"Wir brauchen die Unterstützung jetzt!"
Maik Machulla über Sponsoring, die künftige HSG-Mannschaft, Bernd Rigterink und das EC-Finale
Maik Machulla spielt seit 2002 für die HSG Nordhorn in der Handball-Bundesliga. Er ist damit nach Peter Gentzel der dienstälteste Profi beim EHF-Pokalsieger. In der kommenden Saison übernimmt der 32 Jahre alte Familienvater zu seiner Rolle als Spielmacher noch mehr Verantwortung und bildet mit Heiner Bültmann das Trainergespann. Mit Machulla sprach GN-Redakteur Frank Hartlef.
Sie übernehmen bei der HSG eine Doppelfunktion, als Spieler und als Trainer im Gespann mit Heiner Bültmann. Haben Sie sich das wirklich gut überlegt?
Eigentlich schon. Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass das Spaß machen kann. Und wenn wir eine eingeschweißte Truppe zusammen bekommen, ehrliche Arbeit abliefern und guten Handball spielen, wird das Publikum in Nordhorn auch die Zweite Bundesliga annehmen.
Sie sind also sicher, dass es in der 2. Liga weiter geht?
Davon gehe ich fest aus. Ich sehe keine Gefahr, dass wir die Lizenz für die zweite Liga nicht bekommen.
Derzeit allerdings hat die HSG Nordhorn-Lingen GmbH gerade einmal zwei Spieler unter Vertrag, Sie und Rechtsaußen Nicky Verjans.
Das ist natürlich schwierig im Moment. Deswegen ist es für mich und Heiner Bültmann derzeit die wichtigste Aufgabe, eine Mannschaft zusammenzustellen.
Bei sechs Kollegen aus dem aktuellen Kader ist es noch offen, was sie nach der Saison machen. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass Goran Sprem, Rastko Stojkovic, Piotr Przybecki, Csaba Szücs, Jan-Richard Lislerud-Hansen oder Pavel Mickal bei der HSG bleiben?
Grundsätzlich haben sie ihre Bereitschaft erklärt, zu bleiben. Doch man muss ehrlich sagen: Wenn wir drei von ihnen halten könnten, wäre das schon gut. Das kommt halt auch darauf an, was der finanzielle Rahmen hergibt. Da muss jetzt einfach was kommen. Es ist ein Teufelskreis: Die Sponsoren wollen wissen, wie die Mannschaft aussieht; und die Spieler wollen wissen, wie es ums Finanzielle bestellt ist. Die Sechs warten ab, bis der wirtschaftliche Bereich geklärt ist. Und das zieht sich wie Kaugummi. Aber die sollen jetzt einfach mal Vertrauen haben. Nicky und ich haben ganz bewusst den Schritt gemacht und Verträge unterzeichnet. Ich habe dieses Vertrauen.
Aber sind nicht auch die Sponsoren gerade aus dem Wirtschaftsraum Lingen in der Pflicht? Schließlich wurde die Partnerschaft mit der HSG im Herbst mit viel Pomp verkündet und damit viel zu große Erwartungen geweckt. Statt Rettung heißt das Ergebnis Insolvenz, Zwangsabstieg und Auseinanderbrechen der erfolgreichen Mannschaft.
Alle haben sich wohl mehr versprochen von der Zusammenarbeit mit Lingen. Ich finde auch, dass aus dem Lingener Raum jetzt mehr kommen muss. Die Firmen im Emsland helfen uns im Moment nicht weiter, wenn sie sagen: Wir unterstützen die HSG Nordhorn-Lingen, wenn die Arena in Lingen fertig ist. Wir brauchen die Unterstützung jetzt! Auch die Städte Lingen und Nordhorn können noch viel mehr tun, um uns finanziell zu helfen. Bei der Stadt Nordhorn ist man sich heute noch nicht bewusst, was wir für ein Werbeträger für diese Stadt sind. In anderen Städten tun sie viel, viel mehr und machen sich stark für ihre Vereine. Aus meiner Zeit beim SC Magdeburg weiß ich, wie sehr sich die ganze Stadt mit dem Verein identifiziert. Dort weiß man den Marketingeffekt der Handballer für die Stadt zu schätzen. Da ist in Nordhorn noch viel Luft nach oben und das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.
