Beiträge von Paul2902

    Wie geht das denn ?

    21:14 (13:10) Tor durch 11 Dmytruszynski, Maciej (TSV Dormagen)
    20:52 (13:9) Team-Timeout (TSV Dormagen)
    20:11 (13:9) Tor nach 7 Meter durch 15 Christiansen, Lars (SG Flensburg-Handewitt)
    20:02 (12:9) 2 Minuten Strafe 11 Dmytruszynski, Maciej (TSV Dormagen)

    Homepage Dormagen
    "Wenn alles zusammenpasst, können wir jeden schlagen"

    „Die gesamte Mannschaft hat in den letzten Tagen super trainiert. Alle waren voll bei der Sache und arbeiteten auch hervorragend mit unserem neuen Athletiktrainer Thorsten Ribbecke zusammen“, stellte heute Kai Wandschneider heraus. „Auch am Tag der Deutschen Einheit haben wir etwas für unsere Einheit getan.“ Der Trainer des TSV Dormagen stand heute zusammen mit Manager Uli Derad Rede und Antwort bei einer Pressekonferenz in der Filiale der Bäckerei Kraus auf der Kölner Straße.
    Vor dem Spiel gegen Nordhorn am kommenden Samstag, 11. Oktober, um 15 Uhr im Sportcenter „haben wir auch an der Überzahl gearbeitet“, erklärte Wandschneider. Zuletzt lief es mit einem Mann mehr auf dem Feld nicht immer so glücklich beim TSV. Allerdings habe sich das Spiel gewandelt und die Überzahl stelle sich angesichts der Schnelligkeit der Abwehrspieler nicht mehr zwingend als Vorteil dar. Drei Verletzte werden auch gegen Nordhorn nicht zum Einsatz kommen können: Ingo Meckes klagt weiter über Schulterbeschwerden, Tim Henkel zog sich einen Innenbandanriss im Knie zu und Peter Sieberger machen die alten Fußbeschwerden wieder zu schaffen. Wandschneider: „Schade, gerade Tim hatte zuletzt toll trainiert und er wäre ein sicherer Kandidat für das Pokalspiel in Nordhorn gewesen.“

    Einer, der seine wahre Klasse noch nicht entfalten konnte, mache gute Fortschritte: Die Entwicklung von Denis Zakharov bewertete der Trainer als sehr positiv. Seine Tore würden dringend benötigt, zuletzt „hatte die Mannschaft Probleme, Tore zu erzielen. Und wenn wir nicht die 28 Treffer erreichen, dann können wir auch nicht als Sieger vom Parkett gehen.“ Prinzipiell könne seine Mannschaft gegen jede in der Bundesliga mithalten und „wenn alles zusammenpasst auch gewinnen.“ Nordhorn sei natürlich der klare Favorit, aber „wir wollen unsere Chance suchen.“

    Uli Derad machte deutlich, dass der Verein intensiv nach Wegen suche, um die Finanzmöglichkeiten zu verbessern. Darüber werde man aber erst sprechen, wenn es „definitiv Fakt ist.“ Der Spielermarkt werde aufmerksam beobachtet, eine Verstärkung sei nur dann ein Thema, wenn „uns der mögliche Spieler direkt weiterbringt.“ Das untermauert Kai Wandschneider: „Wir wollen unser gutes Mannschaftsgefüge nicht auf´s Spiel setzen.“

    Lokalsport
    „Bei uns die Antwort geben“
    VON VOLKER KOCH


    Dümmer hätte diese Woche kaum verlaufen können aus Sicht des TSV Dormagen: Nach seinen Überraschungserfolgen in Kiel und gegen Hamburg nimmt den Aufsteiger eh keiner mehr auf die leichte Schulter in der Handball-Bundesliga. Der TBV Lemgo, der sich morgen (15 Uhr, Ausschnitte der Partie ab 17 Uhr in Liga 1 auf WDR und NDR) im TSV-Sportcenter vorstellt, ganz bestimmt nicht.

    Denn die Ostwestfalen, die angesichts von 9:1 Punkten einen Traumstart in die Liga hingelegt hatten, leisteten sich am Dienstag eine Blamage, als sie in der 2. DHB-Pokalrunde im Nachbarschaftsduell bei Erstliga-Absteiger TuS N-Lübbecke mit 39:40 nach Verlängerung den Kürzeren zogen. „Jetzt sind wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen“, sagt der Sportliche Leiter Daniel Stephan. Der ehemalige „Welthandballer des Jahres“ kündigt an: „Über dieses Spiel werden wir mit der Mannschaft noch sprechen“.

    Genau das fürchtet Kai Wandschneider: „Lemgo ist jetzt gewarnt, die müssen bei uns die Antwort geben“, ist der DormagenerHandball-Lehrer überzeugt. Das umso mehr, als Lübbeckes Trainer Zlatko Feric nach dem Sieg erklärt hatte, er habe sich die Dormagener Spiele in Kiel und gegen Hamburg zum Vorbild genommen. „Dafür werden wir jetzt büßen müssen“, glaubt Wandschneider, für den aber ohnehin feststeht: „Lemgo ist der Favorit, das ist gar keine Frage.“

    Er hält die Ostwestfalen, die ähnlich wie der TSV zwei Drittel deutsche Spieler in ihrem Kader haben, für eines der spielstärksten Teams der Liga: „Das trägt schon die Handschrift von Markus Baur: Die spielen schnell und beweglich und haben einige taktische Kabinettstückchen drauf.“ Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän hatte die Lemgoer zu Jahresbeginn übernommen und wegen seiner neuen Aufgabe auf eine Olympiateilnahme (als Spieler) verzichtet.

    Auch ohne ihn war der TBV dank Michael „Mimi“ Kraus, Lars Kaufmann und Florian Kehrmann in Peking mit einem Trio vertreten. Während Kraus und der zur Zeit verletzte Kaufmann - „sein Einsatz am Samstag wäre eine Überraschung, wir hoffen, dass er nächste Woche wieder spielen kann“, sagt Daniel Stephan - zum Aufgebot von Heiner Brand für den ersten nach-olympischen Lehrgang vom 12. bis 15. Oktober in der Sportschule Kaiserau gehören, verzichtet der Bundestrainer „vorerst“ auf die Dienste von Florian Kehrmann. Der aus Büttgen stammende Rechtsaußen, zuletzt Kapitän der Nationalmannschaft, in Peking mit einer Trefferquote von fünfzig Prozent (8 Tore bei 16 Würfen) jedoch wenig überzeugend, fehlt ebenso wie die Weltmeister Christian Zeitz, Andrej Klimovets und Henning Fritz in Brands Kader. „Nach einem so hochstehenden sportlichen Event wie den Olympischen Spielen ist es nicht ungewöhnlich, mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft zu beginnen“, erklärt der Bundestrainer.

    Für Wandschneider ist Kehrmann trotzdem „einer der überragenden Spieler, und das nicht nur beim TBV Lemgo.“ Besonderen Respekt hat der Dormagener Trainer jedoch vor dem Rückraumtrio Michael Kraus, Rolf Hermann und Tamas Mocsai, das zusammen 56 der 163 Lemgoer Saisontore erzielte. Was er dem entgegensetzen will? Eine ähnliche Taktik und Einstellung wie in Kiel, Berlin und gegen Hamburg: „Wir müssen versuchen, die Partie lange offen zu halten. Wenn wir wie in Berlin zur Pause mit drei, vier Toren hinten liegen, müssen wir uns sagen: Das Ding ist noch lange nicht gegessen.“

    Personell kann Wandschneider aus dem Vollen schöpfen. Florian Wisotzki hat nach zwei Spielen Pause beim 28:22-Pokalsieg bei der SG Kronau/Östringen II erste erfolgreiche Gehversuche unternommen und bei seinem viertelstündigen Einsatz drei Tore erzielt. Ansonsten hat sich dort von den „Reservisten“ keiner aufgedrängt, so dass morgen wohl die Startformation der letzten beiden Spiele zu erwarten ist.

