So und hier noch ein paar etwas näheres zu den jeweiligen Spielern ( entnommen der THW Homepage )
Morten bjerre
Nach drei Jahren im Dress des THW Kiel zieht es Morten Bjerre weiter zum HSV Hamburg. Am Mittwoch bestreitet der Däne sein letztes Heimspiel für den THW Kiel.
Morten Bjerre hatte es in seinen drei Kieler Jahren nicht immer leicht beim THW. Lange Zeit stand der dänische Nationalspieler im Schatten von Staffan Olsson, doch in den letzten anderthalb Spielzeiten präsentierte sich das Kraftpacket wieder als echter Rückraumshooter von Halbrechts.
Mit dem Beginn der kommenden Saison wechselt Bjerre nun zum HSV Hamburg. Aus Kiel verabschiedet er sich mit zwei Titeln. Sein Traum vom Deutschen Meistertitel hat sich erfüllt, den EHF-Pokal gab es obendrauf. "Ein bisschen wehmütig" blicke er auf seine Zeit beim THW Kiel zurück, sagt Bjerre. "Ich habe mich inzwischen richtig gut eingelebt, jetzt muss ich wieder von vorn anfangen." Trotzdem freue er sich auf einen Neubeginn. "Es hat seinen Reiz, in Hamburg am Aufbau von etwas ganz Neuem, Großem mitzuwirken."
Dass ihm seine Erfahrungen aus Kiel auf seiner nächsten Station zugute kommen werden, davon ist Bjerre überzeugt. "Ich habe mich in Kiel weiterentwickelt, durfte in der Champions League spielen und habe mit dem permanenten Druck in einem Spitzenverein zu leben gelernt. Das hat mich vorangebracht." Die kommenden drei Jahre in Hamburg sind nach Hameln, Flensburg und Kiel seine vierte Bundesliga-Station. Was danach kommt, weiß Bjerre, der am Donnerstag seinen 31-jährigen Geburtstag feiert noch nicht. "Solange ich kann und mein Körper durchhält, möchte ich weiter Handball spielen." Ob in Dänemark oder in der Bundesliga bleibt offen - Hauptsache er kann noch mit dem Auto nach Hause fahren. Er mag nicht gerne fliegen.
Davor Dominikovic
Für Davor Dominikovic hat sich der Traum eines längeren Vertrages beim THW nicht erfüllt. Er möchte weiterhin mit viel Ehrgeiz neue Herausforderungen annehmen und am liebsten in der Bundesliga bleiben. Nach eigenem Bekunden hat er auch schon Angebote, die sich schon bald konkretisieren lassen, doch da er als Kroate Nicht-EU-Ausländer ist, ist es nicht ganz so einfach. Er nimmt die Situation als Chance wahr: "Vielleicht ist es sogar besser für meine Handball-Karriere, in einer neuen Mannschaft kann ich mich besser weiterentwickeln, vor allem habe ich die Chance auf größere Spielanteile insbesondere im Angriff, in Kiel ist die Konkurrenz doch sehr groß."
Vor allem zu Beginn war der Druck für ihn sehr groß, schließlich ging es um seine Vertrags-Verlängerung. Doch nach der Entscheidung des Managements gegen ihn fühlte er sich "wie ein freier Mann". Zufrieden ist er dennoch mit dem Jahr in Kiel: "Michael Jordan hat im Alter von 33 Jahren nach sechs NBA-Triumphen gesagt, dass er jeden Tag lerne, das ist auch mein Motto: In jedem Spiel und in jedem Training zu lernen. Ich glaube, die Fortschritte, die ich gemacht habe, werden mir in Zukunft weiterhelfen."
Allerdings hätte er gern mehr gezeigt und sich als kompletter Spieler präsentiert. So konnte er sich "nur" als Abwehrspezialist Spielanteile erobern. Kiel war auf jeden Fall für ihn eine Reise wert, er hat neue Leute kennengelernt und Freunde gefunden, so dass die Förde in jedem Fall in positiver Erinnerung bleibt.
Staffan Olsson
1996 wechselte Staffan Olsson vom TV Niederwürzbach zum THW Kiel. Am Mittwoch bestreitet der schwedsiche Weltstar sein letztes Heimspiel für den THW Kiel.