Zurück zum Sportlichen: Selbst wenn die sechs Spieler aus dem aktuellen Kader gehalten werden könnten, eine komplette Mannschaft ist das noch nicht.
Wir können mit einigen Spielern aus der Reserve auffüllen. Aber eines ist klar: Wir brauchen einen Torhüter und einen Linkshänder - eine schwierige Aufgabe. Der Spielermarkt gibt einiges her, aber man muss die Spieler auch bezahlen können.
Haben Sie schon Spieler von anderen Vereinen angesprochen?
Nein. Wir haben eine Liste erstellt, aber noch keine konkreten Kontakte.
Nach den wirtschaftlichen Problemen der Vergangenheit dürfte es schwer sein, Spieler zur HSG zu locken.
Sportlich hat sich Nordhorn einen guten Namen gemacht und es ist immer noch sehr, sehr reizvoll hier zu spielen. Aber das andere hat sich natürlich auch herumgesprochen. Und deswegen sage ich: Oberstes Ziel muss es sein, ordentlich und sauber zu wirtschaften.
Und dennoch fordern Sie, dass Manager Bernd Rigterink dabei bleibt, obwohl sein Name mit den Verfehlungen der Vergangenheit eng verknüpft ist?
Bernd muss im Boot bleiben, im Moment fungiert er als Berater von Heiner und mir. Er kennt den Handball und hat die Kontakte, die wir brauchen.
Dennoch hat der Lingener Oberbürgermeister öffentlich einen konsequenten personellen Schnitt beim sportlichen Management gefordert.
Bernd hat das hier alles aufgebaut: Zehn Jahre Top-Handball in Nordhorn - dafür ist er maßgeblich mitverantwortlich. Da hat keiner das Recht, ihn auszubooten. Das geht nicht! Es geht um ein ganz, ganz attraktives Produkt in der Region, das man nur erhalten kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
Zehn Jahre Top-Handball in Nordhorn - die können Sie und Ihre Kollegen im Finale gegen Valladolid krönen, mit dem zweiten Europacup-Triumph binnen eines Jahres.
Egal, wie das ausgeht - das ist ein sensationell starker Abschluss für alle, für Spieler, Trainer und die Fans. Was die Mannschaft in den vergangenen Wochen trotz aller Probleme geleistet hat, ist enorm. Leider hat das auch einen Nachteil: Wenn einer wie Steffen Weinhold, ein halbes Jahr auf Weltklasse-Niveau spielt, weckt das Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. Und so einer ist dann gar nicht mehr zu halten - leider. Genau wie Tobias Karlsson und womöglich Csaba Szücs.
Der Jung-Nationalspieler Weinhold wechselt zum TV Großwallstadt, bleibt ersklassig und kann sich weiter in den Fokus des Bundestrainers spielen. Wagen Sie eine Prognose, wie die Zukunft der HSG aussieht?
Sollten wir den Europacup gewinnen, erwarte ich einen Schub für die Zukunft. Potenzielle Sponsoren erkennen dann hoffentlich, dass es sich lohnt, in diesen Verein zu investieren.
Dieser Effekt ist allerdings trotz der Erfolge in der Vergangenheit ausgeblieben.
Das muss man ehrlich zugeben. Aber jetzt reden wir über einen ganz anderen Etat, als in der Verganenheit. Und ich glaube schon, dass man den hier auf die Beine stellen und Schritt für Schritt erhöhen kann.
Und wie fällt Ihre sportliche Prognose aus?
Wie stark die HSG in der zweiten Liga sein wird, vermag ich jetzt nicht zu sagen. Mit erst zwei Spielern unter Vertrag, wäre es im Moment nicht so schlau, zu sagen: Wir steigen gleich wieder auf. Alles ist abhängig vom wirtschaftlichen Rahmen und welche Spieler wir bekommen. Ich bin zuversichtlich, dass es voran geht. Aber jetzt müssen positive Signale folgen und es darf nicht weiter auf Zeit gespielt werden.