Nachdem der Wechsel von Sigtryggur Daði Rúnarsson fix ist, meine Überlegungen zum Problem Trainerssöhnen.:
Jeder kennt Storys aus der Schule mit den Lehrerssöhnchen oder aus Betrieb mit den Juniors. Da jetzt aber eine Regel draus abzuleiten, halte ich doch etwas gewagt. Bei den angesprochenen Fällen aus der Vergangenheit kann man bei genauerer Betrachtung neben ggf. vorhandenen emotionalen Faktoren durchaus erkennen, dass rationale Karriereentscheidungen wahrscheinlich entscheidend waren.
Ein Martin Strobel musste zu jenem Zeitpunkt einfach mal raus aus Balingen, jemand wie er war hier auf Dauer nicht zu halten. Wer anderes erhofft hatte, war Heimat-Romantiker. Möglicherweise war Daniel Brack der Anlass, aber ganz sicher nicht die Ursache für den Wechsel. Der "TBV-Deutschland" mit den großen Namen und den fast unbegrenzten finanziellen Mittel (damals) bot Martin eine blendende Perspektive mehr zu verdienen, ganz oben mitzuspielen, sich in der Nationalmannschaft festzusetzen und international bekannt zu werden und war deshalb genau die richtige Adresse für ihn. Dass die Heristo-Blase dort wenig später platzte und alles anders kam, war ja nicht vorauszusehen und bescherte ihm zusätzliche Lebenserfahrungen.
Genau so wenig sehe ich Yves Kunkel vor Tim Notdurft fliehen. Dessen Rolle im Spielgeschehen ist relativ fest definiert. Er macht vorne den Indianer oder springt für Kunkel ein, wenn der Pausen nötig hat oder auf RL benötigt wird. Es ist eher so, dass Kunkel nicht so gerne in die 2. Liga runter möchte. Das war schon in Minden so, und er hatte letzte und diese Saison in Balingen genügend Zeit zu sehen, wohin er Hase laufen würde. Auch hier erfolgt der Wechsel zu einem Verein mit bester Perspektive und bietet ihm garantiert einen wesentlichen Mehrwert. Das ist logisch und nachvollziehbar und entbehrt selbst der regionalen Bindung, die 2008 bei Martin immerhin noch gegeben war.
Speziell was Tim Nothdurft angeht: Der Junge ist gut. Man sollte ihn spielen lassen auch wenn er ein Trainerssöhnchen ist, und ihn halten, so lange er sich halten lässt. Er kommt hier aus der eigenen Jugend und dem HBW2. Für mich passt der bestens und wenn Kunkel ihn tatsächlich nicht mögen sollte - na dann ...
Was ich sagen möchte, man ist bei dieser Show-Veranstaltung Handball gerne geneigt, Dramen zu erkennen wo es in Wirklichkeit um viel profanere Dinge geht.
Da ich über Tim Nothdurft schon einmal die zweite Mannschaft angesprochen habe, auch dazu noch eine Bemerkung. Ich halte sie für den Verein für unverzichtbar und auch persönlich möchte ich sie als Zuschauer nicht missen. Letzteres ist ja nicht ausschlaggebend, doch ist sie noch immer Bewährungsstation für die Spieler, die aus der Jugend hochkommen, Rekonvaleszenzort für verletzte Erstliga-Spieler, Fundus für Ersatzspieler und ab und zu schafft es ja doch einer sich oben zu etablieren, angefangen von Sascha bis Tim. Das unlösbare Problem ist, dass der Sprung zwischen der dritten und ersten Liga in allen Belangen enorm ist. Nur wenige schaffen auf Grund körperlicher Voraussetzungen und besonderer Fähigkeiten diesen Sprung und viele Gute, denen ein Quäntchen fehlt, bleiben schlussendlich irgendwo in der zweiten Liga hängen