    Lokalsport
    Berlin war fast eine Reise wert
    VON VOLKER KOCH

    Nur hauchdünn schrammt Bundesliga-Aufsteiger TSV Dormagen an der nächsten Überraschung vorbei. Denn bei den Füchsen Berlin war am Sonntagnachmittag mehr drin, als die knappe 27:28 -Niederlage.

    Berlin wäre fast eine Reise wert gewesen für den TSV Dormagen: Denn nur um Haaresbreite schrammte der Aufsteiger an einer weiteren positiven Überraschung in der Handball-Bundesliga vorbei. Bei den Füchsen Berlin gab es am Sonntagnachmittag eine hauchdünne 27:28-Niederlage (Halbzeit 13:16), die sich die Dormagener allerdings selbst zuzuschreiben hatten.

    Denn in der Schlussphase eines ausgeglichenen Spiels vor 3868 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle wollten sie zu viel und schlossen dadurch ihre Angriffe zu früh ab. Dabei fanden sie immer wieder in Füchse-Kapitän Petr Stochl ihren Meister, der bis dahin eindeutig im Schatten von Vitali Feshchanka gestanden hatte. Doch vier Paraden des tschechischen Nationaltorhüters in den letzten dreieinhalb Minuten brachen den Dormagenern das Genick.

    Die Gastgeber nutzten die Gelegenheit, um sich von 25:25 (55.) auf 28:25 sechzig Sekunden vor Schluss abzusetzen. Zwar gelang Szabolcz Laurencz 57 Sekunden vor dem Abpfiff der Anschlusstreffer zum 26:28 und mit offener Deckung eroberten die Dormagener wenig später noch einmal das Spielgerät, das Christoph Schindler dann 20 Sekunden vor dem Ende zum 27:28 in die Maschen wuchtete. Doch zu mehr reichte es nicht, weil die Berliner die verbliebene Zeit routiniert zu Ende spielten.

    Dass die Hallenregie dann den Ohrwurm: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ einspielte, zeigt die ganze Erleichterung der Füchse über den gestrigen Sieg, der ihnen mit 8:2-Punkten einen „überragenden Saisonstart“ (Trainer Jörn-Uwe Lommel) bescherte.


    „Wenn das heute ein alles entscheidendes Spiel gewesen wäre, hätte Florian Wisotzki spielen können. So war das Risiko zu groß“, meinte TSV-Trainer Kai Wandschneider mit Blick auf seinen angeschlagenen Halblinken, der am Mittwoch (19.30 Uhr) im Pokalspiel bei Regionalligist SG Kronau-Östringen II erstmals wieder eingesetzt werden soll.

    Doch auch auf Dormagener Seite überwog die Zufriedenheit. Die Spieler liefen spontan in die Hallenecke und bedankten sich bei den rund 20 Fans, die die 570 Kilometer lange Anreise nicht gescheut hatten. „Da war heute mehr drin“, meinte Norbert Heinen, Chef des gleichnamigen Autohauses und TSV-Sponsor, zu den spannenden 60 Minuten und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn die Dormagener waren von Anfang an ein ebenbürtiger Gegner und bestachen durch ihre wiederum aggressive und konzentrierte 5+1-Deckung, hinter der Feshchanka zu großer Form auflief: Am Ende stand der weißrussische Nationaltorhüter mit 17 gehaltenen Bällen auf dem Spielberichtsbogen - zwei mehr als sein Gegenüber Petr Stochl -, doch der hielt eben die entscheidenden.

    Zur Schlüsselszene geriet die 54. Spielminute: Beim Stande von 24:24 hatten die Dormagener, dank der Zeitstrafen für Rico Göde und Jonathan Rivera-Vieco, zwei Spieler mehr auf dem Feld. Trotzdem setzte sich Konrad Wilczynski von Linksaußen durch und überwand Feshchanka zum 25:24. „Das war der Knackpunkt des Spiels. Zum Glück war Conny heute wieder dabei“, lobte Lommel den österreichischen Linksaußen, der in den beiden voraufgegangenen Spielen wegen einer Gehirnerschütterung vor allem als sicherer Siebenmeterschütze gefehlt hatte.

    Am Sonntag traf er drei Mal vom Punkt und scheiterte einmal an Joachim Kurth - in den voraufgegangen 120 Minuten hatten die Berliner ohne ihn gleich 14 Strafwürfe vergeben.

    Doppeltes Pech für Dormagen, zumal Sekunden nach Wilczynskis Führungstreffer Michiel Lochtenbergh auf der Gegenseite bei 6:4-Überzahl an Stochl scheiterte. Dennoch war Kai Wandschneider zufrieden und „tatsächlich auch ein bisschen stolz auf meine Jungs“.

    Das konnte der Dormagener Trainer auch sein, denn über weite Strecken waren seine Schützlinge spielbestimmend, führten zeitweise sogar mit zwei Toren - zum letzten Mal beim 11:9 (19.). Doch schon vor der Pause deutete sich an, was in der Schlussphase spielentscheidend werden sollte: Die Gäste leisteten sich einfach zu viele Fehlwürfe. Sieben Minuten ohne Dormagener Torerfolg ließen die Füchse auf 13:11 (26.) und den 16:13-Halbzeitstand davonziehen.

    Genauso hatte es im letzten Auswärtsspiel zur Pause auch gestanden, doch anders als in Großwallstadt brachen die Dormagener am Sonntag nicht ein. „Und sie werden auch weiterhin ihren Weg in dieser Liga gehen. Das steht für mich fest“, gab Jörn-Uwe Lommel den Gästen ein ernst gemeintes Kompliment mit auf die lange Heimreise.

    Lokalsport
    Unruhe im Fuchsbau
    VON VOLKER KOCH
    Eigentlich besteht gar kein Anlass zur Unruhe: Mit 6:2 Punkten sind die Füchse Berlin bestens in ihre Zweite Spielzeit in der Handball-Bundesliga gestartet.

    Gegen Neuling TSV Dormagen hat der Vorjahresaufsteiger am Sonntag (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gute Chancen, sich erst einmal im oberen Tabellendrittel festzusetzen, zumal auch Top-Torjäger Konrad Wilczynski wieder dabei ist. Der österreichische Linksaußen hatte zuletzt zwei Spiele pausiert, weil er sich bei einem Zusammenprall mit Wetzlars Torhüter Zoran Djordjic eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Ohne in gelang den Berlinern das Kunststück, in 120 Minuten 14 (!) Siebenmeter nicht im gegnerischen Tor unterzubringen.

    Doch nicht deshalb herrscht plötzlich hektische Betriebsamkeit im Fuchsbau. Die Berliner Zeitungen spekulieren vielmehr über eine vorzeitige Trennung von Trainer Jörn-Uwe Lommel, der seit 2005 bei den Füchsen auf der Bank sitzt. Schuld ist angeblich die tunesische Zeitung „La Presse“, die von einer Verpflichtung Lommels als Nationaltrainer Tunesiens berichtete. Der 50-Jährige, der sich vor seiner Berliner Zeit als Nationalcoach Ägyptens viel Ansehen im afrikanischen Handball erworben hatte, dementierte zwar umgehend.

    Doch Äußerungen von Manager Bob Hanning - „Reisende würden wir niemals aufhalten. Wir schätzen Jörn-Uwe Lommel als Trainer sehr, aber er ist für uns nicht das Maß aller Dinge“ - geben zu Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen dem Duo Anlass. Die Bild-Zeitung zitiert Lommel gar mit der Aussage: „Bis April war hier alles Leidenschaft, seitdem ist es nur noch Geschäft.“ Im April wurde Hannings Vertrag mit der RFH Vermarktungsgesellschaft um fünf Jahre verlängert, Lommel bekam einen Ein-Jahres-Vertrag mit Ausstiegsklausel.

    Schon wird spekuliert, Hanning käme die Diskussion alles anderes als ungelegen, weil er den als „harten Hund“ bekannten Trainer gerne loswerden möchte, um so eher prominente Spieler nach Berlin locken zu können. Als potenzielle Nachfolger für Lommel werden der beim THW Kiel geschasste Noka Serdarusic und sogar Bundestrainer Heiner Brand gehandelt, dessen Co-Trainer Hanning bis 2000 war.


