ZitatAlles anzeigenOleg Velyky: „Handball ist kein Medikament“
Endlich mal eine gute Handball-Nachricht, eine ermutigende gar: Nationalspieler Oleg Velyky (31) hat nach 14monatiger Pause für seinen HSV gegen Kiel, begleitet von Standing Ovations und ergreifenden Sympathiebekundungen des Publikums – auch der THW-Fans –, ein Comeback gegeben – trotz seiner noch nicht überstandenen Hautkrebserkrankung. Im Interview für handball-world.com sprach Oleg Velyky mit Frank Schneller.
Mit zwei brillanten Anspielen gegen die Abwehr des Rekordmeisters unterstrich der ehemalige Rhein-Neckar Löwe während seiner kurzen Einsatzphasen seine Extraklasse. Das erste Spiel – übrigens auch für den HSV – nach zudem erlittenen Kreuzbandriss (am 17.1.2008 bei der EM) hat den gebürtigen Ukrainer (seit 2004 Deutscher) sichtlich bewegt. Wie es ihm wirklich geht, wissen bislang jedoch die Wenigsten ...
Herr Velyky, ist Ihnen die herzliche Begrüßung der Fans bei Ihrem Kurzeinsatz letzten Samstag noch gegenwärtig?
Oleg Velyky:
Ja. Es wurde ein Traum wahr. Aufs Spielfeld zu kommen war ein Riesengefühl. Ich habe mich sehr gefreut und es genossen. Ich kann das kaum beschreiben, habe schließlich lange für diesen Tag und diese Momente gekämpft.Wie haben Sie Ihren Auftritt und die Reaktionen auf den Rängen in Erinnerung?
Oleg Velyky:
Ich habe ein Geschenk bekommen, mitspielen zu dürfen. So sehe ich das. Und ich wollte helfen, weil wir so viele Verletzte haben. Es war ein Geben und Nehmen. Und zu den Reaktionen der Leute: Diesen Zuspruch und diese Emotionen – das kann man nicht kaufen. Da das Publikum überrascht war, dass ich plötzlich ein Trikot trage und ein paar Minuten mitspiele, konnte nichts vorbereitet werden. Applaus und Reaktionen auf den Rängen waren spontan. Und das sind dann die ehrlichsten.Sehen wir Sie ab jetzt wieder häufiger in Aktion? War das Spiel gegen Kiel tatsächlich ein echtes Comeback?
Oleg Velyky:
Ich habe auf diese Frage noch keine klare Antwort. Ich weiß noch überhaupt nicht, wie es weitergeht. Für ein richtiges Comeback ist es noch zu früh. Jeder neue Tag erfordert seine eigene Strategie. Da sind Zukunftspläne schwer möglich. Ich werde aber weiterhin alles dafür tun, Handball spielen zu können, solch wunderbare Gefühle wie letzten Samstag zu genießen. Jede Gelegenheit, dabei zu sein, will und werde ich nutzen. Mehr kann ich nicht garantieren.Sie haben demnach Ihre Erkrankung noch nicht überwunden?
Oleg Velyky:
Einzelheiten mag ich nicht verraten. Ich bin unter ständiger Kontrolle und in Behandlung, das stimmt schon. Die Sache ist noch nicht ausgestanden, aber ich fühle mich gut. Ich habe auch kein Sportverbot bekommen, bin – vom Hautkrebs abgesehen – ein gesunder Mensch. Darum haben mir die Ärzte auch den Handball nicht untersagt.Sie waren trotz der Krebsbehandlungen bereits länger wieder im Mannschaftstraining ...
Oleg Velyky:
Ja. Anders als für das Publikum war mein kurzer Einsatz für meine Mannschaft und mich keine Überraschung. Verein und Team stehen voll hinter mir, alle wollen helfen und geben mir das Gefühl: Ich bin nicht allein. Also habe ich diesen Moment lange vorbereitet, war – so oft und so gut es ging – dabei. Natürlich bin ich körperlich nicht bei 100 Prozent, da ich etliche Trainingseinheiten verpasst habe wegen der Eingriffe und den Wunden, die erst heilen mussten.Dient der Handball auch als mentale Therapie, als Ablenkung, beschleunigt es gar den Heilungsprozess?
Oleg Velyky:
Diese Fragen sind nahe liegend. Dafür habe ich Verständnis. Aber: Sport, Handball ist kein Medikament. Es ist etwas Ablenkung, ja. Aber man kann die Gedanken an eine solche Krankheit nicht einfach abschalten. Muss ich auch nicht. Ich gehe ganz bewusst mit meiner Krankheit um und gegen sie an. Ich will nicht weglaufen vor ihr, sie nicht leugnen. Aber ich stecke auch nicht den Kopf in den Sand. Vielmehr versuche ich, die zwei Seiten meines Lebens maximal miteinander zu verbinden: Alles Positive auf der einen Seite und meine Erkrankung auf der anderen. Es gibt immer noch die Möglichkeit, weiter zu leben. Und auch, gut weiter zu leben.
Interview mit ....
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23.04.2009 - "Wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede"
Vor dem VfL liegen die entscheidenden Wochen der Saison: Erst die Halbfinalspiele im EHF-Pokal, dann das Lufthansa Final Four und der Saisonendspurt in der Liga. Von spielentscheidender Bedeutung in dieser Phase ist die Leistung der Torhüter. Hier ein Interview mit den beiden VfL-Keepern Goran Stojanovic und Nándor Fazekas.Ihr seid gleich groß, habt die gleiche Schuhgröße, seid fast gleich alt und beide seit 2006 beim VfL. Worin unterscheidet ihr euch denn?
Goran: Wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Wir sind beide Familienmenschen, sind Nationaltorhüter und fahren sogar das gleiche Auto. Ein Unterschied ist, dass ich eine Tochter habe und Nándor zwei Söhne.
Nándor: Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass wir beide sehr ruhige Typen sind. Der größte Unterschied ist, dass ich Ungar und Goran Montenegriner ist. Aber im Ernst: Unsere Art des Torwartspiels ist sehr verschieden. Goran ist ein bisschen reaktionsschneller als ich, daher muss ich mich im Tor früher bewegen. Es ist aber ein großer Vorteil, dass wir sehr unterschiedliche Torwartstile haben. Wenn eine gegnerische Mannschaft gut mit dem Stil des einen zurechtkommt und häufig gegen ihn trifft, können wir wechseln und es kommt ein Torwart mit einer ganz anderen Spielart. Das kann die Gegner aus dem Konzept bringen.
