Club-Handballerinnen schwanken zwischen Frust und Pflichtgefühl
Am Mittwoch Klarheit über Zukunft des FCN-Handball
NÜRNBERG - Frustriert, genervt, ausgelaugt: Die Handballerinnen des 1. FC Nürnberg haben nach dem verpassten Einzug in die Meister-Play-offs einige Tränen verdrückt, die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Platz sechs zum Abschluss der Bundesliga-Hauptrunde, das wäre in den vergangenen Jahren indiskutabel gewesen. Nach dem Aufstieg 2002 waren die Club-Frauen in der Bundesliga-Endabrechnung nie schlechter als Dritte.
«Es gab in dieser Saison bei uns zu viele schlechte Tage, die wir nicht kompensieren konnten», sagte Außenspielerin Katrin Engel der NZ. «Auf der Suche nach Gründen oder Schuldigen muss jede bei sich selbst anfangen und sich fragen, ob sie immer alles gegeben hat.»
Den Vier-Punkte-Abzug wegen Versäumnissen im Lizenzierungsverfahren zu Saisonbeginn will sie nicht gelten lassen; eher den zu kleinen Kader und die durch Überlastung entstandenen Konzentrationsmängel. «Wir haben’s nicht erst in Frankfurt verloren, sondern in vielen knapp verlorenen Spielen vorher, als wir nicht abgebrüht genug waren.» «Reine Kopfsache» sei das, meinte Trainer Csaba Szücs, der etwas ratlos wirkte. «Ich weiß auch nicht, warum.»
Nun, da sie ihren Titel nicht mehr verteidigen können, fällt es schwer, die richtige Einstellung zu den letzten Spielen zu finden, in denen es bestenfalls für Rang fünf reichen kann. Dieser Platz würde die Startberechtigung für den europäischen Challenge Cup bedeuten – ein Wettbewerb, der angesichts weiter Reisen, unattraktiver Gegner, aber hoher Kosten gemeinhin unbeliebt ist. «Gerade attraktiv ist der Challenge Cup wirklich nicht», gab FCN-Geschäftsführer Hanno Kolleth zu. Daher ist es fraglich, ob die Club-Frauen (und ihre Gegner) wirklich mit dem letzten Ernst in die Ausscheidungsspiele gehen werden. «Man ist es schon allein den Zuschauern und den Sponsoren schuldig, nochmal alles zu geben», betonte Kolleth.
«Wie stark man sich jetzt noch motivieren kann, das ist die Frage», gestand Engel. «Fast alle gehen weg, da ist es manchen jetzt vermutlich eh egal.» Sie selbst, die nach Leverkusen wechselt, will sich möglichst gut verabschieden. «Wenn ich könnte, würde ich spielen.» Doch die Österreicherin darf wegen einer schmerzhaften Überdehnung in der linken Schulter im nächsten Spiel am Samstag in Trier nicht auflaufen. Schon vor dem Leipzig-Spiel hatte sie sich die Verletzung zugezogen, die sie im Werfen behindert, und hatte das Heimspiel sowie die Partie in Frankfurt/Oder nur mit Spritzen überstanden. «Ich habe an die Schmerzen gedacht und war deshalb leider auf dem Platz nicht richtig anwesend», bedauerte sie.
Ein Motivationsschub für den Saison-Endspurt wäre eine gute Nachricht aus dem Umfeld. Am Mittwoch soll bereits vor dem am Abend geplanten Sponsorentreffen bekanntgegeben werden, wie die Zukunft des Vereins und der Mannschaft aussehen soll. «Entwarnung» gab Kolleth hinsichtlich weiterer Hiobsbotschaften.
Also wird vermutlich eine neue Sportliche Leitung – Kathrin Blacha und Sylvia Harlander? – vorgestellt und womöglich die Trainerfrage geklärt. «Man konnte mir bis jetzt kein Ja und kein Nein sagen», erklärte Szücs, der von den FCN-Verantwortlichen zuletzt im Ungewissen gelassen wurde. Für konkrete Aussagen über Spielerinnen – z. B. Stephanie Ofenböck – ist es wohl zu früh, weil nach wie vor der Etat und damit der Spielraum für Gehälter nicht feststeht.
Quelle: http://www.nz-online.de