Da hast du auf jeden Fall recht, aber wenn es um ein Tor geht, das spielentscheidend war und ggf. die Meisterschaft mitentscheidet, hätte man eben das noch mal ansehen können.
Da bin ich komplett anderer Ansicht. Im Handball gewinnt nicht die Mannschaft, die das letzte Tor wirft oder die in den letzten 5 Minuten mehr Tore wirft, sondern die Mannschaft, die über 60 Minuten mehr Tore wirft. Jedes der 28 Tore von Hannover-Burgdorf war am Sonntag spielentscheidend,
Eine Schiedsrichterleistung ist meiner Meinung nach dann gut und ausgewogen, wenn über sechzig Minuten lang Spielszenen nach dem gleichen Maßstab beurteilt werden. Ich bin kein Freund davon zu sagen, dass Schiedsrichter in der Schlussphase "nur noch die ganz klaren Entscheidungen treffen sollen". Sie sollen genauso weiter pfeifen wie in den 50 Minuten zuvor. Und ebenso wenig fände ich es angemessen, wenn der Videobeweis in den Schlussminuten zum Einsatz kommt, um "alltägliche" Entscheidungen zu überprüfen, die im gesamten Spiel zuvor nicht überprüft wurden. Du willst, dass ein möglicher Kreiseintritt beim 28:27-Siegtor überprüft worden wäre. Damit der Videobeweis "fair" zum Einsatz kommt, müssten dann wahrscheinlich fünf oder sechs weitere Szenen im Spielverlauf per Videobeweis analysiert werden, in denen Tore möglicherweise abgestanden waren. Ist "abgestanden" schlimmer als ein Schrittfehler oder müssten die dann auch bei jedem Tor überprüft werden? ...
Das eine Schiedsrichtergespanne achtet in seiner Spielleitung mehr auf abgestandene Tore, ein anderes ist penibler beim Einhalten des richtigen Ortes für die Ausführung von Freiwürfen. Das dritte Gespanne pfeift mehr schnelle Mitten zurück, wenn ein Außenspieler zu früh in der anderen Hälfte ist und das letzte Gespann lässt insgesamt mehr laufen. Natürlich profitieren einzelne Teams aufgrund ihrer Spielweise unterschiedlich von diesen Spielleitungen bzw. müssen sich dieser Linie möglichst schnell anpassen. Aber solang die Spielleitung über 60 Minuten konstant ist und es innerhalb der HBL eine halbwegs erkennbare Linie zwischen den Gespannen gibt, ist das vollkommen in Ordnung.
Ich verstehe vollkommen, dass man in einer spannenden und hitzigen Schlussphase den Toren mehr Wert beimessen möchte. Aber ab wann ist ein Tor oder eine Spielszene "spielentscheidend"? Die HSG Wetzlar hat letzte Woche in den letzten 12 Minuten nur noch ein Tor erzielt. Hätte dann nicht ihr Tor in der 48. Minute bereits spielentscheidend sein können. Der VfL Gummersbach hat gestern nur noch drei Tore in den letzten 10 Spielminuten erzielt. Ab wann sollten Deiner Meinung nach Tore überprüft werden, weil sie potenziell spielentscheidend sein könnten?