Wie würdet ihr euch gegenseitig beurteilen?
Nándor: Ich will hier nicht zuviel über unsere Stärken und Schwächen verraten, das könnte ja auch der Gegner lesen. Goran ist ein sehr guter und kompletter Torwart. Seine größte Stärke sind die Eins-zu-eins-Situationen, da ist er richtig gut. Zudem ist er immer sehr motiviert und will sich ständig verbessern.
Goran: Nándor kann an einem guten Tag jedem Gegner die Nerven rauben und ihn kaputt machen. Er kann ein Spiel ganz alleine entscheiden – egal gegen wen. Dazu hat Nándor sehr viel Erfahrung, er macht in jeder Situation das Richtige. Eine Schwäche fällt mir kaum ein. Er benötigt ein wenig Zeit, um nach Verletzungen wieder in Topform zu kommen, doch das geht jedem Spieler so und ist völlig normal.
Beim Fußball sind sich die beiden Torhüter meist spinnefeind. Bei euch sieht das dagegen so aus, als würdet ihr euch immer gegenseitig unterstützen.
Nándor: Im Handball haben die Torhüter zwischen den gegnerischen Angriffen immer ein bisschen Zeit. Die nutzen wir, um zu besprechen, was man im Spiel besser machen kann. Der Torwart auf der Bank sieht oft Dinge, die der Torwart im Spiel wegen der Hektik auf dem Feld nicht bemerkt. Und wenn uns etwas auffällt, dann sagen wir uns das. So geben wir uns gegenseitig etwas Hilfe. Wir sprechen uns auch immer vor dem Spiel ab und überlegen gemeinsam, welche Stärken die gegnerischen Schützen haben und in welche Ecken des Tores sie am liebsten werfen. Da helfen wir uns gegenseitig – egal wer von uns beiden im Tor steht.
Goran: Handball ist ein Mannschaftssport, wir müssen immer zuerst an die Mannschaft denken. Es geht darum, zusammen das Spiel zu gewinnen und nicht um Einzelinteresse. Die beiden Torhüter müssen zusammenarbeiten, das ist sehr wichtig. Ich hole mir während des Spiels immer sehr gerne den Rat von Nándor. Er sieht manchmal Dinge, die ich nicht sehe und zusammen finden wir immer eine Lösung.
Kommt bei demjenigen, der auf der Bank sitzt, kein Neid auf?
Goran: Natürlich wollen wir immer beide von Anfang an spielen, aber wir haben die Situation hier akzeptiert, das klappt sehr gut. Ich bin sogar froh über das Wechselspiel mit Nándor und könnte mir das auch mit seinem Nachfolger vorstellen. Als Torwart muss man 60 Minuten lang voll konzentriert sein, diese ständige Konzentration ist sehr schwer – für den Kopf und den Körper. Diese Konzentration in rund sechzig Spielen im Jahr zu bringen, ist sehr anstrengend. Daher ist es gut, wenn es noch einen zweiten starken Torwart in der Mannschaft gibt, mit dem man wechseln kann.
Wie wichtig zwei gleichstarke Torhüter sind, hat der VfL auch gemerkt, als jeweils einer von euch verletzt war.
Goran: Das stimmt, als ich in der Hinrunde mit der Rückenverletzung ausgefallen bin, hat Nándor super gehalten, das hat toll gepasst.
Nándor: Und als ich zu Beginn der Rückrunde nicht spielen konnte, war Goran wieder topfit und ein starker Rückhalt. Da haben wir gutes Timing mit den Verletzungen bewiesen.
Für den VfL beginnen nun entscheidende Wochen. Erst die Halbfinals im EHF-Pokal, dann das Final Four. Wie seht ihr die Chancen?
Goran: Wir haben die Chance den EHF-Pokal zu gewinnen, das muss unser Ziel sein. Mit Aragon wartet zwar ein schwerer Gegner auf uns, doch mit zwei konzentrierten Leistungen können wir es schaffen und ins Finale einziehen. Im Final Four versuchen wir eine Überraschung zu landen. Wenn alles gut klappt, können wir auch gegen Hamburg gewinnen. Wir haben keinen Druck, der Stress liegt beim HSV. Wir können befreit aufspielen, das ist unsere Chance. Keiner weiß heute schon wie das Halbfinale läuft, es kann alles passieren. Egal gegen welche Mannschaft es auch geht – eine Möglichkeit zu gewinnen gibt es immer.
Nándor: Der HSV ist im Final Four-Halbfinale mit dem Heimvorteil und ihren vielen Weltklassespielern natürlich Favorit. Doch wenn wir einen guten Tag erwischen, ist alles möglich. Es reicht aber nicht, wenn nur zwei oder drei Spieler einen guten Tag haben. Es müssen alle richtig, richtig gut spielen und mehr als hundert Prozent der Leistung abrufen – dann haben wir eine Chance, ins Finale einzuziehen.
Wie bewertet ihr den bisherigen Verlauf der Saison?
Nándor: Wir haben leider einige leichte Punkte verloren. Die Niederlagen gegen Göppingen, Magdeburg und Melsungen sowie die Unentschieden gegen Dormagen, Berlin und Großwallstadt schmerzen sehr. Da haben wir Punkte liegen gelassen. Da sind wir einfach nicht konstant genug. Ich glaube aber auch, dass die Liga noch etwas ausgeglichener geworden ist. Mannschaften wie Berlin und Großwallstadt sind stärker geworden, dazu kommt Göppingen als die absolute Überraschungsmannschaft der Liga.
Goran: In der Liga läuft es nicht sehr gut, das wissen wir alle. Vielleicht können wir noch Platz 6 erreichen, dann dürfen wir aber keine Punkte mehr verschenken. Wenn man oben mitspielen will, muss man die Mannschaften, die in der Tabelle unter einem stehen, alle schlagen und gegen die Mannschaften von ganz oben Überraschungssiege holen. Doch wenn man viele Punkte liegen lässt, hat man keine Chance, oben mitzuspielen.
Nándor, nach drei Jahren beim VfL verlässt du Gummersbach zum Ende der Saison und wechselst in die Heimat nach Veszprem. Wird dir der Abschied schwer fallen?
Ich habe mich in Gummersbach immer sehr wohl gefühlt und hier viele Freunde gefunden – auch außerhalb der Mannschaft. Ich durfte mit vielen guten Spielern zusammen spielen und habe viel gelernt. Es war und ist eine schöne Zeit, daher wird mir der Abschied auch schwer fallen. Doch ich freue mich, wieder zurück in die Heimat zu kommen. In Veszprem sind die Erwartungen sehr hoch, alle träumen davon, dass die Mannschaft einmal die Champions League gewinnt. Doch das wird natürlich sehr schwer, denn die ungarische Liga ist ein bisschen schwächer, als die in Spanien oder Deutschland. Also müssen wir viel trainieren, um mit Veszprem konkurrenzfähig zu sein. Der Gewinn von Meisterschaft und Pokal wird in Veszprem eigentlich schon vorausgesetzt, das Wunschziel ist die Champions League.
Goran, du hast noch ein Jahr Vertrag in Gummersbach. Kannst du dir vorstellen, weiter hier zu bleiben oder willst du auch zurück in deine Heimat Montenegro?
In Montenegro gibt es nicht so viele starke Mannschaften wie in Deutschland, die Klasse der Liga ist nicht hoch. Daher möchte ich so lange es möglich ist, weiter in Deutschland spielen. Wenn es mein Körper mitmacht, möchte ich noch mit 40 Jahren im Tor stehen. Vielleicht bleibe ich solange auch in Gummersbach, ich fühle mich sehr wohl hier. Noch habe ich Vertrag bis 2010, danach wird sich zeigen, wie es weitergeht.
Quelle: Homepage VfL Gummersbach -
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Interviw mit Zou Zou Houlet im Kölner Stadtanzeiger
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"Wir brauchen die Unterstützung jetzt!"
Maik Machulla über Sponsoring, die künftige HSG-Mannschaft, Bernd Rigterink und das EC-Finale
Maik Machulla spielt seit 2002 für die HSG Nordhorn in der Handball-Bundesliga. Er ist damit nach Peter Gentzel der dienstälteste Profi beim EHF-Pokalsieger. In der kommenden Saison übernimmt der 32 Jahre alte Familienvater zu seiner Rolle als Spielmacher noch mehr Verantwortung und bildet mit Heiner Bültmann das Trainergespann. Mit Machulla sprach GN-Redakteur Frank Hartlef.
Sie übernehmen bei der HSG eine Doppelfunktion, als Spieler und als Trainer im Gespann mit Heiner Bültmann. Haben Sie sich das wirklich gut überlegt?
Eigentlich schon. Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass das Spaß machen kann. Und wenn wir eine eingeschweißte Truppe zusammen bekommen, ehrliche Arbeit abliefern und guten Handball spielen, wird das Publikum in Nordhorn auch die Zweite Bundesliga annehmen.
Sie sind also sicher, dass es in der 2. Liga weiter geht?
Davon gehe ich fest aus. Ich sehe keine Gefahr, dass wir die Lizenz für die zweite Liga nicht bekommen.
Derzeit allerdings hat die HSG Nordhorn-Lingen GmbH gerade einmal zwei Spieler unter Vertrag, Sie und Rechtsaußen Nicky Verjans.
Das ist natürlich schwierig im Moment. Deswegen ist es für mich und Heiner Bültmann derzeit die wichtigste Aufgabe, eine Mannschaft zusammenzustellen.
Bei sechs Kollegen aus dem aktuellen Kader ist es noch offen, was sie nach der Saison machen. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass Goran Sprem, Rastko Stojkovic, Piotr Przybecki, Csaba Szücs, Jan-Richard Lislerud-Hansen oder Pavel Mickal bei der HSG bleiben?
Grundsätzlich haben sie ihre Bereitschaft erklärt, zu bleiben. Doch man muss ehrlich sagen: Wenn wir drei von ihnen halten könnten, wäre das schon gut. Das kommt halt auch darauf an, was der finanzielle Rahmen hergibt. Da muss jetzt einfach was kommen. Es ist ein Teufelskreis: Die Sponsoren wollen wissen, wie die Mannschaft aussieht; und die Spieler wollen wissen, wie es ums Finanzielle bestellt ist. Die Sechs warten ab, bis der wirtschaftliche Bereich geklärt ist. Und das zieht sich wie Kaugummi. Aber die sollen jetzt einfach mal Vertrauen haben. Nicky und ich haben ganz bewusst den Schritt gemacht und Verträge unterzeichnet. Ich habe dieses Vertrauen.
Aber sind nicht auch die Sponsoren gerade aus dem Wirtschaftsraum Lingen in der Pflicht? Schließlich wurde die Partnerschaft mit der HSG im Herbst mit viel Pomp verkündet und damit viel zu große Erwartungen geweckt. Statt Rettung heißt das Ergebnis Insolvenz, Zwangsabstieg und Auseinanderbrechen der erfolgreichen Mannschaft.
Alle haben sich wohl mehr versprochen von der Zusammenarbeit mit Lingen. Ich finde auch, dass aus dem Lingener Raum jetzt mehr kommen muss. Die Firmen im Emsland helfen uns im Moment nicht weiter, wenn sie sagen: Wir unterstützen die HSG Nordhorn-Lingen, wenn die Arena in Lingen fertig ist. Wir brauchen die Unterstützung jetzt! Auch die Städte Lingen und Nordhorn können noch viel mehr tun, um uns finanziell zu helfen. Bei der Stadt Nordhorn ist man sich heute noch nicht bewusst, was wir für ein Werbeträger für diese Stadt sind. In anderen Städten tun sie viel, viel mehr und machen sich stark für ihre Vereine. Aus meiner Zeit beim SC Magdeburg weiß ich, wie sehr sich die ganze Stadt mit dem Verein identifiziert. Dort weiß man den Marketingeffekt der Handballer für die Stadt zu schätzen. Da ist in Nordhorn noch viel Luft nach oben und das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.
