Aus: RE: Handball-EM 2024 - Finalspiele
"Das Problem ist die Formulierung „eines Fußes“. Ununterbrochen ein Teil irgendeines Fußes oder ununterbrochen ein Teil desselben Fußes."
Meiner Auffassung nach muss man die Regel als Ganzes anwenden und nicht nur ein paar Worte daraus isoliert betrachten.
Es handelt sich um Regel 15. Diese lässt sich einteilen in drei Phasen: Vor der Wurfausführung, Wurfausführung, nach der Wurfausführung.
Die Wurfausführung beginnt, wenn die korrekte Position eingenommen wurde und (sofern notwendig) die Schiedsrichter den Wurf freigeben (auch wenn dieser Teil nicht explizit in dieser Regel erwähnt ist).
Hier werden folgende Bedingungen formuliert:
1. "...muss der Werfer bei der Wurfausführung mit einem Teil eines Fußes ununterbrochen den Boden berühren bis der Ball die Hand verlassen hat"
2. "Der andere Fuß darf wiederholt vom Boden abgehoben und wieder abgesetzt werden"
Die Wurfausführung umfasst dabei den kompletten Zeitraum zwischen Freigabe des Wurfs und Abschluss des Wurfs, sprich dem Verlassen des Balls aus der Hand des Werfers. Das ergibt sich auch aus den in der Regel formulierten Folgen, wenn andere Spieler regelwidrig eingreifen.
Die oben genannten beiden Bedingungen sind verknüpft. Informatiker (oder meinetwegen auch Juristen) würden hier von einer UND-Beziehung sprechen, also beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Bedingung 1 beinhaltet zudem selbst ebenfalls eine UND-Verknüpfung zwischen "ununterbrochen der Boden berühren" und "solange Ball in Hand".
Welcher der beiden Füße "ein Fuß" aus Bedingung 1 und welcher "der andere Fuß" aus Bedingung 2 ist, ist offen, solange sich beide Füße noch am Boden befinden. Typischerweise ist das zu Beginn der Wurfausführung gegeben, wobei es theoretisch auch möglich wäre, bereits bei der Wurffreigabe nur auf einem Fuß zu stehen. In diesem Fall erübrigt sich das Rätselraten.
Geben wir den Füßen zur Veranschaulichung Nummern: "ein Fuß" aus Bedingung 1 ist Fuß 1, "der andere Fuß" entsprechend Fuß 2.
Hebt der Werfer nun während der Wurfausführung einen Fuß, so wird dieser zu "Fuß 2", der andere folgerichtig zu Fuß 1.
Für Fuß 1 ist (siehe oben 1.) die Bedingung formuliert: "ununterbrochen den Boden berühren bis der Ball die Hand verlassen hat". Hier gibt es keinen Interpretationsspielraum. Solange der Ball noch in der Hand ist, muss genau dieser eine Fuß am Boden bleiben. Man lässt mit 2. (siehe oben) explizit nur für Fuß 2 abweichende Bewegungen zu.
Wenn man es anders gemeint hätte, hätte man sich den Text komplett sparen können. Es hätte dann gereicht zu schreiben: Bei der Wurfausführung darf der Werfer den Ort der Ausführung nicht verlassen. Mit keiner Silbe hätte man auf die Füße und deren Aktionen eingehen müssen. Schon alleine deshalb ist davon auszugehen, dass ein Wechsel des Standfußes (was regeltechnisch einem Schritt entspricht) nicht zulässig ist.
Die Formulierung "der andere Fuß", so wie in den Regeln stehend, beschreibt einen konkret definierten Fuß. Würde man einen Wechsel des Standfußes in den Regeln vorsehen, müsste man schreiben "der jeweils andere Fuß".
Praktisch würde ich mich (so wie viele andere wahrscheinlich auch) über Videos freuen, in den Werfer am 7m-Punkt oder Freiwurf einen Stepptanz oder meinetwegen auch Moonwalk aufführen und das nicht abgepfiffen bekommen.