Hier sprudeln munter die Steuergelder
ERSTELLT 03.03.07, 07:19h
Bild: Latos
Die neue Fachhochschule geht im Herbst in Betrieb.
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OBERBEGISCHER ANZEIGER:Was gibt es Neues auf dem Steinmüller-Gelände?
FRANK HELMENSTEIN: Wir haben gleich zwei gute Nachrichten. Mit unserem größten Mieter Fisia Babcock Environment haben wir den Mietvertrag vorzeitig um fünf Jahre verlängert. Außerdem sind alle nutzbaren Büroflächen zu 100 Prozent vermietet. Zurzeit arbeiten knapp 600 Menschen auf dem Gelände. Das ist schon längst keine Industriebrache mehr.
KLAUS BLAU: Und diese Entwicklung spüren wir auch bei den Einnahmen. Bei der Bewirtschaftung des Geländes macht die Stadt einen Überschuss im guten sechsstelligen Bereich, und die Gewerbesteuer sprudelt auch. Die Firmen auf dem Gelände haben letztes Jahr 440 000 Euro gezahlt.
Wann starten die Gestaltungsarbeiten im Bereich des Nordtors an der Brückenstraße?
ULRICH STÜCKER: Im April. Die Arbeiten werden sechs Monate dauern. Das Investitionsvolumen beträgt 850 000 Euro. Dabei werden unter anderem Akzente durch Pflasterungen und Lichtinstallationen geschaffen. Auf diese Weise soll der Bürostandort Steinmüller-Gelände aus städtebaulicher Sicht deutlich aufgewertet werden.
Zum Wintersemester 2007 / 2008 werden die Studenten die neue FH in Besitz nehmen. Wann wird die Verbindung zwischen Fachhochschule und dem Bahnhof gebaut?
STÜCKER: Die Arbeiten für das Umfeld der Hochschule beginnen im Sommer. Eine, wenn auch zunächst provisorische, Querung der Bahn muss bis September fertig sein, wenn die Studenten mit dem Zug kommen sollen.
Ein weiteres großes Vorhaben ist die Straße zwischen FH und dem Busbahnhof, die den be-stehenden Innenstadtring schließen wird. Wann starten die Arbeiten dafür?
STÜCKER: In diesem Jahr wird der Kreisverkehr auf der Rospestraße mit einem Abzweig zur neuen FH und dem Steinmüller-Gelände fertig. In einem zweiten Bauabschnitt geht es weiter Richtung Bahnhof. Dabei muss eine Unterführung für den Bahndamm gebaut und das Bahnhofsgebäude abgerissen werden. Außerdem wird der Busbahnhof in Richtung Bahnsteig verlegt. Die Gesamtkosten betragen 8,5 Millionen Euro, das Land fördert die Arbeiten mit 5,97 Millionen Euro.
Wie wird der Verkehr im Bereich des jetzigen Busbahnhofs gelenkt? Bis dato war die Postschenke immer im Weg
HELMENSTEIN: Die haben wir inzwischen erworben.
Stücker: Dort, wo heute Busbahnhof und Postschenke sind, wird eine vierarmige Kreuzung von Karlstraße, Hindenburgstraße und Wilhelm-Breckow-Allee entstehen. Aus Städtebaufördermitteln wird Gummersbach wahrscheinlich weitere 3,05 Millionen Euro bekommen, so dass wir 2007 auf insgesamt 9 Millionen Euro hoffen.
Wie ist der Sachstand bei der Ansiedlung des Forstamts Bergisches Land und von Straßen NRW?
STÜCKER: Straßen NRW ist fürs Steinmüller-Gelände kein Thema, weil die Behörde in der Albertstraße genügend Platz für einen Neubau hat. Anders sehe ich die Ansiedlung des Landesbetriebs Forst. Einen Neubau auf dem Steinmüller-Gelände könnte ich mir sehr gut vorstellen.
Wie weit sind die Pläne für ein neues EKZ?
STÜCKER: Die Arbeiten gehen trotz Klage der EKZ-Gegner weiter. Die Entwürfe für alle notwendigen Verträge mit dem Investor liegen vor. Ebenfalls fertig ist ein Modell, das die Anbindung des EKZ an die Innenstadt im Bereich der Kampstraße sehr gut veranschaulicht. Nachdem das Modell dem Fachbeirat gezeigt wurde, müssen jetzt noch einige Nachbesserungen gemacht werden, ehe wir es den Anliegern und Eigentümern zeigen.
HELMENSTEIN: Wir müssen die beste städtebauliche Lösung finden, doch ohne ein Mitwirken der Anlieger in der Kampstraße wird das nicht gelingen. Wir warten noch bis Ende des Jahres auf das Urteil des Verwaltungsgerichts.
Und wenn es bis dann noch keinen Richterspruch gibt?
HELMENSTEIN: Dann geht es trotzdem weiter.
Wie groß sind die Chancen für eine neue Sporthalle?
HELMENSTEIN: Mit dem Lübecker Investor HBB haben wir über mögliche Synergien wie ein gemeinsames Parkhaus gesprochen, wenn EKZ und Halle gebaut werden. Thema war auch, ob sich HBB an den Baukosten beteiligt.
STÜCKER: Man kann hier verschiedene Modelle entwickeln. Wenn man die Verkaufsfläche für ein Shoppingcenter nur groß genug macht, rechnet sich irgendwann auch die Bausumme für eine Halle.
Das würde ja heißen, dass man das EKZ nur drei Mal so groß machen müsste und schon bekäme man eine Halle vom Investor geschenkt.
HELMENSTEIN: So ist das rein theoretisch.
BLAU: Und dann sind die Betriebskosten noch ungeklärt.
HELMENSTEIN: Praktisch wollen wir kein EKZ, dass den bestehenden Einzelhandel erschlägt. Wir stehen zu unserem Wort, dass die Verkaufsfläche auf 15 000 Quadratmeter beschränkt wird.
STÜCKER: Wir müssen das mit der Politik diskutieren. Gerade dieser Punkt hat auch was mit unserer Glaubwürdigkeit zu tun.
STÜCKER: Und wenn es am Ende keine Multifunktionshalle, sondern doch nur eine reine Ballsporthalle wird, muss man wirklich überlegen, ob die auf das Gelände gehört.
Und wie geht es in Sachen VfL-Halle weiter?
HELMENSTEIN: Es wird einen Hallen-Gipfel im Rathaus geben, zu dem ich die Spitze des Deutschen Handballbundes, den VfL-Vorstand und den Landrat eingeladen habe. Im Vorfeld hat mir VfL-Chef Hans-Peter Krämer versichert, er werde sich noch einmal um das Thema Finanzierung kümmern. Aus meiner Sicht hat der Gipfel richtungweisenden Charakter.
Das Gespräch mit Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein, dem 1. Beigeordneten Dr. Klaus Blau und dem Technischen Beigeordneten Ulrich Stücker führte Andreas Arnold.