Zurück zum Sportlichen: Selbst wenn die sechs Spieler aus dem aktuellen Kader gehalten werden könnten, eine komplette Mannschaft ist das noch nicht.
Wir können mit einigen Spielern aus der Reserve auffüllen. Aber eines ist klar: Wir brauchen einen Torhüter und einen Linkshänder - eine schwierige Aufgabe. Der Spielermarkt gibt einiges her, aber man muss die Spieler auch bezahlen können.
Haben Sie schon Spieler von anderen Vereinen angesprochen?
Nein. Wir haben eine Liste erstellt, aber noch keine konkreten Kontakte.
Nach den wirtschaftlichen Problemen der Vergangenheit dürfte es schwer sein, Spieler zur HSG zu locken.
Sportlich hat sich Nordhorn einen guten Namen gemacht und es ist immer noch sehr, sehr reizvoll hier zu spielen. Aber das andere hat sich natürlich auch herumgesprochen. Und deswegen sage ich: Oberstes Ziel muss es sein, ordentlich und sauber zu wirtschaften.
Und dennoch fordern Sie, dass Manager Bernd Rigterink dabei bleibt, obwohl sein Name mit den Verfehlungen der Vergangenheit eng verknüpft ist?
Bernd muss im Boot bleiben, im Moment fungiert er als Berater von Heiner und mir. Er kennt den Handball und hat die Kontakte, die wir brauchen.
Dennoch hat der Lingener Oberbürgermeister öffentlich einen konsequenten personellen Schnitt beim sportlichen Management gefordert.
Bernd hat das hier alles aufgebaut: Zehn Jahre Top-Handball in Nordhorn - dafür ist er maßgeblich mitverantwortlich. Da hat keiner das Recht, ihn auszubooten. Das geht nicht! Es geht um ein ganz, ganz attraktives Produkt in der Region, das man nur erhalten kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
Zehn Jahre Top-Handball in Nordhorn - die können Sie und Ihre Kollegen im Finale gegen Valladolid krönen, mit dem zweiten Europacup-Triumph binnen eines Jahres.
Egal, wie das ausgeht - das ist ein sensationell starker Abschluss für alle, für Spieler, Trainer und die Fans. Was die Mannschaft in den vergangenen Wochen trotz aller Probleme geleistet hat, ist enorm. Leider hat das auch einen Nachteil: Wenn einer wie Steffen Weinhold, ein halbes Jahr auf Weltklasse-Niveau spielt, weckt das Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. Und so einer ist dann gar nicht mehr zu halten - leider. Genau wie Tobias Karlsson und womöglich Csaba Szücs.
Der Jung-Nationalspieler Weinhold wechselt zum TV Großwallstadt, bleibt ersklassig und kann sich weiter in den Fokus des Bundestrainers spielen. Wagen Sie eine Prognose, wie die Zukunft der HSG aussieht?
Sollten wir den Europacup gewinnen, erwarte ich einen Schub für die Zukunft. Potenzielle Sponsoren erkennen dann hoffentlich, dass es sich lohnt, in diesen Verein zu investieren.
Dieser Effekt ist allerdings trotz der Erfolge in der Vergangenheit ausgeblieben.
Das muss man ehrlich zugeben. Aber jetzt reden wir über einen ganz anderen Etat, als in der Verganenheit. Und ich glaube schon, dass man den hier auf die Beine stellen und Schritt für Schritt erhöhen kann.
Und wie fällt Ihre sportliche Prognose aus?
Wie stark die HSG in der zweiten Liga sein wird, vermag ich jetzt nicht zu sagen. Mit erst zwei Spielern unter Vertrag, wäre es im Moment nicht so schlau, zu sagen: Wir steigen gleich wieder auf. Alles ist abhängig vom wirtschaftlichen Rahmen und welche Spieler wir bekommen. Ich bin zuversichtlich, dass es voran geht. Aber jetzt müssen positive Signale folgen und es darf nicht weiter auf Zeit gespielt werden.
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22.05.2009 - Interview: "Es ist an der Zeit, dass der VfL wieder einen Titel holt"
Am Samstag tritt der VfL Gummersbach im Hinspiel des EHF-Cupfinales in Slowenien gegen den dortigen Tabellenführer RK Gorenje Velenje an. Das Rückspiel findet am Pfingstmontag, 1. Juni, um 18.30 Uhr in der Kölner Lanxess-Arena statt. Mit Kapitän und Topshooter Momir Ilic, Rechtsaußen Vedran Zrnic und Mittelmann Drago Vukovic haben gleich drei VfL-Akteure schon beim Finalgegner Velenje gespielt. Das Trio freut sich auf ein Wiedersehen, will aber keine Gastgeschenke verteilen.Das Hinspiel des EHF-Pokal wird für euch drei eine Reise in die Vergangenheit. Sind die beiden Duelle mit RK Gorenje Velenje etwas Besonderes für euch?
Momir Ilic: Dass wir gerade gegen Velenje im Finale spielen, ist auf jeden Fall ein besonderes Gefühl für uns. Auch wenn meine Zeit in Slowenien schon drei Jahre zurückliegt, habe ich noch viele Verbindungen nach Velenje. Ich freue mich sehr, dass ich zusammen mit Drago und Vedran bei meinem alten Verein antreten kann. Wir fliegen mit Freude nach Slowenien, um alte Freunde wiederzusehen, doch es steht fest, dass wir keine Freundschaftsgeschenke verteilen werden.
Vedran Zrnic: Das ist richtig. Wir wollen den Pokal und mit einem Erfolg die Saison beenden. Wir wollen den Titel – für uns und für unsere Fans. Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Slowenien und für mich steht fest, dass wenn ich noch mal in einem anderen Land Handball spielen sollte, wieder zurück nach Slowenien gehe. Doch in den beiden Spielen zählt das alles nicht, hier kommt es nur darauf an, dass wir den Pokal gewinnen.
Drago, vor einem Jahr warst spieltest du noch bei Gorenje. Was wird euch beim Hinspiel am Samstag erwarten?
