»Yoon würde uns gut zu Gesicht stehen«
Der Boss der HSV-Handballer über Neuzugänge, Abgänge, Finanzspritzen und Spaß am Job
DIRK HOFFMANN
Heute ist ab 16 Uhr die große Lagebesprechung des HSV-Präsidiums samt Aufsichtsratsboss Michael Grollmann. Thema: die Planung der neuen Saison. Im MOPO-Interview sagt Boss Andreas Rudolph schon jetzt, wie alles laufen soll. Die Spesen für die große Lagebesprechung kann man sich also sparen.
MOPO: Wie hoch wird der Etat für die Spielzeit 2006/2007 und wie lautet das sportliche Ziel?
Rudolph: Wir wollen um die Champions-League-Plätze mitspielen. Mal sehen, ob's für den EHF-Cup reicht. Der Etat beträgt 4,5 Millionen Euro. Drei Millionen durch Sponsoreneinnahmen, eine Million durch die Zuschauer, 500000 durch den Goldclub (kleinere Sponsoren, d. Red). Zwei Millionen Sponsorengelder sind sicher, 300000 Euro durch den Goldclub ebenso. Mindestens 1,2 Mio. fehlen also noch.
MOPO: Sie werden bis Saisonende 3,3 Millionen Euro aus eigener Tasche in den Klub gesteckt haben. Wie viel wird es für die neue Saison sein?
Rudolph: Laut Planung null Cent (aber leider 1,2 Mio. EURO). Aber ich stehe dafür gerade, wenn wir den Etat so nicht zusammenbekommen. Finanzielle Unregelmäßigkeiten wird es nach wie vor nicht geben. Ich bin aber nicht in der Lage, den HSV langfristig finanziell zu unterstützen wie zuletzt. Sch..ß teures Hobby !
MOPO: Nach einer internen Liste sollen die Spieler Roman Pungartnik, Thomas Knorr, Branko Kokir, Matze Karbowski, Henning Wiechers und Sebastian Opderbeck nächste Saison nicht mehr für den HSV spielen. Obwohl bis auf Karbowski und Opderbeck alle Vertrag bis 2007 haben. Wissen die Spieler schon Bescheid?
Rudolph: Das ist die Sache von Christian Fitzek und Martin Schwalb, die 4 Spieler mit laufenden Verträgen rauszumobben. Wir legen ihnen nahe, sich "zu verändern" und niemandem Steine in den Weg, wenn sie den Vertrag mit uns auflösen wollen. Spieler dieses gehobene Niveaus können ja nicht zufrieden sein, wenn sie dauerhaft auf Bank oder Tribüne sitzen.
MOPO: Der HSV verhandelt mit Gummersbachs Super-Torjäger Kyung-Shin Yoon. Dürfen sich die Fans schon auf den Südkoreaner freuen?
Rudolph: Er ist ein Weltklassespieler, der uns zu Gesicht stehen würde. Den wir nur leider auch nicht kriegen.
MOPO: Nachdem Johannes Bitter erst für 2007 ein Thema ist und Henning Fritz Kiel nicht verlassen darf, verhandelt der Klub mit zwei anderen Torhütern. Darunter Per Sandström von IK Sävehof ...
Rudolph: Wir stehen mit zwei Torhütern in engen Verhandlungen, das ist richtig. Den Namen Sandström kann ich weder bestätigen noch dementieren. Er hat uns doch schon im letzten Jahr einen Korb gegeben.
MOPO: In welcher Halle wird 2006/ 2007 gespielt?
Rudolph: In der Color Line Arena, auch wenn es Diskussionen über einen Umzug nach Alsterdorf gab. Aber das ist nun wirklich die Ultima Ratio. Kleinere Brötchen ? Ich doch nicht !
MOPO: Im März setzen Sie sich mit Christian Fitzek zusammen, sprechen über seine Zukunft. Wie schätzen Sie die Arbeit des Sportchefs ein?
Rudolph: Ich freue mich nach wie vor, dass er für uns tätig ist und andere Mitarbeiter entlastet. Kopieren, Kaffeekochen, Tasche tragen, Auto waschen, ohne Fitzek läuft bei uns nix. Wir arbeiten an profesionellen Strukturen, dazu gehört auch ein Sportlicher Leiter.
MOPO: In der Öffentlichkeit ist es zwar ruhiger um Dierk Schmäschke geworden, aber er hat bis heute nicht einen großen Sponsor gebracht. Und das komplette Präsidium ist entsetzt über seine Arbeit. Wie sieht es mit seiner Zukunft aus?
Rudolph: Er ist der Einzige im Verein, der über ein Netzwerk an Kontakten im Handball verfügt, uns so enorm hilft. Er ist durch niemanden zu ersetzen. Schmäschke ist der einzige, der das Faxgerät bedienen kann und die Nummer von Bohmann kennt. Ich kann mir aber vorstellen, dass er seinen Posten räumt und bezahltes Präsidiumsmitglied wird.
MOPO: Andreas Rastner war als Marketing-Mann im Gespräch, Mannhard Bech macht den Job schon. Wie gehts mit ihnen weiter?
Rudolph: Andi Rastner wird keine offizielle Funktion übernehmen. Die Arbeit von Herrn Bech kann ich nicht beurteilen. Wer ist das und wer hat mir den bloß reingedrückt ?
MOPO: Sind Sie mit der Arbeit von Trainer Martin Schwalb zufrieden?
Rudolph: Sehr! Er ist ein Glücksfall für den Verein, identifiziert sich wahnsinnig mit dem Projekt HSV und die Spieler haben eine hohe Meinung von ihm. Auch ihm tanzt der Sauhaufen auf dem Kopf herum.
MOPO: Haben Sie trotz aller Probleme noch Spaß als HSV-Boss?
Rudolph: Ja, aber ich habe zu wenig Zeit, das auszuleben. Lange tue ich mir das nicht mehr an.
(MOPO vom 09.02.2006 / SEITE 28)