Freundschaft!
Die Aussage war auch kompletter Schwachsinn. Das war ein reiner Wunsch, der nicht von Arbeit oder Analyse unterfüttert war. Schmedt sprach ja dezidiert von 2020. Ich habe damals gesagt, dass diese Zahl der Ausdruck dafür ist, dass er nicht weiß, wovon er spricht. Weil das von der Kaderentwicklung genau zwischen zwei Hochleistungsphasen liegen muss. Also entweder schafft man es davor oder danach. 2020 war die Chance am geringsten, dass gerade da der Knoten aufgeht. Und wenn man den Kader 2019/20 und den Meisterkader 2021/22 vergleicht, dann sieht man, dass die absoluten Topleistungsträger der Meistermannschaft erst ab 2022 kamen: Omar, Gisli, Saugstrup, Gullerud. Auch z.B. ein Weber war in der Meistersaison ein Gewinn. Das ändert sich ja nicht mehr, nur weil er jetzt langfristig der schwächste Rückraumspieler im Kader ist.
Schmedt hat dann gegen 2020 übrigens zurückgerudet, dass man seine Aussage nicht mehr ernst nehmen darf, weil es "nur noch 2 statt 3 CL-Plätze". Auch da hat er sich letztlich wieder geirrt, weil er inhaltlich nicht versteht, warum eine Handballmannschaft erfolgreich ist oder eben nicht. Und der Club hatte zu Bestzeiten mit Schmedt, Roswandowicz, Svensson und Stiebler vier Leute, auf die das zutrifft und die zusammen die Richtung vorgegeben haben. Mit Carstens hatte man wenigstens noch einen guten Trainer, aber natürlich auch keinen, der einen Spitzenverein formen kann. Und mit Geir hatte man einen Trainer, der sich perfekt in die sportliche Expertise der vier eingereiht hat. Erst mit Wiegert kam die Wende, aber auch nicht sofort.
Vor 8 Jahren war Wiegert auch nicht der Trainer, der er heute ist. Und das konnte man auch nicht vorhersehen, weil er sein Profil und seine Expertise erst unterwegs entwickelt hat. Dass er Trainer wurde, war auch aus einer Verlegenheit heraus und nicht der große Masterplan. Was er von Anfang an reingebracht hat, war einen gewisse Härte und ein Erfolgswille. Aber der inhaltlich-fachliche Aspekt kam erst mit der Zeit. In den ersten fünf Jahren gab es zwar relativen Erfolg, aber eben auch noch genug personelle Fehlentscheidungen. Trotzdem weniger als 2010-2015. als nur etwa katastrophale 35 Prozent der Personalien überhaupt funktionierten. Aber es gab da solche Eiereien mit Kuzmanovski oder Kalarasch, an denen man gemerkt hat, dass man nicht so richtig weiß, was man will und was man macht. Da war auch noch der schlechte Einfluss Svenssons drin.
Wiegert hat am Anfang mal gesagt "Ich brauche Svenssons Expertise auf dem Spielermarkt". Mit den Jahren hat er diese dann selbst entwickelt und dann auch gemerkt, dass Svensson gar keine hat. Seit ein paar Jahren sehen wir die Früchte der Entwicklung, dass Wiegert a) alles selbst kontrolliert und b) eine Spielidee entwickelt hat, die konsquent umgesetzt wird und nach der auch (fast) alle Personalien ausgerichtet werden. Seitdem funktionieren fast 100 Prozent aller Neuzugänge.
Aber das war alles die Entwicklung über fast ein Jahrzehnt. Aus der Sicht von 2015 betrachtet ist es schon ein riesiges Glück, dass sich das so gefügt hat. Das war nicht selbstverständlich.