    Kai Wandschneider interessieren diese Nachrichten aus der Bundeshauptstadt nur am Rande: „Wir fahren dahin, um guten Handball zu spielen“, sagt der Dormagener Trainer, „unseren Handball.“ Denn immer, wenn seine Mannschaft das getan habe, sei sie gut gefahren - siehe die Erfolgserlebnisse in Kiel und gegen Hamburg. Daraus leitet er auch seine Taktik gegen die Füchse ab: „Wir dürfen nur von Situation zu Situation spielen“.

    Will heißen: Bloß nicht auf die Anzeigetafel schauen, weder auf den Spielstand noch die verbleibende Zeit, weder bei fünf Toren Rückstand resignieren noch bei einer Drei-Tore-Führung übermütig werden. „Ich hoffe, meine Spieler beherzigen das.“ Tun sie das nicht, droht Ungemach wie gegen Magdeburg oder in der zweiten Halbzeit in Großwallstadt, wo sie „zu schnell zu viel wollten.“ Wandschneider: „Eine Acht-Tore-Niederlage in Berlin wäre okay, wenn’s knapper wird, um so besser. Mit dieser Einstellung müssen wir in die Partie gehen.“

    Als Vorteil könnte sich dabei erweisen, dass „die Füchse mehr unter Druck stehen als wir“, als Nachteil, dass sich Lommel wohl ähnlich akribisch wie Magdeburgs Michael Biegler auf den sonntägigen Gegner vorbereitet hat: „Der überlässt nichts dem Zufall. Und unterschätzen wird uns eh keiner mehr - Jörn-Uwe Lommel bestimmt nicht.“

    Wandschneider muss auf den bislang ohnehin nur sporadisch eingesetzten Ingo Meckes (Schulterverletzung) und weiterhin auf Florian Wisotzki verzichten. Einige andere - Peter Sieberger (Fuß), Maciej Dmytruszynski, Szabolcs Laurencz (beide Knie) und Michiel Lochtenbergh (Schulter) - haben mit dem Training aussetzen müssen in dieser Woche. „Aber das ist alles nichts Schlimmes“, sagt Wandschneider, „nach vier Spielen innerhalb von elf Tagen ist das eher normal.“ Er geht davon aus, dass alle bis auf Meckes, Wisotzki sowie Matthias Rechzeh, Tim Henkel und Max Holst, die die Reserve verstärken, an Bord sind, wenn der TSV am Samstag früh nach Berlin aufbricht und dort am Abend noch eine Trainingseinheit einlegt.


    2Artikel


    Lokalsport
    Disziplin und Leidenschaft


    Er kennt sich in Sachen Aufstiege in die Handball-Bundesliga aus, als Spieler wie als Trainer. Als Trainer führte Jörn-Uwe Lommel die Füchse Berlin in Liga eins, als Spieler gelang ihm dieses Kunststück 1989 mit dem TV Niederwürzbach, den er später auch als Trainer übernahm.

    In der Nachfolge von Petre Ivanescu übrigens, der ihn 1986 mit von TuSEM Essen zum TSV Bayer Dormagen brachte. Ein Jahr später stiegen sie in die Erste Liga auf, in der der heute 50-Jährige 26 Spiele für den TSV bestritt und von Rechtsaußen 40 Tore erzielte, bevor er - gemeinsam mit Ivanescu - nach Niederwürzbach wechselte. Kontakt nach Dormagen hat Lommel, der außerdem TuSEM Essen, TuS Nettelstedt und die ägyptische Nationalmannschaft trainierte, nur noch zu Ex-Manager Stefan Röhrich. Vor der Partie der Füchse Berlin gegen den TSV Dormagen sprach NGZ-Sportredakteur Volker Koch mit dem Berliner Trainer.

    Herr Lommel, wie schätzen Sie den kommenden Gegner ein?

    Jörn-Uwe Lommel Ich kann Dormagen nur zu dem gratulieren, was sie bisher geleistet haben. Für mich ist das der beste Beweis, was man alles erreichen kann, wenn man mannschaftlich geschlossen und diszipliniert auftritt.

    Haben Sie die Dormagener Ergebnisse überrascht?

    Lommel (lacht) Natürlich. Kiel und Hamburg sind ja nicht irgendwer.

    Worauf führen Sie die Ergebnisse zurück?

    Lommel Zum einen auf die Dormagener Leistung. Sie haben sehr diszipliniert und strukturiert gespielt, waren über sechzig Minuten stabil. Zum anderen aber natürlich auch auf den Saisonzeitpunkt - gegen solche Mannschaften wie Kiel oder Hamburg Punkte zu holen, das wird von Woche zu Woche schwerer.

    Sie haben 6:2 Punkte geholt - zufrieden?

    Lommel Wir sind zufrieden, trotz der Heimniederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen. Das Ergebnis täuscht ein wenig über den Spielverlauf, wir haben 18 freie Bälle verworfen.

    Vor allem vom Siebenmeterpunkt.

    Lommel Das lag vor allem am Fehlen von Konrad Wilczynski. Ich hoffe, das ändert sich, wenn er jetzt wieder dabei ist.

    Verraten Sie uns Ihr Saisonziel?
    Lommel Unser Minimalziel ist, Platz zwölf aus dem Vorjahr zu wiederholen. Alles, was besser ist, wäre ein Erfolg. Wir messen uns aber hauptsächlich an den Punkten: Da wollen wir fünf mehr holen als im Vorjahr. Welchen Platz man mit 30 belegt, hängt dann nicht nur von uns ab.

    Was erwarten Sie vom Spiel am Sonntag?

    Lommel Dormagen wird mit ähnlicher Leidenschaft auflaufen wie in Kiel und gegen Hamburg. Die haben ja keinen Druck, gewinnen zu müssen und werden jeden Fehler, den wir machen, bestrafen.

    Lokalsport
    „Das hat Spaß gemacht“
    VON VOLKER KOCH

    Freunde werden Martin Schwalb und Detlev Zenk in diesem Leben wohl nicht mehr. Dabei führte der Pressesprecher des TSV Dormagen gar nichts Böses im Schilde, als er die Pressekonferenz mit einem Zitat aus der Handballvorschau der „Welt“ eröffnete. Die hatte angesichts des Gastspiels des HSV Hamburg beim Aufsteiger von einem „Pflichtsieg“ geschrieben: „Danach sah es heute nicht aus“, meinte Zenk - und erntete heftige Kritik von Seiten des Hamburger Trainers: „So etwas habe ich noch auf keiner Pressekonferenz erlebt“, schimpfte Schwalb. :) :) :) So ein .... der Schwalb

    So etwas wie die voraufgegangenen sechzig Handballminuten vermutlich auch nicht, seit er vor drei Jahren auf der Trainerbank des HSV Platz nahm. Denn der Aufsteiger war dem Titelanwärter in fast allen Belangen überlegen - eigentlich deutlicher, als es der 28:27-Sieg (Halbzeit 15:15) aussagt. Angefangen bei Vitali Feshchanka, der das Torhüterduell mit Marcus Sandström und dem nach einer Viertelstunde ein- und zwei Mal wieder ausgewechselten Weltmeister Johannes Bitter klar für sich entschied. Und aufgehört bei der spielerischen Linie, von der auf Seiten der Gäste nur bedingt die Rede sein konnte. Mit einer Ausnahme: Olympiasieger Bertrand Gille verwertete so ziemlich jedes Anspiel, das den Kreis erreichte, holte damit fünf Tore und ebenso viele Strafwürfe heraus. Der Rest war biederes Mittelmaß, auch wenn Kai Wandschneider mit der Höflichkeit des Gastgebers anmerkte: „Ich fand, die Hamburger waren heute besser als Kiel es gegen uns war.“ Freilich vergaß der Dormagener Trainer nicht, anzufügen: „Wir aber auch.“

