Volker Mudrow im Interview
Nach viereinhalb Jahren Spitzenhandball, einem deutschen Meistertitel im Jahre 2003 und dem vorzeitigen Abschied hatte Volker Mudrow das Thema Lemgo abgehakt. Dass er allerdings so rasch wieder in der Liga auftauchen würde, damit hatte selbst er nicht gerechnet. Jetzt trainiert der 37-jährige Ex-Nationalspieler die HSG Wetzlar. Und hat noch zwei Spiele, um die Hessen vor dem Abstieg zu retten. Wie er das machen will und was den Reiz des Abstiegskampfes ausmacht, verriet er HBL-Mitarbeiter Arnulf Beckmann in einem Gespräch.
Frage: Am Samstag reisen Sie mit Ihrem Team zum Wilhelmshavener HV. Knüpfen Sie die Hoffnung auf einen Auswärtssieg auch daran, dass es für den WHV eigentlich um nichts mehr geht?
Volker Mudrow: "Unabhängig davon müssen wir gewinnen, wenn wir uns die Chance auf den Klassenverbleib bewahren wollen. Die Situation des WHV ist uns dabei völlig egal. Unsere eigene Situation ist das einzige, was wichtig ist. Und die ist schon ernst genug."
Frage: Wie groß sind denn die Chancen der HSG auf den direkten Klassenverbleib?
Volker Mudrow: "Vieles hängt eben von jenem Spiel in Wilhelmshaven ab, da wir am letzten Spieltag daheim gegen den SC Magdeburg spielen. Und für den könnte es noch um die Qualifikation zur Champions League gehen."
Frage: Sie haben die Mannschaft im Februar übernommen, als sie bereits in einer prekären Lage steckte. Was kann man dann überhaupt noch bewegen?
Volker Mudrow: "Grundsätzlich geht es darum, auch das Letzte aus der Mannschaft herauszuholen. Ich habe hier einige Dinge optimiert. Aber um richtig etwas zu bewegen, braucht man natürlich Zeit. Die Mannschaft musste mich kennen lernen und ich musste die Mannschaft kennen lernen. Deshalb ist eine gemeinsame Vorbereitung auf die Saison so wichtig. Der Abstiegskampf ist natürlich eine besondere Situation. Ich finde das aber sehr interessant."
Frage: Als langjähriger Trainer des TBV Lemgo ist Ihnen der Abstiegskampf fremd. Wie kamen die Verantwortlichen der HSG dennoch auf Sie?
Volker Mudrow: "Das müssten Sie Rainer Dotzauer fragen. Der hat sich mehrfach sehr um mich bemüht."
Frage: Mehrfach?
Volker Mudrow: "Ein oder zweimal habe ich ihm abgesagt, weil ich den Plan hatte, zunächst bis zum Sommer zu pausieren. Aber dann habe ich den Reiz des Abstiegskampfes für mich entdeckt und zugesagt."
Frage: Macht die Arbeit dennoch Spaß?
Volker Mudrow: "Sehr viel sogar. Unser Ziel ist klar umrissen und dafür müssen wir alles investieren. Das Team zieht großartig mit, sodass ich durchaus Fortschritte erkenne. Das alles zusammen macht den Spaß an der Arbeit aus. Sicher ist das anders als in Lemgo, aber was im Leben ist schon gleich."
Frage: Und wenn es am Ende doch nur Platz 16 wird?
Volker Mudrow: "Dann wird die Saison für uns eben ein wenig länger dauern, aber wir hätten noch immer die Chance auf den Klassenverbleib. Wir hätten dann aber auf jeden Fall den direkten Abstieg vermieden, der bei zwei Niederlagen der HSG und bei zwei Erfolgen des TuS N-Lübbecke auch noch auf uns zukommen könnte."
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann.