Das Problem beim THW ist doch nicht der Kader. Als ob dieser Kader nun schlechter als der von Wetzlar oder Nantes wäre. Gerade in letzter Zeit sind die Kaderbewegungen mit Reinkind und Landin 2 besser aufgegangen, als man das erwarten konnte.
Momentan verliert der THW aber vom Coaching her. Die 6:0 mit den offensiven Halben wird sehr, sehr konstant ausgespielt, sodass sie extrem viele freie Würfe abgeben. Ab und an bekommen Sie mit der 3:2:1 bisschen Stabilität rein, aber auch nicht immer. Die offensive Verteidigung kommt mit viel Speed beim Gegner überhaupt nicht klar. Man sieht richtig, wie hilflos die Spieler gucken, wenn sie wieder und wieder zusehen müssen, wie der nächste freie Wurf aufs Tor fliegt.
In der Offensive genau umgedreht. In den letzten Alfred-Jahren war dieses endlose Hin- und Herpassen im Rückraum ohne jede Geschwindigkeit schon schwere Kost. Das wurde unter Jicha schon etwas besser und mit Sagosen hat man sicher gehofft, dass die Kreativität noch etwas besser wird. Aber insgesamt spielt der THW viel zu wenig als Mannschaft zusammen. Insbesondere unter Druck verfallen zu viele Spieler in Einzelaktionen, die mal funktionieren können, aber wenn nicht, wie am Sonnabend, dem Gegner wunderbar in die Karten spielen. Sobald der Gegner mit Mut und Aggressivität stört, hat man gute Chancen, dass der THW die Nerven verliert. Aber auch hier wirken die Spieler sehr hilflos, was sie machen sollen, wenn Plan A nicht funktioniert.
Es wird sich jetzt zeigen, ob Jicha darauf die richtigen Antworten findet als noch junger Trainer, der hier genauso wachsen muss, wie junge Spieler. Die grundsätzliche Qualität, dass sie trotzdem alles gewinnen, ist mal von schwerwiegenden Verletzungsthemen abgesehen, auf jeden Fall da. Insofern kein Grund alles grundlegend in Frage zu stellen.