    In der Tat: Was beim 28:28 in der Ostseehalle noch viel von einem Überrumpelungseffekt besaß, hatte am Samstag im mit 2 539 Zuschauern erneut nicht ausverkauften TSV-Sportcenter Prinzip: Dormagen spielt clever, ruhig, minimiert die Quote der Fehler im Angriff und stellt eine 5+1-Deckung, die „mit Herz und allem, was sie haben“, kämpft, wie selbst Schwalb eingestand. Das freilich bislang nur gegen die Titelanwärter, gegen jene Klubs, gegen die ein Neuling rein gar nichts zu verlieren hat: „Wir müssen diese Leistung jetzt auch gegen direkte Konkurrenten zeigen“, fordert Wandschneider deshalb, „sonst sind diese Zusatzpunkte nicht viel wert.“
    Bis dahin - am 25. Oktober kommt mit Balingen der erste „Abstiegskandidat“ - können die Dormagener in Berlin und Flensburg und daheim gegen Lemgo und Nordhorn noch viel üben. Bis dahin dürfte auch Florian Wisotzki wieder dabei sein. Der Kapitän, „bisher einer unserer Besten“ (Wandschneider), wurde am Samstag kaum vermisst: Seinen Part auf Halblinks übernahm ein endlich auch in der Offensive starker weil disziplinierter Christoph Schindler, den als Führungsspieler füllte Nils Meyer zur vollen Zufriedenheit aus. Als der aus der Nase blutete, wurde es freilich eng auf der Mittelposition, musste kurzzeitig sogar Máte JószáRegie führen.

    Der Beste an diesem Tage war aber ausgerechnet derjenige, der von 2002 bis 2004 beim HSV gespielt hatte: Das Prädikat „bester Hamburger“ hörte Kjell Landsberg gerne, fand das Spiel „einfach geil“ und bekannte: „Das hat Riesenspaß gemacht.“

    Nicht nur ihm. Die Fans verbrachten den zweiten Durchgang mehr stehend als sitzend, peitschten den TSV immer dann nach vorne, wenn die Partie zu kippen drohte. Der HSV führte nur drei Mal, zuletzt beim 3:2 (4.), die Dormagener setzten sich zwei Mal, beim 9:6 (15.) und 13:10 (22.) auf drei Tore ab. Hamburg glich zwar wieder aus, doch die Gastgeber zeigten sich unbeeindruckt. Und bewahrten auch in der hektischen Schlussphase kühlen Kopf: Krzystof Lijewski verkürzt auf 26:27, und als Bitter 3:04 Minuten vor Schluss einen Strafwurf von Maciej Dmytruszynski entschärft, scheint sich der Favorit doch durchzusetzen. Doch Feshchanka pariert gegen Schröder, Lochtenbergh gelingt 117 Sekunden vor dem Abpfiff das 28:26. Schwalb ersetzt den Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler, doch mehr als den Anschlusstreffer durch Lackovic bringt das nicht - vom Frust auf der Trainerbank mal abgesehen

    Dorma-Sport

    Sensation: Dormagener Handballer bezwingen Hamburg
    13.09.2008/19:43:28 / bs / duz

    Riesenstimmung im TSV Sportcenter: Begeistert feierten die Fans ihre Handballer, die am heutigen Nachmittag Titelanwärter HSV Hamburg unerwartet mit 28:27 besiegten und damit den ersten Saisonsieg feierten. Nach dem Ausgleich zum 3:3 in der fünften Minute konnten die hoch favorisierten Gäste nicht einmal mehr die Führung übernehmen und hinkten dem TSV häufig mit bis zu drei Toren hinterher. Nicht genug: Einer der besten Hamburger trug das TSV-Trikot: Der Ex-HSV-Spieler Kjell Landsberg (Foto oben) wurde ständig am Kreis gesucht und gefunden und war mit fünf Treffern zusammen mit Christoph Schindler der erfolgreichste Werfer. Auch Nils Meyer (Foto unten) setzte sich immer wieder gut in Szene und steuerte drei Treffer bei.

    Der Sieg geht aufgrund einer geschlossenen Mannschaftsleistung mit einem starken Torwart voll in Ordnung: Vitali Feshchanka stach das HSV-Gespann Johannes Bitter / Per Sandström klar aus und wehrte 12 Bälle, darunter einen Siebenmeter, ab. Die Hamburger brachten es zusammen nur auf 8.

    Als schlechter Verlierer erwies sich Hamburgs Trainer Martin Schwalb. Er reagierte zunächst auf die sachliche Frage von Moderator Detlev Zenk nach der "heutigen Pflichtaufgabe" für den Titelanwärter nicht. "Das war wenig souverän", urteilten zahlreiche Fans, die die Pressekonferenz am Bildschirm verfolgen konnten. Dann bekam der grimmig schauende Schwalb aber doch noch den Dreh und bewertete den Ausgang des Spiels als verdient: "Uns tut dieser Punktverlust natürlich weh." Dormagen habe mit Herz gespielt, bei seiner Mannschaft habe er hingegen "viel Stückwerk" gesehen. Hamburgs Sportlicher Leiter Christian Fitzek reagierte gefasster, wünschte dem TSV alles Gute und hofft auf ein weiteres Spiel im Sportcenter in der nächsten Saison.

    "Die 28 scheint für uns eine Glückszahl zu sein", bemerkte Dormagens Coach Kai Wandschneider, 28:28 in Kiel, 28:27 gegen Hamburg - das sind schließlich drei Punkte, die niemand auf der Rechnung hatte. Wandschneider lobte die gesamte Mannschaft: "Wir sind langsam in der Liga angekommen." Die Leistung von Torwart Vitali Feshchanka fand er "hervorragend" und Christoph Schindler habe seine Sache in der Rolle des verletzten Florian Wisotzki "klasse" gemacht. Für Manager Uli Derad stand fest: "So ein Sieg, das geht eigentlich nicht. Hätte mir jemand vor Saisonbeginn gesagt, ihr habt drei Punkte nach dem vierten Spieltag, dann hätte ich gesagt: Woher denn?"

    Der TSV spielte mit: Feshchanka, Kurth (n.e.); Schindler (5), Plaz (3), Meyer (3), Duin (1), Dmytruszynski (2/2), landsberg (5), Sieberger, Laurencz (4), Josza, Lochtenbergh (4/1), Faißt (1).

    Freitag, 12. September 2008 TSV Homepage
    "Das Spiel wird kein Selbstläufer" - Interview mit Christian Fitzek

    Christian Fitzek (Foto rechts) war Anfang der 90er Jahre Spieler und auch Trainer in Dormagen. Jetzt ist er Sportlicher Leiter des HSV Hamburg, mit dem er morgen im Sportcenter antritt. Wir sprachen mit dem Ex-Nationalspieler nach dem Erfolg der Hamburger gegen Essen.

    Hallo Christian, wann warst du denn eigentlich das letzte Mal in Dormagen?

    Christian Fitzek: „Ich glaube, das war hier bei der Einweihung des Sportcenters beim Länderspiel Deutschland gegen die Schweiz, also 2002. Ansonsten fahre ich öfter an Dormagen vorbei auf dem Weg zu meinen Eltern oder zu meinem Bruder in Köln.“


    Du erinnerst dich aber sicher gerne an die Jahre beim TSV?

    „Klar, das war eine tolle Zeit, wir waren sehr erfolgreich, erreichten sogar das Europacup-Endspiel gegen Santander. Und wir hatten viel Spaß.“


    Wie läuft es aktuell bei dir?

    „Ich habe einen interessanten Job und fühle mich mit meiner Familie sehr wohl in Hamburg. Es hat sicher sehr viel verändert. Als ich kam, war es ja noch sehr wild hier, der Geschäftsführer wurde verhaftet. Aber mit unserem Präsidenten Karsten Rudolph läuft es nun hervorragend.“


    Wie schätzt du die Dormagener ein?

    „Der TSV hat eine große Qualität. Hier wurde nicht nur für eine Saison geplant. Die Mannschaft wurde durch den sehr guten Trainer kontinuierlich entwickelt. Das ist keine Mannschaft, die auseinander fällt. Durch den Teamgeist und die taktische Sicherheit sind die Dormagener sehr gefährlich. Wir nehmen sie sehr ernst, reisen heute an und werden in Düsseldorf übernachten.“


    Und wie geht das Spiel aus?