Drago Vukovic: Die Rdeca Dvorna (Rote Halle) wird mit über 2500 Menschen bis unter das Dach gefüllt sein. Die Zuschauer sind sehr emotional, sie werden voll hinter ihrer Mannschaft stehen und nach vorne peitschen. Uns erwartet ein echter Hexenkessel. Die Fans dort wollen uns verlieren sehen und werden ihr Team sechzig Minuten lang anfeuern.
Momir Ilic: Wir dürfen trotz der brodelnden Kulisse nicht die Nerven verlieren, sondern müssen ruhig und besonnen spielen. Wir dürfen uns von den Zuschauern keinesfalls nervös machen lassen. Allerdings dürfen wir auch nicht zu locker spielen, denn dann schaffen wir das nicht. Wollen wir den Pokal, müssen wir in beiden Spielen 100 Prozent Gas geben.
Velenje spielt eine sehr gute Saison und führt in Slowenien die Tabelle an. Was macht das Team so erfolgreich?
Momir Ilic: Velenje ist ein richtiges Kollektiv, das Team ist schon länger zusammen und sehr eingespielt. Die Mannschaft steht in der Defensive kompakt und spielt einen sehr modernen Handball. Sie spielen sehr schnell, haben eine gute Verteidigung und einen kurzen Angriff. Sie suchen schnell den Abschluss und sind stark über die Außen und aus dem Rückraum. Im linken Rückraum spielt mit Momir Rnic einer meiner Mitspieler aus der serbischen Nationalmannschaft. Er ist noch jung, aber er hat einen Riesensprung gemacht und ist ein sehr gefährlicher Werfer.
Vedran Zrnic: Gorenje Velenje ist eine sehr kampfstarke Mannschaft, sie geben niemals auf – egal wie der Spielstand ist. Die Kampfkraft ist typisch für den slowenischen Handball. Für das spielerische Element sind größtenteils die ausländischen Spieler zuständig. Sie haben gute Leute aus Bosnien, Serbien und Kroatien. Auch wenn mein Mannschaftskollege aus der kroatischen Nationalmannschaft, Ivan Cupic, mit einem Kreuzbandriss ausfällt, hat Velenje noch eine starke Mannschaft. Das Sahnestück ist die linke Seite, sowohl über Linksaußen als auch aus dem linken Rückraum sind sie sehr stark.
Drago Vukovic: Dass die Mannschaft Qualität hat, zeigt sie nicht nur in der slowenischen Meisterschaft, sondern auch im EHF-Cup. Sie steht nicht umsonst im Finale und hat mit Bjerrigbro Silkeborg eine Mannschaft ausgeschaltet, die vorher den TBV Lemgo aus dem Wettbewerb geworfen hat. Auch im Halbfinale gegen TSV Ottmar St. Gallen geriet Velenje nicht ernsthaft in Gefahr. Wir dürfen uns in den beiden Finalspielen keine Schwächen erlauben, das würde Velenje sofort ausnutzen.
Über RK-Coach Ivica Obrvan hat man in den vergangenen Wochen nicht nur Positives gelesen. Er soll in Trebnje einen Schiedsrichter nach dem Spiel angegriffen haben und auch im Derby gegen Koper vor wenigen Tagen handgreiflich gegen Kopers Torhütertrainer geworden sein.
Vedran Zrnic: Obrvan kommt wie ich aus Kroatien und ist ein bisschen heißblütig. Doch er hat Erfolg in Velenje und die Leute dort mögen ihn sehr. Ich weiß nicht genau, was bei den Spielen gegen Trebnje und Koper passiert ist, aber man muss Ivica Obrvan attestieren, dass er sehr erfolgreich mit der Mannschaft arbeitet und das ist im Handball das entscheidende. Normalerweise wird in Slowenien fast immer nur Celje Meister, doch diesmal ist Velenje vorne, das ist auch der Verdienst des Trainers.
Momir Ilic: Ich glaube, die Berichterstattung über die angeblichen tätlichen Angriffe von Ivica Obrvan war ein bisschen übertrieben, das ist in den Zeitungen falsch gemeldet worden. Ich habe gehört, er hätte nur mit der Faust gedroht. Aber das sind Geschichten, die nichts mit unseren Finalspielen zu tun haben. Ich denke, bei unseren Spielen wird nichts passieren. Ich hoffe, es werden zwei heiße, aber faire Duelle.
Wie muss der VfL gegen Gorenje Velenje spielen, um den EHF-Pokal zu gewinnen?
Drago Vukovic: Uns erwartet eine schwere Aufgabe, doch wir müssen auch nach Slowenien fahren, um dort zu gewinnen und den Grundstein für den Finalsieg zu legen. Wenn wir schon im ersten Match gut spielen und uns eine ordentliche Ausgangsposition erarbeiten, ist das ein Riesenvorteil für das Rückspiel. Das würde beim Rückspiel in Köln vieles leichter machen.
Momir Ilic: Wir müssen hochkonzentriert sein und genau wie im Final Four-Halbfinale gegen Hamburg eine aggressive und sichere Deckung spielen. Wir dürfen keine einfachen Tore zulassen und unseren Torhütern helfen. Wir müssen schnelle Mitte spielen und unsere Tempogegenstöße nutzen. Dazu wird vieles auf die Leistung der Torhüter ankommen. Ich glaube, insgesamt haben wir spielerisch eine höhere Qualität, doch diesen Vorteil müssen wir auch abrufen. Es werden zwei ganz enge Spiele.
Ihr habt in Velenje gespielt und seid jetzt beim VfL Gummersbach unter Vertrag. Was sind die Unterschiede zwischen den beiden Clubs?
Momir Ilic: Die Größe der Stadt ist vergleichbar, sonst gibt es aber nicht viele Gemeinsamkeiten. Der größte Unterschied ist, dass Gorenje bei weitem nicht die Tradition des VfL Gummersbach hat. Der VfL spielt in der besten Liga der Welt, jeder Handballfan auf der Welt kennt den Namen VfL Gummersbach. Gorenje dagegen ist ein kleiner Verein, der sich toll entwickelt hat. Die Vereinspolitik stimmt, sie haben in dieser Saison die große Chance eine Meisterschaft zu gewinnen, das zeigt, dass dort gute Arbeit geleistet wird. Gorenje hat gute Chancen, dass es mal ein großer Verein wird, doch die Bekanntheit und Tradition vom VfL werden sie wohl nie erreichen. Und es gibt noch einen Unterschied: Das Wetter ist in Velenje besser, es regnet dort nicht so viel wie in Gummersbach.
