Beiträge von immerweiter

    Nebenbei eine Frage: habe ich das gestern vom Sport1-Moderator (afair Götz) richtig verstanden, dass Kroatien die jüngste Mannschaft bei der WM stellt? 8o
    Falls dies so ist, könnten die Kraftreserven größer sein als bei anderen Mannschaften mit höherem Durchschnittsalter.

    Auf längere Sicht betrachtet nicht nur die Kraftreserven. Kroatien hat (teilweise auch unfreiwillig wie bei Lackovic) einen Umbruch schon zu großen Teilen vollzogen, der anderen Teams noch bevorsteht. Wenn man sich anschaut, aof welchem Niveau die jetzt schon spielen, scheinen die auf Jahre hinaus ganz heiße Titel- bzw. Medaillenkandidaten zu bleiben. Einzig zu Duvnjak und Alilovic scheinen sie keine Alternative zu haben. Aber sonst ist da große Klasse oder mindestens großes Potenzial auf dem Feld versammelt.

    Setzlisten sind Ausdruck wirtschaftlicher, nicht sportlicher Interessen (was ich jetzt gar nicht negativ finde). Ein Halbfinale oder Finale zwischen den großen Hausnummern lässt sich nun mal wesentlich besser verkaufen - im Sinne von mehr Aufmerksamkeit, mehr Medienpräsenz - als eines zwischen relativen Nonames. Das gilt auch in anderen Sportarten. Bayern vs. Real ist anders vermarktbar als Schachtjor vs. Rosenborg. Das gilt v.a. für das Standing der Veranstaltung insgesamt, auch in die Zukunft gerichtet. Das Bild vom entscheidenden Spiel der Besten funktioniert insgesamt nur mit echten Klassikern.
    Gelegentliches Eindringen von Außenseitern und Underdogs ist ausdrücklich erwünscht, muss doch die prinzipielle Ergebnisoffenheit von Zeit zu Zeit belegt werden. Sobald das aber zu häufig passiert, könnte der Eindruck der Beliebigkeit entstehen, was dann auch wieder schlecht ist.
    Kurz gesagt: Zuviel Berechenbarkeit ist tödlich, zuwenig aber auch. Und den Mittelweg steuert man eben mit Mitteln wie Setzlisten oder garantiertem Heimrecht für die klassentieferen Vereine an.

    Klein, Groetzki, Haaß, Wiencek und Christophersen hätte in der entscheidenden Phase auf dem Feld stehen müssen.

    Kann man so machen. Man kann aber auch wie im gesamten Turnier das Signal an alle Spieler senden: "Ich vertraue euch und wir brauchen jeden Mann".
    Ich persönlich glaube nicht, dass die von dir genannte Besetzung das Spiel noch herumgerissen hätte. Aber das ist natürlich reine Spekulation...

    ? Klär mich auf, was es mit dem Doppelschritt auf sich hat ;)

    Ansonsten meine ich heute zwei deutliche Schrittfehler gesehen zu haben: Spaniens langer Linkshänder (Masqueda oder so ähnlich) läuft vor seinem Traumpass auf Aguinagalde mit sechs Schritten von RR auf RL. Und Laszlo Nagy hat bei einem Durchbruch gegen die Hand auch mal zwei zuviel gemacht. Bei vielen anderen Szenen, gerade auch bei unbedrängten Kontern, habe ich oft das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Da geht´s mir aber wie Jaydeeblue: Selbst in der zeitlupe kann ich das oft nicht klar entscheiden.

    Unsere Schiris im Verein sagen ganz offen, dass sie nicht zählen, sondern den Bewegungsablauf bewerten, letztlich also nach Gefühl. Ist für mich auch ok so, weil die bei zu starker Konzentration auf die Schrittzahl andere, viel wichtigere Dinge völlig aus den Augen verlieren :)

    Gegner aufinternationalem Spitzenniveau, wo die DHB-Auswahl wieder hin will, waren ehrlich betrachtet nur Frankreich und Spanien. Gegen Frankreich haben sie wirklich begeisternd aufgespielt. Aber heute sind sie in der zweiten Halbzeit erneut unter dem Druck des Gewinnen müssens eingebrochen. Dasselbe Problem wie in den letzten EM- und WM-Turnieren.

