Nach dem 29:25 gegen Großwallstadt trennt sich die HSG vom 35-Jährigen
Chalepo zum TV Hüttenberg?
27.12.2004
Von Alexander Fischer
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E-Mail:a.fischer@mail.mittelhessen.de
Die Mannschaft ist multi-kulti. Ein Finne, ein Isländer, ein Däne, ein Montenegriner, ein gebürtiger Weißrusse, ein gebürtiger Pole, ein gebürtiger Litauer. Doch egal, woher sie kommen, einen deutschen Brauch haben sie sich zu eigen gemacht: beschert wird meistens zu Hause. Und wenn der Spielplan nicht mitmacht und an Heiligabend keine Partien vorsieht, dann eben schon am Tag davor. "Ich glaube, das schönste Geschenk haben wir uns heute selbst gemacht", strahlte Trainer Holger Schneider, nachdem seine Jungs am Donnerstag im letzten Heimspiel des alten Jahres den TV Großwallstadt relativ sicher und locker mit 29:25 (13:10) in die Schranken ver- und sich dabei einmal mehr als Macht vor eigenem Publikum erwiesen hatten. "Sieben Siege bei acht Heimspielen, das lässt sich sehen", durfte sich der Coach des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar nach durchaus turbulenten vorweihnachtlichen Wochen auf geruhsame Stunden im Kreise seiner Familie freuen.
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Abwehrbollwerk: "Faxe" Jörgensen (l.), Christian Caillat (Mitte) und Gennadij Chalepo (r., verdeckt) stemmen sich den Großwallstädtern Ulrich Wolf (Nr. 18) und Einar Holmgeirsson (Nr. 13) entgegen.(Foto: Steffen Bär)
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Stunden, die ihm seine Jungs mit einer vorne wie hinten tadellosen Vorstellung beschert hatten. "Einen Gegner so klar zu beherrschen, macht immer ein gutes Gefühl", urteilte Regisseur Nebojsa Golic. "Großwallstadt fand nie ein Mittel gegen uns und wirkte nach der Pause sogar recht hilflos." Und Torwart Axel Geerken, mit 14 Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter gegen seinen Ex-Klub einer der Garanten des Erfolges, ergänzte: "Mit unserer aggressiven Deckungsleistung haben wir den Gegner richtig konfus gemacht." Was auch TVG-Nationaltorwart Carsten Lichtlein, der die Niederlage der Mainfranken noch in Grenzen hielt, gesehen hatte: "Nach dem Wechsel ist uns nichts mehr eingefallen. Auswärts ist mit uns einfach kein Blumentopf zu ernten." Wie dominant sich die Grün-Weißen in ihrem vorletzten Pflichtspielauftritt in der altehrwürdigen Sporthalle Dutenhofen präsentiert hatten, gefielt auch Manager Rainer Dotzauer: "Den Gegner 50 Minuten lang bei 17 Gegentoren zu halten, war aller Ehren wert. So stelle ich mir richtige Deckungsarbeit vor."