Sieben Jahre lang prägte Staffan Olsson das Gesicht des THW Kiel, seit 1996 trug der Mann mit den langen Haaren nicht nur das schwarze-weiße Trikot, sondern auch maßgeblich dazu bei, die Zebras in der Spitze Europas zu etablieren. Selbst mit 39 Jahren zählt Olsson noch immer zu den schillerndsten Persönlichkeiten auf dem Parkett der internationalen Handball-Welt, der Ehrgeiz und Einsatzwille des "alten Schweden" sind beispielhaft. Anfang Juli zieht es ihn und seine Familie zurück in die schwedische Heimat. In Tumby vor den Toren Stockholms wartet das neue Zuhause, ein gelbes Holzhaus.
Sein Fazit fällt knapp, aber präzise aus: "In Kiel habe ich die beste Handball-Zeit meiner Karriere erlebt. Es war einfach wunderbar!" Eine gute Woche vor seinem letzten Auftritt als THW-Spieler in der Ostseehalle mochte er gar nicht an seine Abschiedsvorstellung denken. Es sei noch so weit weg, "nicht ich, sondern die anderen fangen inzwischen darüber zu reden an." Er selbst hofft viel mehr darauf, dass es in diesem Spiel auch sportlich noch um etwas geht. "Es wäre schön, wenn der Europapokalplatz noch greifbar wäre."
Eine Option auf eine weitere einjährige Vertragsverlängerung ließ Olsson bereits im Dezember verstreichen. Das Handballspielen lassen wird der geniale Linkshänder dennoch nicht lassen. In Hammarby, dem schwedischen Pendant des deutschen FC St. Pauli, will er seine Karriere in der Elitserien ausklingen lassen. Sein bester Kumpel ist dort Trainer und schaffte erst im vergangenen Jahr mit dem Kultklub aus der Hauptstadt den Aufstieg aus der zweiten schwedischen Liga. Nach der Rückkehr von Magnus Wislander freut sich ganz Schweden nun auf Staffan Olsson.
"Wir haben solange an dieses Ereignis gedacht, jetzt freuen wir uns, dass es endlich soweit ist", beschreibt Staffans Frau Marie die Gefühlslage der Familie, nicht ohne jedoch zu ergänzen: "Andererseits sind wir natürlich traurig, soviele Freunde und schöne Erinnerungen zurückzulassen." Tochter Hanna ist genau wie ihre Eltern in Stockholm geboren, hat aber die meiste Zeit ihres Lebens bislang in Deutschland verbracht. Trotzdem lässt sie keinen Zweifel: "Es geht nach Hause!" - selbst für ihren Bruder Henrik, den "gebürtigen Saarländer".
Christian Scheffler
"Wer kann in der heutigen Bundesliga-Zeit noch von sich behaupten, zwölf Jahre lang bei ein und demselben Verein gespielt zu haben?" Christian Scheffler darf es! Seit 1991, als "Ritchie" vom Regionaligisten TSV Ellerbek zum THW Kiel kam, trug er ausschließlich das schwarz-weiße Trikot. Nach über 310 Bundesliga-Einsätzen auf Linksaußen bestreitet Scheffler am kommenden Wochenende sein letztes Spiel für den THW Kiel, heute nimmt er Abschied von der Ostseehalle. "Nach zwölf Jahren Leistungssport muss irgendwann Schluss sein. Ich bin ziemlich stolz darauf, die bislang sportlich schönste Zeit des THW Kiel mitgenossen zu haben."
"Ich bin nicht traurig über meinen Abschied", sagt der 31-Jährige, "aber Wehmut kommt bestimmt. Doch die verfliegt." Vielmehr freut sich Scheffler auf seine ganz neue Art der Freiheit. "Diesen Luxus an Zeit werde ich intensiv leben." An erster Stelle stehen dabei seine Familie, seine Frau Anja und die beiden Söhne Simon (5) und Jannik (2), und die Freunde. Handball wird er "nur noch aus Spaß spielen". Der Polizeisportverein Kiel freut sich auf prominente Verstärkung - und Scheffler sich darüber, auch mal ein Training wegen anderer Termine problemlos absagen zu können. Beruflich hat er als Immobilienkaufmann längst Fuß gefasst.
