28.03.2007 - Thomas Levknecht - ThSV Eisenach
Sergio Ruiz Casanova vor Rückkehr an einstige Wirkungsstätte
Am kommenden Wochenende tritt der Tabellenführer Tusem Essen beim abstiegsbedrohten ThSV Eisenach an. Während Essen Punkte braucht, um den avisierten Aufstieg sicherstellen zu können, muss Eisenach dringend punkten, um nicht in die Drittklassigkeit abzurutschen. Für einen Spieler der Gäste ist die Reise nach Thüringen allerdings aus ganz persönlichen Gründen etwas Besonderes: Sergio Casanova spielte fünf Jahre für den ThSV.
Von 1999 bis 2004 war Sergio Casanova für den ThSV Eisenach in der 1. Handballbundesliga am Ball. Mehr durch Zufall geriet der damals 22-jährige Spanier unter die Fittiche von Eisenachs Trainer Rainer Osmann. Zunächst galt es dem beidhändig werfenden Schwarzschopf Muskelmasse zu verpassen, um auch körperlich im sportlichen Wettstreit mit Deutschlands Handball-Elite zu bestehen. Sergio Casanova wurde rasch eine wichtige Stütze im Rückraum des ThSV Eisenach, spielte an der Seite von Jörn Schläger, Preben Vildalen und Jonny Jensen, legte das Leder zu Weltklasse-Rechtsaußen Stephane Joulin ab. Am letzten Spieltag der Saison 2003/2004 besiegelte ein 30:30-Remis bei GWD Minden das Ende der siebenjährigen Erstklassigkeit des ThSV Eisenach.
Sergio Casanova verließ Thüringen in Richtung Ruhrpott und ging zum Traditionsverein TUSEM Essen. Der sportliche Höhenflug auf internationalem Parkett ging dann allerdings einher mit dem Lizenzentzug Mitte 2005. TUSEM Essen begann in der Regionalliga neu, konnte jedoch einen Großteil des Personals halten. So blieben die ehemaligen Eisenacher Evars Klesniks und auch Sergio Casanova und sogar einen alten Strategen wie Ex-Nationalspieler Mark Dragunski konnte man zurückgewinnen. Souverän wurde über den Titel in der Regionalliga der Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Diese soll nur eine einjährige Zwischenstation auf den Weg zurück ins Handballoberhaus sein. Die Zeichen stehen bestens, schließlich thront TUSEM Essen an der Tabellenspitze der 2.Liga Süd.
Am Samstag, 31.03.07 gastiert TUSEM Essen beim abstiegsgefährdeten ThSV Eisenach (Anwurf 19.30 Uhr, Werner-Aßmann-Halle). Wir sprachen kurz vor der Rückkehr an seine einstige Wirkungsstätte mit Sergio Casanova:
TUSEM Essen bezwang am vergangenen Wochenende vor 2000 Zuschauern den TV Willstätt mit 29:26 und festigte damit die Tabellenführung. In der Aufstellung fehlte jedoch Sergio Casanova?
Die letzten beiden Spiele musste ich wegen einer Schulterverletzung zuschauen. Doch ich hoffe, am Samstag in Eisenach wieder dabei zu sein. Ein Test am Freitagabend wird die endgültige Antwort geben.
TUSEM Essen ist mit Sergio Casanova auf dem direkten Durchmarsch, von der Regionalliga in die 1. Bundesliga. Doch zuletzt rumorte es etwas, musste gar Trainer Ion Bondar seinen Hut nehmen. Wie ist die Lage?
Wir befinden uns klar auf Erstligakurs, führen mit 39:11 Punkten die Tabelle an. Wir spielten eine ausgezeichnete Hinrunde, schlossen diese mit 30:4 Punkten als souveräner Tabellenführer ab. Der Start in die zweite Halbserie verlief allerdings schlecht. Wir büßten viele Punkte selbst gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte ein. Verletzungen von Mark Dragunski, Halldor Sigfusson und bei mir konnten nicht wie gewünscht kompensiert werden.
Die Vereinsführung sah das große Ziel, Aufstieg in die 1. Bundesliga gefährdet, wechselte kurz vor der Zielgeraden den Jockey. Jens Pfänder übernahm die Chefrolle für den Trainings- und Wettkampfbetrieb. Konnte der neue Coach bereits besondere Akzente setzen, neue Impulse auslösen?
Jens Pfänder ist ja erst eine Woche als Trainer bei TUSEM im Amt. Da ist es sicherlich viel zu früh, ein erstes Urteil zu treffen. Er kommt natürlich mit der Empfehlung, mit dem TuS Nettelstedt-Lübbecke in der Saison 2003/2004 mit dem Traumergebnis von 68:0 Punkten in die 1. Liga aufgestiegen zu sein. Mein Eindruck nach den ersten Trainingseinheiten und dem ersten Pflichtspiel unter seiner Regie, er bringt uns voran. Konkreteres lässt sich erst nach einigen Wochen sagen. Sicherlich wird er hauptsächlich daran gemessen, ob wir den direkten Aufstieg ins Handballoberhaus schaffen.
