Beiträge von immerweiter

    Das war ein ganz klarer 7-Meter am Ende. Fand 1. gut, dass die Schiris es sich nicht angeguckt haben und 2., dass sich Semrau da auf gar keine Diskussion mit Hens eingelassen hat.

    Sehe ich auch so. Die beiden Schiris sind mal um die 20. Minute etwas geschwommen mit vier, fünf Entscheidungen hintereinander zwischen zweifelhaft und klarem Fehler. Aber das haben sie durch die souveräne Schlussphase mehr als wettgemacht. Die beiden Entscheidungen gegen Canellas waren bitter für ihn, der doch die Spanier lange Zeit am Leben gehalten hat. Aber m.E. beide korrekt.

    Zum Spiel: Die spanische Abwehr schon beeindruckend. Arg viel besser kannst du Jim G. nicht aus dem Spiel nehmen. Über weite Strecken der zweiten Hälfte hatten die Spanier gefühlt das Momentum auf ihrer Seite. Schweden musste viel mehr ackern für seine Tore - und lag trotzdem die meiste Zeit vorne. Als sie dann den Sack zumachen konnten, begann das Nervenflattern.

    Interessant auch die unterschiedlichen taktischen Reaktionen in der Abwehr. Spanien mit vielen Formationswechseln und dem ständigen Versuch, Schweden vor neue Aufgaben zu stellen. Schweden eher mit kleinen Korrekturen und leicht veränderten Bewegungen in der Grundformation. Gutes Coaching und hohes Niveau auf beiden Seiten. Ging natürlich zeitweilig auf Kosten des Spielflusses und des "schönen" Spiels.

    Am Ende dann Ekberg mit der nötigen Coolness. Wie sagte meine Tochter (C-Jugend): "Oh Gott, ich würde mir jetzt so in die Hose machen."

    Tut eigentlich nichts zur Sache, aber deine Aussage hat man fast wortgleich oft über Gro Hammerseng gehört: Sie kann nichts überragend oder spektakulär, aber alles sehr, sehr gut. Hat immerhin für 3x Europameisterin, 1x Olympiasiegerin und einmal Welthandballerin gereicht.

    Ohne dem guten Oleg Kuleschow seinerzeit zu nahe treten zu wollen: Olafur habe ich in Erinnerung als den Erfinder des Spielmachers auf der Halbposition. Seinen vielen Toren zum Trotz habe ich ihn immer als den Denker und Lenker des Magdeburger Spiels gesehen, der seine Mitspieler, vor allem Perunicic und Kervadec, trefflich eingesetzt hat. Ein bisschen wie Jim Gottfridsson: Schauen nach dem besser postierten Mann und wenn´s sein muss, halt selber einnetzen. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege. Immerhin waren Spielausschnitte und Live-Übeertragungen damals noch eher rudimentär vorhanden. Und "in echt" in der Halle habe ich ihn leider niemals gesehen.

    Das Erfolgsgeheimnis der Spanier liegt meiner Meinung nach in der Abwehrarbeit inkl. Torhüter Perez de Vargas

    Schon zu Zeiten meiner Trainerausbildung in den Neunzigern war die spanische Abwehrschule ein Thema. Damals ging es hauptsächlich um das Verdichten auf der Ballseite und das Attackieren der gegenerischen Halbspieler durch die ballfernen Außen. Unglaublich, dass die dieses Niveau mehr oder weniger konstant bis heute gehalten und sogar verfeinert haben. Andere Nationen spielen zumindest phasenweise auch eine gute Abwehr, gerade die Schweden sind ja da auch nicht zu unterschätzen. Aber Spanien ist da in ihrer Konstanz und auch in der Variabilität eine andere Hausnummer. Das wird im Finale sehr schwer für die Schweden. Die Daumen drücke ich denen trotzdem.

    Ich war die letzten Tage dank positiven Test in häuslicher Quarantäne, hätte ohne den Test aber gar nicht mitbekommen dass ich überhaupt etwas habe und ich bin kein Profisportler.

