aus der heutigen Rhein-Neckar-Zeitung
„Jeder weiß nun, dass man uns nicht unterschätzen darf“
Wetzlars Trainer Michael Roth erwartet am Samstag die Rhein-Neckar Löwen: „In der Offensive sind wir noch zu grün“
Heidelberg. Es war der erste Dämpfer, die erste große Enttäuschung in der neuen Saison: Die Rhein-Neckar Löwen unterlagen am Mittwoch dem SC Magdeburg. Nun will das Rudel wieder aufstehen: Die HSG Wetzlar soll als Frustableiter herhalten. Morgen um 19 Uhr treten sie bei den Mittelhessen an. Dort trifft man auf einen alten Bekannten, einen Trainerfuchs aus der Kurpfalz: Michael Roth (Foto: vaf), der ehemalige Trainer der SG Kronau/Östringen, hat in Wetzlar das Kommando.
Michael Roth, mit Wetzlar hatten Sie ein schweres Auftaktprogramm. Trotzdem hat man sich teuer verkauft. Lediglich die Punkte fehlen bislang, oder?
Uns war klar, dass die ersten Spiele richtig schwer werden. Letztlich fehlte es aber nur an Kleinigkeiten: Gegen Flensburg und Großwallstadt war mehr drin. Und wenn man gegen Hamburg nur fünf Tore schlechter ist, kann sich das auch sehen lassen. Zu erwarten waren diese positiven Eindrücke zunächst nicht: Wir haben im Sommer wichtige Spieler verloren. Doch gerade mit unserem Abwehrverhalten bin ich bereits sehr zufrieden. In der Offensive sind wir hingegen noch zu grün.
Demnach überwiegen die positiven Eindrücke...
Ja. Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich denke auch, dass wir uns schon Respekt verschafft haben. Jeder weiß nun, dass man uns nicht unterschätzen darf. Außerdem macht die Arbeit mit den Spielern Spaß. Da sind richtig talentierte Handballer dabei, die alle noch viel lernen wollen. Steffen Fäth ist so einer.
Nun geht es gegen die Löwen. Eine hohe Hürde...
Sicherlich. Sie verfügen über viel Qualität. Trotzdem werden wir selbstbewusst an die Sache herangehen. Wir wollen gewinnen. Und die Löwen sind nach der Niederlage gegen Magdeburg unter Druck. Wobei das für uns wohl eher ein Nachteil ist.
Schaut man als ehemaliger Trainer der SG Kronau/Östringen noch genau auf das, was dort passiert?
Ich verfolge das. Sie haben sich vor dieser Saison wieder verstärkt. Ob es für die ersten beiden Plätze in der Bundesliga reichen wird, ist allerdings die Frage. Denn genau dorthin wollen sie sich ja entwickeln. Aber so etwas braucht Zeit.
Mit Michael Müller spielt ein Spieler bei den Löwen, den Sie geformt haben. Seit er ein Löwe ist, konnte er nur selten überzeugen. Jetzt ist er verletzt.
Ich habe Michael, als er noch in Großwallstadt spielte, geraten, dass er lieber noch ein Jahr mit dem Wechsel warten soll. Aber Michael wollte unbedingt. Die Vorzeichen waren ja auch gut: Er sollte behutsam herangeführt werden. Und Olafur Stefansson eben nicht jede Partie spielen. Doch es kam anders. Offenbar fehlt dem Trainer das Grundvertrauen in Michael. Andererseits: Muss ein Stefansson unbedingt 60 Minuten gegen Hannover spielen? Wie auch immer: Michael hat bei den Löwen keinen Schritt nach vorne gemacht. Im Nationalteam spielt er keine Rolle mehr. Das war in Großwallstadt anders.
Es heißt, dass Michael Müller vielleicht bald wieder mit seinem Bruder Philipp zusammenspielen könnte. Unter Michael Roth in Wetzlar. Was ist da dran?
Das kann schon sein. Aber ob ich dann Trainer bin? Und in Wetzlar? Das wäre finanziell nur schwer zu stemmen. Ich habe beide damals getrennt. Philipp brauchte das, um sich entwickeln zu können. Schließlich kenne ich mich aus mit Zwillingen (lacht). Aber klar ist doch: Irgendwann möchten Zwillinge auch mal wieder zusammen spielen. Sie ziehen sich an. Aber ich traue Michael auch den Durchbruch bei den Löwen zu, auch wenn er nun länger ausfallen wird.