Beiträge von 40plusX

    Die Final-Übertragung des ZDF hat mich eigentlich positiv überrascht. Sicherlich, ein paar Interviews mehr nach dem Spiel und Bilder von der Siegerehrung wären schon angemessen gewesen. Ansonsten fand ich, dass dies eine ordentlich Sportsendung war,

    Der Moderat der Halbfinals am Samstag hingegen war ja wirklich eine Katastrophe. Im ersten Spiel diese über deutliche Parteinahme für den HSV fand ich total daneben. Auch wenn die Sendung im NDR lief, solte man im Auge behalten, dass dies das deutsche Pokalfinale und entsprechend eine deutschlandweite Sendung war. Man stelle sich vor beim DFB Pokalendspiel in Berlin würde ein Moderater so klar für eine Mannschaft schwärmen. Ansonsten hat der Typ ja nur belanglose Sprüche („die wollen gewinnen“) drauf gehabt, kaum ein paar Zusatzinformationen insbesondere für Zuschauer, die die Handball Bundesliga weniger verfolgen. Der hatte wirklich erschreckend wenige Kenntnisse über die Mannschaften, geschweige denn das ihm die Spieler richtig bekannt waren. Aus dem 1:0 im zweiten Spiel macht er den 1:1 Ausgleich. Einen Führungstreffer von Karabatic schreibt er Lackovic, während Karabatic eine halbe Minute in Großaufnahme gezeigt wird. Also wenn einer der Spieler auf dem Parkett so eine dünne Nummer abgegeben hätte, wäre er sicher innerhalb von fünf Minuten ausgewechselt worden.

    Wow, war das eine Galavorstellung von den Zebras! Nach der WM wieder so Hochgenuss in der Köln-Arena. Wenn der THW so wie gestern spielt, erübrigen sich alle Umfragen zur Meisterschaft. Der schwerste Gegner, der bei diesem Minikader übrig bleibt, ist die Verletztungsmisere.

    Der HSV hat zwar das vermeintlich einfachste Restprogramm, aber das muss auch erstmal ohne Punktverlust zu Ende gebracht werden (was ich nicht glaube) und der THW hat diesen Bonuspunkt namens Torverhältnis. Auf jeden Fall bleibt es, selbst bei Kieler und Flensburger Siegen, auch nach dem nächsten Wochenende noch spannend. Der SCM, Lemgo und auch Kronau können jedem noch die Suppe versalzen.

    Sicher ist die Präsenz von Handball in den Medien schon gestiegen. Und ich muss eingestehen, dass mein Interesse durch DSF und Eurosport sowie den bekannten Websites schon gart nicht schlecht bedient wird.

    Sicher ist Handball auch nicht Fußball und auch keine andere Sportart wird in absehbarer Zeit, diesen Stellenwert in Deutschland erreichen. Dennoch sind für mein Empfinden die Relationen in einer totalen Schieflage.

    Wenn ich mir das Sportprogramm der meisten TV-Sender anschauen, durch der Sportteile der großen Zeitungen blättere oder auch die großen deutschen Nachrichtenportale anschaue, habe ich den Eindruck, dass die meisten Sportredaktion fanatisch fixiert auf ein halbes Dutzend Sportarten starren, um dann aus jedem Furz, der dort gelassen wird, ein sensationelles Event zu machen. Zuerst gibt es Fußball, dann noch dreimal Fußball, zur Zeit dann Wintersport, natürlich gern auch Formel 1, etwas Tennis, etwas vom Doping bei den Radfahrer und dann noch etwas Dirk Nowitzki. Ist ja auch OK, dass darüber berichtet wird und es ist auch OK, dass mehr als über andere Sportereignisse berichtet wird. Aber dass hiermit womöglich 90 Prozent oder mehr der Sportberichterstattung gefüllt werden, finde ich – vorsichtig formuliert – sehr seltsam.

    Wenn vier deutsche Handball-Teams im Europokal Halbfinale stehen, ist das eine Leistung, die toll ist und die man in der deutschen Medienlandschaft schon würdigen kann und sollte und insbesonder bei Sportschlagzeilen vor dem Ergebnis der Partie Rostock gegen Burgshausen stehen könnte. Was sich hier am Beispiel Handball festmacht, kann man natürlich bei anderen Sportarten genauso beobachten. Da gewinnen deutsche Triathleten in Hawaii oder die europäischen Meisterschaften, was doch nur wirklich eine sportliche Leistung ist, die sicherlich nicht der Leistung eines 2. Ligakickers hinterher steht und trotzdem findet so etwas kaum Beachtung.

