Harte Welle
Straffes Management machte den THW Kiel endlich zum Deutschen Meister.
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Der Ersatzbefriedigung hatten sich die Kieler über Jahre mit Hingabe als "geschlossene Gesellschaft" (Tageszeitung) gewidmet. Gut 6000 der 7000 Plätze sind in der Hand von Dauerkarteninhabern, was dem Klub ein in der Liga sonst unerreichtes Jahresbudget von drei Millionen Mark ermöglicht. Doch mehr als zweite Plätze sprangen lange Jahre nicht heraus.
Jetzt klappte es, weil zwei ehemalige THW-Spieler ihre Erfahrungen nutzten: Serdarusic als Trainer und Uwe Schwenker, 35, als Manager der vor zwei Jahren gegründeten THW Kiel GmbH & Co. KG, die die Profis bezahlt. In der GmbH ist versammelt, wer in Kiel den Ton angibt, vom Autohändler bis zum Lebensmittelkonzern. Im "Förderkreis Zebra 2000" finden sich die kleineren Gönner, Handwerker oder Gastwirte.
Schwenker, der einst als mäßig erfolgreicher Nationalspieler die "etwas verweichlichte" Kieler Überflußgesellschaft genoß, hat Verein und Spielern Ellenbogenmentalität eingeimpft. Wer international bestehen wolle, sagt der Betriebswirt, "muß auf robuste Profis bauen können".
Serdarusic, der in seiner aktiven Zeit festgestellt hatte, daß "in Kiel immer weniger trainiert wurde als in anderen Vereinen", erhöhte die Zahl der Übungseinheiten von fünf auf sieben pro Woche. Und alle respektieren, wie Regisseur Magnus Wislander oder Neueinkauf Klaus-Dieter Petersen, die harte Welle. Abwehrspezialist Petersen folgt der Order des Coaches nach robustem Körpereinsatz am Kreis - tapfer ohne Knieschoner.
Während bis vor zwei Jahren jeder Profi vor Konkurrenz gefeit war, solange ihm von den Kieler Nachrichten gute Noten erteilt wurden, bekam nach der Wende sogar Startorwart Michael Krieter das neue Management zu spüren: Bis zur GmbH-Gründung vermarktete er den THW - der damalige Manager Heinz Jacobsen hatte ihm die Pfründe zugeschoben. Als Schwenker, um die hohen Provisionen zu sparen, Krieter die Zusatzeinnahmen ebenso verweigerte wie einen Dreijahresvertrag, drohte der Torhüter mit einem Vereinswechsel.
Der Manager blieb gelassen. Da Krieter beruflich eng mit der Kieler Geschäftswelt verwoben ist, kam nur ein Wechsel zum nahen VfL Bad Schwartau in Frage. Diesen vereitelte Schwenker mit einem Anruf bei der Konkurrenz: "Danach haben sie verzichtet."
Für die Zukunft wird mit weiteren Traditionen gebrochen: Mit Henrik Ochel von der SG Hameln wird erstmals ein Spieler aus einem noch laufenden Vertrag herausgekauft. Damit gilt Kiel nun auch für "Leute, die schon etwas können" (Serdarusic), als erste Adresse.
Auch für einen wie den hemdsärmeligen Ex-Manager Jacobsen, der Andersdenkende schon mal öffentlich als "Kanalratten" beschimpft, ist kein Platz mehr. Der mit reichlich Freizeit ausgestattete Bundeswehrangestellte paßt nur noch als ehrenamtliches Fossil in die neue Corporate Identity des Vereins.
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