hoffen.
Ein juristisch stichfester Weg, den Bundesliga-Handball in der Stadt zu halten, ist kaum in Sicht. Womöglich darf der HSV auf eine "Lex Hamburg" hoffen. Im HBL-Vorstand scheint man bereit, einer Änderung der Lizenzstatuten zuzustimmen. "Nur 20 Prozent der Regeln sind schwarz oder weiß, in der Grauzone lassen sich Lösungen finden", so Hildebrandt vielsagend. rg/leo