Quelle: HP Kölnische Rundschau
Nach dem überragenden EHF-Pokalsieg müssen die Verantwortlichen des VfL Gummersbach schon an die nächste Saison denken. Denn neben dem Abgang von Top-Scorer Momir Illic zum THW Kiel müssen sich die Gummersbacher auch um die Lizenz bemühen.
GUMMERSBACH - Seriösen Zeugenaussagen zufolge hatte sich auch die Party nach der Party gewaschen. Nachdem die Handballer des VfL Gummersbach jedenfalls schon in der Kölner Lanxess-Arena ihren Europacupsieg gegen Gorenje Velenje (26:22) hemmungslos bejubelt hatten, folgte Teil zwei der Feierorgie in der Heimat. Erst morgens um sechs traten die letzten Helden den Heimweg an.
Sead Hasanefendic hatte nicht so lange durchgehalten und mit Freundin Andrea bereits gegen halb zwei den geordneten Rückzug angetreten. Allerdings musste der VfL-Trainer auch so eine ganze Menge Emotionen verdauen. Noch nicht mal ein halbes Jahr ist es bekanntlich her, dass der Handballlehrer in schwere Turbulenzen geriet und vor dem Aus in Gummersbach stand. Hasanefendic aber zeigte Nehmerqualitäten, bekam die Kurve und durfte sich jetzt zu Recht als Erfolgstrainer feiern lassen. „Das war schon eine Achterbahnfahrt. Umso schöner für uns alle, dass am Ende dieser tolle Sieg steht“, zog er nun stolz Bilanz.
Unterlagen für die Lizenz nachgebessert
François-Xavier Houlet fiel nach dem berauschenden Coup natürlich auch ein halber Steinbruch von den Schultern. Viel Zeit zur Muße nahm sich der Gummersbacher Sportdirektor allerdings nicht. Konnte er auch nicht. Denn Baustellen gibt es im Oberbergischen genug: So muss der VfL bis Donnerstag bekanntlich seine nachgebesserten Unterlagen bei der Handball-Bundesliga (HBL) einreichen, um endgültig die Lizenz für die neue Saison zu erhalten. Houlet ist sicher, „dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und die Lizenz erhalten werden“.
Allerdings muss der VfL dafür unter anderem seinen Kapitän ziehen lassen. Momir Ilics Wechsel zum THW Kiel spült immerhin 600 000 Euro in die VfL-Kasse. Der Torjäger unterschrieb einen Vierjahresvertrag und tritt an der Förde die Nachfolge von Superstar Nikola Karabatic an (siehe Artikel unten).
Mit der Personalie Ilic ist es freilich nicht getan. Für den nach Ungarn zurückkehrenden Torwart Nandor Fazekas hat man zwar laut Houlet „einen hochtalentierten Jungkeeper“ verpflichtet, doch ein weiteres brisantes Thema ist offen: die „Linkshänderfrage“. Alexis Alvanos und Adrian Pfahl haben bei den Rhein-Neckar Löwen bzw. in Balingen Verträge unterzeichnet. Doch zumindest einer von beiden soll bleiben. „Wir werden jetzt nach dem EHF-Cup-Finale abschließende Gespräche führen und schnell zu einer Entscheidung kommen“, kündigt Houlet an, der gestern verkünden konnte, dass Geoffroy Krantz seinen Vertrag beim VfL bis 2011 verlängerte.
Aber auch im Wohlfühlklima des aktuellen Europapokal-Erfolges mahnt Houlet zur Besonnenheit: „Wir müssen ehrlich sein. Wir haben nicht so viel Geld wie die Löwen, Hamburg oder Kiel. Unsere Priorität muss es sein, den Club von Grund auf zu sanieren, denn wir haben viele Jahre zu gefährlich gelebt.“
Sein Chef sieht die Dinge genauso: „Was Trainer, Manager und Mannschaft unter schwierigen Vorzeichen geleistet haben, ist großartig“, lobt Claus Horstmann. Allerdings bleibt auch der VfL-Boss realistisch: „Wir wollen natürlich nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, aber noch wichtiger für unsere Zukunft als der Europacupsieg ist eine überzeugende Strategie, gerade auch für potenzielle Sponsoren. Und da sind wir auf gutem Weg“, glaubt Horstmann, der auf drei Eckpfeiler setzt: „Konsolidierung, Nachwuchsarbeit und eine neue Halle.“