"Irgendwann werden später sicher die Momente kommen, in denen man über alte Zeiten spricht", wird er beinahe schon jetzt ein wenig nostalgisch. "Die Meisterschaften, die Feiern auf dem Rathausmarkt, die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta - das wird mir immer in Erinnerung bleiben." Seine Mutter habe jeden Zeitungsartikel über seine Karriere gesammelt, inzwischen müssten 16 oder 17 dicke Aktenordner im Keller gleich neben der Fotowand stehen. "Ich habe in meiner Laufbahn im Prinzip alles mitgemacht", blickt Scheffler zurück. "Ich kam als junger Spund zum THW Kiel, hatte zunächst Uwe Schwenker auf meiner Position vor mir, verdrängte ihn dann aber irgendwann, wurde sogar Nationalspieler und spielte zeitweise 60 Minuten beim THW durch, ehe dann Nikolaj Jacobsen kam, ich zurück ins zweite Glied rutschte und sogar phasenweise wieder nach Verletzungen auf der Tribüne saß." Die Erfolge der vergangenen Jahre sprechen für sich. "Ein Baustein dieser Erfolgsgeschichte zu sein, macht mich sehr stolz. Ich glaube, wenn das letzte Spiel abgepfiffen und das Licht ausgehen wird, kommt die Wehmut ganz bestimmt. Ich habe mich hier immer wohlgefühlt."
Martin Schmidt
Wenn er etwas macht, dann macht er es ordentlich. Und daher hat Martin Schmidt schon vor einiger Zeit beschlossen, mit dem Ende dieser Saison seine Bundesliga-Laufbahn zu beenden. "Die Zeit ist einfach reif um aufzuhören", sagt Martin Schmidt. "Handball beim THW Kiel ist ein Fulltime-Job. Und dem kann ich nicht mehr in entsprechender Weise nachkommen." Seit einigen Jahren fährt der 33-jährige Betriebswirt beruflich nun schon zweigleisig, zudem ist er vor neun Monaten das erste Mal Vater geworden. "Mehr Opfer kann und will ich nicht mehr erbringen." Inzwischen sei ein Maß erreicht, an dem er sich nicht mehr auf alles gleichzeitig konzentrieren könne. "Meine Familie und der neue Job gehen nun vor." Ab dem 1. Januar nächsten Jahres soll er die Geschäftsleitung des Lernzentrums in Lensahn, einem privaten Bildungsträger, übernehmen. Derzeit assistiert er noch seinem Vorgänger.
Derzeit klingt das "Ich höre auf" für Schmidt selbst allerdings noch "ziemlich unreal. Zwar kommt das Ende immer näher, aber es ist so ungreifbar - ich weiß noch nicht, was das wirklich ist." Allerdings sei er keineswegs traurig, der Abgang lange Zeit geplant. "Trotzdem ist es komisch. Das letzte Heimspiel wird sicher ein ganz besonderer Tag." Auch wenn sein letztes nicht das schönste Jahr seiner Karriere war, so hatten doch alle zwölf Jahre beim THW Kiel ihren eigenen Reiz. "Ich bin froh, dass ich überhaupt solch eine Karriere habe machen können", erinnert sich Schmidt noch an seinen Wechsel aus der Regionalliga auf das Bundesliga-Parkett der Ostseehalle. "Eine schöne Zeit geht einfach zuende."
Was bleibt, sind jede Menge Erinnerungen an sportliche Höhepunkte, gewonnene Meisterschaften und die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Selbst das verlorene Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona ist für Schmidt im Nachhinein "keine Niederlage, sondern eigentlich ein echtes Highlight." Tiefpunkte seien in solch einer langen Laufbahn natürlich. "Keiner wird über zwölf Jahre auf einem konstant hohen Niveau spielen können. Die Frage ist doch nur, wie man mit Tiefpunkten umgeht und wie man immer wieder da heraus kommt. Und dieser Aufgabe habe ich mich immer gestellt."
Ob er noch einmal alles genauso machen würde? "Ich könnte mir durchaus vorstellen, wieder zwölf Jahre beim THW Kiel zu spielen. Ob ich dann jedoch noch einmal alles genauso machen würde, das ist eine ganz andere Sache. Insgesamt war es eine ziemlich runde Geschichte."