"Holen in Rückserie mehr Punkte"
GWD-Rückraumspieler Jan-Fiete Buschmann im Interview / "Mit Hermann auf Augenhöhe"
Minden (much). Jan-Fiete Buschmann (24), halbrechter Rückraumspieler des heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden, kuriert in der aktuellen Europameisterschafts-Pause einen Bänderriss aus. Der Linkshänderliegt bei der Firma Melitta in den letzten Zügen seiner Ausbildung zum Industriekaufmann.
Von Michael Lorenz
Wie ist es um deine Gesundheit bestellt?
Ich bin im Moment noch etwas außer Gefecht. Der Knöchel ist noch ein bisschen dick, aber ich hoffe, dass ich zu Trainingsbeginn oder spätestens eine Woche danach wieder voll dabei bin. Ich denke, dass die ersten Spiele im Februar nicht in Gefahr sind.
Ihr spielt in dieser Serie nicht so, wie viele es befürchtet haben, sondern eher so, wie ihr euch das selbst vorgestellt habt. Nur - es fehlen die Punkte. Was muss sich ändern?
Wir haben eine junge Mannschaft, der in gewissen Situationen die Abgeklärtheit noch ein wenig fehlt. In der Rückserie wird das bestimmt besser, weil wir dann noch eingespielter sind, jeder seine Aufgaben noch besser kennt. Ich bin mir sicher, dass die Rückserie punktemäßig besser läuft.
Wann ist deine Ausbildung beendet?
Ich habe am 19. Januar mündliche Abschlussprüfung, dann bin ich fertig und werde mich das nächste halbe Jahr nur auf den Handball konzentrieren. Wahrscheinlich beginne ich zum nächsten Wintersemester ein Wirtschaftsstudium.
Handballprofi und Vollzeit-Azubi - wie steckt man diese Doppelbelastung weg?
Am Anfang war es schon ziemlich hart, mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt und bin mit meinem körperlichen Zustand zufrieden. Aber ich bin schon froh, dass es bald vorbei ist. Ich bin der Firma Melitta sehr dankbar, dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat, neben dem Handball eine Ausbildung zu machen.
Was kannst du über Trainer Richard Ratka sagen?
Er passt sehr gut zu Mannschaft, weil er ein junger deutscher Trainer ist, der gut mit jungen Spielern umgehen kann. Er stellt immer die Mannschaft über die Einzelspieler, und ich finde, dass das die einzige Chance ist, mit der wir überhaupt Erfolg haben können. Wir hatten in dieser Serie so wenig schlechte Spiele wie nie zuvor in den letzten Jahren, abgesehen von dem Spiel in Gummersbach, wo aber auch einige gefehlt haben oder angeschlagen gespielt haben. Außer der Punkteausbeute war die Saison bisher sehr positiv.
Hättest du dir vor einem Jahr vorstellen können, mal im Mittelblock zu decken?
(Schmunzelt) Na ja, früher wurde mir immer gesagt, dass ich nicht decken könne. In der letzten Zeit habe ich dann des Öfteren auf halb gedeckt, und weil wir nicht so viele körperlich große Spieler haben, kam ich zuletzt in den Mittelblock. Ich bin auch ganz zufrieden mit dem was ich in der Deckung gespielt habe. Aber wenn Arne Niemeyer und Ognjen Backovic beide fit sind, spielen sie in der Mitte und ich komme nur, wenn mal einer eine Pause braucht.
Im März treffen sich die einflussreichsten Sponsoren und Gönner von GWD. Dann soll darüber entschieden werden, ob Minden als Bundesligastandort erhaltenswert ist. Warum ist es das aus deiner Sicht?
Aus mehrerlei Gründen. Zum einen wegen der langen Tradition, zum anderen, weil GWD als einer von ganz wenigen Bundesligisten eine vernünftige Jugendarbeit macht und mit vielen Spielern aus der Region in der Bundesliga spielt. Man merkt auch deutlich, dass die Zuschauer hier Bundesliga-Handball sehen wollen. Dinge wie die Idee der Spendenaktion, um die Rettung von GWD
zu unterstützen, zeigen das. Auch wenn man mit Spenden GWD natürlich finanziell nicht einfach sanieren kann. Aber das zeigt, wie sehr die Fans sich mit GWD identifizieren, und wie viel ihnen daran liegt, dass GWD in der Bundesliga bleibt.
War das Ende der Hannover-Ära aus deiner Sicht befreiend?
Irgendwie schon, es macht natürlich mehr Spaß, in Minden zu spielen, als in Hannover. In der Tui-Arena waren 16 bis 17 Grad und Stimmung ist nicht aufgekommen. Außer gegen Kiel und Magdeburg, und da war sie für den Gegner.
Wie hat sich das Publikum in Minden zuletzt entwickelt?
Das hat sich super entwickelt. Der alte Fanclub und das Commando 1924 ergänzen sich optimal. Das bringt die Stimmung in der Halle und damit auch die Mannschaft nach vorne.
Wenn du derzeit nicht verletzt wärst - glaubst du, dass du dann bei der Europameisterschaft in der Schweiz dabei wärst?
Das weiß ich nicht. Aber ich bin der Meinung, dass Lübbeckes Rolf Hermann und ich auf Augenhöhe sind, und Rolf ist ja nominiert worden, auch wenn er absagen musste. Schön wäre es natürlich, und es ist auch mein Ziel. Aber in der letzten Zeit, mit der Ausbildung zusammen, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht.
Arne Niemeyer und du, ihr bekleidet die Halb-Positionen im GWD-Rückraum bereits seit der A-Jugend. Wie würde dir die Vorstellung gefallen, wenn du das mit, sagen wir, 32 Jahren, in der Bundesliga immer noch tun würdest?
Das ist eine super Vorstellung, weil es heißen würde, dass es in Minden in den nächst acht Jahren auf jeden Fall weitergeht, und, dass es erfolgreich weitergeht.
Vorausgesetzt, es geht erfolgreich weiter, siehst du deine Zukunft also in Minden?
Ich habe nach Minden zwar keine familiären Bindungen, sondern nach Bielefeld, und das ist ja so weit nicht weg. Aber dadurch, dass ich hier schon in der Jugend gespielt habe, bin in Minden quasi groß geworden und habe viele Freunde und Bekannte hier. Wenn es hier weitergeht, kann ich mir vorstellen, so wie Volker Zerbe in Lemgo, von Anfang bis Ende in einem Verein zu spielen.