Beiträge von immerweiter

    Ich stimme Arcosh und Steinar zu - ungern zwar, weil mir Prokops Aktion moralisch mehr als zuwider ist. Aber ich halte es auch für außerhalb jeder Diskussion, bestehende und offenbar recht eindeutige Strafkataloge einfach nach Gutdünken über den Haufen zu werfen.
    Dass die Bestrafung - im Rahmen des Möglichen - härter ausfällt als bei Vujovic 2002, ist allerdings sehr zu begrüßen. Die seinerzeitige Reaktion der EHF empfand ich schon damals als Witz.
    Ich muss gestehen, dass ich für eine Regeländerung auch kein Patentrezept habe. Ich persönlich würde aber den Grundsatz "Gleiche Bestrafung für gleiches Vergehen" im Zweifelsfall opfern. Ich denke auch, dass solche Vorfälle (und alle anderen Aktionen zum unsportlichen Unterbinden der letzten Torchance) sich nur dann vermeiden lassen, wenn die Erfolgsaussichten von vornherein minimiert werden. Sprich: Eine folgende klare Torchance (Siebenmeter) ist in meinen Augen sinnvoller als drakonische Sperren und Geldstrafen.

    Wenn man das Strafmaß von L/U mit dem von Tschechow vergleicht, stimmt das Verhältnis wohl wirklich nicht so ganz. Vermutlich hat Ronaldo mit seiner Erklärung recht. Außerdem, auch wenn es naiv sein mag: Bevor ich der EHF pauschal ein Bauernopfer und fehlendes Interesse an echter Aufklärung unterstelle, suche ich nach Gründen für die harte Strafe. Und da fallen mir schon ein paar ein:

    Unglaubwürdigkeit: L/Us Geschichte ist so abstrus, dass das womöglich sogar als Beleg für ihre Richtigkeit gedeutet werden kann. Ein Gespann z.B. vom Balkan wäre mit derselben Story hier in der Handballecke von 99% der Leute einfach ausgelacht worden.

    Indizien: Der Geldfund bei L/U kann so oder so erklärt werden. Aber im Vergleich mit anderen Fällen ist die Beweislast nachgerade erdrückend. Noch eindeutiger sind ja nur noch "echte" Beweise: Film- oder Tonmitschnitt, Geständnis, (mehrere und glaubhafte) Augenzeugen - lauter Dinge, die es kaum einmal geben wird. Wenn sich die EHF hier zurückhält, hat sie in den meisten anderen Fällen keine Handhabe mehr.

    Eindeutigkeit: In die gleiche Kerbe zielt in meinen Augen die Verurteilung wegen der unterbliebenen Meldung. Abgesehen davon, dass das keine bloße Formalie ist, muss die EHF auch "Nebenkriegsschauplätze" hart sanktionieren, weil sie mangels Beweisen für den eigentlichen Bestechungsvorwurf sonst meist in kurzen Hosen dasteht. Das erinnert mich an die Idee, Al Capone wegen Steuerhinterziehung einzulochen, weil man ihm seine "eigentlichen" Verbrechen nicht beweisen konnte.

    Ich halte das Strafmaß deshalb im Großen und Ganzen für nachvollziehbar, allerdings auch ohne Kenntnis des möglichen Strafrahmens. Persönlich tut es mir für die beiden leid. Ich weiß allerdings nicht, ob es für L/U einen echten Unterschied macht, ob sie fünf oder zwei Jahre gesperrt bleiben. Der riesige Fleck auf der Weste einer beeindruckenden (Schiedrichter-)Lebensleistung wäre so oder so nur mit einem echten Freispruch verschwunden.

    Und was willst du uns damit sagen? Dass die SPD den Störfall in Brümmel inszeniert hat? Sind wir doch mal ehrlich: So naiv die Technikferne vieler Atomkraftgegner oft erscheint, so beeindruckend ist die Fähigkeit vieler AKW-Fans, Missmanagement, Dilettantismus, Bedienungsfehler und undurchsichtige Verflechtungen zwischen Kontrolleuren und Kontrollierten in der Atomkraftszene kleinzureden oder gleich zu ignorieren.