    Mir ist klar, dass es keine Gleichmacherei geben kann und ich halte das auch nicht für erstrebenswert. Aber wenn sich schon die privaten Medien, auf die Sportarten konzentrieren, die vermeintlich Quote bzw. Auflage bringen, so würde ich wenigstens von den gebührenfinanzierten Sendern erwarten, dass sie mit ihrem Medienangebot gerade auch die Sportler deutlich unterstützen, die beachtenswerte Leistungen bringen, ohne an einen Ball zu treten. Darüber hinaus hat ja gerade die Handball-WM gezeigt, dass Erfolg auch breiteres Interesse nach sich zieht.

    Vor vier Wochen wurde Deutschland Weltmeister und Dank des Titels war Handball tatsächlich einmal ganz oben bei den Sportnachrichten platziert. Zwei Tage bejubelten die Sportredaktionen die neu gefundenen Helden. Und viele der Journalisten, insbesondere bei den öffentlich rechtlichen Sendern, die vor der WM das Ereignis eher stiefmütterlich, da nicht Quoten geeignet, behandelten, mahnten die Handballzunft an, die gewonnene Popularität für neuen Schwung zu nutzen.

    Am letzten Wochenende haben die deutschen Mannschaften sich gute Ausgangspositionen für die Viertelfinalrückspiele in den europäischen Wettbewerben erkämpft. Gestern hat der deutsche Meister THW Kiel das Champions League Halbfinale bereits erreicht. Nach dem kommenden Wochenende werden womöglich fünf deutsche Mannschaften im Halbfinale der europäischen Pokalwettbewerbe stehen. Erneut kündigt sich eine Erfolgsbilanz an, von der die deutsche Fußballlandschaft nur träumen kann.

    Im Prinzip also eine Situation, bei der man erwarten würde, dass eine Sportart, die hierzulande sehr erfolgreich ist, die über Tradition verfügt und auch im Amateurbereich über eine ordentliche Breite an Aktiven verfügt, in der Medienlandschaft eine sichtbare Resonanz findet.

    Doch beim Durchstöbern von Print- und Online-Medien stoße auf ganz andere sportliche Highlights der Woche. Ich lese einen seitenlangen Bericht, dass Lukas Podolski im Spitzenspiel Bayern gegen Wolfsburg einen Elfmeter verwandelt hat. Welch herausragende Leistung für einen hochbezahlten Profi! Ich lese, dass es Stefan Effenberg mit seiner Nachbarin treibt. Ich lese, dass sich Jan Ulrich bei einem Interview total lächerlich macht. Ich lese, dass Anni Friesinger nicht beim Weltcup startet, da sie Fieber hat. Ich lese, dass ein ehemaliger HSV-Profifußballer, dessen Namen ich vorher nie gehört habe, in U-Haft sitzt. Ich lese, dass die DSV-Langlauf-Staffel keine Medaille gewinnt und nie eine Chance dazu hatte. Ich finde Berichte über Dallas Mavericks, wo der hoch bezahlte Dirk Nowitzki spielt, Meldungen über David Beckham und Didier Drogba und jede Menge Vorberichte zu den Spielen des nächsten Fußball-Bundesligaspieltages.

    Moment bitte. Bin ich hier als Sport treibender und sportbegeisterter Mensch im Allgemeinen und am Handball Interessierter im Speziellen einer Fehlinformation aufgesessen. Gab es da nicht ein paar tolle und positive Nachrichten von den deutschen Handball Bundesligisten. Oh, tatsächlich finde ich doch noch hier und da sogar einen Artikel über den gestrigen Kieler Sieg in der Champions League. Nicht überall und wenn, dann so an achter bis zwölfter Position. Das ist doch wenigstens etwas.

    Schon vor der Weltmeisterschaft wussten wir Anhänger der Randsportart Handball, dass zweite Plätze bei Olympia und der Weltmeisterschaft und eine gewonnene Europameisterschaft nicht genug sind, um die deutschen Sportredaktionen für Handball dauerhaft zu begeistern. Und jetzt scheint auch der WM-Titel nicht genug, um ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen. Was fehlt sind Aktaufnahmen von Florian Kehrmann, eine Liaison von Christian Zeitz mit Claudia Schiffer, ein Überfall von Markus Bauer auf die Lemgoer Sparkasse und abstruse Millionengehälter für die Topspieler. Erst dann, wenn neben der Leistung auch endlich richtige Storys geliefert werden, wird wohl der in diesem Forum gern gehegte Wunsch nach Medienpräsenz des guten, alten Handballsports erfüllt.