Vedran Zrnic: Die Clubs sind nicht zu vergleichen. Nach Velenje gehen die Spieler in einer Periode ihrer Karriere, in der sie noch wachsen und lernen müssen. Die Spielerausbildung ist sehr gut, hier wird den Spielern beigebracht, eine neue Stufe in ihrem handballerischen Können zu erreichen. Velenje ist eine Art Sprungbrett in die größeren Handballligen. Momir ist ein gutes Beispiel, er hat in Velenje eine weitere Qualitätsstufe erreicht und ist dann zum VfL Gummersbach gewechselt.
Drago Vukovic: Ich kann nur zustimmen: In Velenje wird gute Arbeit geleistet. Dort herrscht gutes Klima für Nachwuchsspieler. Sie kommen als junge Spieler aus Serbien, Kroatien oder Bosnien und entwickeln sich in dem Club sehr gut. Die Jahre, die ich in Velenje gespielt habe, waren auch für mich eine sehr gute Erfahrung.
Der VfL Gummersbach hat seit 26 Jahren keinen europäischen Titel mehr gewonnen. Beim letzten Sieg standen Spieler wie Heiner Brand, Erhard Wunderlich oder Gerd Rosendahl auf der Platte. Sind diese großen Namen für euch eher Motivation oder Belastung?
Drago Vukovic: Das ist ganz klar eine Motivation. Es wäre etwas ganz Besonderes für mich, wenn wir durch den Finalsieg mit diesen großartigen Spielern in einer Reihe stehen dürften. Ich habe noch nie einen Vereinstitel gewonnen, war nur einmal Zweiter im Pokal in Kroatien. Diesmal will ich unbedingt den Pokal haben.
Momir Ilic: Ich habe auch noch nie einen Titel gewonnen, daher wäre ich sehr froh, wenn es klappen würde und wir zusammen mit den Fans nach vielen, vielen Jahren wieder einen Titelgewinn feiern könnten. Ich werde alles dafür geben, dass der Pott wieder ins Oberbergische kommt.
Vedran Zrnic: Die ganze Mannschaft will den Pokal nach Gummersbach holen. Es ist einfach an der Zeit, dass der VfL Gummersbach wieder einen europäischen Titel gewinnt.
Quelle: Homepage VfL Gummersbach
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Interview mit Viktor Szilagyi
„Jetzt holen wir den EHF-Pokal“Erstellt 28.05.09, 20:41h, aktualisiert 29.05.09, 07:45h
Gummersbachs Hanballprofi Viktor Szilagyi spricht über das EHF-Pokalfinale gegen Velenje. Der VfL-Routinier setzt am Pfingstmontag in der Lanxess-Arena auf die Mithilfe der Fans.KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Szilagyi, nach dem verlorenen DHB-Pokalfinale in Hamburg gegen den THW Kiel haben Sie bittere Tränen vergossen - in welcher emotionalen Verfassung wird man Sie am Montag nach dem Final-Rückspiel gegen Gorenje Velenje in der Lanxess-Arena antreffen?
VIKTOR SZILAGYI: Ich hoffe doch sehr, in einer viel besseren als damals. Natürlich geht einem eine solche Endspiel-Niederlage wie die beim Final Four extrem nahe, zumal ich mit meinen 31 Jahren ja auch nicht wissen kann, wie oft ich noch die Gelegenheit zu einem Titelgewinn bekomme. Aber wir alle haben uns noch in der Color Line Arena geschworen: Jetzt holen wir eben den EHF-Pokal nach Gummersbach! Denn noch einmal wollen wir nicht zuschauen, wie der Gegner den Pokal ausgehändigt bekommt. Diesmal stehen wir bei der Siegerehrung nicht traurig am Rand.
Die Chancen stehen nicht schlecht - das Final-Hinspiel in Slowenien hat der VfL mit 29:28 gewonnen, dabei allerdings auch einen deutlich komfortableren Vier-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben.
SZILAGYI: Das muss uns auch eine Warnung sein. Ohnehin besitzt Velenje ein extrem starkes Team, die sind drauf und dran, slowenischer Meister zu werden, haben ihr Saisonziel also schon erreicht, sehen den EHF-Cup als Zugabe und können deshalb auch schön locker bleiben. Für uns dagegen wäre es eine Riesenenttäuschung, wenn wir jetzt den Europacup nicht holen. Velenje ist also mental sogar im Vorteil . . .
. . . den Sie wie wettmachen wollen?
SZILAGYI: Indem wir von Beginn an Gas geben, den Gegner dominieren, ihm erst gar keine Chance lassen, sich zu entfalten und den Rhythmus zu finden. Am besten wäre es, wenn wir die Slowenen die ganze Zeit so weit auf Distanz halten, dass wir erst in gar keine Stresssituation geraten. Außerdem zähle ich ganz besonders auf unsere Fans.
In der laufenden, also Ihrer ersten Saison beim VfL, war die Lanxess Arena allerdings nur selten ein richtiger Hexenkessel . . .
SZILAGYI: Das wird sie aber am Montag sein. Und wie man sich als Gegner in Köln fühlt, wenn die ganze Arena für den VfL brüllt, das habe ich bei meinen Auftritten mit TuSEM Essen oder dem THW Kiel hier erlebt - das beeindruckt jeden.
Mit TuSEM Essen haben Sie 2005 schon einmal den EHF-Pokal gewonnen - kurz bevor dem Verein die Lizenz verweigert und er zum ersten von mittlerweile zwei Zwangsabstiegen verurteilt wurde . . .
SZILAGYI: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Auch damals spielte ich für einen Traditionsklub, der lange nichts mehr Großes gewonnen hatte, aber auch wirtschaftliche Probleme hatte. Aber das war's dann auch schon mit den Parallelen.
Die VfL-Profis haben ihrem Arbeitgeber im März, April und Mai jeweils 25 Prozent ihrer Gehälter gestundet, um seine Liquidität sicherzustellen; obendrein drücken den Klub mächtige Altschulden . . .