    Da scheint es noch andere Parteien zu geben, die hier mitmischen:

    Zitat

    Bestandteil dieses Vergleiches: Die Dokumentation eines Arbeitsvertrags bis zum 30. Juni 2009 zwischen Neuruppin und Ziebert – Stein des Anstoßes für die folgende Entscheidung des Spielleiters der Oberliga, Hans-Joachim Welzer, den Füchsen sämtliche Punkte aus Spielen mit Mitwirkung von Ziebert abzuziehen. Antragsteller: Der HC Lichtenrade, der als Absteiger direkt von einem Punktabzug der Füchse profitieren würde.

    Quelle: http://www.handball-world.com 07.07.09

    Falls das stimmt, hat Neuruppin womöglich die spielleitende Stelle niemals angerufen. Und für einen Zivilprozess dürften sportrechtliche Fristen unerheblich sein. Wenn die angegebenen 11 Monate Verfahrensdauer stimmen, hat Neuruppin hier auch umgehend reagiert. Lichtenrade wiederum konnte ja erst reagieren, nachdem bekannt wurde, dass ein Konkurrent einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hat.

    Ich schließe mich der Meinung an, dass eine Zeitbegrenzung im Angriff ohne gleichzeitige Regeländerungen im Verhalten zum Gegner auf keinen Fall sinnvoll ist (mit diesen Regeländerungen allerdings auch eher nicht).
    Die Spielgeschwindigkeit im Handball ist m.E. völlig ausreichend. Noch mehr Tempo verringert die Attraktivität für die Zuschauer. Der einzige Charme der Shot-Clock besteht also darin, die recht willkürliche, auf jeden Fall subjektive Einschätzung "Passives Spiel" durch eine klar definierte Zeitvorgabe zu ersetzen.
    Wenn die so entstehende regeltechnische Stärkung der Abwehrarbeit durch konsequente Progression etwas aufgefangen werden soll, gewinnt jedoch die subjektive Einschätzung des Schiedsrichters hier enorm an Bedeutung. Letztlich wird das Problem doch dann nur verlagert.
    Das mag im Spitzenbereich noch funktionieren. Als Aktiver in den Niederungen der Kreisliga mit Einzelschiedsrichtern, Neulingen etc. befürchte ich katatstrophale Folgen. Da ist mir eine von Spiel zu Spiel völlig unterschiedliche Auslegung des Passiven Spiels lieber als noch mehr von der Schiri-Linie in Sachen Progression abhängig zu sein. Und das sage ich als Trainer einer A-Jugendmannschaft, die dank konsequent offensiver Abwehrformation von der russischen Regel vermutlich eher profitieren würde.

    Ich lese "Der Knochenmann" von Wolf Haas, zweiter Band der Reihe um Simon Brenner, nachdem ich Band 1 "Auferstehung der Toten" gerade beendet habe. Daraus sieht man schon, dass mir Wolf Haas gefällt, was angesichts seines Schreibstils nicht selbstverständlich ist. Vielleicht liegt es daran, dass mir im Süden der alpenländische Tonfall sehr vertraut ist. Fazit: Es gibt wesentlich spannendere Krimis, aber das ist in diesem Fall auch gar nicht wichtig.
    Apropos Spannung: Das Fesselndste, was ich in den letzten Monaten gelesen habe, sind die drei Bände von Stieg Larsson "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung". Atemberaubend!

    Hallo,

    ich trainiere seit Jahren auf Kreisliga-Niveau weibliche Jugenden ab B aufwärts, zeitweise auch Frauen. Und seit Jahren kämpfe ich mit dem gleichen Problem: Viel zu viele Mädchen können nicht werfen. Zu schwach, zu unplatziert, wenn variabel, dann nur unfreiwillig. Das bremst viele Spielhandlungen durch Fehlpässe aus, schlimmer ist, dass viele spielerisch gute Aktionen nicht durch ein Tor belohnt werden.
    Technisch sind die häufigsten Fehler: Ellbogen zu tief, Oberkörper nicht verdreht, keine Bogenspannung. Anfängerfehler, die aber leider oft über Jahre eingeschliffen sind.
    Nun würde mich eure Meinung interessieren: Lohnt es sich, in diesem Alter (so ab 15 aufwärts) noch ausgiebig Zeit in echte Korrekturen des Bewegungsablaufs zu stecken? Meine Erfahrungen sind da bisher eher negativ, ich hatte bisher aber auch noch nie über mehrere Wochen voll an diesem Ziel gearbeitet. Jetzt habe ich in den letzten drei Monaten jedoch ganz gute Erfolge mit konsequenter Schulung von 1-1-Grundbewegungen erzielt und bin am Überlegen.

