Beiträge von Poweruser

    Lehmann tritt Ratkas Erbe an

    Mannschaftskapitän übernimmt das Traineramt und beendet somit seine aktive Karriere.
    Die HSG ist immer wieder für eine Überraschung gut. Knapp drei Wochen nach dem Tag, als Ex-Trainer Richard Ratka durch seinen Wechsel vom Handball-Bundesliga-Aufsteiger zum Rekordmeister VfL Gummersbach Spieler und Vorstand gleichermaßen unsanft aus der Aufstiegseuphorie riss, durfte gestern erneut gestaunt werden: Mannschaftskapitän Nils Lehmann wurde von HSG-Präsident Erwin Schierle und Manager Frank Flatten als Nachfolger von Richard Ratka präsentiert.
    Der bislang heißeste Trainerkandidat Michael Roth erhielt gestern Morgen eine Absage, wird aber der HSG in wirtschaftlichen Fragen beratend zur Seite stehen.
    "Es war keine einfache Entscheidung. Schließlich war es nie meine Intention Trainer eines Bundesligisten zu werden", gab Lehmann als erste Amtshandlung zu bedenken. Doch wie auch Ratkas Offerte aus Gummersbach sei der Trainerposten "eine einmalige Chance".
    "Nils kennt am besten den Charakter und das System der Mannschaft. Die Gefahr eines Umbruches durch einen vereinsfremden Trainer war uns zu groß", erklärte Flatten die Entscheidung des Vorstandes und der Spieler, mit denen er zuvor Einzelgespräche geführt hatte. Die Zusammenarbeit des Duos Lehmann/Flatten beim OSC Rheinhausen und der SG Solingen dürfte ebenfalls ihren Anteil zur Entscheidung beigetragen haben.
    Diese wurde bereits am Mittwochabend bei einer inoffiziellen Vorstandssitzung getroffen und Lehmanns Spielervertrag durch einen Trainerkontrakt ersetzt. Zunächst für ein Jahr. Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit und eine erste Bestandsaufnahme sind für den 10. Spieltag angepeilt worden, wenn eine erste Standortbestimmung in der Bundesliga-Tabelle absehbar ist.
    Fakt ist auch: der 36-malige Nationalspieler wird seine aktive Laufbahn beenden und nicht als Spielertrainer fungieren. Einzig bei personellen Engpässen will Lehmann nochmals die Schuhe schnüren. Ein neuer Mann soll Lehmanns hinterlassene Lücke in der Abwehr stopfen. Die HSG verhandelt bereits mit mehrern Kandidaten. Der neue Trainer gibt sich derweil optimistisch: "Ich bin bereit für Ratkas Erbe!"

    Aus der NRZ:

    HSG-Trainer: Entscheidung am Mittwoch

    Die Reihe der Bewerber lichtet sich. Dutzende Trainer hatten sich als Nachfolger von Richard Ratka beim Handball-Bundesligisten HSG angeboten. Manager Frank Flatten hat das "Casting" mittlerweile beendet. Drei Kandidaten haben es offenbar in die Endrunde geschafft. Spätestens am Mittwoch nach der Mannschaftssitzung herrscht Gewissheit.

    Zwar stehen Mannschaftskapitän Nils Lehmann und Co-Trainer Ronny Rogawska als Ratkas Erben schon in den Startlöchern. Flatten, der diese Variante favorisiert, prüft dennoch zwei Alternativen. Eine davon könnte dem Duo Lehmann/Rogawska am ehesten die Stirn bieten: Michael Roth, Ex-Trainer des Bundesliga-Absteigers SG Kronau/Östringen.

    "Die HSG ist mir aufgrund des familiären Umfeldes sehr symphatisch, der Kontakt zu Manager Flatten vorhanden. Es gibt zwar noch gegenseitigen Informationsbedarf, doch wäre es sehr interessant, die Nachfolge von Richard Ratka anzutreten", bestätigte Roth gestern gegenüber der NRZ.

    Ein weiteres Gespräch zwischen dem 42-jährigen Ex-Nationalspieler, der gleichzeitig Medienberater und Geschäftsführer einer Promotionfirma ist, und Manager Flatten wird in den nächsten Tagen stattfinden.

