Da fehlt Dir nachvollziehbar etwas der Vergangenheitsbezug.
In der DDR gab es sogenannte Sportclubs. Das waren Vereine, die in aller Regel von Staatsorganen unterstützt und geleitet wurden. Gute Spieler wurden von den Vereinen an die angeschlossenen Sportschulen deligiert und "durften" dann auch dort spielen. Viele verdammt gute Spieler aus Eisenach oder Aue zB wurden nach Magdeburg, Berlin, Leipzig oder Frankfurt(Oder) deligiert und wurden in Eisenach oder den anderen BSGs schmerzlich vermißt. Diese Betriebssportgemeinschaften sind Vereine, die von vorort ansäßigen Unternehmen gestützt wie Don Quichote versucht haben, mit den SCs mitzuhalten. In Eisenach waren es die Automobilwerke Eisenach (daher der Name "Motor" Eisenach).
Da Eisenach als Mannschaft immer ausgeblutet wurde, musste man hier mit der Halle und den Zuschauern eine Atmo generieren, die die SC-Vereine so nicht aufbringen konnten. Nur so konnte sich die BSG jahrzehntelang in der Oberliga halten.
Soviel zur Vergangenheit. Zur Wende brach das sportliche System zusammen und lediglich Aue, Eisenach, Magdeburg und mit Abstrichen und etwas Verzögerung Rostock und Leipzig konnten nachhaltig ein gewisses Niveau halten und das Duell Eisenach-Magdeburg stand weiterhin für den Vergleich BSG gegen SC. Die Fans kannten sich und haben anders als beim Fussball nur 60 Minuten lang sportlich gegeneinander gekämpft und gegrölt und danach genüßlich ein Bier gesoffen. Und das ist noch bis heute so. Die gemeinsame Geschichte hat zusammengeschweißt und bis heute eine Rivalität generiert, die auch die jüngeren Zuschauer, die in Ihrem Leben noch nie Aluchips in der Hand gehalten haben, elektrisiert. Die Erfolge vom SC auch in der Nachwendezeit geben uns die Zuversicht, dass die Herkunft kein Ausschlußgrund für Erfolg ist und das man es auch schaffen kann. Und an den einem Spieltag will man dann auch mal besser sein als der gute alte SC.
Und in diesem Sinne lebt die alte Tradition fort. Und ich persönlich habe den Wunsch, dass die HBL diese Geschichte als die eigene begreift. Sie fand zwar statt, als die Grenzen dicht waren, wurde aber eingeatmet und sollte als Chance verstanden werden, so manche Grenze im Kopf zu überwinden. Damit meine ich jetzt explizit nicht Dich.
Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn diese Vergleiche mit der Geschichte genauso selbstverständlich zur Handballfolklore zählen würden, wie die Geschichten Schalke vs. BVB, Hannover vs. Braunschweg oder 1860 vs. Bayern beim Fussball, bzw. Kiel und Flensburg beim Handball. Jetzt nicht unbedingt Eisenach gegen Magdeburg aber halt grundsätzlich die Dinge die zwischen 49 und 89 jenseits der BRD stattfanden. Und da ist der Vergleich im Augenblick der präsenteste.
Zumal diese Vereine sind, wenn man sich die Tabelle anschaut, Vereine, die mit die längste Tradition aufweisen.