Hier mal ein interessanter Kommentar von Frank Heike, Handballexperte der FAZ und tendentiell eher der Gruppe um Uwe Schwenker zugeneigt. Daher vermute ich, dass die Versöhnungsaufforderung am Ende des Kommentars nicht ohne gewisse Absichten erfolgt...
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Zentrale Handballfragen
Von Frank Heike01. Juli 2003 Wenn die Vertreter des am vergangenen Samstag neugegründeten Ligaverbands "Handball-Bundesliga GmbH" an diesem Mittwoch über einen neuen Fernsehvertrag verhandeln, sitzt der wichtigste Mann nicht mit am Tisch. Uwe Schwenker, der Manager des THW Kiel, ist im April aus dem damaligen Liga-Ausschuß ausgetreten. Der Grund war ein Streit über Zuständigkeiten mit dem Ausschuß-Vorsitzenden und Chef des Ligaverbands, Heinz Jacobsen. Der 62 Jahre alte Kieler ist der wichtigste Funktionär der Bundesliga, Schwenker ihr bedeutendster Manager. Beide haben vor Jahren äußerst erfolgreich in Kiel zusammengearbeitet - Jacobsen als Manager, Schwenker als Spieler. Heute möchten sie nicht mehr viel miteinander zu tun haben.
Die Verhandlungen über einen neuen Fernsehvertrag waren unter der Federführung Schwenkers im März 2003 schon weit gediehen, dann kam der Streit, weil Schwenker seine Kompetenzen durch Jacobsen beschnitten sah. Seitdem ist nicht viel passiert in Sachen TV-Vertrag, außer, daß sich die Lage für den Handball verschlechtert hat: Die bisherigen Rechteinhaber ARD und Deutsches Sportfernsehen (DSF) haben sich für den Fußball entschieden. Am liebsten würde der Handball bei ARD und DSF bleiben, das bislang das "Spiel der Woche" überträgt. Doch die ARD sieht Handball weiter nur als regionales Produkt für die dritten Programme. Das andere Ziel der Liga, ein Magazin im DSF zu installieren, das am Sonntagabend alle Spiele, alle Tore zeigt, ist in weite Ferne gerückt: Der Sonntag wird Fußballtag sein im DSF. Dafür können natürlich weder Jacobsen noch Schwenker verantwortlich gemacht werden. Aber wieder einmal droht ein Neuanfang im Handball zu versanden, weil nicht alle an einem Strang ziehen. Schwenkers Beisein beim Verhandeln um den neuen Vertrag wäre dringend nötig. Nicht bei allen Vereinen beliebt und unumstritten, ist der Kieler nun einmal seit Jahren der Mann mit Ideen, die von seinen Gesprächspartnern aus Wirtschaft und Medien auch angenommen werden. Doch Schwenker mag sich zum Thema nicht mehr äußern.
Dabei soll der neue Fernsehvertrag nur endlich etwas auf die Beine bringen, was Schwenker vor anderthalb Jahren schon als ausgetüftelten Plan mit sich herumtrug: die Zentralvermarktung der Liga durch einen Großsponsor. Das Geld würde allen zugute kommen, den kleinen Klubs zuerst, nach einer Anlaufzeit auch den größeren. Der Ligaverband mit Geschäftsführer und Geschäftsstelle ließe sich daraus bezahlen. Doch ohne Fernsehzeiten interessiert sich kein Sponsor für den Handball. So ist die Liga von einer Zentralvermarktung heute weiter entfernt als vor achtzehn Monaten. Damals gab es wenigstens ein paar geflüsterte Namen, die sich als Generalgeldgeber der Liga gern handeln ließen.
Viel ist in der Vergangenheit durch Streitigkeiten zwischen Personengruppen zerrieben worden: hier die jüngeren Manager Schwenker, Holpert (TBV Lemgo) und Sauer (VfL Gummersbach), dort die alten Weggefährten Jacobsen und Schorn (TuSEM Essen). Mühsam hat man sich auf Jacobsen als Kompromißkandidaten im Ligaverbands-Vorsitz bis 2004 geeinigt. Dann wird Andreas Thiel den Posten übernehmen. Der ehemalige Nationaltorwart kommt unbelastet von alten Eitelkeiten. Aber so lange kann niemand warten: Schwenker und Jacobsen sollten sich versöhnen und ihre Qualitäten gemeinsam einsetzen.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2003, Nr. 150 / Seite 31