    „Ich tippe nicht gern. Aber ich glaube, wir werden gewinnen – auch wenn das Spiel kein Selbstläufer sein wird. Wir müssen über unsere individuelle Stärke kommen, weil die Mannschaft aufgrund der vielen Olympia-Teilnehmer nur eine kurze Vorbereitung hatte und deswegen noch nicht richtig eingespielt ist. Pascal Hens fehlt natürlich sehr, ohne ihn ist unser Spielsystem stark eingeschränkt. Wir haben in den ersten beiden Spielen gegen vermeintlich schwächere Mannschaften zwei Warnzeichen bekommen. Diese Erfahrung hilft uns sicher.“


    Danke für das Gespräch.

    Lokalsport
    Geld wirft doch Tore
    VON VOLKER KOCH

    Dank des überraschenden Punktgewinns beim THW Kiel findet sich der TSV Dormagen nach drei Spieltagen noch nicht am Tabellenende der Handball-Bundesliga wieder.

    In einer Rangliste bilden die Dormagener jedoch gemeinsam mit Mit-Aufsteiger Stralsunder HV das Schlusslicht - und das mit einigem Abstand: in der Liste der Saisonetats.

    Die wird vom THW Kiel mit 7,8 Millionen Euro vor dem HSV Hamburg (6,5), am Samstag nächster Gast im TSV-Sportcenter, und den Rhein-Neckar Löwen (6,0) angeführt (Quelle: Handballwoche, Ausgabe 37/08) - wobei zu vermuten steht, dass die tatsächlichen Etats dieses Trios noch um einiges höher liegen. Hinter dem Drittletzten, der HBW Balingen/Weilstetten (2,0) klafft dann eine Lücke von 800 000 Euro zu den beiden Aufsteigern.

    Verfestigt sich der Trend aus den letzten beiden Saisonspielen, könnte sich der TSV Dormagen auch bald in der „echten“ Tabelle auf einem der beiden direkten Abstiegsplätze wiederfinden. Spielerisch, das machte auch am Dienstag zumindest die erste Halbzeit beim TV Großwallstadt deutlich, ist der Aufsteiger durchaus in der Lage, in der „stärksten Liga der Welt“ mitzuhalten. Was fehlt, ist die Durchschlagskraft im Angriff, namentlich im Rückraum - und ohne die wird es schwer, Punkte zu ergattern.

    Das hat mittlerweile auch Uli Derad erkannt: „Uns fehlt eigentlich nur ein Spieler“, meinte der Sportliche Leiter nach der 23:31-Niederlage beim TV Großwallstadt, bei der am Dienstagabend das Manko überdeutlich zutage trat, „so einer wie Stefan Kneer zum Beispiel.“

    Der 22-Jährige war mit sechs Feldtoren Großwallstadts erfolgreichster Werfer, gab der Dormagener Deckung und Torhüter Vitali Feshchanka im ersten Durchgang stets neue Rätsel auf.

    Das Problem: So einer wie Kneer kostet Geld - Großwallstadt, das seinen Etat um eine Million auf 3,3 Millionen Euro steigerte, lockte den gebürtigen Sinzheimer aus Balingen an den Main. Geld, das in Dormagen nicht vorhanden ist seit dem sukzessiven und nun vollständigen Rückzug der Bayer AG aus dem Handball-Sponsoring. „Wir haben schon seit Jahren keinen überdurchschnittlichen Angreifer“, weiß deshalb Trainer Kai Wandschneider.

    Was in Liga zwei noch durch mannschaftliche Geschlossenheit kompensiert werden konnte - Meister TSV Dormagen hatte in der vergangenen Spielzeit keinen Akteur unter den besten 15 Torschützen der 2. Liga Süd, erzielte trotzdem die zweitmeisten Treffer - stößt im Oberhaus an seine - natürlichen - Grenzen.

    Vornehmlich gegen defensive 6:0-Deckungen wie die des SC Magdeburg oder des TV Großwallstadt sind die Dormagener körperlich limitiert. Die Folge: Sie benötigen zu viel Aufwand, um zu Torerfolgen zu kommen, verpulvern dabei Kraft und „brechen“ nach der Pause regelmäßig ein.

    „Wenn wir früher zur Pause knapp hinten lagen, haben wir richtig Gas gegeben“, erinnert sich Michiel Lochtenbergh. Der Linksaußen, ebenso wie sein Flügelpendant Tobias Plaz nach den dritten sechzig Minuten ohne Pause innerhalb von sechs Tagen sichtlich mit der Kraft am Ende, hat erkannt: „Das geht jetzt nicht mehr, dafür sind die Gegner zu stark.“

    Und nicht nur das. Geben die Dormagener „Gas“, machen sie Fehler - und die werden in Liga eins gnadenlos bestraft. So war es gegen Magdeburg, so war es in Großwallstadt - die Gegner laufen die Gegenstöße, die Dormagen einst stark machten. Am erfolgreichsten waren sie bisher mit dem „Standhandball“, den sie in Kiel praktizierten. „Aber wir haben nur eine Besetzung, die dieses System beherrscht“, sagt Wandschneider, „und wenn denen die Kraft ausgeht, verlassen wir die spielerische Linie.“

    Das könnte in den nächsten Wochen häufiger der Fall zu sein. Denn Florian Wisotzki rutschte am Dienstag in der Schlussphase der Partie so unglücklich aus, dass er sich das Knie verdrehte. „Am Samstag rechne ich auf keinen Fall mit ihm“, ist Wandschneider skeptisch. was den Ausfall seines Führungsspielers angeht. Gegen den HSV hätten seine Schützlinge wohl auch mit ihrem Kapitän keine Chance - bei einem sechseinhalbfachen Etat der Gäste.

    Lokalsport
    Torschützen dringend gesucht
    VON VOLKER KOCH

    Handball-Bundesligist TSV Dormagen hat auch das dritte Spiel in sechs Tagen nicht gewonnen. Beim TV Großwallstadt gab es am Dienstagabend eine verdiente 23:31-Niederlage.

    Vorbereitung und Meisterschaft sind eigentlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Doch was sich bereits in der sechswöchigen Saison-Vorbereitung des TSV Dormagen angedeutet hatte, setzte sich im dritten Saisonspiel seit dem Aufstieg in die Handball-Bundesliga nahtlos fort: Der Neuling wirft einfach zu wenig Tore - und so stolperten die Dormagener am Dienstagabend beim TV Großwallstadt in eine verdiente 23:31-Niederlage (Halbzeit 13:15).

    60 Minuten volle Konzentration und Kampf um jeden Ball hatte Kai Wandschneider vor der gestrigen Partie gefordert. Seine Schützlinge setzten diese Tugenden in der Elsenfelder Sparkassen-Arena nur eine Halbzeit lang in die Tat um. 30 Minuten war der Aufsteiger dem TV Großwallstadt ein durchaus ebenbürtiger Partner und verdiente sich so den Respekt der 3000 Zuschauer.

    Spielerisch knüpften die Dormagener da an, wo sie vor sechs Tagen beim THW Kiel aufgehört hatten: Mit viel Disziplin und lange vorgetragenen Angriffen bestimmten sie das Geschehen und ließen sich auch dadurch nicht aus der Ruhe bringen, dass die Hausherrn nach zwölf Minuten mit 6:3 in Führung lagen.

    Im Gegenteil: Der TSV spielte weiter „sein“ Spiel, profitierte auch von einer Fülle von Zeitstrafen, die das unsichere Schiedsrichter-Gespann Becker/Hack (Halberstadt) in dieser Phase vornehmlich gegen die Gastgeber verhängte.

    Die Folge: Beim 7:7 durch Florian Wisotzki (17.) hatten die Dormagener wieder ausgeglichen und hielten die Partie bis zum Pausenpfiff offen. Das umso mehr, als nach Anlaufschwierigkeiten auch Vitali Feshchanka immer besser ins Spiel kam und 60 Sekunden vor der Halbzeit sogar einen Strafwurf von Oliver Köhrmann meisterte.