    Zitat

    (Nur gegen der HSG aus Nordhorn sind meine Sympathien etwas anders verteilt)

    Und wir sehen dann unseren alten (Spieler und Spielertrainer) Ola Lindgren und unseren ehemaligen Spieler Jan Filip mal wieder.

    Im Moment sieht es danach aus, als wenn Nils Lehmann den neuen Trainer geben würde, zusammen mit unserem Co-Trainer Ronny Rogawska.

    Spielertrainer halte ich in der 1. BL für Porblematisch. Wir hatten das in der 2. BL ja schon mal, mit unserem alten Schweden Olad Lindgren als Trainer und Spieler und Richard auf der Bank. Da hat es eine Zeit funktioniert, aber ob das auch in der 1. BL klappt, sehe ich als sehr Problematisch an. Der Trainer und sein Assi gehören auf die Bank. Der Assi muß ja auch den Zeitnehmertisch ein wenig im Auge behalten.

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    Richard Ratka hat zweifellos gute Arbeit in Düsseldorf geleistet, aber er ist Geschichte.


    So einfach geht das bei uns nicht. Du mußt bedenken, daß Richard 18 Jahre im Verein war. Er war derjenige, der, als keiner wollte, als Trainer einsprang. Er hat Spieler nach Düsseldorf geholt, die einzig und allein wegen seiner sportlichen und persönlichen Qualitäten kamen. Er hat es (zusammen mit Frank Flatten) geschafft, die Mannschaft in der letzten, finanziell sehr knappen, Saison, zusammenzuhalten und zu motivieren. Er wurde bei uns als Spieler Nationalspieler, er hat sein ganzes (sportliches) Leben bei uns verbracht. Und dann sind auch viele persönliche Verbindungen entstanden, über die Jahre. Da kann man nicht einfach sagen er ist Geschichte.. Das dauert schon ein paar Tage.

    So langsam wisch ich mir die Tränen aus den Augen. Ich bin immerhin seit 1989 dabei, habe also viele Höhen und Tiefen miterlebt (Tabellenletzter in der Abstiegssaison mit 0:22 Punkten, dann kam Essen und wr haben gewonnen, Pokalfinale usw). Die nächsten zwei Jahre werde ich (aus beruflichen Gründen) nicht live miterleben können. Ich mag mir aber garnicht vorstellen, wie das ist, wenn Richard bei unserem ersten Heimspiel gegen Gummersbach in der Gästekabine auftaucht und dann auch als Gästetrainer auf der Bank sitzt. Ich habe schon Leute gehört, die gesagt haben: " Das schaffe ich nicht, da bin ich dann nicht dabei!". Aber o.k, es muß ja weitergehen, niemand ist gestorben, nur eine Legende und ein furchtbar lieber Mensch hat Düsseldorf verlassen und ist zu neuen Ufern aufgebrochen. Als wir damals abgestiegen sind, hatte ich mir auch geschworen, nie wieder nach Ratingen zu gehen, sondern nur zu den Spielen in Düsseldorf. Ich habs aber natürlich doch gemacht.

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    Original von Meikel
    Dem Kompliment kann ich mich nur 100 % anschliessen. Ich drücke Euch Düsseldorfern von ganzem Herzen die Daumen bei der Mission Klassenerhalt (und das sagt ein ausgemachter Fan des 1.FC Köln!).

    Das ein oder andere Spiel (speziell in der Philipshalle) werde ich mir auf jeden Fall angucken!

    Darf ich Dir vielleicht dazu noch sagen, daß unser Präsident seit Jahren eine Dauerkarte beim FC hat und sich da auch engagiert !!!! O.k., die letzte Saison mußte er mächtig leiden.

    "Der Familie fehlt der Vater"