SZILAGYI: Trotzdem lässt sich die Situation des TuSEM damals und des VfL heute nicht vergleichen. In Essen war seinerzeit schon vor dem Finale die Insolvenz besiegelt, in Gummersbach mag es heute zwar gewisse finanzielle Engpässe geben, aber man geht damit auf absolut seriöse und offene Weise um. Womöglich muss der Etat etwas abgespeckt werden, doch der Verein wird die Lizenz erhalten. Jetzt zählt aber erst mal das Endspiel am Montag.
Allerdings kann man unter den gegebenen Umständen wohl davon ausgehen, dass dieses EHF-Cupfinale dem VfL einstweilen die letzte Chance auf einen Titel bietet.
SZILAGYI: Wer weiß? Aber ich finde ohnehin, man sollte als Sportler jedes Endspiel so nehmen, als sei es das letzte der Karriere.
Das Gespräch führte Christoph Pluschke
(Quelle:http://www.ksta.de)
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Ein Jurasik-Interview aus dem Forum der Baden-Lions bzw. der heutigen Rhein-Neckar-Zeitung.
Odenheim. Es ist ruhig, mucksmäuschenstill. Nur selten fährt ein Auto vorbei. Hektik ist in Odenheim ein Fremdwort. Ein perfekter Ort um Kraft zu tanken. Mariusz Jurasik, die begnadete Rückraum-Rakete der Rhein-Neckar Löwen, weiß das nur zu gut: Vor rund sechs Jahren als er zu den Gelbhemden wechselte, suchte sich der Linkshänder dort ganz bewusst seine heimischen vier Wände. Und selbst die Hausnummer passt: Die Nummer 13 der Gelbhemden wohnt in Haus 13. Von wo aus er schon unzählige Male in Richtung Mannheimer SAP Arena aufgebrochen ist. Am Samstag war es nun das letzte Mal.
So richtig realisiert hat er das allerdings noch nicht. Die Ablenkung war groß. Ein paar Bekannte besuchten ihn am Wochenende. Darunter auch Gregor Luley, den er schon in seiner Kronauer Premierensaison kennen gelernt hatte. Sein Landsmann fungierte als Dolmetscher, begleitete ihn auf Schritt und Tritt: Erklärte, übersetzte, passte auf. Mittlerweile sind beide dicke Kumpels. Am Samstag nahmen sich beide Zeit für ein RNZ-Interview.
Mariusz Jurasik, Sie haben eine halbe Ewigkeit bei den Löwen gespielt, war es eine schöne Zeit?
Ich war sechs Jahre hier und habe mich immer wohl gefühlt. Das habe ich damals als wir abgestiegen sind ja auch gezeigt: Trotz zahlreicher Angebote aus der 1. Liga bin ich geblieben, habe meinen Beitrag zum Wiederaufstieg geleistet.
Was war für Sie persönlich der schönste Erfolg in ihrer Zeit bei den Löwen?
Der Wiederaufstieg und natürlich der diesjährige Einzug ins Halbfinale der Champions League. Außerdem wurde ich mit Polen 2007 Vize-Weltmeister und dieses Jahr Dritter bei der WM in Kroatien. Aber es gab natürlich auch Tiefpunkte.
Und die wären?
Vor allem unser Abstieg: Das Relegations-Hinspiel gegen Schwerin haben wir mit neun Toren gewonnen, was letztlich trotzdem nicht gereicht hat. Ganz bitter war auch die 25:26-Niederlage mit der SG Kronau/Östringen beim Final Four 2006 gegen Hamburg, als wir im Halbfinale den Topfavoriten Kiel ausgeschaltet hatten.
Wie schwer fällt der Abschied?
Sehr schwer. Rolf Bechtold und Michael Roth haben mich damals nach Kronau geholt. Meine ganze Familie ist hier gewachsen. Ich habe richtig viele gute Freunde gefunden, mit denen ich abseits vom Platz häufig Tennis spielte oder angeln war. Ich habe anscheinend auch vieles richtig gemacht, das haben die Fans, die bis zuletzt mit tollen Aktionen um mich gekämpft haben, bewiesen.
Hatten Sie das Gefühl, dass Manager Thorsten Storm Sie wirklich halten wollte?
Nein. Man hat mir bis Weihnachten 2008 mehrfach deutlich gemacht, dass man mich nicht mehr wollte. Denn man hätte einfach die Option ziehen können. Mir ging es nie darum, einen Drei-Jahres-Vertrag zu unterschreiben. Zwei Jahre, das war es, was ich wollte denn mein Sohn soll 2011 in Polen in die Schule gehen. Anfang 2009 entschied ich mich dann nach Polen zurückzukehren, wo ich bei KS Kielce einen Vertrag unterschrieben habe. Dieser Verein hat seit Jahren um mich gekämpft. Bertus Servaas, der dortige Präsident, versuchte jedes Jahr auf neue mich nach Kielce zu holen, und da meine Frau aus Kielce stammt und sich dort eine berufliche Existenz aufbaut, habe ich mich für diesen Klub entschieden.
Das Verhältnis zwischen Mariusz Jurasik und Thorsten Storm soll angespannt sein...
Verhältnis? Da existiert kein Verhältnis. Mir wurde von ihm niemals gezeigt, dass er mich aus Überzeugung halten möchte. Das letzte Angebot war ein Angebot, das auf den massiven Druck der Löwen-Fans zurückzuführen war und Kielce wurde erst nach dem Final Four ein Rückholangebot unterbreitet wurde.
Angeblich hat Thorsten Storm auch zu einigen anderen Spielern nicht den besten Draht...
Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war immer gut. Von außen lassen wir uns ohnehin nicht beeinflussen.
Was ist eigentlich an der Geschichte mit dem THW Kiel dran?
Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, dass Kiel eine Option für mich sein könnte. Aber durch meine guten Leistungen und aufgrund der dortigen personellen Entwicklung habe ich dort Interesse geweckt. Mein Berater hat mehrfach Gespräche mit dem THW geführt. Auch mir wurden positive Signale aus Kiel entgegengebracht. Der aktuelle Stand ist nun aber, dass Kiel wohl Sprenger verpflichten wird, da es in Magdeburg finanzielle Probleme geben soll.
Gibt es Menschen aus dem Umfeld der Löwen, die Sie besonders vermissen werden?