    Darin liegt aber gerade die Krux. Wo bei leichtem / symptomlosen Verlauf eine Rückkehr an den Büroschreibtisch nach negativer Testung problemlos klappen dürfte, ist sportliche Höchstleistung unmittelbar nach überstandener Infektion schon eine andere Hausnummer. Nicht umsonst bezweifeln Häfner und Kastening selbst, dass sie bei dieser EM noch einmal auf die Platte zurückkehren, obwohl auch deren Krankheitsbild als leichter Verlauf gilt. Nur von Kühn ist bisher übermittelt, dass er sich fit fühlt - ist aber aktuell noch positiv.

    Das ist natürlich richtig, die deutsche Mannschaft hat immer wieder den Weg über die Mitte gesucht. Zurecht angesichts der polnischen Probleme im Mittelblock. Und Gegenstöße gab es kaum. Neun Tore wie zuletzt bei Kastening waren heute für beide Außen unerreichbar.

    Dahmke hatte allerdings 1 von 4, wenn ich mich richtig erinnere. Das ist ausbaufähig.

    Das ist auch ohne Corona eine echte Wundertüte. Schweden und Norwegen haben bisher, wie du sagst, nicht überzeugt. Dafür sind die Russen wohl stärker, als ich gedacht habe. Auch Spanien war souveräner als ich erwartet habe, ist aber im Grunde nur so hoch gesprungen, wie sie mussten.

    Zwischen vier Siegen und vier Niederlagen ist alles drin, wobei ich dann Letzteres doch für wahrscheinlicher als Ersteres halte. Aber wenn unsere Abwehr ihr Niveau von heute hält, schlägt uns zumindest niemand im Vorbeigehen. Und ich bin dieses Mal überzeugt, dass die vollen Hosen und das Crunchtime-Versagen der Vergangenheit nicht mehr drohen.

    Wie dem auch sei: Zwei Siege müssten für den dritten Gruppenplatz reichen und das wäre ein toller Erfolg.

    Würde sagen, dass wir mit der jetzigen Mannschaft nicht unbedingt schlechter sind als mit der Mannschaft zu Turnierbeginn.

    Abwarten. Die Kohlen haben heute die Leute aus dem Feuer geholt, die schon da waren. Schiller und Mertens haben in den ersten beiden Spielen besser performt als Dahmke heute, Bitter hat ordentlich gehalten, aber nicht zwingend besser, als das Wolff oder Klimpke getan hätten, und die drei restlichen Neuen haben keine Rolle gespielt. Nicht zuletzt hat der Mittelblock Golla/Wienczek stark gespielt, was ja einige hier im Forum schon so erwartet (oder besser: gehofft) hatten.

    Bisher haben sich aber in jedem Vorrundenspiel neue Spieler in den Vordergrund geschoben. Nach dieser Logik müssten eigentlich am Donnerstag Drux und Wiede einen auspacken...

    Deutschland muss sich auf jeden Fall gehörig steigern, sonst gibt es gegen Polen bereits eine Rutsche. Ich weiß ja nicht, was für Spiele manche hier sehen, aber für mich ist das wirklich Anti Handball den Deutschland präsentiert. Wirklich keine Finesse oder Kreativität. Bisher waren es einfach Gegner, denen man das Predikat "stets bemüht" ausstellen muss. Ich bin gespannt, wie die Ergebnisse gegen stärkere Mannschaften dann aussehen.

    Naja, also dass noch Luft nach oben ist, bestreitet hier doch niemand. Aber "Anti-Handball" finde ich dann schon überzogen, zumal ich heute durchaus kreative Momente gesehen habe: Die Außen sehr gut eingebunden, z.B. mit langen Pässen, die früher nur Fabian Wiede gespielt hat, oder mit vielen Einläufern; zwei Kempatore; immer wieder variierende Laufwege im Rückraum, hervorgerufen auch durch viele Spielerwechsel. Das war doch alles schon mal statischer und schematischer bei uns, oder?