    @ chris
    Nicht gerade blitzschnell meine Antwort, aber falls deine Frage noch aktuell ist: Ich habe mir die DVD seinerzeit nicht gekauft. Ich hatte durch die zugehörigen Artikel in der HT schon den Verdacht, dass es sich in erster Linie um koordinative Sachen handelt.
    In Sachen Grundübungen und Stellungsspiel sind in meinen Augen nachwievor die beiden Torwartbücher konkurrenzlos (Halten und Siegen von Fritz/Schmidt und Halten wie wir von Thiel/Hecker). Letzteres ist natürlich in Sachen Klamotten und Namedropping längst überholt - die Trainingstipps sind es ganz sicher nicht.
    In der Handball pur Reihe des Phillipka-Verlags gibt es eine DVD zum TW-Training von Michael Biegler, für die exakt dasselbe gilt: Optisch veraltet, inhaltlich top.

    Ich benutze die HT seit fast 20 Jahren für das Jugendtraining (v.a. weibliche C-A-Jgd., nie höher als Bezirksliga). Seit sie vor ein paar Jahren das Klassifizierungssystem zu Beginn des Textes eingeführt haben, ist die Übertragung in niedrige Leistungsklassen deutlich einfacher. In vielen Beiträgen werden auch ausdrücklich Tipps zur Belastungssteuerung gegeben.
    Natürlich erlebe ich heute noch Überraschungen - positiv wie negativ. Die meisten Abstriche muss ich bei komplexen Wurfübungen und bei der Kombi von Wurf und Koordination machen. Meine Mädels brauchen in aller Regel volle Konzentration, um einen halbwegs annehmbaren Wurf hinzubekommen. Umgekehrt langweilen sie sich bei Unterforderung schnell ...

    @ LagoTrainer: Der Beitrag von Renate Wolf ist nicht für die Einführung der 3:2:1 geeignet. Dafür gabs 2007 oder 2008 eine mehrteilige Serie. Wenn dein Team aber diese Formation mal kennt und spielt, bietet Wolf einige schöne Übungen für die Zusammenarbeit in der Kleingruppe, die mit minimalen Korrekturen auch von einer BL-A/B-Jugend trainiert werden können. Es lohnt sich also evtl., das Heft nicht wegzuwerfen. ;)

    @meteo

    Dein Hinweis auf den "Persilschein" ist natürlich richtig. Das zeigt schon deutlich, wie die Affäre (bzw. der Umgang mit ihr) in den Medien wahrgenommen wird.

    Zitat

    Original von meteokoebes
    Ich glaube nicht, dass dadurch die vielleicht verloren gegangene Glaubwürdikeit zurückgewonnen wird.

    Das ist ja der springende Punkt: Ich sehe gerade nicht, wie der Verband überhaupt seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann. Die Möglichkeiten, hinter die Wahrheit zu kommen, sind doch arg begrenzt. Und wenn dann eine wie auch immer geartete Untersuchung keine Anhaltspunkte ergibt, und der Verband das auch korrekt vermeldet, heißt es prompt: War ja nicht anders zu erwarten. Sorry, aber das interpretiere ich als Vorwurf, dass der Verband nicht ergebnisoffen ermittelt. Und das wiederum ist a) ein schwer wiegender Vorwurf, der b) in meinen Augen auch bisher nicht durch Fakten gedeckt ist.
    Ob Strombachs Wortwahl so glücklich ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt...

