So ist es. Preiß' Nationalmannschaftskarriere bekann 2002, ein Jahr nachdem er in Kiel seine BL-Premiere feierte. Brands Argument, man habe ihm keinen einzigen Nationalspieler hervorgebracht, ist also schlicht gelogen. Preiß hätte auch noch sehr viel länger in Kiel spielen können, wenn er der Herausforderung Ahlm nicht aus dem Weg gegangen wäre. Man hat seinen Weggang hier unisono sehr bedauert. Ob sich seine Leistungskurve bei einem Verbleib anders entwickelt hätte, wird man nie erfahren.
Preiß ist für mich das Paradebeispiel, weshalb ich Brands Argumentation nicht verstehe.
Er kam als 20-Jähriger aus der 2. Liga, hatte einen ehemaligen Weltklasse-Kreisläufer als Trainer und konnte von Petersen,Wislander und Ahlm lernen. In der Übergangssaison 02/03 (Magnus war weg, Marcus noch nicht da) war er mit 21 Jahren die Nr. 1 am Kreis des THW.
Als er danach klar im Schatten von Ahlm stand (es aber trotzdem in seiner Abgangssaison 04/05 auf 120 Tore in 47 Spielen brachte), riet ihm der Bundestrainer - zumindest indirekt - zum Vereinswechsel (Preiß:" Bundestrainer Heiner Brand hat ja gesagt, dass er darauf achtet, ob seine Spieler in den Vereinen Praxis sammeln. Für mich ist die Nationalmannschaft ein großes Ziel.", KN 28.10.04).
Und jetzt meckert er den THW an, Alfred hätte Pekeler doch (sinngemäß) bitte nachts aus der Disco zerren sollen und: "Der kann doch zweiter Mann hinter Marcus Ahlm sein, was heißt, dass er vielleicht nur fünf Minuten spielt, aber da lernt er richtig was."
Also was denn nun? Ist es besser, wenn Talente bei "den Großen" mittrainieren, aber naturgemäß weniger Spielanteile bekommen, weil sie die "Weltbesten" vor der Nase haben oder ist es besser, viel Spielpraxis bei einem "Mittelfeld-Club" zu sammeln? Ich finde die Aussagen des BT sehr widersprüchlich.
Noch ein Zitat in Zusammenhang mit dem Abgang von Preiß in Kiel, das wie ich finde den Interessenkonflikt zwischen Erfolgsdruck und Nachwuchsförderung beschreibt:
Zitat
Geht es nach seinem Trainer Noka Serdarusic, dann ist ein Rentenvertrag in Kiel die richtige Lösung. "Von mir aus kann er hier zehn Jahre bleiben. Ich kann ihn super gebrauchen."Preiß hätte zuletzt einen Schritt nach vorne gemacht und wäre im Angriff schon "sehr nahe" an Ahlm dran. "In der Abwehr fehlt ihm noch die Cleverness."
Für Noka Serdarusic ist aber klar, dass es keine Bonus-Minuten geben wird. "Ich arbeite für den THW und nicht für Heiner Brand." Gerade in den wichtigen Spielen müsse er auf Ahlm setzen. "Der ist eine Nummer größer und klar ist auch, dass in Kiel nur der Sieg zählt. Auch für die Zuschauer." Vor drei Jahren kam Preiß vom Zweitligisten HG Erlangen (Serdarusic: "Die hatten Regionalliga-Niveau") und mauserte sich zu einem wichtigen Baustein in den Plänen des THW-Trainers. "Ich will Meister werden und die Champions League gewinnen. Dafür brauche ich aber 15 gute Leute." Einer davon soll Sebastian Preiß sein. Vorausgesetzt, er kann so lange warten.
(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 22.10.2004)
Ich behaupte mal, schlechter als in Lemgo hätte er sich in Kiel nicht entwickelt ...