Halbzeit bei der WM. Das bietet die Gelegenheit, sich selbst und die Medien im Allgemeinen zu hinterfragen. Wird die Frauenfußball-WM zu einem Mega-Event hochgejazzt, die sie gar nicht ist? Verlieren Kollegen, die das Ereignis pushen (müssen?), ihre kritische Distanz? Wird zu schönfärberisch berichtet?
Zunächst einmal: Zum WM-Eröffnungsspiel kamen über 73.000 Zuschauer ins Berliner Olympiastadion. Sämtliche Partien der deutschen Elf sind ausverkauft, die TV-Quoten liegen im Spitzenbereich. Gegen diese Argumente ist kein Kraut gewachsen. Jede Zeile, die über die WM geschrieben, jede Minute, die gesendet wird, hat ihre Berechtigung. Wenn’s sein muss, auch ein Beitrag über die lackierten Fingernägel von Lira Bajramaj. Und dann: Berichterstattende Menschen, die sich ins selbe Boot wie ihre Zielsubjekte setzen, gab es schon immer und sind kein Problem dieser Frauen-WM, sondern ein generelles.
Was aber in der Tat in diesen Tagen nervt: Niemand spricht explizit aus, dass das spielerische Niveau der Titelkämpfe zum Teil gruselig ist. Dass der Leerlauf in vielen Spielen dazu führte, dass sich der geneigte Beobachter zwischendurch anderen Dingen zugewendet hat. Dass sich selbst Spielerinnen aus Mannschaften wie Schweden, Brasilien und den USA, die der absoluten Weltspitze zugerechnet werden, haarsträubende Stockfehler und Fehlpässe leisteten, die man bei den Männern in dieser Häufigkeit nicht sehen würde.
Es ist Zeit für eine kritische Bestandsaufnahme, denn die Damen hegen (zurecht) den Anspruch, dass ihr Sport ernst genommen wird. Das Schutzmäntelchen über das zu legen, was leider noch zu oft auf dem Rasen passiert, hieße, genau das Gegenteil zu tun – so nach dem Motto: Och, lass sie mal, die Mädels. Die können es ja ohnehin nicht besser.
Wäre das vielleicht fair?