Tarp / pm
„Das ist die Situation, die ich im Spiel am meisten fürchte“, so umschreibt der Jugendwart der HSG Tarp-Wanderup und Betreuer einer Jugendmannschaft seine Gefühlslage. Er erklärt die Situation, wenn bei einem schnellen Gegenangriff Torwart und Angriffsspieler zusammen prallen. Ab 1. Januar werden bei allen Jugendmannschaften der HSG die Torleute in einer freiwilligen Aktion ihren Torraum nicht mehr verlassen, wenn der Ball beim Gegner ist.
Genau diese Situation mit Zusammenprall und Verletzung hat sich beim letzten Spiel seiner Mannschaft ereignet. „Unsere Mannschaft verwarf den Ball, der gegnerische Torwart passte zum Gegenstoß laufenden Mitspieler. Dieser schaute zurück zum Ball und prallte auf den Torwart. Beide Spieler verletzten sich“, erinnert sich Olaf Worm mit Grauen.
Nun kam der arme Schiedsrichter ins Spiel: Der eine Betreuer forderte die Rote Karte, eine Disqualifikation also, für den Torwart, weil dieser den Gegenspieler ja kommen sah und ausweichen konnte. Der andere Trainer forderte einen Freiwurf für seinen Torwart, weil es sich hier um ein Stürmerfoul gehandelt habe. Keine Situation ist so knifflig zu bewerten, zu entscheiden und so verletzungsgefährlich wie diese.
Die Regel beim Handballspiel besagt, dass derjenige, der seinen Platz eingenommen hat, im Recht ist. Also steht der Torwart und der Gegenspieler rennt gegen ihn, ist auf Stürmerfoul zu entscheiden. Bewegt sich der Torwart zum Ball, um diesen ab zu fangen, und prallt dann mit dem Gegenspieler zusammen, wird die Sache schwierig. „Das interessiert uns alles nicht, wenn sich die Spieler schwer verletzen“, so die Betreuer und Trainer der HSG Tarp-Wanderup.
Sie werden ab 1. Januar freiwillig darauf verzichten, dass der Torwart den Torraum verlässt, wenn der Gegner im Ballbesitz ist. „Wir wollen damit unsere und die gegnerischen Spieler schützen“, so Olaf Worm. Den Stein ins rollen brachte der Regionalligaschiedsrichter Björn Schmidt. „Ich erinnere mich noch an ein Spiel des THW Kiel in der Kölnarena. Dort stieß der Spieler Johann Pettersson mit dem gegnerischen Torwart zusammen, verschluckte die Zunge“. Glücklicherweise war ein Arzt vor Ort, so dass Pettersson überlebte.
Auch der hauptamtliche Sportlehrer mit sehr langer Trainererfahrung im Handballbereich Jürgen Bauer wird seine Jugendmannschaften anweisen, entsprechend zu spielen. Der Traum aller 14 HSG-Jugendteams wäre, wenn sich auch andere Vereine diesem Vorgehen anschließen. Zu Jahresbeginn soll ein Antrag über den Kreishandballverband, den Landesverband und weiter gestellt werden, dass diese Regel 5 weltweit in diesem Sinne verändert wird. Das Problem „siebter Spieler“, hier wird der Torwart durch einen Spieler ersetzt, lässt sich lösen, indem der Torwart den Torraum nur verlassen darf, wenn die eigene Mannschaft in Ballbesitz ist. Verliert die Mannschaft den Ball, darf sich der Torwart nur noch rückwärts zum eigenen Tor hin bewegen.
Quelle: Peter Mai http://www.shz.de