Um dieses Ziel zu verwirklichen, sind zwei Pluspunkte in Eisenach sicherlich Pflicht?
Ohne Wenn und Aber, wir wollen aufsteigen. Dazu sind zwei Punkte in Eisenach erforderlich. Wir können uns, egal wo, keine weiteren Punkteinbußen leisten! Wir wollen beim ThSV Eisenach unserer Favoritenrolle gerecht werden. Die Trauben hängen in der Werner-Aßmann-Halle für Gastmannschaften sehr hoch. Die besondere Atmosphäre beflügelt den heimischen ThSV Eisenach. Ich durfte über einige Jahre davon profitieren, erlebte fantastische Spiele im ThSV-Trikot gegen die Topteams Deutschlands aus Kiel, Flensburg, Magdeburg und Gummersbach.
TUSEM Essen wird, vorausgesetzt Sergio Casanova ist auch einsatzfähig, mit voller Kapelle in der Wartburgstadt auflaufen?
Ich hoffe fest, der letzte Test am Freitag ergibt für mich grünes Licht. Somit wird TUSEM in Bestbesetzung am Samstagabend auflaufen. Auch Mark Dragunski steht seit der Vorwoche nach einer Operation wieder im Aufgebot.
Im Sommer 1994, mit dem Abstieg des ThSV Eisenach aus der 1. Bundesliga, wechselten Sie zu TUSEM Essen. Pflegen Sie noch Kontakte nach Eisenach?
Die Zeit ist schnelllebig. Hin und wieder telefoniere ich mit Kasten Lehmann. Ich halte weiterhin Kontakte zu einigen Freunden außerhalb der Handballszene.
Sicherlich verfolgen Sie aus der Ferne die Entwicklung des ThSV Eisenach. Haben Sie eine Erklärung für die sportliche Talfahrt?
Die derzeitige Situation beim ThSV Eisenach ist für mich unerklärlich. Die Vorsaison mit Platz 5 ließ einen solchen Absturz nicht erwarten. Im Gegenteil, eine Platzierung im Vorderfeld der Tabelle wurde ja als Ziel ausgegeben. Doch dann kam der ThSV Eisenach einfach nicht aus den Startlöchern, konnte das sportliche Loch nicht überwinden. Unruhe machte sich breit. Psychologische Schranken konnten vielleicht nicht aufgebrochen werden. Doch die Mannschaft ist personell wesentlich besser besetzt, wie ihr derzeitiger Tabellenplatz. Gerade in dieser explosiven Situation sind Geschlossenheit und Besonnenheit bei allen Verantwortlichen und Aktiven sowie die volle Rückendeckung durch die Fans gefragt. Dann bin ich mir sicher, der ThSV Eisenach schafft den Klassenerhalt!
Das Gespräch führte Thomas Levknecht.
Quelle: handball-world.com
ThSV Eisenach erwartet Primus TUSEM Essen – Trainer Ursinus sucht Häuptlinge
Der Tabellen-Sechzehnte empfängt den Tabellenführer: So die Konstellation am Samstag, 31.03.07 um 19.30 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle. Die Rollenverteilung in der Partie scheint klar. Aber ThSV-Trainer Hans-Joachim Ursinus sieht sehr Schwächen bei Gegner, die sein Team ausnutzen kann.
Der abstiegsgefährdete ThSV Eisenach trifft auf den klar in Richtung 1. Bundesliga steuernden TUSEM Essen. Das Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet kommt mit voller Kapelle, hat alle Asse an Deck, vom 2,14-Meter-Riesen und 104-fachen Nationalspieler Mark Dragunski am Kreis, über den für die Niederlande 105 Länderspiele absolvierenden Mark Schmetz (aktuell mit 179 Saisontreffern Platz 2 in der Torjägerliste der 2.Liga Süd) bis zu den beim ThSV Eisenach in der 1. Bundesliga am Ball gewesenen Evars Klensniks und Sergio Casanova. Hans-Joachim Ursinus, der Coach des ThSV Eisenach, indes muss weiterhin ohne die verletzten Rückraumspieler Till Riehn und Krisztian Szep-Kis auskommen. Oldtimer Andrej Kastelic beißt trotz andauernder Probleme an der Leiste und am Ellenbogen auf die Zähne. Eine Operation nach Saisonende ist jedoch unumgänglich.
Vor dem Anpfiff der Partie gegen den Ligaprimus sprachen wir mit Hans-Joachim Ursinus, dem Coach des ThSV Eisenach:
Mit der Niederlage am 10. März bei der HG Oftersheim/Schwetzingen scheint das bis dahin lodernde Feuer beim ThSV Eisenach nicht mehr genug Sauerstoff zu bekommen. Woran liegt das?