    Ich bleibe dabei: Die Gleichung "Viertelfinale war zu erwarten = alles wie gehabt" geht für mich nicht auf. Ich will drei Punkte herausgreifen, für die die deutsche Mannschaft in den letzten Monaten oder Jahren heftig kritisiert worden ist und wo es bei diesem Turnier eine klare Weiterentwicklung gab:
    - Wir können nicht gegen offensive Deckungen spielen:
    Da gab es taktisch sehr gute Lösungen mit schnellen Kreuzbewegungen und teilweise sehr kreativem Spiel über den Kreis bzw. über die Außen oder guten 1-1-Aktionen nach Spielverlagerung
    - Wir haben keine Kreisläufer auf internationalem Niveau und demenstsprechend auch kein Kreisläuferspiel:
    Wiencek und über weite Strecken auch Theuerkauf haben ihre Sache sehr ordentlich gemacht, das Kreisspiel war teilweise die stärkste Angriffswaffe
    - Der deutsche Mittelblock ist zu statisch und unbeweglich, mit Roggisch als blindem Klopper und an der Linie festgewachsenen Nebenleuten:
    Der Mittelblock hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert, was Roggisch und Haaß oder auch Kneer dort gespielt haben, war in den letzten Spielen überragend

    Nur nebenbei bemerkt: Dass Heuberger nichts als eine schlechte Kopie von Heiners Play-Book spielen lässt und dazu unfähig sei, eine Mannschaft taktisch richtig einzustellen, wird jetzt auch kaum mehr jemand behaupten wollen.

    Dass diese ganzen Fortschritte auch keine individuelle Klasse zaubern können, ist klar. Aber ich habe auch bei den anderen Mannschaften im Viertelfinale (zu Russland und Slowenien kann ich allerdings nichts sagen) nicht den dominierenden Spielmacher gesehen, dessen Fehlen man beim deutschen Team oft beklagt hat. Wo einzelne Spieler einer Begegnung ihren Stempel aufdrückten, taten sie das meist durch individuelle Klasse, mit der sie ins 1-1 gingen oder schwierige Würfe versenkten. Spielerisch endete das immer damit, dass sie zwei oder mehr Gegner banden und damit Räume für die Nebenleute schufen.

    Wenn man die nachlassende Angriffsleistung der deutschen Mannschaft in der Schlussviertelstunde anschaut, dann war für mich auch die defensivere Taktik der spanischen Abwehr ein Schlüssel. Dadurch wurde das gefährliche Spiel über den Kreis unterbunden und der kleine, aber schnelle Weinhold kam auch nicht mehr so zum Zug. Oder war es genau umgekehrt und die Spanier konnten defensiver agieren, weil die deutschen nicht mehr in die schnellen Kombinationen kamen? ;)

    da muss auch nicht unter "wir sind ales freunde und soooo lieb"-gesichtspunkten die leistung der sr verteiigt werden.

    Was auch immer du gesehen haben magst: Ich und offensichtlich einige andere haben das anders wahrgenommen. Und das hat mit den von dir geschilderten Gesichtspunkten nichts zu tun, sondern mit dem gesehenen Spiel, mit einigen Zeitlupen nach vermeintlichen Fehlentscheidungen und nicht zuletzt mit der Einschätzung, was unter dem Druck von Kulisse, Veranstalter und Weltverband so alles an Einseitigkeit möglich gewesen wäre. In jedem dritten Bundesligaspiel sehe ich schlechtere, auch einseitigere Leistungen.

    Zitat

    Im Endeffekt wurde das realistische Ziel Viertelfinale erreicht - nicht mehr aber auch nicht weniger.

    @ Arcosh: Prinzipiell richtig, aber ich glaube kaum, dass jemand ernsthaft mit dem Viertelfinale und solchen Leistungen wie in den letzten drei Spielen gerechnet hätte. Das ist die eigentlich positive Überraschung.

    Mein Fazit: 45 min tolles Spiel mit ein paar vergebenen Chancen zu viel. Hintenraus wurden die Beine schwerer, da gab´s Lücken und zu viele Zeitstrafen. In Unterzahl war Aguinagalde dann nicht mehr zu verteidigen. Dazu ein unerwartet starker spanischer TW, dazu eine etwas defensivere spanische Abwehr, die nicht mehr viel zugelassen hat.
    Die Schiedsrichter super, wenn man bedenkt, was im Vorfeld an Befürchtungen zu lesen war. Ein minimaler Heimbonus ist völlig ok.
    Heute hätte man über weite Strecken mit beiden Abwehrreihen ein Lehrvideo drehen können.

    Schade, aber insgesamt ein Turnier, das so glaube ich niemand erwartet hätte. Darauf lässt sich aufbauen.

    @ Frisch Auf Fan:
    Und was wollen uns diese Worte sagen? Tut mir leid, aber ich verstehe deine Antwort nicht. Aber btt: Frankreich wird entweder spielerisch eine Schippe drauflegen müssen oder eine deutlich bessere Torwartleistung brauchen als in den letzten beiden Spielen. Da beides nicht unmöglich erscheint, würde ich die alten Herren noch nicht abschreiben. In der momentanen Verfassung wird´s aber wohl nichts mit dem erneuten Finaleinzug, da stimme ich Steinar zu.