    Trotzdem nahmen die Großwallstädter eine Zwei-Tore-Führung mit in die Kabine. Und weil sie Anwurf hatten, konnte Kapitän Andreas Kunz gleich nach Wiederbeginn vom Siebenmeterpunkt auf drei Tore erhöhen.

    Vielleicht war es dieser zu frühe Rückstand, der die Dormagener aus dem Konzept brachte - im Angriff verloren sie jedenfalls jegliche spielerische Linie und scheiterten reihenweise am früheren Kieler Mattias Andersson im Großwallstädter Tor. Der Schwede hielt 15 Bälle - da nutzte es wenig, dass auf der anderen Seite Vitali Feshchanka nur zwei Paraden weniger gelangen.

    Denn die Dormagener ließen im zweiten Durchgang fast jede Torgefährlichkeit vermissen. Aus dem Rückraum kam viel zu wenig Druck, und wenn die Außen einmal freigespielt waren, scheiterten sie zumeist an Andersson. Daran änderte auch nichts, dass TSV-Trainer Kai Wandschneider nun Sebastian Faißt anstelle von Szabolcs Laurencz auf die rechte Rückraum-Position beorderte.

    Der Junioren-Vize-Europameister traf zwar selbst drei Mal, doch mit ihm verebbte der bis dahin gezeigte Spielfluss. So hatte Großwallstadt relativ leichtes Spiel, um vom 18:15 (36.) innerhalb von sechs Minuten vorentscheidend auf 22:16 davonzuziehen.

    Ein Rückstand, von dem sich die Dormagener nicht mehr erholten. Im Gegenteil: Wie schon beim Heim-Debakel gegen Magdeburg machten sich am Ende leichte Resignations-Erscheinungen bemerkbar, so dass der TV Großwallstadt seinen Vorsprung auf acht Treffer ausbauen konnte.

    Bleibt der Dormagener Rückraum weiter so wenig torgefährlich wie in den letzten beiden Spielen, kommen schwere Zeiten auf den Aufsteiger zu - denn Handballspiele werden nun einmal durch Tore entschieden


    Von der TSV Homepage
    TSV Dormagen verliert 23:31 beim TV Grosswallstadt

    Im dritten Spiel innerhalb von sieben Tagen hielt der TSV Dormagen bis zur Pause ausgezeichnet mit: Beim TV Grosswallstadt konnten die Spieler von Kai Wandschneider zwar nur einmal beim 1:0 durch Michiel Lochtenbergh in Führung gehen, mehrfach aber stand es unentschieden bis hin zum 11:11 durch den sicheren Siebenmeterschützen Maciej Dmytruszynski in der 24. Minute. Beim Stande von 15:13 gingen beide Mannschaften in die Kabinen. Anschließend bauten die Gastgeber ihren Vorsprung über 18:14, 20:15 und 22:16 (42.) kontinuierlich aus. 29:23 führte Grosswallstadt kurz vor dem Abpfiff der nicht immer souveränen Schiedsrichter Becker/Hack, ehe Michael Spatz in der letzten Minute noch zweimal traf und den insgesamt zu hohen 31:23-Endstand herstellte. Zehn Minuten vor Schluss verließ Kapitän Florian Wisotzki humpelnd das Feld, nachdem er umgeknickt war. Noch ist nicht klar, wie schwer seine Verletzung ist.

    TSV Dormagen: Feshchanka, Kurth; Wisotzki (3), Schindler (2), Plaz (1), Zakharov (2), Meyer (2), Dmytruszynski (5/3), Landsberg (2), Sieberger, Meckes, Laurencz, Lochtenbergh (3), Faißt (3).

    Lokalsport
    Klare Verhältnisse
    VON VOLKER KOCH


    Schon nach dem zweiten Spieltag weist die Tabellen der Handball-Bundesliga eine klare Struktur auf: Oben stehen die, die wohl auch am Saisonende dort stehen werden, unten die, die von vorneherein als Abstiegskandidaten gehandelt wurden.

    Krasser lässt sich die Zwei-Klassengesellschaft kaum ausdrücken - in den acht Partien (die zwischen HSV Hamburg und den Rhein-Neckar Löwen wurde auf 6. Dezember verlegt) setzten sich sieben Mal die Gäste durch, ganz einfach, weil fast ausnahmslos die Kellerkinder Heimrecht hatten. Einzige Ausnahme: Der VfL Gummersbach gewann, wenn auch mit viel Mühe, gegen die HSG Nordhorn mit 32:30.

    Nicht nur, was die Niederlage, sondern auch, was die Höhe derselben angeht, befindet sich der TSV Dormagen in guter Gesellschaft. Zwar schafften es die meisten anderen Kellerkinder, zweistellige Klatschen zu vermeiden, deutlich ging es aber auch in den anderen Hallen zu.

    Am deutlichsten in Minden, wo sich die SG Flensburg-Handewitt gestern Nachmittag mit 36:25 durchsetzte, sowie in Stralsund, wo der Mitaufsteiger SHV mit 24:33 gegen den TBV Lemgo den Kürzeren zog. TuSEM Essen, erst in der Relegation gegen die HSG Düsseldorf erstklassig geblieben, kassierte nach der 17:30-Auftaktschlappe in Magdeburg eine 27:34-Niederlage gegen den TV Großwallstadt - jenen Gegner, der am Montag, 8. September, (20.15 Uhr, Sparkassen-Arena in Elsenfeld) den TSV Dormagen erwartet.

    Noch in einer anderen Hinsicht befanden sich die Dormagener in guter Gesellschaft: Wie im TSV-Sportcenter, blieben trotz namhafter Gegner auch in den anderen Hallen reichlich Plätze frei. So lockte selbst das Gastspiel des THW Kiel bei der HBW Balingen/Weilstetten, das der Titelverteidiger mit 30:24 für sich entschied, nur 4 000 Besucher an - dabei waren die Balinger eigens in die 6 200 Zuschauern Platz bietende Stuttgarter Porsche-Arena umgezogen.

    Lokalsport
    Mit den eigenen Waffen
    VON VOLKER KOCH


    Nur drei Tage nach dem sensationellen Höhenflug von Kiel ist Handball-Bundesligist TSV Dormagen höchst unsanft gelandet. Die NGZ erklärt, wie es im ersten Heimspiel nach dem Aufstieg zur 22:34-Niederlage gegen den SC Magdeburg kommen konnte.

    Sie sind fast gleich alt. Sie entstammen der gleichen Handball-Schule. Sie haben ihr Leben dieser Sportart verschrieben. Und sie arbeiten beide akribisch bis ins allerletzte Detail. Der wesentliche Unterschied: Als Trainer des SC Magdeburg kann Michael Biegler aus dem vier- bis fünffachen Etat schöpfen, den Kai Wandschneider beim TSV Dormagen zur Verfügung hat.

    Das Ergebnis stand am Samstagnachmittag rot auf schwarz auf der Anzeigetafel im TSV-Sportcenter: Mit 22:34 (Halbzeit 12:16) verloren die Dormagener gleich ihr erstes Heimspiel nach dem Aufstieg in die Handball-Bundesliga - es war die erste Heimniederlage in einem Punktspiel seit dem 29. März 2005. Und sie war, das gab auch Wandschneider unumwunden zu, „selbst in dieser Höhe verdient.“

    Was war passiert nur drei Tage nach dem Sensationscoup in der Kieler Ostseehalle? Hatten die Dormagener auf der langen Rückreise das Handballspielen verlernt? Das nicht. Aber es kamen so viele ungünstige Faktoren zusammen aus Sicht der Hausherren, dass sie am Ende regelrecht vorgeführt wurden.

    1. Die eigenen Ansprüche.

    Die waren nach dem 28:28-Remis beim Deutschen Meister offensichtlich gestiegen in Reihen des Aufsteigers. „Einige haben tatsächlich geglaubt, wir könnten Magdeburg schlagen statt alles dafür zu tun, die Niederlage möglichst knapp zu halten“, monierte Michiel Lochtenbergh, mit sieben Treffern erneut bester Torschütze, die Einstellung einiger Nebenleute.