Es liegen objektive Gründe vor. Ich bin mir bewusst, bei einer klaren Aussage erneut hinterfragt zu werden, es als Ausrede interpretiert wird oder, dass ich die Mannschaft in Schutz nehme. Tatsache ist, nach dem Auswärtsspiel in Schwetzingen konnte von kontinuierlicher Trainingsarbeit aufgrund von Verletzungen, Blessuren und Krankheiten keine Rede mehr sein. Die positive Entwicklung vom Ende des vergangenen Jahres bis dahin wurde unterbrochen.
An der kämpferischen Bereitschaft gab es jüngst in Delitzsch keinerlei Abstriche zu machen, doch die spielerische Qualität auf dem Parkett reichte letztendlich nur zum zweiten Sieger in einem direkten Duell von zwei abstiegsbedrohten Teams.
Die kämpferische Einstellung war in Ordnung. Daran mangelte es ja im vorherigen Heimspiel gegen Ludwigsburg. In Delitzsch hat es nicht an Willen und Moral gelegen. Diese Tugenden sind allerdings die Grundlagen für erfolgreiche Spiele auch in den kommenden Tagen und Wochen. Zur spielerischen Seite: Operierte Delitzsch mehr mit einer Raumdeckung, hatten wir alles ganz gut im Griff. Große Probleme bereitete uns dann die Umstellung der Delitzscher auf eine offensive Deckungsarbeit, teilweise ja sogar Manndeckung. Um diese auszumanövrieren, wäre individuelle Klasse erforderlich gewesen. Knackpunkt der Begegnung war zweifelsohne die Phase, als uns in 6:3 Überzahlsituation bei eigenem Ballbesitz kein Treffer gelang. Die Psyche war für den Endkampf angeknackst.
Ein Häuptling, ein Leitwolf hat sich noch immer nicht herauskristallisiert. Doch gerade im Abstiegskampf muss endlich einer die Chefrolle auf dem Parkett übernehmen. Wer kommt dafür in Frage?
Wenn es nicht einer Person gelingt, dann einer Personengruppe. Da sind in erster Linie die erfahrenen Spieler gefragt! Nicht zu verschweigen, durch das Fehlen eines Linkshänders im rechten Rückraum wird die Führung unseres Angriffsspiel erschwert, sind wir leichter ausrechenbar.
Philipp Emmelmann und Adrian Wöhler erhielten zuletzt wenige oder gar keine Einsatzzeiten, trotz nachlassender Kräfte des Stammpersonals.
In Delitzsch haben wir bis zur 54. Minute den Schlagabtausch erfolgreich angenommen. Die Entscheidung in der Schlussphase war weniger eine Kraftfrage als eine Frage der Nerven. Der Misserfolg aus der 6:3 Überzahl lähmte uns regelrecht. Mit der Einwechslung von Adrian Wöhler hätte ich einen weiteren Angriffs- und Deckungswechsel vornehmen müssen; bei dem Tempo der Partie nicht möglich.
Mit TUSEM Essen kommt der Tabellenführer, Aufstiegsanwärter Nummer 1 und gleichzeitiger Favorit für die 60 Minuten in der Werner-Aßmann-Halle. Was zeichnet das Team aus?
Die absolute Favoritenstellung ergibt sich beim Lesen der Namen der Formationen beider Mannschaften. TUSEM Essen hat seine kleine Durstrecke überwunden, in der es für die jeweiligen Kontrahenten bessere Voraussetzungen für Punktgewinne als für den ThSV Eisenach am heutigen Abend gab. Mark Dragunski ist zurück und damit auch die Lufthoheit. Der Trainerwechsel in der Vorwoche setzte zusätzliche Kräfte frei. TUSEM marschiert geradlinig in Richtung 1. Bundesliga. Dennoch hat auch diese Mannschaft ihre Schwächen, auf die wir unseren Blick richten müssen.
Ihre Mannschaft braucht Punktezuwachs. Das Abstiegswasser steht bis zum Halse. Wie soll das rettende Ufer erreicht werden?
Die anstehenden Begegnungen in heimischer Halle gegen die Spitzenteams TUSEM Essen, Bergischer HC und Bayer Dormagen haben wir in eine Kategorie eingeordnet. Unsere Zielsetzung aus diesen drei Spielen sind zwei Pluspunkte. Jedes Spiel geht über 60 Minuten und wir haben stets die Chance auf eine Riesenüberraschung. Die ist jedoch nur möglich, wenn unser Publikum vorbehaltlos von der ersten bis zur letzten Sekunde hinter der Mannschaft steht. Gemeinsam müssen wir unser Ziel verfolgen; so wie der Appell von Mathias Allonge an alle, denen der Handball in Eisenach am Herzen liegt. Nur in der Gemeinsamkeit können wir die 2. Handballbundesliga für den ThSV Eisenach, für die Stadt und die Region auch für das nächste Jahr sichern.
Das Gespräch führte Thomas Levknecht.
Der ThSV Eisenach bietet für die beiden binnen 4 Tage stattfindenden Heimspiele gegen TUSEM Essen und den Bergischen HC (Dienstag, 03.04.07 um 20.00 Uhr) ein Kombiticket zum Sonderpreis an.