    Aber so ganz sicher bin ich nicht, ob ich mir das wirklich wünsche. Da ist mir der Status Quo mit dem DSF-Spiel der Woche und dem ein oder anderen Hallenbesuch doch lieber.

    Die Aussicht auf die Nichtpräsenz der anstehenden WM im Fernsehen und insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist nicht nur ernüchternd, sondern geradezu frustrierend.

    Mir fehlt dafür mittlerweile jegliches Verständnis.

    Handball ist – aus meiner subjektiven Sicht – schnell, athletisch, teilweise sogar akrobatisch und die Spitzenspiele bieten oft Spannung bis zur letzten Sekunde. Handball bietet mir, als generell sportinteressierten Menschen genau das, was mich als Zuschauer bei Sportveranstaltungen begeistern kann. Blitzschnelle Gegenstöße, Kunstwürfe von den Außenposition, Nolook-Pässe auf den Kreisläufer liefern Fernsehbilder, die ich ungleich faszinierender finde, als minutenlanges Ballgeschiebe im Mittelfeld eines Fußballplatzes oder 60 mehr oder weniger vergleichbare Sprünge von einer Schanze. Darüber hinaus ist die Sportart in den letzten Jahren gerade hier in Deutschland überaus erfolgreich. Die Nationalmannschaft war bei allen großen Turnieren ganz vorne dabei. Die Topteams der Bundesliga sind auch international in einer Position von der die Fußball Bundesligisten nur träumen können.

    Ich will damit weder sportlichen Wert und Attraktivität anderer Sportart im geringsten bezweifeln, sondern lediglich herausstellen, dass Handball beste Voraussetzungen für eine Fernsehsport mitbringt, nämlich Erfolg der „deutschen“ Mannschaften und viele attraktive Spielszenen.

    Dennoch spiegelt sich das nicht in der öffentlich-rechtlichen Sportberichterstattung angemessen wieder. Da stellt sich natürlich die Frage warum. Sicherlich verfügen die Handballverbände nicht über das Geld und auch nicht über die Professionalität wie die Fußballer, um ihre Sportart entsprechend zu platzieren. Und die GEZ-Sender verweisen bei Nachfrage auf das „mäßige Interesse“, das bisherige Übertragungen bei den Fernsehzuschauern ausgelöst hat. Das ist sicher richtig, allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, dass dieses Interesse eben auch durch Darstellung und Präsenz bei den Sendern erheblich mitbestimmt wird. Wenn eben einmal schnell in die zweite Halbzeit eines CL-Spiels der SG Flensburg-Handewitz umschaltet wird, dann noch aus einem Schweden ein Däne (Ljubomir Vranjes) gemacht und der Name eines internationalen Topspielers wie Blazenko Lackovic viermal hintereinander unterschiedlich und falsch ausgesprochen wird, dann ist dies bestimmt kein „Format“, um viele neue Fan zu gewinnen.

    Dies macht deutlich, dass das mangelnde Interesse insbesondere in den Sportredaktionen von ARD und ZDF wurzelt. Auch hier regiert der Quotenkult (trotz Gebührenfinanzierung) und das was bekannt ist, hat damit Vorrang vor dem Neuen, das erst einmal aufgebaut werden muss. Dabei würde ich insbesondere wegen der Gebührenfinanzierung erwarten, dass eine Sportart mit so erfolgreichen deutschen Vereins- und Nationalmannschaften entsprechend berücksichtigt wird. Und eine Weltmeisterschaft in Deutschland sollte bei jeder olympischen Disziplin von den öffentlich rechtlichen Sendern gewürdigt werden, ggfs. in den dritten Programmen der jeweiligen Veranstaltungsregionen.

    Ich bin überzeugt, dass bei einer attraktiveren Aufarbeitung der „Handballevents“ auch sprunghaft das Interesse beim breiten Fernsehpublikum steigen würde. Gerade die Handball-WM mit entsprechden Vorberichten und als Appetithappen ein paar der Topspiele des vergangenen Dezembers an attraktiven Sendeplätzen hätten beste Voraussetzungen dafür geboten. Allerdings fehlt eben hierfür offensichtlich die Lobby in den Sportredaktionen der GEZ-Sendern. Und damit können wir als Fans dieser Randsportart (mit eigentlich guter Tradition in Deutschland) frustriert in die Röhre schauen.