    Edit: Da war highnote schneller, deshalb der richtige Adressat eingefügt.

    Das ist richtig. Skepsis ob der möglichen Leistungsstärke war angebracht. Ein Teil der Kritik war aber schon bei der Formulierung schlicht falsch, ein Teil war diffamierend. Ein Teil ist durch dieses Spiel weder entkräftet noch bestätigt. Dass mein Vorredner aber allzu pessimistische Erwartungen noch einmal genüsslich zitiert, das ist schon ok. Macht in jedem Fall mehr Spaß, als nach einem gnadenlosen Absturz die positiven Erwartungen zu zitieren ;)

    Hoffentlich wird das Team Gruppendritter. Die 3 Gegner aus Gruppe B sind auf Augenhöhe und damit bestehen durchaus Siegchancen. Im Viertelfinale sollte man aber Spanien/Kroatien (Sieger der Gruppe D) aus dem Weg gehen. Da sehe ich keine Chance. Den Gruppnersten aus Gruppe C (Serbien/Slowenien), der sich gegen den Vierten aus Gruppe D durchsetzen sollte könnte man durchaus noch bezwingen. Das wäre die absolute Maximalausbeute.

    Das hatte ich mir zu Beginn des Turniers auch mal so ausgerechnet. Allerdings war das damals noch arge Kaffeesatzleserei und nach der Niederlage gegen Tunesien schien zwischenzeitlich Vierter schon ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Aber sollten die Jungs das Achtelfinale überstehen, würde als Gruppendritter wohl der - von der Papierform her - einfachere Gegner im Vergleich zum Zweiten warten.

    Geil vom Bundestrainer. Man führt 5 Min. vor der Halbzeit mit vier und nimmt dann Grötzky und Smöre raus. Da waren es nur noch 2.

    Tja, das ist das schwere Los des Bundestrainers. Wechselt man bei halbwegs klarem Vorsprung und die Jungs verdaddeln den: Idiot! Wechselt man gar nicht und die auf der Platte fangen an, Fehler zu machen: Idiot! Wechselt man oder nicht und gewinnt das Spiel, ohne zu glänzen: Idiot, weil man mit jeweils der gegenteiligen Entscheidung viel höher gewonnen hätte. Gewinnt man ein Spiel souverän: Trotzdem Idiot, weil man gegen so einen schwachen Gegner noch souveräner hätte gewinnen müssen. Spielt man 45 Minuten sehr ordentlich, hat dann einen Durchhänger und der Trainer fordert die Spieler in der Auszeit auf, sich auf die Tugenden eben jener ersten 45 Minuten zu besinnen: s.o., weil kein taktischer Impuls kommt. Begegnet man einer extrem offensiven Abwehr zeitweilig mit vier Rückraumspielern und ohne Kreisläufer, holt damit fünf freie Torchancen heraus: Lassen wir das, aber ein anderer Trainer hätte bestimmt verhindert, dass zwei von diesen Freien verworfen wurden.

    Man muss nicht jede Entscheidung von Heuberger gut heißen, man muss ihn auch nicht für die Idealbesetzung als Bundestrainer halten, aber ein guter Teil der Kritiker hier scheint wieder mal nicht gewillt, die vorgefasste Meinung durch Fakten irgendwie in Frage zu stellen ;)

    zum anderen hat man eben den Vierjahres-Rhythmus

    Eben und darin liegt der Hase begraben. Als Fußballer spielst du einmal in deinem Leben eine WM, wenn´s dumm läuft. Da verzichtet keiner freiwillig, zumal du dort deinen Marktwert ins Unermessliche steigern kannst - was im Handball in dieser Form kaum gegeben ist. Wie Küstentanne schon bemerkt hat: Bei Testspielen macht sich im Fußball die erste Garde auch schnell rar. Von daher hinken die meisten Vergleiche mit anderen Sportarten. Beim Basketball z.B. haben viele Jahre die NBA-Spieler bei den Titelkämpfen in der Regel auch gefehlt, und zwar nicht nur die deutschen. Det Schrempf z.B. hat außer 2x Olympischen Spielen, davon 1x vor seiner NBA-Karriere, nicht viel in der Nationalmannschaft gespielt und das immer wieder mit der nötigen Regenerationszeit vor einer 80-Spiele-Saison begründet.

    Was mich eigentlich mehr stört, ist die Tatsache, dass Heuberger mediale Scharmützel führt, die sich nahtlos in die schlechte Außendarstellung des DHB in den letzten Jahren einreihen. Damit tut er doch sich, der Nationalmannschaft und dem Handball insgesamt keinen Gefallen.