Duvnjaks Abgang nächstes Jahr, sagt Rudolph, "ist eine große Enttäuschung für uns. Wir hatten bis zuletzt auf sein Bleiben gehofft." Mitte vergangener Woche hatte Duvnjaks Berater Tomislav Grahovac dem HSV die Entscheidung mitgeteilt. Rudolph: "Die Entwicklung kam nicht überraschend. Duvnjaks Berater hatten zwar immer wieder betont, wie gut es ihm beim HSV und in Hamburg gefällt, zuletzt hatten sie jedoch mehrere Gesprächstermine verstreichen lassen." Der Neuaufbau der Mannschaft werde dadurch zwar beeinträchtigt, jedoch nicht grundlegend gestört. "Unser künftiges Team wird auch ohne 'Dule' in Deutschland und Europa ganz oben mitspielen können", ist der Präsident von den Qualitäten des verjüngten Kaders überzeugt.
Dunvjak war im August 2009 für rund 1,2 Millionen Ablöse vom kroatischen Meister RK Zagreb zum HSV gekommen. An der Summe hatte er sich mit einem gestaffelten Gehaltsverzicht über den Vertragszeitraum von fünf Jahren beteiligt. Beim neuen Angebot ging der HSV an seine finanzielle Grenzen. "Kein Spieler hat von uns je eine bessere Offerte erhalten", sagt Rudolph. Angeblich hat der HSV rund 30.000 Euro netto pro Monat geboten. Im europaweiten Poker um den Spielmacher hatte der polnische Meister KS Kielce wohl das meiste Geld auf den Tisch gelegt, rund 40.000 Euro netto im Monat. Kiels letztes Angebot lag darunter.
Die Verhandlungen zwischen Duvnjak und dem THW hatten vor einem Jahr begonnen, "im vergangenen Winter wurde diese Gespräche konkreter", berichtet Kiels Geschäftsführer Klaus Elwardt. Der Abgang von vier verdienten Stammspielern in diesem Sommer verschaffte dem Meister und Pokalsieger die finanziellen Spielräume, um Duvnjak zu locken. "Er ist ein überragender Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten", sagt Kiels Trainer Alfred Gislason. "Einer wie er ist ein Geschenk für jede Spitzenmannschaft."
Es scheinen aber auch sportliche Gründe gewesen zu sein, die Duvnjak zum Umzug nach Kiel bewogen. Der schwierige anfängliche Verlauf der vergangenen Saison beim HSV, mit der Ankündigung von tiefen Gehaltseinschnitten, mag ihn darin bestärkt haben, dass er in Zukunft die angestrebten großen Titel eher mit dem THW gewinnen kann, dem überragenden Handballverein Europas der vergangenen Jahre. Duvnjak, der Ende Mai von Trainer und Managern der Bundesliga zum besten Spieler der Saison gewählt wurde, fasste seinen Entschluss offenbar schon Anfang April, als vom späteren Champions-League-Sieg seines HSV noch nichts zu ahnen war. Mit dem Wissen um diesen Triumph wäre seine Entscheidung eventuell anders ausgefallen.
Der vom HSV erzwungene Wechsel seines Freundes Igor Vori nach Paris in diesem Sommer dürfte sie Duvnjak zumindest erleichtert haben. Vori und er waren 2009 gemeinsam von Zagreb gewechselt, seither gehörte Duvnjak bei dem Kreisläufer gleichsam zur Familie.