"Bin bei GWD ein besserer Spieler geworden"
Snorri Gudjonsson, Mindens Mann fürs Feine, lehrte Dänen das Fürchten und wird nun selbst einer
Minden (kn). Isländische Handballer haben in Minden seit den Tagen der 70er-Jahre-Legenden Axel Axelsson und "Ole" Jonsson einen unschlagbaren Ruf.
Glänzende Techniker, stets torhungrig und gefährlich, locker und lustig, aufgeschlossen und bei den Fans beliebt. Diesem Klischee passte sich Mindens aktueller "Isi-Star" Snorri Gudjonsson nahtlos an. Am morgigen Samstag macht der 25-jährige WM-Siebte nach zwei Jahren sein letztes Spiel für GWD.
"Am Montag fliege ich nach Tschechien. Dort bestreiten wir mit Island zwei Testspiele gegen Tschechien, danach folgen dann zwei EM-Qualifikationsspiele gegen Serbien", beschreibt Snorri Gudjonsson seine nächsten Termine. Erst dann gibt es ein paar Tage Heimaturlaub, ehe schließlich der Umzug nach Dänemark zu GUG Gudme (Svendborg/Fünen) ansteht.
Der neue dänische Meister schätzte sich nach der Weltmeisterschaft in Deutschland glücklich, einen guten Riecher gehabt zu haben. Gudme hatte schon vor der WM erste Transfergespräche mit Gudjonsson geführt. Und so wurde es für Dänemarks Champion nicht gar so teuer, Gudjonsson nach dessen "Spiel des Lebens" gegen Dänemark (15 Treffer beim 41:42 der Isländer im Viertelfinale) hastig an Land zu ziehen.
Seine Zeit in Minden sieht Snorri Gudjonsson positiv. "In diesen zwei Jahren bin ich ein besserer Spieler geworden, habe zwei gute internationale Turniere mit meinem Nationalteam gespielt", erlebte Mindens "Isi" seine bisher größten sportlichen Erfolge in der Minden-Ära.
Die Frage, was er nach seinem Abschied aus Ostwestfalen am meisten vermissen wird, beantworter Gudjonsson professionell. "Die Jungs aus der Mannschaft werde ich vermissen", sagt er. Und wenn man nachbohrt, ergänzt er: "Und das gute Essen bei meinem Landsmann Einar-Örn Jonsson. Seine Frau Birna ist eine Klasse-Köchin."
Vermissen wird der "Mann für die feine Klinge" die deutsche Bundesliga insgesamt. "Egal wo du spielst, die Stimmung in jeder deutschen Halle ist unglaublich. Die Arenen von Kiel, Köln, Hamburg oder Flensburg sind einmalig. Das wird mir fehlen. Und auch die Derbys gegen Lübbecke. Solch eine Atmosphäre habe ich vorher nicht erlebt", hat Snorri Gudjonsson auch eine kleine Abschiedsträne im Auge.
Dass er sich vom Mindener Publikum mit seiner wohl besten Leistung im GWD-Trikot verabschiedet hat, freut ihn besonders. 13 Treffer gelangen ihm beim "Rettungsanker-Duell" gegen Gummersbach und seinem Nationalcoach Alfred Gislason.
Und jetzt kommt Dänemark, das Land, dem Snorri im Februar das Fürchten lehrte. "Dänisch lernen wir Isländer schon in der Schule. Ich denke, dass ich mit der Sprache keine Probleme haben werde", sagt Gudjonsson. Sportlich wohl auch nicht. Angriffshandball wird in "DK" groß geschrieben. Und gerade das ist Snorris Stärke. Zu bewundern demnächst in der Champions League. Vielleicht dann auch wieder in Deutschland, falls Gudme auf Kiel, Hamburg, Flensburg oder Gummersbach trifft. Allesamt Lieblingshallen von Snorri Gudjonsson.
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