    In der Tat: Wo am Mittwoch noch bedingungsloser Einsatz und allerhöchste Disziplin herrschten, regierte 70 Stunden später allenfalls Mittelmaß.

    2. Die Leistung der Schiedsrichter.

    Sie war gewiss nicht spielentscheidend. Doch die Pfiffe der Pritschow-Zwillinge waren mitentscheidend dafür, dass der TSV schon vor der Pause deutlich auf die Verliererstraße geriet, dass aus einem 8:10- (20.) innerhalb von sieben Minuten ein 9:14-Rückstand wurde.

    Und wer gegen ein bis unter die Fingernägel motiviertes Team wie den SC Magdeburg einmal so weit hinten liegt, der erholt sich nicht mehr davon, sondern rutscht immer tiefer in den Schlamassel.

    3. Die Leistung der Torhüter.

    In Kiel boten Joachim Kurth und Vitali Feshchanka Olympiasieger Thierry Omeyer Paroli. Am Samstag standen sie mit insgesamt nur sechs gehaltenen Bällen klar im Schatten von Silvio Heinevetter - der 23-Jährige untermauerte mit 15 Paraden unter den Augen von Bundestrainer Heiner Brand, dass er ein Kandidat für die Nationalmannschaft ist.

    „Super“, lobte auch SCM-Sportdirektor Stefan Kretzschmar, während Joachim Kurth zerknirscht eingestand: „Ohne Torhüter kannst du kein Spiel gewinnen.“ Was sich nicht allein in der Zahl der kassierten Treffer niederschlägt: „So etwas demoralisiert auch die Feldspieler“, weiß Wandschneider - vor allem, wenn eine Mannschaft über Kampf und Abwehrstärke zum Erfolg kommen muss so wie die Dormagener.

    4. Die Leistung der Ersatzbank.

    Wandschneider musste wechseln, sonst wäre bei einigen Spielern der Kräfteverschleiß zu groß geworden. Doch die, die kamen, brachten keine Wende zum Besseren, im Gegenteil: „Ich bin vor allem von denen enttäuscht, die in Kiel nicht zum Einsatz kamen“, ging der Trainer mit Joey Duin und Denis Zakharov hart ins Gericht, deren Fehler die Magdeburger immer wieder zu Kontern einluden.

    Der Ex-Gummersbacher droht zum Fehleinkauf zu werden. Und weil Szabolcs Laurencz gegen eine 6:0-Deckung überfordert ist, lastete die ganze Verantwortung im rechten Rückraum auf dem 20-jährigen Sebastian Faißt, der bei seiner Heimpremiere, noch dazu vor den Augen des Bundestrainers, verständlicherweise viel verkrampfter wirkte als in Kiel.

    Bis auf den starken Nils Meyer (5 Tore) blieb der gesamte Rückraum (5 Tore) blass. Bei Magdeburg trafen allein Kabengele (10/4), Vasilakis (5) und Rojewski (4) neun Mal mehr.

    5. Die eigenen Waffen.

    Alles in allem wurde der TSV mit den eigenen Waffen geschlagen. „Wir wussten um die Erfolgsparameter der Dormagener und haben sie erfolgreich kopiert“, sagte Biegler. Als da wären: Aggressivität, mannschaftliche Geschlossenheit, blitzschnelles Umschalten auf Gegenstöße und kaum Fehler im Positionsangriff.

    „Wir müssen lernen, auch zu Hause cleverer zu spielen“, schlussfolgert Wandschneider. Nur so lassen sich nämlich , siehe Mittwoch in Kiel, die fehlenden Millionen ausgleichen.

    Lokalsport NGZ Online
    Wieder ein Geduldsspiel
    VON VOLKER KOCH


    Kai Wandschneider ist gebürtiger Hamburger. Emotionaler Überschwang verebbt bei dem 48-Jährigen deswegen recht schnell. Kein Wunder also, dass nicht einmal 48 Stunden nach dem Sensationscoup in der Kieler Ostseehalle beim Trainer des TSV Dormagen schon wieder der handballerische Alltag eingekehrt ist.

    „Das Unentschieden in Kiel hat daran nichts geändert“, sagt Wandschneider vor der Heimpremiere nach dem Bundesliga-Aufstieg, die am Samstag um 17 Uhr den SC Magdeburg ins noch nicht ausverkaufte TSV-Sportcenter bringt, „wir sind in diesem Spiel nur Außenseiter.“

    Eine Rolle, in der sich seine Schützlinge am Mittwochabend sichtlich wohl fühlten. Da konnten sie nämlich ohne Probleme eine Taktik wählen, die eigentlich so gar nicht zu ihrem sonstigen Hurra-Handball passt: langes Ballhalten und langsames Nach-Vorne-Marschieren. Im Grunde genommen auch die richtige Taktik, um gegen die konterstarken Magdeburger zu bestehen.

    Die Krux an der Sache: Am Samstagnachmittag spielt der TSV zu Hause. „Und mit 3 000 Fans im Rücken“ - das offizielle Fassungsvermögen des Sportcenters wurde auf 3 002 erweitert - „werden die Jungs sicher aufdrehen wollen,“ schwant Wandschneider.

    Als vorrangigste Aufgabe sieht er deshalb am Samstag so eine Art Bremserfunktion auf ihn zukommen: „Das wird ein Geduldsspiel. Wir dürfen nicht überdrehen.“ Das um so mehr, als bereits am Dienstag (20.15 Uhr) mit der vorgezogenen Partie beim TV Großwallstadt die nächste schwierige Aufgabe auf den Neuling wartet.

    „Drei Spiele in sechs Tagen, da dürfen wir das Tempo nicht überdrehen“, weiß der Handball-Lehrer. Das gilt insbesondere für die Akteure, die in Kiel fast sechzig Minuten ununterbrochen auf der Platte standen: Florian Wisotzki, Michiel Lochtenbergh, Tobias Plaz und Kjell Landsberg. Für den Mann am Kreis gilt das in besonderem Maße, schließlich war die Partie am Mittwoch Landsbergs erstes Pflichtspiel seit seinem Kreuzbandriss Ende September vergangenen Jahres.

    Da kommt es ausgesprochen ungelegen, dass sich sein Vertreter Máté Jósza bei seinem Kurzeinsatz in Kiel nach einem Foul von Marcus Ahlm an der Wirbelsäule verletzte und am Samstag voraussichtlich nicht ins Geschehen eingreifen kann. So wird sich der am Mittwoch nicht mit an die Ostsee gereiste Ingo Meckes für eventuelle Kurzeinsätze bereithalten müssen. Ansonsten ist sich Wandschneider „über den genauen Kader noch nicht im Klaren“, obwohl er sagt: „Im Grunde genommen brauchte ich die Mannschaft eigentlich nicht zu ändern.“

    Dabei hatte er beim 28:28 noch nicht einmal alle personellen Karten ausgereizt, saßen Joey Duin, Denis Zakharov und Max Holst neben sowie Peter Sieberger auf der Bank. Das könnte heute schon anders aussehen, zum Beispiel, wenn Wandschneider von der in Kiel äußerst erfolgreichen 5:1-Deckung abweichen müsste.

    Oder falls er Sebastian Faißt eine Pause gönnt. „Wir dürfen ihn jetzt nicht verheizen“, sagt der Trainer über den Shootingstar auf der halbrechten Position, der in Kiel zwar etliche Fehlversuche hatte, aber nicht nur wegen seiner vier Tore einen starken Eindruck hinterließ: „Wir dürfen nicht vergessen, dass er erst 20 Jahre alt ist und bis vor wenigen Monaten nicht mal in der Regionalliga einen Stammplatz hatte“, sagt Wandschneider über den Vize-Europameister der Junioren, der mit seinem Spielverständnis, aber auch mit seiner Unbekümmertheit innerhalb kurzer Zeit zum Aktivposten auf Seiten des Aufsteigers geworden ist.

