ZitatAlles anzeigen„Der Zeitpunkt ist gekommen“
INTERVIEW
Balingen, 19.05.2008Nationalspieler Martin Strobel hat sein – vorerst – letztes Spiel für den HBW bestritten. In der nächsten Saison streift sich der 21-Jährige das Trikot des TBV Lemgo über. Fünf Jahre lang war Balingen die sportliche Heimat des jungen Mannes aus Hausen bei Rottweil. Der Aufstieg in die erste Bundesliga ist untrennbar mit seinem Namen verknüpft, anders herum hat er vom Aufschwung des HBW profitiert und es in die DHB-Auswahl geschafft. Im Gespräch mit dem ZOLLERN-ALB-KURIER lässt er die Saison Revue passieren.
Mit welchen Erwartungen sind Sie in die Saison gegangen und inwieweit haben sich diese erfüllt?
MARTIN STROBEL: Wir wollten natürlich den Klassenerhalt schaffen, was uns gelungen ist. Gegenüber der Vorsaison haben wir sogar mehr Punkte geholt, obwohl die Liga stärker war. Falls wir am Anfang nicht so großes Pech gehabt hätten, würden wir noch weiter vorne stehen. Wir waren gegen Magdeburg und Hamburg ganz nahe an einem Sieg dran. Leider hat das Quäntchen Glück gefehlt.
Wie erklären Sie sich die Leistungssteigerung gegenüber dem ersten Jahr in der stärksten Liga der Welt?
STROBEL: Wir wussten genau, dass es noch schwieriger wird und haben uns darauf eingestellt. Die Vorbereitung ist sehr gut gelaufen und wir sind ohne Verletzte aus den Startlöchern gekommen. Im Laufe der Saison hat sich die gesamte Mannschaft entwickelt. Vor allem aber haben wir dem Druck Stand gehalten. Wir haben in Wilhelmshaven und in Großwallstadt ganz wichtige Auswärtspunkte geholt. Und dann kam das Highlight in Stuttgart gegen die Rhein-Neckar Löwen. Es war traumhaft vor dieser Kulisse zu spielen und zu gewinnen. Später haben wir trotz Verletzungsproblemen eine Miniserie mit drei Siegen hingelegt, darunter in Essen.
Anders als in der DHB-Auswahl haben Sie beim HBW nur selten in der Rückraummitte gespielt und mussten auf die Halbpositionen ausweichen. Hat Sie das gewurmt?STROBEL: Nein. Ich spiele da, wo mich der Trainer hinstellt. Klar, dass ich mich auf der Mittelposition wohler fühle, aber unser Ziel war es immer, die möglichst stärkste Mannschaft ins Spiel zu schicken. Weil ich variabel einsetzbar bin, habe ich daher auf verschiedenen Positionen gespielt. Da ist es egal, ob ich ein Tor werfe oder zehn. Denn nur der Erfolg zählt.
Sie hatten schon früher Angebote anderer Vereine. War es richtig noch eine Saison beim HBW zu bleiben?
STROBEL: Auf jeden Fall. Seit der HBW aufgestiegen ist, bekomme ich Einladungen zur Nationalmannschaft. Ich denke, dass ich im ersten Jahr in der ersten Liga eine sehr gute Runde gespielt habe. In dieser Saison ist es nicht ganz so gut gelaufen. Daran sieht man, dass ich dieses Jahr gebraucht habe. Ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen für einen Wechsel. Ich hoffe, noch einmal einen Schub zu bekommen.
Was werden Sie nach ihrem Wechsel nach Lemgo vermissen?
STROBEL: Eigentlich alles. Ich glaube, man findet selten eine Mannschaft, in der sich wirklich alle so gut verstehen. Hier sind Freundschaften entstanden, die ein Leben lang halten. Und dann unsere Fans: Als ich vor fünf Jahren hierher gekommen bin, haben wir in der Balinger Längenfeldhalle mit 800 Zuschauern begonnen, jetzt ist sogar die Porsche-Arena in Stuttgart voll. Unsere Fans begleiten uns überall hin. In Essen haben sie es sogar geschafft, aus dem Auswärts- ein Heimspiel zu machen. Was hier in dieser kurzen Zeit entstanden ist, ist einfach fantastisch.
Zollernalbkurier