Valerij Gopin gerät in die Kritik
(mab/tbr) Den Eintracht-Handballern steht eine unruhige Woche ins Haus. Die Niederlage in Balingen im Kopf und das Kellerduell gegen Minden vor der Brust – das zehrt an den Nerven. Der Druck wird auch für Trainer Valerij Gopin größer, denn einige Personalentscheidungen des Russen werfen zumindest Fragen auf.
Geht es gegen Minden schon um seine Zukunft? „Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren“, sagt Manager Gerald Oberbeck. „Der Verein steht hinter Gopin.“ Er sagt aber auch: „Nach dem Minden-Spiel ziehen wir eine erste Bilanz. Dann kommt alles auf den Prüfstand.“ Und wenn es schief geht gegen Minden? „Dann müssen wir sicherlich einige Dinge hinterfragen“, erklärt Oberbeck. In Balingen führte neben fehlendem Glück vor allem eine Reihe von individuellen Fehlern im Hildesheimer Team zur 23:24-Niederlage.
Auffällig war, dass Sven-Sören Christophersen – eigentlich auf der anderen Seite oder in der Mitte zu Hause – sich zwar mühte auf halbrechts, letztlich aber auf dieser Position nicht viel zu Stande brachte. Trainer Gopin hatte bis zur Halbzeit an seiner Aufstellung festgehalten, abgesehen von dem doppelten Wechsel Abwehr/Angriff (Gorpishin und Pauzuolis gegen Nikolov und Kasmauskas) hatte es keinerlei Wechsel gegeben in den ersten 30 Minuten. Insbesondere auf der halbrechten Position verwunderte dies um so mehr, als mit Michael Thiede ein Linkshänder einsatzbereit auf der Bank schmorte.
Jürgen Weber hatte der Trainer gleich zu Hause gelassen. Mit Beginn der zweiten Hälfte stellte Gopin Robertas Pauzuolis auf halbrechts, verzichtete auch bis zum Ende der Partie auf einen Linkshänder im Rückraum. Offenbar traut der Coach dem jungen Shooter wenig zu, denn das, was Pauzuolis im Angriff ablieferte, half dem Team keineswegs.
Deutlich war zu sehen, dass der Litauer von seiner ursprünglichen Gefährlichkeit noch meilenweit entfernt ist und bei weitem keine erstligareife Torgefährlichkeit entfaltet. Sven-Sören Christophersen spielte in der Angriffsmitte und wurde zusehends stärker. Er spielte eine gute zweite Hälfte, fühlte sich sichtlich wohler auf dieser Position. Am Kreis kam jetzt Oliver Tesch zum Einsatz, wie Pierre Limberg in der ersten Hälfte zeigte auch Tesch viel Einsatz und Torgefährlichkeit. In der 38. Minute kam Otto Fetser auf Rechtsaußen für René Boese. Aber Fetser wusste genauso wenig zu überzeugen wie sein Vorgänger.
Festzustellen bleibt aber, dass das Potential der Eintracht-Mannschaft zur Zeit nicht voll ausgeschöpft erscheint. So bleiben einige Fragen offen: Warum spielt das Team 60 Minuten ohne Linkshänder im Rückraum? Sicher ist Michael Thiede ein junger Spieler ohne Erstligaerfahrung, der aus der Regionalliga gekommene Linkshänder hat aber in der Vorbereitung und auch in seinen bisherigen Einsätzen durchaus gezeigt, dass er sich auch in der ersten Liga entwickeln kann. Als Zuschauer auf der Bank dürfte dies allerdings kaum gelingen.
Kein Tor erzielte die Mannschaft von halbrechts, zumindest eine zwischenzeitliche Einwechslung des Linkshänders wäre als Alternative in Frage gekommen, zumal sich die gute Balinger Abwehr dann abrupt auf einen Linkshänder hätte einstellen müssen und Christophersen zumindest temporär in die Mitte hätte rücken können.
Gopin hatte seinen zweiten Halbrechten Jürgen Weber nicht in den Kader genommen, dafür aber Linksaußen Dennis Mathews mit auf die Bank gesetzt, wo er ebenfalls 60 Minuten sitzen bleiben musste. Weil auch der verletzte Mike Hairston nicht mitwirken konnte, spielte Eintracht also über 60 Minuten ohne etatmäßigen rechten Rückraumspieler. Sven-Sören Christophersen ist in der Angriffsmitte oder auf halblinks wesentlich wertvoller als auf halbrechts, das wurde in den letzten Wochen mehr als deutlich. Mit Pierre Limberg und Oliver Tesch hat Eintracht zwei starke Kreisläufer, die auch in der Abwehr auf der Halbposition eine wichtige Rolle spielen und sehr stark gefordert sind. Auch am Freitag gehörten beide zu den Leistungsträgern. Bleibt die Frage, warum der Wechsel hier halbzeitweise erfolgt. In Tübingen war bei Pierre Limberg nach einer Viertelstunde Volldampf hinten und vorne zu merken, dass die Spritzigkeit etwas nachließ, ein kürzerer Wechselintervall hätte dieses kompensieren können. Bleibt auch die Frage, warum nicht zumindest zeitweise Lakenmacher in die Regisseurrolle wechselt, auch dies – in der letzten Saison erfolgreich praktiziert – würde die gegnerische Abwehr vor neue Aufgaben stellen.
Christophersen, Nikolov und Lakenmacher sind unterschiedliche Spielertypen, die allesamt als Spielmacher eingesetzt werden können. Je nach Gegner und seiner Abwehrvariante gibt es unterschiedliche Ansätze. Die Option Lakenmacher als Regisseur ist in dieser Serie noch gar nicht zum Zuge gekommen. Bis Freitag hat Valerij Gopin nun Zeit, seine Mannschaft auf das Spiel gegen GWD Minden einzustellen.