    Klar, war alles "nur" gegen Österreich und man muss sehen, wie viel davon gegen stärkere Gegner klappt. Das augenfälligste Defizit im Vergleich zu manchen Mannschaften, die ich bisher gesehen habe, ist das Passtempo im gebundenen Angriff. Daran könnten wir gegen eine starke Abwehr auch scheitern. Aber dazu braucht man halt auch die entsprechenden Spieler.

    Wurde ein Umbruch angestrebt oder kam der einfach durch die Rücktritte und Absagen?

    Beides, würde ich sagen. Pekeler wäre dabei, keine Frage. Bei Gensheimer waren die Entscheider sicher nicht undankbar über den Rücktritt. Und dass junge Torhüter wie Birlehm oder Klimpke dringend eingebaut werden mussten, war, so denke ich, jedem klar. Das problem war nur, dass Bitter zum Zeitpunkt seines Rücktritts der beste TW im Nationalteam war.

    Anders sieht es mit den Leuten aus, die aus unterschiedlichen Gründen aktuell nicht dabei sind: Drux, Wiede, Knorr wären wohl sicher dabei und dann wäre auch der Umbruch nicht so heftig ausgefallen. So macht man halt aus der Not eine Tugend, was im Übrigen auch eine wichtige Qualität ist.

    Ich sage schon von Anfang an, dass ich Gislason nicht für einen sehr geeigneten Nationaltrainer halte.

    Bis zu den aktuellen Testspielen hätte ich dir zugestimmt. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher. AG scheint einen klaren Plan für die Abwehr zu haben und selbst im Angriff sind bestimmte Abläufe zu erahnen. Aber natürlich ist das noch ein gänzlich ungedeckter Wechsel auf die Zukunft.

    Wenn ich mir die aktuelle Verfassung von Wolff, Häfner und Kühn anschaue, könnte es ihm vielleicht gelingen, die schwächelnden Erfahrenen zu alter Stärke zu führen. Und das hätte m.E. sicher auch mit seiner Erfahrung und seinem Standing innerhalb wie außerhalb der Mannschaft zu tun. Klar: Dieses Fazit kann in zwei, drei Wochen schon wieder ganz anders aussehen.

    Somit würde ich als Entscheider maximal die drei Spiele der Hauptrunde übertragen und die Slots fürs Finale und HF offen halten.

    Das sehe ich anders. Wenn ich die Quoten in der Hauptrunde aufwärts will, muss ich die Basis in der Vorrunde legen. Auch wenn es da für Insider nur um "Pflichtsiege" geht. Ein 50:10 gegen Handballexoten braucht tatsächlich niemand, aber Erfolge gegen die zweite europäische Reihe taugen dafür schon.

    Dass es am Ende um die Performance der Mannschaft gegen Spitzenteams geht, steht ja außer Frage. Und das ist der Knackpunkt. Aber das Streichen der Vorrunde wegen fehlendem sportlichen Reiz ist eine eher "nerdige" Sichtweise. Ich denke da eher an Identifikationsfiguren für die Mädels an der Basis, an Features, Porträts etc, kurz: an ein Produkt, das ich platzieren kann. Für den Erfolg einer Übertragung in den ÖR sind nicht wir in der HE entscheidend, und schon gar nicht die User, die Frauenhandball intensiv auf vielen exotischen Kanälen verfolgen.

    Nur mal hypothetisch: Die WM in Spanien läuft in den ÖR. Gute Vorrunde, erwartete Siege, eine zunächst erfolgreiche Hauptrunde. Das wäre genau die Ausgangsbasis für beachtliche Quoten (immer in den Dimensionen der Frauen gedacht, nicht in denen z.B. der Männer 2007). Dann noch eine Niederlage (kein Debakel) gegen Dänemark und ein Erfolg gegen Spanien: Die Hütte brennt (wiederum: Frauen, nicht Männer!). Auf dieser Welle ließe sich schwimmen. Das wären meine Überlegungen als Entscheider. Aber dazu braucht es halt eine Mannschaft, die ganz vorne mitspielen kann und auch bei einer Niederlage nicht abgeledert wird.