    @ meteo

    Strombach neigt halt dazu, mächtig dick aufzutragen. Aber mal im Ernst: Ein anderes Ergebnis war wirklich kaum zu erwarten. Bestechung / Bestechlichkeit ist eben nur sehr schwer nachzuweisen. Also was soll der Gute denn sonst sagen?
    Nebenbei bemerkt ist das für mich immer noch das wahrscheinlichste Ergebnis der ganzen Bestechungsaffäre: Aus Mangel an Beweisen wird nicht viel mehr als ein ungutes Gefühl und ein paar neue Regeln für den Umgang mit den Schiedsrichtern bleiben. Aber unsere Rechtsordnung gebietet in diesem Fall zwingend die Rehabilitierung der Betroffenen.
    Der vorläufige Freispruch für die Schiris liegt in meinen Augen auch nicht unbedingt am fehlenden Willen zur Aufklärung (direkt Beschuldigte einmal ausgenommen), wie du ja andeutest - oder verstehe ich dich da falsch? Dagegen sehe ich einfach keine geeigneten Instrumente auf Seiten der Verbände, um ernsthaft Licht ins Dunkel zu bringen.

    Zwei tolle Spiele, 117 min lang spannend. Als eher neutraler Zuschauer weiß man das nach der einseitigen Sachen im anderen HF besonders zu schätzen. Ich würde auch gar nicht lange auf einzelnen Spielern und ihren Fehlern rumhacken. Allerdings war Ciudad in der Summe für mich nicht einfach glücklicher, sondern eben ganz knapp besser.
    Viele Variationen, unglaubliche Möglichkeiten im Kader und eine zeitweise kaum zu überwindende Abwehr sind bekannt. Was mich aber besonders beeindruckt ist die mentale Stärke der Spanier. Wie sie bei Rückständen und eigenen Fehlern die Ruhe bewahren und dann, wenn´s darauf ankommt, immer wieder genau das Richtige tun, wie sie Fehler des Gegners ausnutzen - da hält eigentlich nur der THW mit. Und Sterbik ist ein Faktor, der nur noch von Omeyer übertroffen wird. Bitter konnte da trotz guter, im ersten Spiel exzellenter Leistung nicht mithalten.
    Fazit: Wer Ciudad schlagen will, muss die deutlich bessere Mannschaft sein oder auf einen schwachen Tag von Sterbik hoffen. In engen Spielen ist es sehr schwer. Das ist nun keine sensationelle Erkenntnis, aber immer wieder beeindruckend anzuschauen.

    Naja, das ist bei politischen Wahlen nicht anders: Die Stimme eines HartzIV-Empfängers zählt genausoviel wie die eines Topmanagers, die eines grenzdebilen Bildzeitungsjunkies ebensoviel wie die eines Hochschullehrers usw. Und das ist aus gutem Grund so.
    Außerdem wird ja auch unserem Gevatter Strombach vom Luxemburger Kandidaten Kaiser unkritische Nähe zum Pharao vorgeworfen. Und wo wir beim Thema Korruption sind: So ganz ist die Sache mit den 50.000 Euro und Russlands Verzicht auf eine Kandidatur als WM-Ausrichter auch nie aufgeklärt worden, oder?
    Falls ich in diesem Punkt falsch liege, korrigiert mich bitte. Aber so sehe ich noch nicht, dass wir zwingend einen seriöseren / besseren Präsident bekämen, wenn Verbände wie der DHB mehr Einfluss hätten.

    Hallo Petra,

    da muss ich doch meinen allerersten Beitrag in der Handballecke platzieren, weil ich ausnahmsweise auch etwas weiß:
    Im HVW, was deiner Herkunft nach zu urteilen auch dein Verband sein dürfte, gibt es keine offizielle Genehmigung für den Einsatz jüngerer Spielerinnen in F30-Mannschaften. Da aber sehr viele dieser Teams ohne - zumindest gelegentliche - Verstärkung nicht existieren könnten, gibt es in den meisten (allen?) Bezirken ein stilles Agreement. Eine jüngere Spielerin wird toleriert. Streng genommen würde der Gegner aber nach dem Spiel jederzeit mit einem Einspruch gegen die Spielwertung durchkommen. Weil damit allerdings die Seniorinnen-Spielrunde in vielen Bezirken ganz schnell sabotiert wäre, macht das niemand.
    Es gab bei uns im Bezirk dabei auch durchaus schon böses Blut: Gleich drei jüngere Spielerinnen oder die alles überragende Akteurin auf dem Feld fanden die Gegner dann doch nicht lustig. Ist halt alles eine Frage des Fingerspitzengefühls.
    Mein Tipp: In deinem Bezirk bei der spielleitenden Stelle informieren und im Zweifelsfall vor Rundenbeginn alle Gegner fragen.