    Die Handballprofis der HSG sind vom Wechsel Richard Ratkas geschockt. Das Team bleibt diese Saison zusammen.
    Die Nachricht sorgte bei den Spielern der HSG für Aufregung. Der Trainerwechsel von Richard Ratka zum VfL Gummersbach ist für sie nicht nur irgendein Transfer, sondern hat die Handballprofis des Aufsteigers tief getroffen. "Mich persönlich stimmt das sehr traurig, auch wenn der Wechsel nachzuvollziehen ist. Wenn man die Möglichkeit hat, einen Topklub wie Gummersbach zu trainieren, muss man zugreifen", sagte Rückraum-Ass Michael Hegemann.
    Von der Entscheidung Ratkas wurden die Aufstiegshelden bei einer internen Sitzung im Hotel Holiday Inn informiert. "Das Team habe ich zuerst von meinem Beschluss in Kenntnis gesetzt. Es war mir wichtig, dass die Spieler mich verstehen. Das mit der Mannschaft lag mir am meisten im Magen. Wir haben in den letzten Jahren viel zusammen erlebt", erklärt Ratka, der mit Ehefrau Petra seit gestern auf Wohnungssuche im Bergischen Land ist. Seit Mittwoch um 12.30 Uhr ist klar, dass der 40-Jährige am 30. Juni kein HSG-Coach mehr sein wird. Der bis 2005 laufende Vertrag wurde in Abstimmung mit Präsident Erwin Schierle und Manager Frank Flatten aufgelöst, die Stelle des Trainers ist damit vakant.
    "Ich muss das Ganze erst einmal verarbeiten. Bei der HSG waren wir wie eine große Familie. Der Familie fehlt jetzt der Vater", umschreibt es Michael Hegemann. Die Mannschaft wird jedoch komplett zusammenbleiben, zumindest für diese Saison. Einige besitzen Verträge bis 2006, nicht so Michael Hegemann, dessen Kontrakt nach der nächsten Spielzeit ausläuft. Der wurfgewaltige Rechtshänder war mit seinen 253 Saisontoren einer der Aufstiegsgaranten und ist einer der Lieblingsspieler von Ratka. "Ich habe Richard auch als Freund und Menschen schätzen gelernt. Er war ein Grund dafür, dass ich zur HSG gekommen bin", sagt Hegemann, der bei etlichen Klubs aus der Handball-Bundesliga auf der Wunschliste stand, sich letztlich trotz eines niedrigeren Gehaltes für die HSG entschieden hat. Gummersbach wartet aber schon.
    Bei Richard Ratka ist die Sachlage anders. Der Zweijahresvertrag bei den Bergischen soll mit rund 200 000 Euro dotiert sein, mehr als doppelt so hoch wie bei der HSG, was bei einem Saisonetat des Rekordmeisters (3,4 Millionen Euro) auch nicht so schwer fällt. Bei der HSG ist man gerade bei knapp einer Millionen Euro angelangt. Vorrangig ist jetzt die Trainersuche bei der HSG. Während Richard Ratkas Freund Walter Schubert (Spenge) aus familiären Gründen (Kinder, Schule) ausscheidet, könnte es auch eine interne Lösung (Nils Lehmann) geben. Kandidaten sind auch Ex-Nationalspieler Stephan Schöne oder Christian Fitzeck (Co-Trainer Hamburg). Manager Flatten kündigte an, dass die Mannschaft bei der Besetzung des Trainerpostens einbezogen wird. "Wir müssen das Vakuum schnell ändern, aber wir machen keinen Schnellschuss. Bei uns steht das Telefon nicht mehr still. Wir haben Anfragen ohne Ende", so Flatten.

    Quelle: WZ

    Datum: 17.06.2004

    Schock und Ehre

    Niemand wird ernsthaft behaupten wollen, Richard Ratka lässt die HSG mit seinem Wechsel zum Rekordmeister im Stich. In den vergangenen acht Jahren ertrug der Ex-Nationalspieler die stete Mangelverwaltung auf allen Gebieten, den Schulturnhallenmief an der Graf-Recke-Straße in bewundernswerter Art. Im Gegenzug lieferte er mit seinen Teams auch noch Bestleistungen ab. Gekrönt vom Aufstieg.
    Das Freudengefühl nach langer, harter Arbeit verflog offenbar zu schnell. Die HSG-Identifikationsfigur sah seinen persönlichen Aufstieg nicht im sicheren Abstiegskampf. In der erneuten Mangelverwaltung. Verdenken darf es Ratka niemand, das verlockende Angebot nach X-Zugeständnissen an Handball-Düsseldorf angenommen zu haben.
    Trotzdem bleibt ein Schock. Die HSG wird nicht mehr gleich Ratka sein. Ein Nachfolger kämpft nicht nur gegen den Mangel, sondern auch mit Ratkas exorbitantem Schatten.

    Quelle: NRZ

    Datum: 17.06.2004