In derart komplexen Systemen wie unserer modernen Gesellschaft stoßen simple Modelle, die auf der Vergleichbarkeit von Gruppen beruhen unglaublich schnell an ihre Grenzen. Nur zu gerne werfen Medien mit Zahlen um sich, weil diese vermeintlichen Fakten sich wunderbar vergleichen und bewerten lassen. Im Vergleich zum wissenschaftlichen Umgang mit Zahlen werden dabei leider viele Nebenaspekte unter den Teppich gekehrt, die entweder den Zeilenumfang des Artikels sprengen würden, nach Ansicht des Autors für die Leserschaft nicht sinnvoll sind oder gar vom Autor selber nicht nachvollzogen werden können.
Es kann keine seriösen Auswertungen zur Verbreitung der Corona-Pandemie innerhalb weniger Tage oder Wochen nach dem Ausbruch geben, dazu fehlt es schlicht an ausreichender Erkenntnisse zu den relevanten Übertragungswerten und der Wirkung des Virus. Wenn sich Teile der Bevölkerung nun aufregen, dass sich die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus in einem steten Wandel finden, dann ist das nicht der Inkompetenz der politischen Führung geschuldet, sondern der Versuch sich dem stetigen Erkenntnisgewinn über das Virus anzupassen.
Wir können alle froh sein, dass uns Zustände wie in China, Italien, Spanien, England oder den USA erspart geblieben sind, aber niemand kann mit Gewissheit sagen wie oder warum wir das geschafft haben. Kamen unsere Maßnahmen zum Social distancing gerade noch rechtzeitig, weil wir durch die Entwicklungen in Italien gewarnt waren? War unser Gesundheitssystem schlicht besser aufgestellt? Welche Rolle spielt der allgemeine gesundheitliche Zustand der Bevölkerung? (Es gibt Studien die zeigen, dass in China und Italien mehr Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen leben als in Deutschland. In den USA gehen viele Menschen wegn fehlender Krankenversicherung und der ANgst vor horrenden Kosten nicht zum Arzt, wenn sie sich krank fühlen, etc.) Welche Rolle spielt die Form unseres Zusammenlebens? (In China oder Italien gibt es viele Mehr-Generationen-Haushalte während in Deutschland in den Großstädten die Single-Haushalte dominieren)
Alle Maßnahmen beruhen auf dem Prinzip der "Besten Absichten" und wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, dann muss und wird entsprechend reagiert. Aktuell gibt es Studien aus Island und Dänemark, die darauf hindeuten dass Kinder sich zwar mit Covid-19 infizieren, aber nicht aktiv zur Übertragung der Krankheit beitragen. Das ist bislang nur eine phänomenologische Erkenntnis ohne wissenschaftlichen Nachweis ob oder wieso das wirklich so ist. Deshalb können nicht sofort alle Maßnahmen über Bord geworfen werden, aber man kann dieser Erkenntnis gezielt nachgehen und dann im nächsten Schritt die möglichen Konsequenzen daraus ziehen umd umsetzten.