...interessantes interview!
Nicht im Soll, aber wir brauchen weiter Vertrauen und Geduld Tusem startet am Sonntag gegen Gummersbach in die Rückrunde
Das letzte Spiel des Jahres, das erste der Bundesliga-Rückrunde, und für die Handballer des Tusem einmal mehr ein Trendmesser. Wenn die Essener am Sonntag (15 Uhr) in der Kölnarena gegen den Tabellensiebten VfL Gummersbach antreten, wollen sie den mehr als 14 000 Zuschauern und vor allem sich selbst beweisen, dass sie zurecht beanspruchen, eine Spitzenmannschaft zu sein. Vor dem Derby der Altmeister zog Essens Sportlicher Leiter HaDe Schmitz im Gespräch mit WAZ-Redakteur Rolf Hantel eine Halbzeitbilanz.
Schmitz:
WAZ: Die letzten Wochen liefen mit 4:8 Punkten und dem Aus im Europapokal gegen Barcelona wenig erbaulich für den Tusem. Beginnen wir dennoch mit den positiven Eindrücken. Was ist da haften geblieben?
Schmitz: Im Vergleich zum Vorjahr haben wir unsere Deckungsarbeit stark verbessert und mit den Spitzenmannschaften gleichgezogen. Das lässt sich an Zahlen belegen. Auch auf der Torhüter-Position gibt es nach der Verpflichtung von Jesper Larsson nicht mehr so krasse Ausfälle, wie wir sie in der vergangenen Saison erlebt haben. An der Defensive haben wir in der Vorbereitung besonders hart gearbeitet, das hat sich ausgezahlt.
WAZ: Ging diese Ausrichtung zu Lasten der offensiven Qualität? Das spieltechnische Niveau der Vorsaison, die Kreativität und Dynamik, hat der Tusem bisher nicht erreicht?
Schmitz: Das stimmt, aber dafür gibt es andere Gründe. Zum Beispiel hat Patrick Cazal noch nicht die Klasse gezeigt, die wir uns von ihm versprechen und die er zweifellos besitzt. Mit ihm und Mark Schmetz wollten wir die rechte Seite so stark machen wie die linke. Das haben wir so bisher nicht hinbekommen. Schmetz auf Außen ist zweifelsohne ein Aktivposten, aber Cazal hat im Vergleich zu seinem Vorgänger Volker Michel noch keine Steigerung bewirkt.
WAZ: Woran liegt das?
Dieses Symptom ist schon bei vielen Spielern aus dem Ausland aufgetreten. Torhüter Peter Gentzel beispielsweise wurde bei seiner ersten Bundesliga-Saison in Nordhorn anfangs als Fehleinkauf kritisiert, nun ist er der überragende Mann. Wir können Patrick wirklich nichts vorwerfen. Er trainiert gut, ist engagiert und fleißig, mitunter sogar zu selbstkritisch. Manchmal wäre es vielleicht besser, er hätte eine etwas andere Mentalität und ginge unbeschwerter an die Sache heran.
WAZ: Seine Nebenleute können ihm derzeit anscheinend auch nur bedingt weiter helfen.
Schmitz: Auf Außen, am Kreis und bei Oleg Velyky stimmt die Leistung. Dagegen hatte Patti Johannesson, der denken und lenken soll, erst Probleme mit Verletzungen und dann mit sich selbst. Viktor Szilagyi schleppt sich permanent mit Schmerzen an der Ferse durchs Spiel. Von beiden kommt aber sicherlich noch zu wenig.
WAZ: Überhaupt ist der Tusem insgesamt seinen Ansprüchen noch nicht gerecht geworden.
Schmitz: Das ist richtig. Wir liegen vier bis sechs Punkte hinter dem Soll und können bei unserer Qualität und den Ansprüchen nicht einfach nur sagen, so ein Ausrutscher kann ja mal passieren. Für das Unentschieden zu Hause gegen Großwallstadt, die Niederlage in Göppingen oder die erste Halbzeit in Wallau gibt es keine Entschuldigung.
WAZ: Wie groß wird der Druck, wenn der Tusem auch am Sonntag in Gummersbach verliert?
Schmitz:
Dass der Druck steigt, ist doch völlig normal. Trotzdem brauchen wir Vertrauen und Geduld, auch wenn es manchmal schwer fällt. Alle , Sportlicher Leiter, Trainer und Spieler, müssen sich ständig fragen, ob sie alles richtig machen. Aber es ist ja nicht so, als sei der Tusem das gelobte Land. Die sechs, sieben Klubs an der Spitze sind alle hervorragend besetzt, die meisten spielen allerdings schon länger zusammen als wir. In den letzten zwei Jahren jedenfalls wurde hier gut gearbeitet, und ich sehe eine positive Entwicklung, die momentan möglicherweise eine kleine Delle hat, aber hundertprozentig Früchte tragen wird.
27.12.2002 WAZ-Interview mit HaDe Schmitz, Sportlicher Leiter des Tusem