Ja. Vor allem natürlich unsere tollen Fans, die uns seit Jahren unterstützen. Wobei ich mich natürlich auch noch bei ein paar speziellen Leuten bedanken muss: Rolf Bechtold und Michael Roth sowie den ehemaligen Geschäftsführern Karl-Heinz Just und Alexander Kramer. Und natürlich bei Jürgen B. Harder, bei dem ich mich am Samstag gerne persönlich bedankt hätte, aber er war leider nicht da. Aber wer weiß, vielleicht gibt es im nächsten Jahr ein Wiedersehen mit den Löwen in der Champions League, und natürlich freue ich mich auf jeden Löwen-Anhänger, der mich in meiner neuen Heimat Kielce besucht. Aber manchmal kommt es im Leben sowieso anders als man denkt. (Lacht)
Existiert noch ein spezielles Ziel für die letzten Jahre ihrer Karriere?
Nun ja, ein Sportler will natürlich immer Titel gewinnen. Dies kann ich mit Kielce sicher realisieren. Aber auch mit Kiel hätte ich dies geschafft deshalb habe ich mich überhaupt sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt.
Im Gegensatz zu so manch anderem Spieler wurde ihnen auf der Löwen-Homepage keine Abschiedsgeschichte gewidmet. Auch im letzten Hallenheft kamen Sie nicht vor. Schmerzt das?
Kein Kommentar!
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Puh, da ist aber einer angefressen...
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Zur Recht, würd ich meinen.
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Nöö, da muss er halt akzeptieren, dass er langsam mal in ein Alter kommt, in dem Zweijahresverträge enorm risikobehaftet sind. Alle fordern seriöses wirtschaften, aber wollen dann auch wieder, dass man einem alternden Star mit einem längerfristigen Vertrag ausstattet. Das passt für mich nicht zusammen. Davon ab, dass Jurasik auch sehr viele schlechte Spiele in dieser Saison hatte, meistens hing das dann mehr mit Lustlosigkeit, also auch mangelnder professioneller Einstellung, als mit des Gegners Abwehrreihen zusammen. Keine guten Optionen am Verhandlungstisch. Seine guten Spiele hat er erst gemacht, als der Wechsel in trockenen Tüchern war.
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Auf jeden Fall hat er mal richtig klare Worte gefunden in dem Interview.
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Zitat
Original von Casey
Auf jeden Fall hat er mal richtig klare Worte gefunden in dem Interview.Und Toto scheint sich wie bei seinem vorherigen Verein richtig beliebt bei den Spielern zu machen

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Zitat
Original von horny01
Und Toto scheint sich wie bei seinem vorherigen Verein richtig beliebt bei den Spielern zu machen

Toto?
Du meinst Theo oder?
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Zitat
Original von Moose
Toto?
Du meinst Theo oder?
Naja, Toto steht ja im allgemeinen für Thorsten...das solltet ihr in HH ja wissen oder ?

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Innerhalb des Vereins hat der Theo aber mächtig an an Ansehen und Rückrat gewonnen !
Das er sich nämlich nicht durch die Heckenschützen und frustrierten Wichtigtuer ,die den Fanclub instrumentalisiert haben, hinreißen ließ, getroffene Entscheidungen unter dem Druck der gelben Klatschaffen auf den Rängen zurückzunehmen .hat ihn bei den Entscheidungsträgern richtig wachsen lassen...
Früher durfte sich auch noch der Urlaubsvertreter vom Hallenwart sicher sein ,zu einer Verpflichtung oder einer sonstigen Entscheidung um seinen Senf gebeten zu werden.Seit Theo ist dem so nicht mehr und das macht eben die C-Prominenz des Vereins verdrießlich....
Vorlaut -
Man da bin ich ja froh, dass ich beim THW als Kunde angesehen werde und nicht als schwarz-weisser Klatschaffe

Und der Vikarie vom Hallenwart muss sich ja auch nicht mehr einmischen, dafuer habt ihr ja jetzt Nielsen ...
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Was heißt er hat sich nicht hinreißen lassen? Wenn er so viel Rückrat, warum hat er denn dann zuletzt immer wieder betont, dass er Jurasik doch so gerne halten würde und nun so traurig ist, dass er geht? Das passt irgendwie nicht. Das müsstest Du - als echter Szenekenner - doch bemerkt haben! Unter Stirn bieten verstehe ich etwas anders. Es war ein bewusstes Täuschen und es wäre ja fast aufgegangen, wenn MJ dieses Interview nicht gegeben hätte. Aber MJ hat eben Rückrat: Ich denke ein Jan Filip, Andrej Klimovets und auch ein Michael Haaß hätten vielleicht auch Interessantes zu erzählen. Sind aber eben andere Typen.
Aber wir müssen froh sein einen wie TS zu haben. Schließlich wird es bei uns doch nie langweilig: Jedes Jahr kannst Du dich auf ein runderneuertes Team freuen. Wer braucht schon Kontinuität? Geld verbrennen ist doch viel geiler. -
Zitat
Original von meteokoebes
Nöö, da muss er halt akzeptieren, dass er langsam mal in ein Alter kommt, in dem Zweijahresverträge enorm risikobehaftet sind. Alle fordern seriöses wirtschaften, aber wollen dann auch wieder, dass man einem alternden Star mit einem längerfristigen Vertrag ausstattet. Das passt für mich nicht zusammen. Davon ab, dass Jurasik auch sehr viele schlechte Spiele in dieser Saison hatte, meistens hing das dann mehr mit Lustlosigkeit, also auch mangelnder professioneller Einstellung, als mit des Gegners Abwehrreihen zusammen. Keine guten Optionen am Verhandlungstisch. Seine guten Spiele hat er erst gemacht, als der Wechsel in trockenen Tüchern war.Du bist und bleibst ein Dummschwätzer.

Ich zitiere:
ZitatOriginal von meteokoebes
[...] Mariusz Jurasik wären beinahe die Nerven durchgegangen und er hätte sich zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen. (Da hat der alte Mann gerade noch die Kurve gekriegt und sich rechtzeitig beruhigt). Theo, von mir aus kannst du den ruhig nach Polen gehen lassen, ist kein Verlust für die Liga ... -