Deckungsarbeit, zu der Gennadij Chalepo nur noch 120 Minuten sein Scherflein beitragen wird. Der Rechtshänder aus Gomel in Weißrussland, nach Stationen in Lemgo, Nettelstedt und Düsseldorf seit viereinhalb Jahren bei der HSG Wetzlar, wird den Klub nach den Partien am Mittwoch beim HSV Hamburg sowie am Sonntag zum Rückrundenauftakt beim VfL Pfullingen verlassen. "Manchmal müssen wir sportlich schwere Entscheidungen treffen, wenn es der wirtschaftliche Rahmen nicht anders zulässt", begründete Dotzauer noch am Tag vor Heiligabend die Trennung vom fast 35-Jährigen. Ob Chalepo das HSG-Angebot, ab 1. Juli 2005 als "Standby-Profi" und als Jugendtrainer zu arbeiten, annehmen wird, steht allerdings in den Sternen. "Ich möchte noch das eine oder andere Jahr Handball spielen und eigentlich nicht wegziehen", gab der 2,02 m große Rechtshänder bekannt und erteilte sogleich dem Süd-Zweitligisten TuSpo Obernburg, der reges Interesse an einer Verpflichtung des am Donnerstag in Abwehr und Angriff überzeugenden Ex-Nationalspielers bekundet hatte, eine Absage. Die Claus Bulk, der Manager der Truppe vom Main, gestern Abend bestätigte: "Chalepo hat mich an Heiligabend angerufen und mir quasi abgesagt. Ich habe ihm zwar noch eine Bedenkzeit bis Montag eingeräumt, seine Verpflichtung aber eigentlich ad acta gelegt. Er spielt offensichtlich die beleidigte Leberwurst und möchte nicht zu einem Klub, deren Verantwortungsträger der HSG Wetzlar nahe stehen." Da auch die ebenfalls interessierten SG Gensungen/Felsberg und SG Kronau/Östringen inzwischen ihren Verzicht auf ein Engagement Chalepos verkündet haben, deutet vieles darauf hin, dass der zweifache Familienvater, der den Auflösungsvertrag bei der HSG Wetzlar laut Manager Rainer Dotzauer noch nicht unterschrieben hat, künftig für den benachbarten TV Hüttenberg aktiv sein wird. Während in der Dutenhofener Sporthalle bereits spekuliert wurde, Chalepo habe beim Zweitliga-Schlusslicht schon einen Zweieinhalb-Jahres-Vertrag unterzeichnet, gaben sich die TVH-Verantwortlichen gestern bedeckt: "Es laufen Gespräche mit Chalepo, ich bin aber nicht involviert", gab Manager Hans Bach bekannt und verwies auf Marketing-Mitarbeiter Lothar Weber, der sich jedoch ebenfalls zugeknöpft gab: "Wir haben den Klassenerhalt noch nicht abgeschrieben und können uns vorstellen, mit einer Neuverpflichtung dem Abstieg noch zu entgehen. Mehr kann ich zu diesem Thema nicht sagen."
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Bald im Trikot des Nachbarn TV Hüttenberg? Gennadij Chalepo.(Foto: privat)
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Deutlicher wird in diesem Zusammenhang Obernburgs Macher Claus Bulk: "Chalepo hat mir klar gesagt, dass er nach Hüttenberg wechseln wird. Das tut uns ein bisschen weh, denn der TVH ist ein Konkurrent im Abstiegskampf, wir aber sind vorbereitet und haben personelle Alternativen. Aber wenn Chalepo unbedingt in der Regionalliga spielen will . . ." Die Trennung von Chalepo wurde notwendig, da die Verantwortlichen der HSG Wetzlar hoffen, den erst kürzlich verpflichteten Christian Caillat mindestens bis 30. Juni weiter zu beschäftigen. "Er hat uns signalisiert, dass wir auch im neuen Jahr mit ihm rechnen können", glaubt Rainer Dotzauer, im Franzosen genau den Spieler gefunden zu haben, der der zuletzt löchrigen HSG-Deckung Stabilität und der linken Angriffsseite Durchschlagskraft verleihen kann.
Pavlovic interessiert
Ob Caillat, den es langfristig nach Spanien zieht, im Sommer durch Ljubomir Pavlovic ersetzt werden könnte, steht in den Sternen. Der 2,09 m große Rechtshänder, ein Freund von Nebojsa Golic aus der Nationalmannschaft von Serbien und Montenegro, der früher an der Seite des HSG-Regisseurs für RK Sintelon aktiv war, bekundete unlängst sein Interesse, für die Mannschaft aus dem Wetzlarer Osten aufzulaufen. Noch ist der 24-Jährige aber an den Liga-Rivalen HSG Nordhorn gebunden. Gegen die Kündigung der Truppe aus der Grafschaft Bentheim klagt Pavlovic zurzeit. Er wartet noch auf rund 50 000 Euro Gehalt.