Ich halte überhaupt nichts von irgendwelchen Wettbewerbseingriffen, um künstlich „Spannung“ zu erzeugen.
Für mich ist die Grundsatzfrage: Geht es um sportlichen Wettbewerb oder geht es um Show, um Event, um Zirkus?
Meiner Meinung nach gehört es zum Sport dazu, dass einzelne Sportler/Mannschaften mal eine Zeitlang ihre Sportart dominieren, wenn sie Ausnahmetalente sind oder wenn einfach professioneller gearbeitet wird als bei den Kontrahenten. Als ich begann, mich für Handball zu interessieren, war Gummersbach das Maß aller Dinge, dann kam die Ära von Großwallstadt, später war Essen dominant. Heute ist es Kiel, vielleicht ist es in ein paar Jahren Berlin oder Stuttgart. Wo ist das Problem? Ich habe größten Respekt vor solchen außergewöhnlichen Leistungen und finde, man sollte „Überfliegerteams“ Anerkennung zollen und sich an ihnen erfreuen. Mir waren jedenfalls Gummersbach und Großwallstadt als Jugendhandballer Vorbild. Ihre Überlegenheit hat mich nicht vom Handball abgeschreckt, sondern mich für den Handball begeistert. Dort spielten die Leute, denen meine Mitspieler und ich nachgeeifert haben.
Zum Spielmodus: Ich bin klar für die Beibehaltung eines normalen Ligabetriebes, bei dem am Ende die Mannschaft mit den meisten Punkten Meister wird und die Teams mit den wenigsten Punkten absteigen. Das ist vielleicht nicht immer spannend, aber dafür die gerechteste Lösung, da die Leistung der gesamten Saison in das Ergebnis eingeht. Eine Niederlage am 2. Spieltag zählt genauso wie eine am 34. Spieltag. Bei Play-Offs, Final4s oder Endspielen spielen Tagesform, Losglück oder kurzfristiges Verletzungspech eine viel größere Rolle. Als die Play-Offs ausprobiert wurden, hatten akute Verletzungssorgen TUSEM Essen einen eigentlich hochverdienten Meistertitel gekostet. Mir ist sportliche Gerechtigkeit viel wichtiger als künstlich erzeugte Spannung. K.O.-System und Final4 haben wir doch in Pokal und in Europapokal/CL.
Über die Größe der Liga kann man sicher streiten, aber jede Reduzierung kostet natürlich auch potentielle Arbeitsplätze für Nachwuchskräfte in der 1. Bundesliga. Bei einer 16er Liga fallen ja nicht nur 2 komplette Kader raus, es fehlen jedem verbleibenden Team auch die (Zuschauer- und Sponsoren-)Einnahmen aus zwei Heimspielen. Der ein oder andere Verein wird dies womöglich mit der Verkleinerung des Kaders kompensieren müssen? Ist das im Sinne des Handballsports in Deutschland?
Ach so, noch zum Thema „Langeweile durch die Überlegenheit des THW“: Warum zieht eigentlich der THW auswärts mit Abstand die meisten Zuschauer? Warum ist an vielen Standorten immer „Zahltag“, wenn der THW, der die Liga doch so langweilig macht, zu Gast ist? Kommen die Zuschauer dann besonders zahlreich, weil sie sich ein spannendes Spiel erhoffen?