Sport1.de: Herzlichen Glückwunsch, Herr Niemeyer! Was haben Sie sich an Ihrem Geburtstag vorgenommen?
Arne Niemeyer: Erst mal in Ruhe frühstücken und nachmittags trinke ich Kaffee mit meiner Zwillingsschwester und meiner Tante, die auch heute Geburtstag hat.
Danach geht es zum Training und dann werden vielleicht noch ein, zwei Freunde vorbeikommen.
Sport1: Eigentlich müssten Sie doch arbeiten...
Niemeyer: Ja, ich habe im August eine Ausbildung als Speditionskaufmann angefangen. Aber ich habe mir Urlaub genommen.
Sport1: Und die Ausbildung wollen Sie von Hamburg aus abschließen?
Niemeyer: Das wird wohl schwer.
Sport1: Trotzdem haben Sie sich für den Wechsel zum HSV entschieden.
Niemeyer: Wenn ich ein Angebot von einem solchen Verein kriege, ehrt mich das natürlich. Darauf bin ich total stolz und freue mich darauf. Es sprechen unheimlich viele Gründe für Hamburg.
Der HSV hat mit das beste Paket aller Mannschaften in Europa, was die Mannschaft, die Halle, das Umfeld und die Stadt angeht. Dass ich auch international spiele, ist eine Riesenherausforderung, das war immer schon mein Ziel.
Sport1: Hat es Sie nicht gestört, dass der HSV den Wechsel so früh in der Saison bekannt gegeben hat?
Niemeyer: Das war mir ganz egal. Jetzt ist es heraus. Vielleicht ist der Zeitpunkt für meinen jetzigen Verein nicht so super, aber das wäre er wahrscheinlich nie gewesen.
Sport1: Wie haben die Mindener denn reagiert?
Niemeyer: Bisher habe ich nur Positives gehört, alle freuen sich für mich und können die Entscheidung verstehen. Was hinter meinem Rücken gesprochen wird, weiß ich natürlich nicht.
Sport1: Und was sagt Ihr Trainer Richard Ratka?
Niemeyer: Mit dem hatte ich vorher schon gesprochen. Auch er hat mir alles Gute gewünscht für diesen großen Schritt. Aber er musste das erst mal verdauen.
Sport1: Musste er Sie daran erinnern, dass GWD zuvor im Abstiegskampf vollen Einsatz von Ihnen braucht?
Niemeyer: Das ist doch selbstverständlich, ich komme hier aus Minden und werde mein letztes Hemd für diesen Verein geben. I
ch gebe im Training und im Spiel 100 Prozent, da braucht er sich keine Sorgen zu machen. Wahrscheinlich probiere ich jetzt sogar, noch mehr zu geben, auch wenn das eigentlich nicht möglich ist.
Sport1: Wie sind die Chancen der Mindener, da unten rauszukommen?
Niemeyer: Wir haben zwar ein wichtiges Spiel gegen den direkten Konkurrenten Füchse Berlin verloren, was uns weh getan hat.
Dafür haben wir in Wetzlar einen Punkt wiedergeholt. So schlecht sind unsere Chancen nicht, wenn wir das ein oder andere Mal Glück haben.
Sport1: Was rechnen Sie sich am Freitag gegen den Tabellen-Sechsten Melsungen aus?
Niemeyer: Melsungen hat einen Riesenlauf. Das wird unglaublich schwer. Wir müssen unsere Tugenden Kampf und Härte abrufen.
Wenn wir das schaffen, haben wir reele Chancen. In Minden wird es auch Melsungen nicht leicht haben.
Sport1: Sie schauen bestimmt auch auf Ihren kommenden Verein. Wie haben Sie das Spitzenspiel der Hamburger in Flensburg verfolgt?
Niemeyer: Das hätte ich unglaublich gerne gesehen, aber wir haben ja abends immer Training. Aber natürlich verfolge ich die Bundesliga, mit besonderem Augenmerk auf den HSV.
Das war vorher auch so, weil ich den Verein einfach gut finde. Deshalb wäre es das Größte, wenn wir nicht absteigen und ich zum deutschen Meister wechsele.
Sport1: Läuft es oben auf einen Zweikampf zwischen Kiel und Hamburg hinaus?
Niemeyer: Im Titelkampf ist es genauso spannend wie unten. Die Saison hat gezeigt, dass viele Überraschungen möglich sind.
Sport1: Beim HSV spielen auf Ihrer Position mit Pascal Hens und Michal Jurecki bereits ein Weltmeister und ein Vizeweltmeister...
Niemeyer: Die Situation ist natürlich eine ganz andere als hier in Minden, wo ich groß geworden bin. Beim HSV müssen wir uns ergänzen. Keiner kann es verkraften, dreimal in der Woche 60 Minuten am Limit zu spielen.
Klar ist mein Ziel, möglichst viel zu spielen. Das wird nicht leicht, aber ich nehme den Kampf gegen meine Mitspieler an. Das Miteinander ist das Wichtigste.
Sport1: Rechnen Sie sich bei einem Spitzenklub größere Chancen aus, wieder in den engsten Kreis der Nationalmannschaft vorzurücken?
Niemeyer: Erst mal will ich für den Verein Leistung bringen. Wenn sich das dann positiv auf meine Karriere in der Nationalmannschaft auswirkt, umso besser. Aber das ist nicht der Hauptgrund.
Sport1: In welchen Bereichen können Sie sich noch verbessern?
Niemeyer: Wenn ich mit Weltklassespielern zusammenspiele, kann ich mich in allen Bereichen weiterentwickeln. Da kann ich von jedem einzelnen etwas lernen.
Sport1: Haben Sie ein sportliches Vorbild?
Niemeyer: Das ist immer mein Papa (Reiner Niemeier wurde als Torhüter 1978 Weltmeister, d. Red.) gewesen. Den habe ich schon als kleiner Dötz bei vielen Spielen begleitet.
Ich fand ganz toll, wie er gekämpft und Emotionen gezeigt hat. Ich spreche auch heute noch unglaublich viel mit ihm, auch was meinen Wechsel angeht.
Er hat gesagt, es sei meine eigene Entscheidung, hat aber auch sehr stark zum HSV tendiert. Beides habe seine Vorteile, wie auch anderes...
Sport1: Andere Angebote? Etwa auch aus Kiel?
Niemeyer: Ja, es gab ein, zwei andere Anfragen. Aber Kiel war nicht dabei.