    In der Außenseiterrolle fühlen die Dormagener sich wohl, trotzdem stellt der Trainer klar: „Gewinnen wollen wir das Ding natürlich schon, das wären die nächsten Zusatzpunkte.“ Um die zu erreichen, setzt er auf zwei Faktoren: die „Unterstützung der Zuschauer“ und den „großen Kampf“ seiner Schützlinge.

    Lokalsport NGZ Online
    Ein gefühlter Sieg
    VON VOLKER KOCH


    Sie mochten sich gar nicht mehr von der Ostseehalle trennen: Ihre Arbeitskollegen vom THW Kiel waren längst in den Katakomben verschwunden, da saßen die Spieler des TSV Dormagen immer noch auf dem blauen Bretterboden im Kreis und versuchten zu realisieren, was in den anderthalb Handball-Stunden passiert war.

    So richtig begreifen konnte keiner, dass sie gerade dem Deutschen Meister und hochgewetteten Titelanwärter den ersten Saisonpunkt abgenommen hatten - vor 10 250 konsternierten Zuschauern in jener Halle, in der der THW Gegner ihres Kalibers normalerweise mit zweistelliger Tordifferenz vom Parkett fegt.

    Der Abend des 3. September 2008 wird in die Handball-Geschichte eingehen. Und das keineswegs nur in die Dormagener. Selten ist der THW Kiel in den vergangenen Jahren vor eigenem Publikum so vorgeführt worden wie am ersten Spieltag der Saison 2008/2009 - und wenn, dann ganz bestimmt nicht von einem Aufsteiger.

    Ein paar Zahlen mögen das verdeutlichen: In der vergangenen Spielzeit gaben die Kieler überhaupt nur sieben Punkte ab, ihr letztes Meisterschaftsspiel verloren die Zebras am 1. Dezember 2007 (!). In der Ostseehalle gab es nur eine Niederlage, mit 30:31 gegen den HSV Hamburg, dafür gelangen ihnen dort sechs zweistellige Siege.

    In die Spielzeit 06/07 waren sie zwar mit einem 26:26-Remis gegen den TV Großwallstadt gestartet, schickten danach aber alle Gäste als Verlierer nach Hause - sieben mit einer zweistelligen Tordifferenz. Und in der Saison 05/06 gaben die Kieler zu Hause nicht einen Zähler ab, landeten vornehmlich gegen die Kellerkinder neun zweistellige Siege.

    Und nun das. Wäre Christoph Schindler 45 Sekunden vor Schluss das gerade gegen Christian Zeitz eroberte Spielgerät nicht aus der Hand gerutscht - Dormagen hätte beim Stande von 27:27 sogar gewinnen können. So nutzte Kiel, das vier Minuten zuvor mit 26:23 geführt hatte, den Ballbesitz, um durch Marcus Ahlm 33 Sekunden vor dem Ende wieder in Front zu ziehen.

    Kai Wandschneider griff zum zweiten Mal in die taktische Zauberkiste: Nils Meyer streifte sich das lila Leibchen des siebten Feldspielers über. Das hatte der Mittelmann anderthalb Minuten zuvor schon einmal getan, mit Erfolg: Seinen Ansturm in den Kreis stoppten die Kieler regelwidrig, den fälligen (und berechtigten) Siebenmeter verwandelte Maciej Dmytruszynski zum 27:27.

    Und wieder fielen die Kieler, selbst taktisch über sechzig Minuten viel zu statisch, auf die Finte des Dormagener Trainers herein: Der einwurfbereite Kjell Landsberg, zusammen mit dem unermüdlichen Florian Wisotzki überragender Feldspieler auf Seiten der Gäste, wird umgestoßen - die Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe (Vellmar), schon beim Einlaufen mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt, entscheiden erneut und wieder zu Recht auf Siebenmeter: Und wieder tritt Maciej Dmytruszynski an die Linie - und lässt erneut Olympiasieger Thierry Omeyer, dem die Kieler über weite Strecken überhaupt ihre Führung zu verdanken hatten, keine Chance.

    „Wir hatten doch nichts zu verlieren“, begründete Wandschneider im Nachhinein seine ungewöhnliche taktische Entscheidung - wohlwissend, „dass wir so etwas nicht ständig machen können.“ Er traf sie, „weil ich am Ende auch etwas Zählbares mitnehmen wollte.“ Bis fünf Minuten vor dem Ende wäre er auch mit dem Lob angesichts einer knappen Niederlage zufrieden gewesen,obwohl er bereits in der Pausenansprache gesagt hatte: „Leute, hier geht ’was.“

    Dass ’was ging, hatten die Dormagener nicht nur in der Schlussphase einer eher ungewöhnlichen Taktik zu verdanken: „Wir haben so gespielt wie die anderen im letzten Jahr gegen uns gespielt haben“, meinte Torhüter Joachim Kurth. Will heißen: Das Tempo aus dem Spiel nehmen, den Ball halten: „Das ist eigentlich nicht unsere Spielweise“, meint Wandschneider, „wie die Jungs das beherrscht haben, war verblüffend.“ Vor allem für die Kieler. „Ich habe immer darauf gewartet, dass die loslegen wie die Feuerwehr“, gab Wandschneider zu. Doch den Schalter dazu konnte der Deutsche Meister nicht mehr

    von der TSV Homepage
    Montag, 1. September 2008
    Ins Dormagener Sportcenter passen künftig 3000 Zuschauer

    „Ich freue mich auf die 1. Liga. Wir alle haben viele Jahre hart daran gearbeitet, wieder erstklassig zu sein“, betonte heute Kai Wandschneider, der Trainer des Handball-Bundesliga-Aufsteigers TSV Dormagen: „Wir haken kein Spiel ab, auch nicht das am Mittwoch in Kiel. Allerdings wissen wir auch, dass wir nach Kiel fahren und nicht ins Phantasialand.“ 16 Feldspieler und drei Torwarte haben ein Ziel, das Abenteuer heißt direkter Klassenerhalt – „Relegation hatten wir schon genug“, meinte Manager Uli Derad. Dabei setzen die Rheinländer weiterhin auf die mannschaftliche Geschlossenheit. Wandschneider: „Und ich verspreche mir sehr viel von unserem phantastischen Publikum.“ Mit der Unterstützung der Fans wollen die Rheinländer keineswegs nur auf Gegner warten, „gegen die wir vermeintlich Punkte holen können.“ Nach ihrer eindrucksvollen Aufstiegsbilanz sind die Dormagener aber auch gegen Rückschläge gewappnet. Das passende Zitat des Trainers: „Man sollte nicht über den lachen, der rückwärts geht, er könnte ja Anlauf nehmen…“

    Der Bundesligist ist nach wie vor Bestandteil des Gesamtvereins TSV Bayer Dormagen, tritt aber in der neuen Saison ausschließlich unter dem Namen TSV Dormagen an, erklärte Vereinsvorsitzender Dr. Bertram Anders: „Insofern fangen wir bei Punkt Null an.“ Ins heimische Sportcenter passen ab sofort rund 20 Prozent mehr Zuschauer – statt der bisher zur Verfügung stehenden 2550 Plätze bietet die Halle nunmehr 1956 Sitz- und 1046 Stehplätze an. Die volle Ausnutzung der Plätze konnte ohne Zusatztribüne erreicht werden. Torwart Joachim Kurth, der beim TSV auch für´s Marketing zuständig ist, informierte über die wachsende Beteiligung am „Team 1000“ und die gelungene Einführung des neuen Blocksystems: „Von zehn Blöcken sind bereits fünf mit einem Namensgeber belegt.“
    Uli Derad freut sich über die große Resonanz: „Wir haben 1700 Dauerkarten verkauft, das ist eine Verdoppelung gegenüber der letzten Saison.“ Aus den Erfahrungen an Dormagens größter Theke wurden die Konsequenzen gezogen: Das alkoholische Angebot konzentriert sich ab Samstag beim Heimspiel gegen den SC Magdeburg auf Sünner-Kölsch und Weizenbier. Im Übrigen machte Derad deutlich, dass die Verantwortlichen des Vereins in aussichtsreichen Gesprächen mit weiteren potenziellen Partnern stehen: „Ich hoffe, dass wir hierzu bald Interessantes berichten können.“